Ein typisch rechteckiger Bau mit noch zwei Türmen

Vom Reiz der Leere – Das Stauferkastell in Trani

Trani - Kathedrale und Stauferkastell

Trani – Kathedrale und Stauferkastell

Wenn der Besucher in die apulische Hafenstadt Trani kommt, dann sollte er natürlich nicht nur die bereits beschriebene Kathedrale besichtigen, sondern sich auch in das gut erhaltene und seit 1998 vollständig restaurierte Kastell begeben. Davon, dass es im 19. Jahrhundert als Provinz-Gefängnis diente, ist nichts mehr zu sehen. Tatsächlich erinnert an die Moderne nur ein Uhrenturm, der sich jedoch unaufdingtlich in das Gesamtbild einfügt.

IMGP0145Da in dem Gebäude kaum etwas anderes herumsteht, als mit einem Fotoapparat bewaffnete Touristen, kann man das Gebotene mit etwas Fantasie beliebig ausfüllen. Man kann sich zum Beispiel vorzustellen versuchen, wie die Ritter und Damen des Mittelalters durch die hohen Hallen gewandelt sind und im Winter so Nahe am Wasser vermutlich oft gefroren haben und klamm waren.

IMGP0143Vielleicht versucht ihr euch auch, eine mittelalterliche Hochzeit vorzustellen, wie die von Manfred, Sohn aus der Verbindung des in Apulien allgegenwärtigen Stauferkaisers Friedrich II. und dessen langjähriger Geliebten Bianca Lancia, mit Elena Ducas, die hier stattgefunden hat. Leider ist auch dieser Verteidigungsbau des berühmten Staufers gänzlich ohne Einrichtungsgegenstände, so dass es vielleicht doch gar nicht so leicht fällt, sich etwas in den sandsteinweißen Räumen aus dem 13. Jahrhundert vorzustellen. Probiert es einfach mal aus und seht selbst (5 Euro, ermäßigt 3)!

IMGP0151 IMGP0148 IMGP0146 IMGP0140

Spannenlanger Hansel . . .

IMGP0484

Eine hält sich noch am Baum fest.

Abgeschüttelt

Abgeschüttelt

Wir haben zwar keinen Garten, in denen wir Birnen schütteln gehen könnten, aber der Zwergbirnbaum auf unserer Terrasse hat sich den Sommer über mit drei Birnen getragen, von denen gestern der Wind zwei abgeschüttelt hat. Seit dem habe ich das o.g. Kinderlied im Kopf und freue mich über den kleinen Erfolg, den ich kaum für möglich gehalten und vermutlich nur Ginas unermüdlichem Eifer beim Düngen zu verdanken habe.

Einen schönen Herbst euch allen!

Herbstastern

Romantischer Verfall

Episkopalschloss

Bischofsschloss von Grottaglie

Die von mir wegen ihrer vielen Keramikwerkstätten sehr geliebte Stadt Grottaglie ist aus einem mittelalterlichen Lehen hervorgegangen und wurde mit dem Bau des Bischhofsschlosses, das über dem Keramikviertel thront, im 14. Jahrhundert zum Sommersitz der Bischöfe von Taranto erhoben. Das Schloss ist sehr gut erhalten und kann besichtigt werden. Es beherbergt heute eine Keramikausstellung.

IMGP0247-1

Hofansicht

 Töpferscheibe vor dem Museumseingang


Töpferscheibe vor dem Museumseingang

IMGP0243-1

Weihnachtskrippe mit Keramikfiguren

IMGP0244-1

Schlosshof

Vor dem Schloss hingegen befindet sich ein kleiner mittelalterlicher Garten mit einer staubigen Freifläche, einem Laubengang und einer Erhebung, die wie eine Bühne wirkt. Die Anlage wurde scheinbar dem Zahn der Zeit überlassen und macht daher einen romantisch verwunschenen Eindruck. Bei schönem Wetter und mit entsprechend guter Laune kann man sich daran erfreuen. Eigentlich müsste man sich darüber wundern, warum man ein solches Kleinod mitten in der Stadt so herunterkommen lässt.

IMGP0239-1

Mit wem der Bischof hier wohl lustwandelte?

IMGP0233-1

Hier gärtnert Mutter Natur

Eintritt verboten?

Eintritt verboten?

Vermutlich eine Pumpe

Vermutlich eine Pumpe

Kaisertüren

IMGP0387Auf dem Rückweg zum Auto nach unserem Schlossbesuch in Gioia delIMGP0389 Colle wurden wir von einer großflächigen Bemalung angezogen. Von einer zugemauerten und verputzten Tür an einer sonst bröckeligen Wand prangte ein mittelalterlich anmutender Ritter. Doch sogleich zog es uns weiter, der Spur von aufgemalten Hunden folgend zu einer nächsten bunten Tür. Bei der Dritten glaubten wir dann nicht mehr an Zufall oder besonders kreativ veranlagte Altstadtbewohner und lasen uns das neben der jungen Frau angebrachte Schild durch. Demnach handelte es sich um ein Kunstprojekt und eine Darstellung Bianca Lancias.

Viel mehr war der Beschriftung allerdings nicht zu entnehmen, doch eine InternetrechercheBianca Lancia brachte hinterher ans Licht, dass sich im Sommer 2012 mehrere Künstler unter Führung eines Mario Pugliese von der Atmosphäre des Stauferkastells anstecken und zum Projekt „Die Kaisertüren“ („Le Porte dell’Imperatore“) hinreißen ließen. 15 Türen typischer Altstadthäuser Gioias wurden also mit Pinsel und Farbe verschönert und lassen bis heute Touristen vom gradlinigen Weg zwischen Kastell und Auto abkommen. Uns hat’s gefallen.

IMGP0391

Bezaubernde Illusion

IMGP0394

Geheimnisvoller Innhof ohne Bemalung

IMGP0393

Friedrich II. auf seinem Thron

IMGP0398 IMGP0397 IMGP0396 IMGP0395

Bianca, pack deine Brüste ein!

Innenhof

Innenhof – Stauferkastell von Gioia del Colle

Historiker und Stauferfans finden in Apulien reichlich Gelegenheit ihr Steckenpferd zu reiten. Ich hab’ mal eine Karte im Kastell von Trani fotografiert, in der alle geöffneten, geschlossenen und auf Anfrage zu besichtigenden Burgen eingezeichnet sind. Da wird deutlich, dass Apulien sehr viel mehr zu bieten hat, als „nur“ das berühmte Castel delPentax Digital Camera Monte oder das Castello Svevo von Bari – zum Beispiel auch ein Kastell in Gioia del Colle, etwa 20 Autominuten südlich von Bari auf halbem Weg nach Taranto.

Torbogen

Torbogen – Innenansicht

Die hohen Mauern wirken nicht gerade einladend, aber das war wohl auch der Sinn bei einem Verteidigungsbau. Der Aushang auf dem steht, dass an jedem ersten Sonntag im Monat der Eintritt in das Museum gratis ist, hätte uns jedoch auch hinein gelockt, wenn wir nicht extra deswegen nach Gioia gefahren wären (sonst 5 Euro, ermäßigt 3). Wir passieren ein kleines Tor und schon stehen wir in einem rechteckigen Innenhof, den ich bereits von anderen Stauferkastellen gewöhnt bin. Wo sind die voluminösen Ecktürme? Ja, richtig, zwei vonKamin in Thronsaal ursprünglich vier Türmen stehen noch. Das Schloss macht einen gut erhaltenen Eindruck. Es gibt eine große Freitreppe, im Obergeschoss in jedem größerem Raume einen Kamin… und natürlich müssen wir uns auf den Thron setzen, um ein bisschen Quatsch zu machen. Irgendwie werde ich in Schlössern immer zum Kind. Da macht es auch gar nichts aus, dass wir hinterher lernen, dass die tolle Freitreppe aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts stammt und die Ausstattung des Thronsaals mit allen Sitzgelegenheiten und den Kaminen eher „historisch nachempfunden“ wurde. Nach dem völlig leeren Castel del Monte und dem ebenso nackte Wänden des Kastells von Trani wirkt das aufgehübtschte Mittelalter in Gioia geradezu heimelig.

noch mehr HofNatürlich gibt es auch – wie zu jedem ordentlichen historischen Gebäude – eine blutige Geschichte. Die erfahren wir im Südost-Turm, dem sogenannten Kaiserinnenturm: Hier befanden sich dereinst die Gemächer von Bianca Lancia, einer Geliebten Friedrichs II., die ihm den gemeinsamen Sohn Manfred gebar. Auf Befehl des eifersüchtigen Friedrichs soll die schwangere Bianca im Kaiserinnenturm eingekerkert worden sein, da er sie einer Beziehung mit ihrem Pagen verdächtigte.

Nach der Geburt Manfreds, stellte sich jedoch heraus, dass er dasselbe Mal wie Friedrich II. aufMiez Miez der linken Schulter trug. Statt nun triumphierend zu lachen und sich eine üppige Wiedergutmachung zu erschmollen, schnitt Bianca sich beide Brüste ab und ließ diese gemeinsam mit ihrem Kind zum Stauferkaiser bringen. Klar, dass sie diese Selbstverstümmelung nicht überleben konnte und der Legende nach in dem Turm gestorben sein soll. Wenn ihr mich fragt, hat sich ein Mann diese Geschichte ausgedacht; vermutlich einer mit einem gestörten Verhältnis zu Frauen und/ oder Brüsten. Es ist mir auch nicht ganz klar, wie Frau Lancia sich derart verletzt noch mit Friedrich vermälen konnte, um Manfred zu legitimieren, aber man muss ja auch nicht alles verstehen. Manchmal reicht es schon, wenn nur genug Blut spritzt.

Pentax Digital Camera

Ausgrabungsfunde

Von dieser erschütternden Geschichte kann man sich dann auf dem Rundgang durch eine kleine, aber feine Ausstellung mit Ausgrabungsfunden, die aus dem 6. bis 3. Jahrhundert. v. Chr. stammen, erholen. Wer das dazugehörige Ausgrabungsgebiet „Monte Sannace“ unweit von Gioia del Colle besuchen möchte, sollte an der Kasse des Kastells auch gleich Karten erwerben. Sonntagvormittags finden Führungen statt. Das machen wir sicher einmal an einem anderen Sonntag.

Immer noch schlaflos in Triggiano

Teil 1 verpasst? Hier vor-lesen!

Hinstreben zur Bühne

Die Nacht wird zum Tag gemacht

Nachdem Triggiano das vorletzte Wochenende zum Feierwochenende der Mutterkirche „Santa Maria Veterana“ erklärt hatte, waren wir bereits an zwei Morgen mit Kanonendonner und mit mehrstündiger Blasmusik unterhalten worden – nur dass am Sonntag die Kapelle tagsüber „Rigoletto“ für die abendliche Vorstellung übte. „Ich wünschte, wir könnten irgendwo hinfahren!“, seufzte ich, als wir unsere Trost-Waffeln aufgegessen hatten.

Die Kapelle spielt Rigoletto

Ausruhen und Musikhören

Das war jedoch leichter gesagt als getan. Am Sonntag hat die regionale Eisenbahngesellschaft „Ferrovie del Sud Est“ ihren freien Tag, d.h. sonntags fahren keine Züge. Und unser Auto stand noch beim Karosseriebauer, denn just eine Woche zuvor hatte ein vecchio rimbambito Auto fahrender Mitmensch versucht, die geöffnete Fahrertür unseres kleinen Pandas aus ihren Angeln zu reißen. Das war ihm zwar nicht gelungen, aber ausgetauscht werden musste sie doch und das dauerte eben ein paar Tage.

Wir waren also buchstäblich gefangen in der Stadt der feierwütigen Katholiken.

Also nutzte ich auch den Sonntagvormittag dazu, auf meiner Terrasse Kartoffeln und Mohrrüben schälend alte Hörspielkassetten auf meinem etwas weniger alten Walkman zu hören. Im Ofen schmorte trotz der sommerlichen Wärme ein Kaninchen und die Aussicht auf ein Gericht ohne Tomatensauce und Nudeln machte mein Leiden an der italienischen Tradition einigermaßen erträglich.

Opas auf der Bank

Opas auf einer Bank

Nach einer abendlichen Geburtstagsfeier bei Luigis Cousine stürzten wir uns dann in das Getümmel in der Altstadt, um die Feier fotografisch festzuhalten. Ein üppiger Lichterschmuck in der Hauptstraße der Altstadt und vor der „Chiesa Madre“ sorgte dafür, dass diese Straßen fast taghell erleuchtet waren, so dass ich auch mit meiner Schnappschusskamera ein paar Szenen einfangen konnte. Um den Rathausplatz drängten sich Stände von Schuh-, Taschen-, Schmuck-, CD- und anderen Verkäufern. Es gab eingelegte Oliven und allerlei Nüsse. Ein paar Frauen der Gemeinde frittierten kleine Polentafladen, die in Triggiano unter dem Namen „sgagliozze“ offensichtlich zu jeder größeren Feier dazugehören. Und natürlich gab es für die ganz Kleinen auch jede Menge Luftballons und sinnloses Plastikspielzeug zu kaufen.

Pentax Digital Camera

Altar nach draußen verlegt

Vor und in den Türen der Mutterkirche drängten sich die Gläubigen. Für alle die, die es nicht bis drinnen schafften, hatte man außen einen „Altar to go“ aufgebaut, neben dem es gegen eine kleine Spende noch ein DIN A4-großes Bild der Madonna mit einem dazugehörigen Gebet zu erwerben gab, damit man die Frömmigkeit auch mit nach Hause nehmen konnte. Und wer mit der Religiosität schon abgeschlossen hatte, fand Rast auf den Stühlen vor dem kleinen Pavillon. Dort erhoben sich gegen neun die Töne der Rigoletto-Ouvertüre in den bunten Nachthimmel und Rigoletto begleitete uns dann auch gegen halb elf ins Bett, denn länger konnte ich mich nicht mehr auf den Beinen halten.

Lichtergasse

Alles strebt zur Piazza hin

Mit der trügerischen Nachtruhe war es jedoch gegen Dreiviertel eins (für alle westlich der Elbe aufgewachsenen: Viertel vor eins) schon wieder vorbei. Nach dem morgendlichen Kanonendonner musste in der Nacht nun plötzlich ein Krieg ausgebrochen sein. Es knallte und zischte und, obwohl unser Rollladen nur auf Lüften gestellt war, wurde das Schlafzimmer taghell erleuchtet. „Mhm, Feuerwerk…“ gähnte ich und quälte mich aus dem Bett, um durch die Rollladenritzen schmulend ein wenig zuzusehen. Ja, sie hatten sich nicht lumpen lassen! Es gab Feuerschweife, buntschillernde Explosionen – gelb, rot, blau, weiß, gold – Glitzerkugeln, die prasselnd in unzählige Sterne auseinander platzten, Lichterfluten, die sich bis hoch in den Himmel schraubten, ihn minutenlang ausfüllten und dann zusammenfielen, während Rauchschwaden über die Häuser zogen. Zufrieden fiel ich nach dem vermeintlich letzten Knall ins Bett zurück und hatte mich gerade wieder in mein Laken eingewickelt, als der ganze Spaß von Neuem losging. „Die spinnen doch!“ stöhnte ich und versuchte einen pochenden Kopfschmerz zu ignorieren. Luigi legte mitfühlend seine Hand auf mein Bein und murmelte etwas, das wie „ist bestimmt gleich vorbei“ klang. Das „Gleich“ dauerte dann aber noch einmal mindestens zehn Minuten. Und in einen ruhigen Schlaf fand ich die ganze Nacht nicht mehr. Statt dessen träumte ich von meinem toten Opa, der im zweiten Weltkrieg gedient hatte, und wachte eine Viertelstunde vor dem Weckerklingeln schweißgebadet auf.

Luftballons und was man sonst so braucht

Luftballons und was man sonst so braucht

Ich mach’s jetzt mal kurz, denn wen interessiert schon die Schlaflosigkeit anderer Leute: Montagabend um neun feuerwerkte es von uns aus gesehen hinter der Altstadt und Montagnacht, als ich nie im Leben mit einem weiteren Feuerwerk gerechnet hatte, musste jemandem noch eine vergessene Kiste mit Knallkörpern in die Hände gefallen sein. Jedenfalls gab es gegen eins noch einmal zwanzig Minuten Feuerwerk, bei dem mir aber schon gar nicht mehr nach Ironie oder Stöhnen sondern nur noch nach Mord zumute war. Doch auch das haben wir überstanden und nächstes Jahr Ende September bin ich bestimmt nicht zu Hause.

Eine dreitägige Feier ist einfach zwei Tage zu lang.

ps: Auch in dieser Woche gab es reichlich Feuerwerk – und zwar am Sonntag, Montag und gestern im Rahmen der Festwoche des Heiligen Franziskus, allerdings zu sympathischeren Zeiten: abends gegen acht oder neun Uhr. Das lob ich mir und schau auch gerne zu.

Schlaflos in Triggiano

Gedränge vor der Kirche

Feierlustige vor der Kirche Santa Maria Veterana

Ich habe in meinem ganzen Leben zusammengenommen nicht so viel Feuerwerk gesehen und Krawall gehört, wie in den zwei Jahren, in denen ich in Triggiano wohne. Immer wenn eine Kirche ihren Namenspatron oder die Namenspatronin feiert, gibt es ein abendliches Feuerwerk. Da es viele Kirchen und auch noch andere kirchliche Feiertage gibt, hat man fast das Gefühl, das die Feuerwerke gar nicht aufhören. Wenn nun aber die Mutterkirche, namentlich „Santa Maria Veterana“, feiert, dann wird richtig tief in die Tasche gegriffen.

Damit die Taschen auch gut gefüllt sind, wird schon im späten Frühjahr damit begonnen, an die Türen der Altstadtbewohner zu klopfen und um Spenden für das Fest zu bitten. An dieser Stelle möchte ich inständig darum ersuchen, dass in Anbetracht meiner aufgrund von Schlafmangel angegriffenen Nerven, im nächsten Jahr weniger gespendet wird. Inständig! Bitte! Sonst bleibt mir im nächsten September nur, entweder zum Gewaltverbrecher zu werden und mehrere Personen zu meucheln oder in diesen Tagen auszuwandern. Noch einmal halte ich das nämlich so nicht durch!

Das heilige Fest begann am Freitag mit einem von einer Blaskapelle und anderer Musik begleiteten historischem Umzug durch die Hauptstraßen. Da fand ich ein bisschen musikalische Abenduntermalung noch ganz nett. Die Jugend Triggianos übte sich danach schon mal im Böllerwerfen. Geschenkt! Es war Freitagabend und damit Wochenende – wer wollte sich da aufregen. War ja auch nicht mein Geld, was sie da wegwarfen.

Am Samstag früh kurz vor acht, dröhnte plötzlich ein Kanonenschlag direkt neben meinem Bett (also gefühlt). Ich riss die Augen auf, versuchte erfolgreich die verschwommenen Zahlen auf dem Wecker zu erkennen und sank wieder in mein Kissen zurück. Während ich noch überlegte, ob ich gerade aus einem schlechten Traum aufgewacht war, dröhnte der nächste Kanonenschlag durch die morgendliche Stille. Also kein Traum. Doch da erübrigte sich schon alles Denken, denn nun ging es Schlag auf Schlag – 10 Minuten. Danach war ich wach. Unsere Katze Gina auch. Aber vielleicht kratzte sie trotzdem nur zufällig an unserer Schlafzimmertür und miaute wie irre.

nochmal Pavillion

Pavillon am Abend

Am Samstagvormittag spielten sich eine oder mehrere Blaskapellen in einem eigens für das Fest aufgestellten Pavillon im historischen Stadtzentrum für die abendliche Unterhaltungsmusik ein. Luftlinie befanden wir uns nur 200 Meter vom Tatort entfernt. Es war 35 Grad warm. Es war schwül. Und an ein Schließen der Fenster war nicht zu denken. Nach einer Stunde tat ich etwas, was ich schon seit Jahren nicht mehr getan hatte: Ich legte zwei Batterien in meinen alten Walkman – ja, er funktionierte noch – und hörte eine Karl May Hörspielkassette, während ich bei leichtem Wind im Schatten auf der Terrasse herumwerkelte. Die Geschichte von Winnetou klang an einem solchen Tag doppelt so religiös wie damals, als der Walkman noch neu gewesen war. Am Abend machten wir den Fernseher etwas lauter als sonst und trotz Seniora Annas Terrassenparty mit Kindern, Enkeln und Urenkeln sah ich schon gegen ein Uhr zum letzten Mal auf den Wecker. Komisch, dass es gar kein Feuerwerk gegeben hatte.

Dann muss ich wohl geschlafen haben bis… ja, bis sich am Sonntagmorgen wie schon am Vortag gegen acht Uhr die Kanoniers ein erneutes Stelldichein in unserer Nähe gaben. Kanonendonner ist etwas sehr Spezielles. Zuerst hört man einen dumpfen Knall und kurz darauf ein richtiges Krachen. Knall! Boom! Knall! Boom! … Nein, Leute, es half auch nicht, sich ein Kopfkissen über die Ohren zu ziehen. Also fluchte ich irgendwas von „Sch…katholiken“, „Das kann doch wohl nicht wahr sein!“, „Sind die denn bescheuert?! Am Sonntag auch noch!“ … u.s.w. Dann entschuldigte ich mich bei Luigi und ging, uns Waffeln zum Frühstück machen.

Fortsetzung folgt