Von der Schwierigkeit, in Apulien Weihnachtsgefühle zu entwickeln

 Adventszeit draußenIMGP0817Die Rosen hören nicht auf zu blühen.  Adventszeit drinnenIMGP0862Der Versuch, mit exzessivem Plätzchenbacken, Weihnachtsstimmung zu erzeugen.
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Im Herbst sind plötzlich Sonnenblumen nachgewachsen, die jetzt auf Sommer machen.

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Ein bisschen Stimmung mit Weihnachtsbaum.

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Der Birnbaum hat sich gerade herbstlich umgefärbt.

 IMGP0855Man beachte die typisch weihnachtlichen, rosafarbenen Einhörner. Das kommt davon, wenn kleine Cousinen mitbacken.

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Viel Licht und blauer Himmel – nicht gerade weihnachtlich, aber auch kein Grund, sich zu beklagen.

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Wenigstens können wir uns nun weihnachtliche Kilos auf die Hüften futtern, während wir draußen in der Sonne sitzen.

Die Neuen und ihr Huuund

Kurz nachdem wir unsere Traumwohnung gekauft hatten, zog eine Nachbarsfamilie direkt unter uns aus. Obwohl ich glaube, dass unser Kauf und ihr Auszug nicht ursächlich zusammenhängen, fand ich es zunächst ziemlich schade, denn es bedeutete auch, dass unter uns im Winter nicht geheizt wurde. Wenn ich jedoch die Stereoanlage im Esszimmer mal etwas lauter aufdrehte, hatte ich immer das gute Gefühl, dass es niemanden störe.

Vor drei Wochen sah ich unseren Unternachbar Nicola in Malerkleidung aus der Wohnung kommen und holte sofort die neuesten Nachrichten ein: Die Wohnung war vermietet worden und das fand ich gar nicht schlecht. “Mhmmm,” brummte jedoch Luigi, “das muss nichts Gutes bedeuten. Lass uns mal hoffen, dass die Neuen keine ‘cafoni’ (Flegel) sind!” Während ich also auf mehr Wärme im Winter hoffte, hatte Luigi Angst um unsere Sanatoriumsruhe.

Leider hat er mit seiner Befürchtung recht behalten, wenn auch aus anderen Gründen. Am Tag des Einzugs unserer neuen Nachbarn, warf sich mir im Hausflur eine mittelgroße, gelbe Promenadenmischung zu Füßen und schleckte mir begeistert die Hand ab, als ich von der Arbeit kam. Eine Familie mit einem so netten Hund konnte eigentlich nicht unsympathisch sein, dachte ich mir.

Allerdings hat dieser mittelgroße, nette Hund das Organ eines Schäferhundes und fühlt sich abends und auch vormittags offensichtlich allein und unwohl in seiner neuen Behausung.  Das äußert er durch anhaltendes Bellen, das hin und wieder in eine wehklagendes Heulen übergeht. Der kleine, wuschelige Hund in der Wohnung neben den Neuen fühlt sich dann bemüßigt, seine Sympathie zu bekunden und stimmt kläffend ein, und gestern Abend gesellte sich auch der weiße West Highland Terrier auf dem Balkon geraderüber zum Kläffkonzert, bis mehrere Brüller losgelassen wurden und Ruhe einkehrte… bis zum nächsten “Huuuuuuuuuuuuuuuuuu”.

Ich bin gespannt, wie lange der neue Hund für seine Eingewöhnung braucht. Vielleicht liegen die Nerven der Hausbewohner auch schon vorher blank. Wir haben Glück, da wir die meiste Zeit des Tages auf Arbeit sein dürfen. Aber heute früh sind unglücklicherweise die ersten beiden Stunden ausgefallen. Der pochende Kopfschmerz in meiner rechten Schläfe und ich können es kaum erwarten, zum Zug zu gehen.

Cousinchens Kürbisrisotto

Zunächst ein Bekenntnis meiner Dummheit: Kürbisse fand ich eklig. Als kleines Kind und auch noch in meiner fortgeschrittenen Jugend konnte ich sie nicht ausstehen. Da kannte ich die orangefarbenen Multitalente jedoch nur süß-sauer gekocht von der Schulspeisung. Meiner ehemaligen Russisch-, Geschichte- und Lateinlehrerin gelang es schließlich, mich mit einer Kürbis-Kokos-Suppe zum Kürbisfan werden zu lassen. Seit dem kann ich den Herbst kaum erwarten, koche mit Begeisterung diverse Kürbissuppen oder backe Kürbiskuchen und denke an meine “alte” Lehrerin.

Hier in Apulien ist der Kürbis erst vor ein paar Jahren im Zuge der Verbreitung  von Halloween eingezogen und steht nicht fest auf dem herbst- oder winterlichen Speiseplan. Doch seit Luigis Cousine, die Dank ihrer Kinder inzwischen Meisterin im Halloweenkürbisaushölen ist, mir ihr Rezept für Kürbisrisotto verraten hat, haben Luigi und ich ein neues Lieblingsgericht.

Die Zutatenliste ist übersichtlich und in einem italienischen Haushalt ist eigentlich bis auf den Kürbis alles ohne große Planung vorhanden. Für vier Personen braucht man: 400 g Risottoreis, 300 g Kürbis in kleine Stücke geschnitten, ca. 1 l Brühe, 1 Zwiebel, ein Glas Weißwein, 100 g Parmesan und 50 g Butter. Wer sich die Brühe selbst kocht, braucht eventuell noch Salz. Fertigbrühe zum Einrühren ist in der Regel salzig genug.

Die kleingeschnittene Zwiebel lässt man in einem großen Topf mit Olivenöl ein wenig braun werden, gibt dann die Kürbisstückchen hinzu und brät sie leicht an. Anschließend wird der Risottoreis kurz mit angebraten und dann mit dem Weißwein abgelöscht. Sobald dieser verkocht ist, muss man nach und nach die Brühe hinzugeben und immer schön geduldig rühren, bis sie komplett vom Reis aufgesogen ist. Sollte ein Liter nicht genügen und der Reis noch nicht weich sein, dann einfach mehr Brühe hinzugeben.

Wenn der Reis die gewünschte Konsistenz erreicht hat, die Butter und den Parmesan unterrühren und sofort servieren.

Kürbisrisotto

Guten Appetit!

Wir haben unter das Ganze auch schon kleine Stückchen gebratener Hähnchenbrust gerührt, wenn wir nicht fleischlos essen wollten. Dahingehend kann man seiner Fantasie sicherlich freien Lauf lassen. Probiert es aus!

Volle Dröhnung Weihnachten

Nachdem unsere Wohnung im letzten Jahr eine nahezu weihnachtsfreie Zone war, haben wir in diesem Jahr beschlossen, das volle Programm zu fahren. Dazu gehörte, dass wir gestern bereits die Adventszeit mit einem Besuch des Wochenmarkts in Triggiano eingeleutet und uns mit zwei weihnachtlichen Tischdecken eingedeckt haben. Im CD-Player läuft heute eine Rock-Christmas nach der anderen und am Vormittag haben wir meinen importierten erzgebirgischen Holzschmuck, zwei Weihnachtspyramiden und die Weihnachtskrippe von Tante Margherita in der Wohnung verteilt und dabei festgestellt, dass durchaus Potenzial für noch mehr und vor allem noch größere, weihnachtliche Staubfänger vorhanden ist. Für das nächste Wochenende ist ein großes Plätzchenbacken mit den kleinen Cousinen geplant, doch heute Nachmittag werden wir uns erstmal einen echten Weihnachtsbaum besorgen.

“Ja, wo gibt’s denn in Süditalien Weihnachtsbäume?”, werdet ihr euch vielleicht fragen. Ich gebe zu, dass ich für einen Moment daran gedacht habe, unseren Olivenbaum vor das Terrassenfenster zu rollen und mit ein paar Kugeln zu behängen. Aber Olivenbaum und Weihnachtskugeln … ? “Sieht aus wie gewollt und nicht gekonnt”, würde meine liebe Mama dazu sagen. Unser Retter in der Nadelbaumnot ist das gelb-blaue Möbelhaus, das scheinbar jedes Jahr ein paar LKW-Ladungen an lebenden Tannen aus Schweden einführt. Seinen Baum kann man nach Weihnachten zurückbringen oder aber darauf hoffen, dass er weiter wächst. Doch zunächst hoffe ich, dass wir heute Nachmittag noch ein anständiges Exemplar dort finden werden, denn am nächsten Montag ist schon der 8. Dezember und damit der Tag, an dem man hier traditionell seinen Weihnachtsbaum aufstellt und schmückt.

Ich wünsche euch allen eine stimmungsvolle Vorweihnachtszeit und einen schönen ersten Advent!

Eure Corinna

Auch der Türstopper wird von Weihnachtsvirus befallen.

Selbst der Türstopper ist vom Weihnachtsvirus befallen.

Gedenkstätte - Sacrario dei caduti d'oltremare in Bari

Zeit, sich zu erinnern

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Gedenkstein für die Gefallenen der Marine, dahinter die Bögen eines Aquädukts

Wer durch den Stadtteil Japigia nach Bari kommt (von der SS 16 Ausfahrt 14, 14B und 15), dem fällt zweifellos auch ein großer mit einer weißen Sandsteinmauer umgebener Park ins Auge. Mir jedenfalls ging es schon seit Jahren so vor allem, weil ich mich wunderte, was zwei aquäduktähnliche Gebilde in einem Park so mitten im Nirgendwo von Bari machen. Schon vor längerer Zeit hatte ich mir von Luigi erklären lassen, dass es sich um keinen einfachen Park sondern um eine Gedenkstätte für im Ausland gefallene italienische Soldaten (namentlich den „Sacrario dei caduti d’oltremare“) handele.

Ach, diese Katholiken!

Kriege, Tote, Militär – so etwas stand eigentlich nicht auf meiner to-do-Liste. Doch am letzten Sonntag traf es sich, dass Tante Anna, welche regelmäßig die Kirche dieser Gedenkstätte frequentiert, weil sie ihrer Wohnung am nächsten liegt, dafür gesorgt hatte, dass ein Gottesdienst im Gedenken an unsere im letzten November so plötzlich verstorbene Tante Margherita abgehalten werden sollte. Das bedeutet konkret, dass man eine gefühlte Ewigkeit an Liedern, Weihrauch, Gebeten, noch mehr Weihrauch und sehr, sehr viel mehr Weihrauch über sich ergehen lassen muss, bevor kurz vor Ende der Messe an die „nicht mehr unter uns weilende Schwester“ erinnert wird. Na, was macht man nicht alles mit im Leben … Mir wurde auch nur ein klein wenig schlecht dabei.

sacrario 1Und ich hatte mich schon Tage vorher mit dem Gedanken getröstete, dass ich auf diese Art die Gelegenheit bekäme, ein Auge auf Italiens zweitgrößte Erinnerungsanlage für gefallene Soldaten zu werfen.

Erinnerungspark 

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Den gefallenen der Finanzwache

Tatsächlich handelte es sich zumindest bei der unteren Ebene dieser Gedenkstätte um die wohl grünste Grünfläche Baris: üppiger Rasen so weit das Auge reicht, eine Vielfalt an Palmen und anderen Bäumen, liebevoll bepflanzte Kübel, hier und da ein Bänkchen, Gedenksteine der einzelnen militärischen Disziplinen für ihre Gefallenen, altes Kriegsgerät, das langsam Rost ansetzt … bei sonnigen 18 Grad ließ es sich am Sonntagmorgen hier gut verweilen.

sacrario Altar

Das Heimatland den glorreichen in Übersee Gefallenen

Zwischen Schuld und Scham

Die zweite Ebene der Gedenkstätte mutet sehr feierlich, aber auch sehr pompös an. Fast hat man das Gefühl, es läge ein heiliger Zauber darüber, in einem Krieg sein Leben zu lassen, und es wäre nicht einfach nur eine menschliche Dummheit, sich ständig gegenseitig abzuschlachten. Man gelangt über eine enorme Treppe, die man sicherlich gewollt, wie zu einem Altar hinaufsteigen muss, dann tatsächlich zu einem kleinen Altar. Er befindet sich inmitten einer ihn umgebenen offenen Halle. Hinter ihm steht eine vierteilige Säule mit vier Kreuzen, die die vier Himmelsrichtungen symbolisieren sollen, in welche es italienische Soldaten verschlagen hatte. Dort wird zu besonderen Gelegenheiten, wie dem 4. November, dem italienischen Nationalfeiertag, eine Messe abgehalten, zu der sich auch gern wichtige Staatsmänner einfinden.

sacrario 5In der Säulenhalle um den schlichten Altar herum hat man die Gebeine der Gefallenen eingelagert und die Wände mit Bronzeplatten versehen, in denen die Namen der Soldaten eingraviert sind. Insgesamt befinden sich Reste von über 75.000 Menschen in dieser Gedenkstätte. Unter ihnen sind hauptsächlich im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallene Soldaten. Doch nicht einmal die Hälfte von ihnen konnten identifiziert werden. Zuletzt wurden die Gebeine derer, die in deutschen Konzentrationslagern auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gefunden wurden, hier zur letzten Ruhe gebettet. Als jemand, der in unmittelbarer Nachbarschaft von Sachsenhausen aufgewachsen ist, kann einem da schon etwas mulmig werden. Ich jedenfalls zog mir meine Mütze noch etwas weiter über mein blondes Haar und war froh, dass wir auf der zweiten Ebene allein waren.

Sonntags Führungen

Sacrario Friedensglocke

Jeden Abend läutet die Glocke im Gedenken an die Opfer.

Wer sich für die vielfältige Symbolik der Gedenkstätte interessiert, dem sei die sonntägliche Führung um 10 Uhr empfohlen. Von einem kundigen Mitarbeiter des kleinen historischen Museums, das zum Park gehört, erfährt man dann beispielsweise auch, dass die Bögen der Aquädukte zur rechten und linken Hand der Gedenkstätte verschiedene wichtige Schlachten symbolisieren. Ich jedenfalls habe jetzt auf dem täglichen Weg in die Stadt eine Frage weniger.

Verliebt in die Lehrerin

„Sei la più bella ragazza che ho mai visto.“ – „Du bist das schönste Mädchen, dass ich je gesehen habe.“, sagte mein Schüler plötzlich, während ich noch die Konjugation von „möchten“ an die Tafel schrieb. „Was?“, fragte ich etwas irritiert zurück. „Sei bellissima e te lo volevo dire.“, wiederholte er mit etwas anderem Wortlaut und begann über’s ganze Gesicht zu strahlen wie ein Honigkuchenpferd. Ich fühlte, wie sich tiefe Falten in meine Stirn gruben. „Das denkst du nur, weil es hier so wenig blonde Frauen gibt. Und nun schreib das mal bitte ab!“, drängte ich ihn, seinen merkwürdigen Blick zum Heft und auf die Tafel lenkend.

Dann flüchtete ich fünf Minuten auf das Schulklo, um meine Gedanken zu ordnen. Ich hätte mich da auch zehn Minuten verstecken können, denn er ist nicht der schnellste Schreiber. Dafür kommt er einmal pro Woche eine Strecke von zwei Stunden mit dem Zug gefahren, um ausgerechnet in Bari Deutschunterricht zu nehmen. (Gibt’s denn keine Deutschlehrer im Jottwede?) Nach 10 Stunden konnte er immer noch nicht richtig auf die Frage „Wie heißt du?“ antworten, geschweige denn herausfinden, was ein „Fragewort“ ist. Aber an diesem Tag wurde mir nun klar, warum ich das Gefühl hatte, er würde mich zwar immer aufmerksam ansehen, jedoch was ich sagte, einfach nur an seinem Ohr vorbeirauschen.

Der Rest des Unterrichts verlief… sagen wir etwas „angespannt“. Ich sah fast jede Minute auf die Uhr, erhielt noch eine Einladung zum Essen in seine Heimatstadt, die ich mit dem Hinweis auf Pläne mit meinen Verlobten ablehnte, und raffte dann deutlich hastiger als sonst meine sieben Sachen zusammen und verschwand.

Luigi lachte sich zunächst ein bisschen kaputt, als ich ihm von meiner Notlage erzählte. Dann erklärte er mir, dass es grammatikalisch korrekt „che abbia mai visto“ heißen gemusst hätte und fragte, wie alt besagter Schüler sei. – 27. – „Der soll mal schön alleine essen gehen!“, knurrte er da und das war alle Hilfe, die ich von ihm erwarten konnte.

Was tun? – fragten schon zwei große Russen. Vielleicht habt ihr ja eine Idee… oder mehrere, denn ich habe noch 50 Stunden Unterricht mit besagter Person vor mir und kann nicht die meiste Zeit davon auf dem Schulklo verbringen.

Cavour

Bari goes Top Gun – Besuch auf Italiens größtem Flugzeugträger

Es gibt so Sachen, von denen man annimmt, dass man sie nie im Leben tun wird. Jedenfalls würde man annehmen, dass man sie nie im Leben tun wird, wenn diese Sachen nicht so unwahrscheinlich wären, dass man gar nicht erst darauf kommt, überhaupt darüber nachzudenken, dass man sie tun könnte. Dazu gehört zum Beispiel das Herumstrolchen auf einem Flugzeugträger – also auf einem dieser Schiffe, die so riesig sind, dass ein auf ihnen herumstehendes Kampfflugzeug wie ein einsames Auto auf dem Parkplatz vor einem Einkaufszentrum wirkt.

Der Flugzeugträger Cavour im Hafen von Bari

Die Cavour im Hafen von Bari

Helikopter auf der CavourDoch als Luigi am letzten Wochenende vorschlug, das schöne Sonntagswetter und die Möglichkeit zu nutzen, die Cavour, den größten Flugzeugträger der italienischen Marine, zu besichtigen, war ich sofort dabei. Zwei Tage lang lag dieser Ozeanriese nämlich zum ersten Mal im Fährhafen von Bari und war zur kostenlosen Besichtigung freigegeben. Den einzigen Flugzeugträger, den ich bis dahin in meinem Leben bewusst wahr genommen hatte, war der auf dem Tom Cruise dazumal in seinem Erfolgsfilm “Top Gun” Dienst getan hatte. Aber ehrlich, sooo groß wirkte das Schiff da gar nicht, was aber auch an unserem damals noch sehr kleinen Fernseher gelegen haben könnte.

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Die Flugzeugstaffel nennt sich “Wölfe”.

Flugzeug der Staffel "Wölfe" der CavourGlücklicherweise waren wir schon eine Stunde vor Einlass dort, denn scheinbar hatten sich noch sehr viel mehr Baresen vom Sonnenschein, möglichen Jugenderinnerungen oder dem Ruf der Cavour zum Hafen locken lassen, was besonders die Schlange bewies, die sich entlang des Schiffs gebildet hatte, als wir es verließen (siehe erstes Foto).

IMGP0727Scheinbar hatte man keine Angst vor Besuchern, denn die Taschenkontrolle war weniger streng als auf einem Flughafen und Ausweise musste man schon gar nicht vorzeigen. Aber natürlich wurden wir nur in einen sehr begrenzten Teil des 244m langen Schiffs gelassen, denn der normale Betrieb mit über 600 Männern und Frauen an Bord ging auch in diesen Tagen weiter.

Zuerst gab es einen kurzen Werbefilm zu sehen, während dessen uns ein weiß-bärtiger Marineoffizier von einigen Missionen der Cavour erzählte. Unter anderem wird das Schiff nämlich auch für Hilfstransporte und als Krankenhausschiff in Krisengebieten eingesetzt, worauf die Seemännern öffenbar besonders stolz sind. Sie betreiben sogar ein eigenes Hilfsprogramm für sehbehinderte Kinder in Afrika, für das sie mit dem Verkauf von Kalendern an diesem Tag Spenden gesammelt haben.

IMGP0712Nach dem Film durften wir über schmale Treppen auf das Deck klettern und uns dort nach Herzenslust umsehen. An den Flugzeugen und Hubschraubern standen Soldaten bereit, die geduldig die Fragen der neugierigen Schiffstouristen beantworteten. Natürlich hatten wir von dort oben auch einen fantastischen Blick auf Bari. Und hinunter in den Frachtraum mit der riesigen Eingangsklappe brachte uns dann ein Fahrstuhl, der sonst nur für Krankentransporte benutzt wird.

IMGP0708Ich interessiere mich eigentlich gar nicht für das Militär oder Technik, aber ein technisch ausgefeilter Koloss wie dieser, auf dem Menschen nur noch wie Ameisen wirken, und in dem sie auch ameisenähnlich zusammenleben, verlangte mir doch einiges an Respekt für die Konstrukteure und die Besatzung ab. Deshalb fand ich diesen Vormittag trotz des langen Anstehens wirklich gut genutzt.

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Blick von der Cavour auf Bari