Ver- aber nicht geschlossen

nicht geschlossen

 

An der verschlossenen Tür eines süditalienischen Ladengeschäfts:

“Die liebenswürdige Kundschaft der ‘Bottega’ wird darüber informiert, dass dieses Geschäft NICHT GESCHLOSSEN HAT, aber man im Moment keine gut definierten Tage und Uhrzeiten angeben kann. Für jegliche Informationen wende man sich an… .”

So kann man das Konzept von Öffnungszeiten natürlich auch vestehen.

 

 

 

 

 

 

Über die Mangelernährung von Briefkästen

Wer nicht gerade schrifstellert oder einen Blog füllt, schreibt vermutlich höchstens noch Emails oder Kurznachrichten. Diese schnelle Möglichkeit des Gedanken- und Informationsaustauschs ist natürlich schön und macht beispielsweise das Leben 2000 km von Freunden und Verwandten entfernt viel leichter, aber es führt auch zur extremen Verschlankung von Briefkästen. Unserer ist bereits so mager, dass er mit ein paar Rechnungen und einem Sprachmagazin über ganzen den Monat kommt, was früher, als Briefkästen noch täglich eine Zeitung fraßen, undenkbar gewesen wäre.

Als ich jedoch eines schönen Septembertages nach Hause kam hörte ich ihn im Vorbeigehen zufrieden rülpsen. “Oh, Gott! Gas, Wasser, Strom – haben wir doch alles gerade erst bezahlt!”, ratterte es in meinem Gehirn, während ich den Briefkastenschlüssel suchte. Dann fiel mir ein, dass es Zeit für die Müllgebühren war oder handelte es sich vielleicht um eine Versicherungsrechnung?

Den Haag

Briefkastenfutter aus Holland

Doch nichts dergleichen – überrascht holte ich eine bunte Postkarte aus dem Briefkastenbauch. Woher? Aus Den Haag. Mhmmm… wer von meiner Familie oder Freunden war denn in Den Haag gewesen? Und warum wusste ich bisher nichts davon? Immerhin gab’s doch Telefon, sms und Email!

Der Text brachte jedoch schnell Aufklärung. Die liebe Katharina von recolourlife hatte auf ihrem Blog derjenigen Person eine Urlaubspostkarte versprochen, die ihren Urlaubsort erraten würde. Mit “Amsterdam” hatte ich zwar daneben gelegen, aber so freute ich mich noch viel mehr, als ich an besagtem Tag etwas anderes als eine Rechnung aus dem Briefkasten nehmen konnte. … und unser Kühlschrank, an dem die Karte jetzt hängt, freut sich natürlich auch über den bunten Farbtupfer. Im Namen von uns allen ein herzliches Dankeschön!

 

Grüße vom Ordungshüter

Der gemeine Süditaliener ist ein gemütlicher Mensch von überwiegend sonnigem Gemüt und großer Herzensgüte. Doch sobald er in ein Fahrzeug einsteigt und den Motor anlässt, verwandelt er sich in einen respektlosen Egomanen, der die Straße für sich gepachtet zu haben scheint.

Als nicht-Süditaliener bleibt einem nichts anderes übrig, als ebenfalls alle Verkehrsregeln zu vergessen und statt dessen die Urinstinkte zu aktivieren. Dabei muss man gewissermaßen ständig vorausahnen, wie sich der motorsierte Mititaliener in den nächsten Sekunden verhalten wird. Das erfordert natürlich ein wenig Übung und vor allem führt es dazu, dass man in den ersten Wochen im Verkehrsgetümmel tausend Tode stirbt, bevor ein gewisser Abnutzungseffekt eintritt.

Dann hat man gelernt, dass man eine einmal eroberte Fahrlinie unbedingt halten muss, weil man auch auf einer einspurigen, zu beiden Seiten zugeparkten Straße durchaus auf der linken oder wahlweise rechten Seite (beispielsweise von einem Moped) überholt werden kann; oftmals sogar zur gleichen Zeit.  Man lernt auch, dass, obwohl der Süditaliener gern schneller fährt, als die Verkehrsschilder erlauben, man darauf achten muss, keinen Auffahrunfall zu verursachen, wenn auf einer 80er-Strecke plötzlich jemand nur 60 fährt, weil er mit beiden Händen heftig gestikulierend seiner Beifahrerin Gott-und-die-Welt erklärt oder ein mehrstündiges, wichtiges Telefongespräch führt und sein Fahrzeug daher nur einhändig führen kann. Man lernt auch, dass die vorgeschriebene Richtung in Einbahnstraßen, Stopschilder, die Vorfahrt im Kreisverkehr oder die Rechts- bzw. Linksabbiegerspur an Ampeln sehr relativ sind.

Dieser Zustand geistiger Umnachtung endet erst, wenn der Süditaliener sein Fahrzeug verlässt. Bevor er das tut, parkt er es jedoch gern in zweiter Reihe, oder zwängt sich nur mit der Motorhaube in eine zu enge Parklücke, so dass der fließende Verkehr das Heck umschiffen muss. Er parkt so dicht an Einmündungen, dass einmünden wollende Fahrzeuge die Hauptstraße erst einsehen können, wenn sie schon zur Hälfte auf ihr sind. Er parkt Fußwege und Kreisverkehre zu und parkt auch auf Fußgängerüberwegen. Er parkt auf Busaltestellen und Behindertenparkplätzen. Männer stellen ihre Autos auf den neu eingeführten und rosafarben umrandeten Schwangerenparkplätzen ab, obwohl man fast sicher sein kann, dass ihr Bauch aus anderen Gründen einen größeren Umfang besitzt. Und nicht zuletzt parkt der italienische Motorzombie auch vor Garagen, die mit einem Parkverbotsschild und dem Zusatz “Einfahrt” (passo carabile) als freizuhaltend gekennzeichnet sind.

Wo, frage ich mich täglich, sind nur die ganzen Polizisten, wenn so etwas passiert? Der italienische Staat ist in akkuten Geldnöten und muss sparen. Da würde ich schon ansetzen und die Ordnungshüter auf Erfolgsbasis arbeiten lassen. Sie könnten ihren Monatslohn locker mit Strafzetteln verdienen, indem sie den ganzen Tag nur auf einer Straße auf- und abgingen oder sich nur an einer Ecke postierten.

Gestern nun habe ich zum ersten Mal in über zwei Jahren erlebt, dass der Arm des Gesetzes tatsächlich ein missachtetes Parkverbot geahndet haben. Als ich am späten Abend nach Hause kam, sah ich schon von Weitem blaues Licht vor unserem Haus durch die Nacht blinken. Eigentlich glaubte ich, dass es sich um eine Ambulanz handele, weil das durchschnittliche Alter in unserem Palazzo deutlich über 60 liegt. Doch tatsächlich versperrte ein Polizeiwagen die Straße, während ein Abschleppwagen einen kleinen Renault aus einer freizuhaltenden Einfahrt auf die Ladefläche zog. Den Besitzer des Autos grüßte dann eine Kreidinschrift, die auch heute Morgen noch zu lesen war und besagte, dass der Inhaber sein Fahrzeug auf der Wache der Carabinieri abholen könne.

Also wenn, dann richtig.

Renault

Ein typisch rechteckiger Bau mit noch zwei Türmen

Vom Reiz der Leere – Das Stauferkastell in Trani

Trani - Kathedrale und Stauferkastell

Trani – Kathedrale und Stauferkastell

Wenn der Besucher in die apulische Hafenstadt Trani kommt, dann sollte er natürlich nicht nur die bereits beschriebene Kathedrale besichtigen, sondern sich auch in das gut erhaltene und seit 1998 vollständig restaurierte Kastell begeben. Davon, dass es im 19. Jahrhundert als Provinz-Gefängnis diente, ist nichts mehr zu sehen. Tatsächlich erinnert an die Moderne nur ein Uhrenturm, der sich jedoch unaufdingtlich in das Gesamtbild einfügt.

IMGP0145Da in dem Gebäude kaum etwas anderes herumsteht, als mit einem Fotoapparat bewaffnete Touristen, kann man das Gebotene mit etwas Fantasie beliebig ausfüllen. Man kann sich zum Beispiel vorzustellen versuchen, wie die Ritter und Damen des Mittelalters durch die hohen Hallen gewandelt sind und im Winter so Nahe am Wasser vermutlich oft gefroren haben und klamm waren.

IMGP0143Vielleicht versucht ihr euch auch, eine mittelalterliche Hochzeit vorzustellen, wie die von Manfred, Sohn aus der Verbindung des in Apulien allgegenwärtigen Stauferkaisers Friedrich II. und dessen langjähriger Geliebten Bianca Lancia, mit Elena Ducas, die hier stattgefunden hat. Leider ist auch dieser Verteidigungsbau des berühmten Staufers gänzlich ohne Einrichtungsgegenstände, so dass es vielleicht doch gar nicht so leicht fällt, sich etwas in den sandsteinweißen Räumen aus dem 13. Jahrhundert vorzustellen. Probiert es einfach mal aus und seht selbst (5 Euro, ermäßigt 3)!

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Spannenlanger Hansel . . .

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Eine hält sich noch am Baum fest.

Abgeschüttelt

Abgeschüttelt

Wir haben zwar keinen Garten, in denen wir Birnen schütteln gehen könnten, aber der Zwergbirnbaum auf unserer Terrasse hat sich den Sommer über mit drei Birnen getragen, von denen gestern der Wind zwei abgeschüttelt hat. Seit dem habe ich das o.g. Kinderlied im Kopf und freue mich über den kleinen Erfolg, den ich kaum für möglich gehalten und vermutlich nur Ginas unermüdlichem Eifer beim Düngen zu verdanken habe.

Einen schönen Herbst euch allen!

Herbstastern

Romantischer Verfall

Episkopalschloss

Bischofsschloss von Grottaglie

Die von mir wegen ihrer vielen Keramikwerkstätten sehr geliebte Stadt Grottaglie ist aus einem mittelalterlichen Lehen hervorgegangen und wurde mit dem Bau des Bischhofsschlosses, das über dem Keramikviertel thront, im 14. Jahrhundert zum Sommersitz der Bischöfe von Taranto erhoben. Das Schloss ist sehr gut erhalten und kann besichtigt werden. Es beherbergt heute eine Keramikausstellung.

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Hofansicht

 Töpferscheibe vor dem Museumseingang


Töpferscheibe vor dem Museumseingang

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Weihnachtskrippe mit Keramikfiguren

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Schlosshof

Vor dem Schloss hingegen befindet sich ein kleiner mittelalterlicher Garten mit einer staubigen Freifläche, einem Laubengang und einer Erhebung, die wie eine Bühne wirkt. Die Anlage wurde scheinbar dem Zahn der Zeit überlassen und macht daher einen romantisch verwunschenen Eindruck. Bei schönem Wetter und mit entsprechend guter Laune kann man sich daran erfreuen. Eigentlich müsste man sich darüber wundern, warum man ein solches Kleinod mitten in der Stadt so herunterkommen lässt.

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Mit wem der Bischof hier wohl lustwandelte?

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Hier gärtnert Mutter Natur

Eintritt verboten?

Eintritt verboten?

Vermutlich eine Pumpe

Vermutlich eine Pumpe

Kaisertüren

IMGP0387Auf dem Rückweg zum Auto nach unserem Schlossbesuch in Gioia delIMGP0389 Colle wurden wir von einer großflächigen Bemalung angezogen. Von einer zugemauerten und verputzten Tür an einer sonst bröckeligen Wand prangte ein mittelalterlich anmutender Ritter. Doch sogleich zog es uns weiter, der Spur von aufgemalten Hunden folgend zu einer nächsten bunten Tür. Bei der Dritten glaubten wir dann nicht mehr an Zufall oder besonders kreativ veranlagte Altstadtbewohner und lasen uns das neben der jungen Frau angebrachte Schild durch. Demnach handelte es sich um ein Kunstprojekt und eine Darstellung Bianca Lancias.

Viel mehr war der Beschriftung allerdings nicht zu entnehmen, doch eine InternetrechercheBianca Lancia brachte hinterher ans Licht, dass sich im Sommer 2012 mehrere Künstler unter Führung eines Mario Pugliese von der Atmosphäre des Stauferkastells anstecken und zum Projekt „Die Kaisertüren“ („Le Porte dell’Imperatore“) hinreißen ließen. 15 Türen typischer Altstadthäuser Gioias wurden also mit Pinsel und Farbe verschönert und lassen bis heute Touristen vom gradlinigen Weg zwischen Kastell und Auto abkommen. Uns hat’s gefallen.

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Bezaubernde Illusion

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Geheimnisvoller Innhof ohne Bemalung

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Friedrich II. auf seinem Thron

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