Die schönste Mülleimeraufbewahrungsholztruhe der Welt

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Holztruhendeckel im Originalzustand

Bis vor einem Jahr gab es in Triggiano noch riesige Gemeinschaftsmüllkontainer am Straßenrand. Die quollen trotz regelmäßiger Leerung schon nach einem Tag im wahrsten Sinne des Wortes über und ergossen sich auf den sie umgebenden Straßen- und Fußwegbereich. Wilde Hunde und Katzen taten ihr Übrigens, wenn sie in der Nacht in den Müllbeuteln nach Abfällen suchten, um diese Müllkontainer zu einer “vergogna” zu machen – einer “Schande” um es mal verharmlosend mit Mamma Marias Worten auszudrücken.

Im letzten Jahr kam dann ein genialer Triggianese auf die Idee, die Mülltrennung bei uns einzuführen. Die Müllkontainer verschwanden über Nacht. Statt dessen bekam jeder Haushalt kleine Mülleimer für Papier, Biomüll und Diverses, sowie gelbe Säcke für Plastikmüll, die nun nach einem festgelegten Wochenplan zur Leerung vor die Haustür gestellt werden müssen. Abgesehen von den anfänglichen abendlichen Diskussionen um den richtigen zu entsorgenden Abfall funktioniert das System recht gut.

Der Lack ist ab

Der Lack ist ab

Den Spitzfindigen unter den Mitmenschen, die statt der Eimer lieber Plastiktüten mit ihrem Müll vor die Haustüren drapierten, um nicht am nächsten Morgen die entleerten Eimer wieder hochholen zu müssen, wurde durch freundliche Schreiben von der Hausverwaltung bald klar gemacht, dass das erstens den Bemühungen um eine sauberer Stadt völlig zuwider lief und zweitens mit einem Ordnungsgeld bestraft werden könne. So weit, so gut.

IMG_7587Als wir im letzten November endlich in unsere Traumwohnung einziehen konnten, holten wir die uns zustehenden Eimerchen und eine Rolle Säcke vom zuständigen Büro ab. Leider waren die Papiereimer ausgegangen. Doch zu dieser und auch in der folgenden Zeit hatten wir noch so viele Pappkartons, dass uns das Fehlen des Papiereimers nicht unangenehm auffiel. Erst, nachdem Luigi mehrmals im Laufen von drei Monaten vergeblich nach einem Papiereimer gefragt hatte, wurden wir ein wenig ungeduldig und der Fragerei müde.

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Ausbessern von größeren Löchern und Zwischenräumen

Just in diesen Tagen ergab es sich jedoch, dass ein starker Sturm über Triggiano hinwegfegte. Zufällig geschah das an einem Montagvormittag, an dem die Papiereimer zum Entleeren vor die Tür gestellt werden mussten. Noch Tage später sah ich herrenlose Eimer am Straßenrand liegen oder stehen, die der Wind durch Triggiano gepustet hatte und die von ihren Besitzern nicht wiedergefunden worden waren. “Brauchst nicht mehr wegen eines Eimers fragen zu gehen.”, sagte ich daher eines Abends zu Luigi. Der war nicht böse darüber.

IMG_7589Doch drei Mülleimer und einen gelben Sack möchte man nicht gerne in seinen vier Wänden aufbewahren. Ganz abgesehen davon, dass sie selten farblich oder materialmäßig zur Einrichtung passen dürften, entwickeln sich auch bei noch so häufiger Abholung oder Entleerung zwangsläufig Gerüche. Also raus mit ihnen auf den Balkon oder die Terrasse! Davon haben wir ja genug. Allerdings fand ich es nicht witzig, dass schon ein paar Tage später ein erneuter Sturm sämtliche Eimer und deren Inhalt zwischen die Blumenkübel und in die Terrassenecken fegte. So entstand die Idee für eine Mülleimertruhe.

Eine Holztruhe, die schon so alt schmeckte, dass die Holzwürmer sie bereits wieder verlassen hatten, fand sich bei einem Verwandten, der sie uns gerne überließ. Ich missbrauchte sie zunächst als Aufbewahrungsmöglichkeit für Dünger, Farben und andere Kleinigkeiten, aber ihr endgültiges Schicksal war schon lange vor diesem Sommer besiegelt worden.

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Ab in die Kiste!

Die im Sommerloch frei gewordenen Stunden nutzte ich also, um mit Spachtel, Schleifgerät, Holzausbesserungspaste, Imprägnierung und Lasur die wohl schönste Mülleimeraufbewahrungsholztruhe diesseits des Äquators, vielleicht sogar der ganzen Welt zu erschaffen. Ein paar Scharniere, Rollen und einen Messinggriff hat es mich auch noch gekostet, aber nun ist die Gefahr von Fischgräten und Hähnchenknochen zwischen den Geranien endlich gebannt. Die Herbststürme können kommen. Na, gut, also nicht gleich. Kosten wir erstmal den Sommer aus. Es gibt noch so viel zu tun.

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Federicos Feigen

Das Terrassengärtnern auf unserer Traumwohnungsterrasse ist nicht immer befriedigend. Beispielsweise finden sich ständig unliebsame Tiere ein, die Blätter anfressen, Pflanzensäfte aussaugen, Gespinste weben und mir auf diese Art die Laune verderben. Unsere Zitrusbäume wachsen zwar, aber verlieren trotz regelmäßiger Düngung und guten Zuredens immer wieder die angesetzten Früchte. Aktuell lässt mich ein Kumquat-Bäumchen hoffen, aber verlässlich war bisher nur Federico.

Federicos Feigen

Freude an Feigen

So bietet unser Feigenbaum auch in diesem Jahr wieder Anlass zum Gärtnerstolz. Ich habe an die 70 Feigen gezählt, die mein kräpeliger Freund hervorgebracht hat. Davon sind einige bereits lila und damit reif und andere haben sogar eine beachtliche Größe erreicht.

Super, wenn man also beim abendlichen Gießen auch noch ein paar süße Feigen naschen kann. Noch besser schmecken sie aber mit einer Kugel Eis und Schokoladenlikörtopping.

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Crepes in Giovinazzo

2014-07-25 20.23.57„Ich fahre im Sommer jedes Wochenende nach Giovinazzo.“, erklärte mir einer meiner Schüler vor wenigen Wochen. 2014-07-25 20.28.35Nirgends sonst träfen sich so viele Jugendliche an der Strandpromenade und man könne Leute aus aller Welt kennenlernen. Also los! Auf in den für meinen Mittzwanziger so anziehenden Melting Pot der Kulturen!

2014-07-25 20.27.45Mit dem Auto ist man in etwa 20 Minuten in dem kleinen, zwischen Bari und Molfetta gelegenen Städtchen angekommen. Die gut ausgeschilderte Altstadt schiebt sich auf einer Landzunge ins glasklare Wasser der Adria hinein und bildete schon vor Jahrhunderten ohne künstliche Mole einen natürlichen Hafen. Schnell stellten wir fest, dass hier tatsächlich viele Jugendliche, aber auch ganze italienische, deutsche (vielleicht auch österreichische), französische und englischsprechende Touristenfamilien unterwegs waren und die kühlen Abendstunden am Hafen sowie in den Restaurants der Altstadt genossen. Diese familiäre Multinationalität könnte nicht zuletzt daran liegen, dass sich in nur 15 Minuten Laufweite vom historischen Zentrum ein riesiger Campingplatz, der Campeggio La Baia, befindet.

In der Vergangenheit gelangte Giovinazzo zu bescheidener Bedeutsamkeit, weil es an der römischen2014-07-25 21.49.43 Handelsstraße Via Traiana lag. Aus diesem Grund wurde die Siedlung schon früh befestigt und mit einer dicken Stadtmauer versehen.

Natürlich gibt es auch zahlreiche Kirchen und die obligatorische Kathedrale, denn im 5. Jahrhundert wurde Giovinazzo Bischofssitz.

Wir kehrten an diesem Abend auf Wunsch der uns begleitenden italienischen Verwandten in einer Creperia ein und stärkten uns nach unserem gemütlichen Altstadtbummel mit herzhaften und süßen Crepes.

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5 Expertentipps zum Überleben bei Sommerhitze

Wie hält man es nur wochenlang bei über 30 Grad Grad aus, ohne physische und psychische Schäden davonzutragen? Gute Frage. Besonders im apulischen Sommer, in dem die Temperaturen durch den warmen Wüstenwind Scirocco, der gelegentlich aus Afrika zu uns herüber weht, gern auch mal deutlich die 40 Grad-Marke knacken.

Ich habe eine gefragt, die es wissen muss – nämlich unsere Findelkatze Gina. Sie hat sich sofort erboten, uns in die Geheimnisse ihres stets vergnüglichen Lebens bei beliebig hohen Temperaturen einzuweihen. Daher möchte ich die Chance nutzen, heute ihr erprobtes Überlebensprogramm für Jung und Alt mit den geneigten Lesern dieses Blogs zu teilen. (Zur Nachahmung für Menschen teilweise empfohlen.)

1. Ein wenig Yoga am Morgen 

tägliches Joga

Yoga für Katzen

Den Sonnengruß kann man auch im Liegen durchführen. Gut für alle, die mit dem Gleichgewicht noch Probleme haben.

2. Ganz wichtig: viel trinken!

ausreichend Wasser trinken

Schau mir in die Blubberblasen, Baby!

Vor dem Sport, nach dem Sport und natürlich ebenso beim Herumliegen auf dem Drucker Arbeiten am Computer – die Wasserflasche sollte immer in greifbarer Nähe stehen.

3. Die geistige Fitness nicht vernachlässigen

geistige Fitness durch puzzeln

Das passt schon.

Wer in Ermangelung an Gelegenheit keine Mäuse fangen kann, kann sie sich wenigstens mit Hilfe eines “Die Sendung mit der Maus”-Puzzles ins Wohnzimmer holen. Soziale Kontakte zu pflegen ist gleichzeitig auch möglich.

4. Leichte Gartenarbeit nach der anstregenden Puzzelei

Platz ist im kleinsten Blumentopf

Hat man den nirgends seine Ruhe!

Obwohl in manchen Blumentöpfen wirklich kaum noch Platz ist und beispielsweise der Zugang zum giftigen Oleander durch Holzstäbe zusätzlich erschwert wird, rollt sich die gewissenhafte Katze täglich zur Kontrolle des Pflanzenwachstums und der Bodenqualität durch alle Töpfe.

5. Ausreichend Schlaf 

sich mal rund machen statt immer nur lang

Sich mal rund machen statt sich auszustrecken

Wenn man des Nachts wegen der Wärme nur schlecht schlafen kann, sind kleine Nickerchen zwischendurch hochwichtig; zum Beispiel nach dem ersten Frühstück, nach dem zweiten Frühstück, nach dem Mittagessen und von vier bis sechs Uhr abends. … hier sollte man auch gern mal unterschiedliche Schlafplätze ausprobieren.

Schlaf

“Sich rund machen für Anfänger” – auf dem Teppich

Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren von Ginas Tipps und gutes Gelingen! Wer weitere Ideen auf Lager hat, der kann sie gern in einem Kommentar verewigen. Für alle, die noch nicht völlig überzeugt sein oder Schwierigkeiten bei einer Übung haben sollten, vermittle ich gern individuelle Kurse bei unserer Expertin.

Fauler Hund und Taranteltänze in Apulien

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Ein Wachhund beim Mittagsschläfchen im Hauseingang

Endlich Ferien! Endlich nur noch all das Schöne machen, was man sich extra für die freien Wochen im Jahr aufgehoben hat: Schlafen, Lesen, Grillen, Eisessen, Schlafen, Bauen, Streichen, Schlafen … auch mein Pflichtgefühl schläft so friedlich wie dieser Wachhund im Hauseingang.

tarantelPassend zur grassierenden Faulheit habe ich die perfekte Sommerlektüre gefunden: Kirsten Wulf hat sich endlich mit ihrem neuen Apulienkrimi “Tanz der Tarantel” zurückgemeldet. Ein Wiedersehen mit Elena, die in Aller Anfang ist Apulien angesichts der Untreue ihres Ehemannes Hals über Kopf zu ihrem schwulen Onkel nach Lecce geflohen war. Ein Wiedersehen auch mit Commissario Cozzoli, dem brummigen Ermittler, den es aus dem Norden Italiens in den chaotischen Süden verschlagen hat. Ein Wiedersehen natürlich auch mit all den kleinen und großen Macken der Süditaliener und ein neuer spannender Fall, in den Elena während ihrer Arbeit als Fotojournalistin buchstäblich hinein stolpert.

Eigentlich könnte ich die 360 Seiten in einem Rutsch verschlingen, da man im Rhythmus der Pizzica, des traditionellen Tanzes des Salents, und den mit ihm verbundenen, geheimnisvollen Mythen sofort tief ins Geschehen hineingewirbelt wird. Ich darf also gar nicht so schnell lesen, wie ich möchte, damit das Vergnügen noch ein paar Tage vorhält. Danach werde ich mich in dieser Sache noch einmal zu Wort melden.

Barocke Behäbigkeit – Francavilla Fontana

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Stadttor

Stadttor

Wenn man sich in oder in der Nähe von Ostuni aufhält und bereits genug vom Strandleben hat, sollte man sich einen Nachmittag ZeitIMG_6046 nehmen, um das nahe gelegene Francavilla Fontana zu besuchen. Das beschauliche Städchen glänzt mit einigen barocken Palazzi und Kirchen aus dem 18. Jahrhundert, die davon zeugen, dass es der Gegend einst sehr gut gegangen sein muss… und einen Springbrunnen gibt es – wie der Name schon besagt – natürlich auch.

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Kastell von Francavilla Fontana

Das kleine Kastell aus dem 15. Jahrhundert wurde in den letzten Jahren restauriert und macht von außen einen sehr einladenden Eindruck, weshalb ich im letzten Sommer dreimal versuchte, es zu besichtigen. Beim ersten Versuch waren keine Führer da und ohne Führung darf man das Schloss nicht betreten. IMG_6052Beim zweiten Versuch gab es ein bereits ausverkauftes Konzert im Innenhof und beim dritten schließlich war ich just am falschen Tag dort und das Haus geschlossen. Ihr könnt’s ja bei Gelegenheit auch mal versuchen. Vielleicht habt ihr mehr Glück.

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Dom von Francavilla Fontana

Von diesem Palazzo Imperiale gelangt man jedenfalls auch schnell zum Dom, der mit seiner barocken Fassade und mit zwei enormen Statuen, die Paulus und Petrus darstellen, imponiert. Die Piazza davor ist relativ weitläufig und leer. Überhaupt bekommt man den Eindruck, dass Francavilla mindestens vor Einbruch der Dämmerung und abseits des Springbrunnenplatzes ein recht verschlafenes Nest ist.

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Aber wenigstens weisen Tafeln auf beachtenswerte Baudenkmäler hin, so dass man sich ausreichend touristisch aufführen kann. Ein einstündiger Spaziergang ist auch nicht zu lang für einen beginnenden Sommerabend und am Springbrunnen gibt es ein Caffé mit sehr leckerem Eis. Das ist bei über 30 Grad immer eine willkommene Abkühlung.

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Einladender Innenhof

Ferienfreuden – Wacken lässt grüßen!

Es sind Sommerferien in Italien. Meine privaten Sprachschulen haben das auch begriffen und sind nun fast alle geschlossen. Das Sommerloch ist endlich da und dem Entspannungsprogramm dürfte nichts mehr im Weg stehen: Morgendliches Teetrinken, ein bisschen aufräumen, lesen, im Internet surfen… alles ganz ruhig, schließlich muss ich nachmittags noch ein bisschen unterrichten oder meine Kräfte für Luigis kleine Cousine Giorgia sammeln, die immer noch zur Bespaßung bei Maria abgegeben wird und die sich langsam aber sicher nicht mehr mit einer omalichen Tante zufrieden gibt, weshalb sie gelegentlich zu uns auswandern darf.

Der Nachbarsjunge unter uns sieht das mit der vormittäglichen Entspannung auch so; nur entspannt er sich hörbar anders. Gegen elf Uhr Mittags – ich nehme an, seine Eltern befinden sich in diesem Moment nicht zu Hause – tönen jetzt regelmäßig schwere Metallrhythmen durch unseren sonst so stillen Palazzo. In unserem Schlaf- und Wohnzimmer kommt man sich plötzlich vor wie auf dem freien Feld in Wacken. “Uaaah!”, möchte man da mit dem Sänger um die Wette brüllen. Aber man hört sich ja selbst nicht vor lauter Gitarrengeschrammel und wildem Schlagzeughämmern.

Der Fußboden vibriert. In meinem Kopf pocht der Schmerz. Jeden Tag. Da hilft nur die Flucht. Heute noch einmal! Aber warte ab Bürschchen! Morgen schlage ich zurück. Sobald Luigi aus dem Haus ist, werde ich mein altes Akkordeon vorholen und über Deinem Kinderzimmer so lange ein und denselben Ländler üben, bis er wieder so flüssig aus der Qietsche kommt, wie vor fünfzehn Jahren.