Blogparade – Der meist gelesene Artikel

Wenn man nicht viel zu tun hat – und im Moment halten sich meine körperlichen Aktivitäten in Grenzen – bietet einem WordPress eine Menge Optionen zum Herumspielen und Zeitvertrödeln. Konkret spreche ich da von den Statistiken.

WordPress und seine Statistiken

Für Uneingeweihte möchte ich kurz erklären, dass man sich mit Hilfe der Statistiken über den Verkehr auf seinem Blog informieren kann. Darüber, dass man häufig mitgeteilt bekommt, welche Suchphrasen Blogbesucher in die Suchmaschinen eingegeben haben, um einen Beitrag von mir zu finden, habe ich bereits geschrieben. Aber man sieht beispielsweise auch, wie viele Personen auf den Blog gefunden haben, aus welchem Land sie kamen oder wie viele und vor allem welche Seiten angesehen wurden.

Der meist gelesene Artikel auf MeinApulien

Unlängst habe ich beim Surfen durch die Bloglandschaft den Bericht eines Bloggers gefunden, der seinen meist gelesen Artikel vorstellte. Das fand ich interessant und habe deshalb auch mal bei mir nachgesehen, welches Thema auf die größte Resonanz gestoßen ist. ERSCHÜTTERND – kann ich das Ergebnis nur nennen. Bereits im Jahr seines Erscheinens (2013) wurde er doppelt so oft angeklickt, wie der Blogartikel der im Ranking an zweiter Stelle steht. 2014 sah es genauso aus und in diesem Jahr liegt er bereits seit Juni derart weit abgeschlagen an erster Stelle, dass er bis zum Jahresende wohl viermal so oft angeklickt werden wird, wie der zweite Platz. Die Rede ist von einem Artikel über italienische Schimpfwörter.

Schimpfen in Fremdsprachen – Der Reiz des Verbotenen?

Ich habe mein persönliches Schimpfwörterbuch mehr oder weniger freiwillig im täglichen Leben vor Ort oder beim Ansehen von Filmen zusammengestellt. Obwohl ich sie nur mäßig benutze, habe ich mich trotzdem schon bei so manchem laut gesprochenen „cretino“, „vaffanculo“ oder „cazzo“ selbst erwischt. In Schrecksekunden rutscht mir meist noch ein deutscher Fluch über die Lippen und das ist dann vielleicht auch besser so. Trotzdem ist es doch überdenkenswert, warum gerade Schimpfwörter in Fremdsprachen so interessant sind … und nicht zum Beispiel die Konjugation der unregelmäßigen Verben, die dem Sprechenden ungleich weiter helfen könnte.

Ist es die Faszination des Bösen, des Verbotenen, die uns schon in unserer Kindheit gerade alles das sagen ließ, von dem unsere Eltern behaupteten, man dürfe es nicht sagen? Oder liegt es vielleicht daran, dass man Schimpfwörter in Fremdsprachen als gar nicht so schlimm empfindet, wie wenn man sie in seiner Muttersprache sagen würde? Das sexuell angehauchte „Welch’ ein Schwanz!“ klingt doch irgendwie vulgärer in meinen deutschen Ohren, als „Che cazzo!“ zu sagen. Oder für alle Anglophonen Sprecher: kommt einem nicht das das englische „shit“ oft einfacher über die Lippen als ein herzhaftes, aber deutliches „Scheiße!“?

Deutsches Ich vs. Fremdsprachen-Ich

Tatsächlich wage ich zu behaupten, dass ich ganz unabhängig von Schimpfwörtern auf Italienisch eine entspanntere, freiere und vielleicht sogar etwas frechere Person bin, während ich auf Deutsch sehr viel mehr reflektiere, vorsichtiger spreche und emphatischer auf Schwingungen in einem Gespräch reagiere. Das mag zum einen daran liegen, dass ich im Italienischen auf einen einfacheren, weniger komplexen Wortschatz zurückgreifen muss, zum anderen liegt es aber sicher auch daran, dass man mit den Worten auch die Kultur verinnerlicht. Wenn um einen herum alle „non ti preoccupare“ („sorge dich nicht“) als tägliches Mantra wiederholen, dann sorgt man sich irgendwann auch weniger und nimmt diese relaxte Haltung tatsächlich an.

Oder nehmen wir eine Begebenheit, die sich in einem Deutschkurs zutrug, als ich nach dreimaliger Verbesserung auf Deutsch im Unterricht schließlich auf Italienisch meinte, wenn noch ein Schüler sagen würde, dass er in den Sommerferien hierhin oder dorthin in den Urlaub gehen statt fahren oder fliegen würde, dann sollten sie sich nicht darüber wundern, wenn sie am nächsten Morgen vom verzweifelten Selbstmord einer Deutschlehrerin in der Gazetta del Mezzogiorno lesen würden. Das hätte ich auf Deutsch als sehr unprofessionell empfunden und sicherlich auch noch zum viertel Mal geduldig erklärt, dass man gehen nur sehr allgemein oder für Fortbewegungen zu Fuß benutzt. Aber der “Professoressa” Corinna ist es einfach so herausgerutscht und hat sowohl für einen Heiterkeitsausbruch als auch für leicht verstörte Gesichter gesorgt.

Und die Moral von der Geschichte?

Natürlich freue ich mich, dass mein Artikel über italienische Schimpfwörter immer wieder Leser auf meinen Blog lockt, denn es besteht auch jedes Mal die Chance, dass sie bleiben und noch den einen oder anderen Bericht über meine Wahlheimat Apulien lesen, was mir persönlich mehr am Herzen liegt. Aber was ich allen Lesern hier außerdem mit auf den Weg geben will, ist das Folgende:

Lernt Fremdsprachen und ihr werdet vermutlich Seiten an euch entdecken, von denen ihr bis dahin gar nichts geahnt habt!

Mit Kinderaugen

Rückblick zum dritten Jahrestag – „Buon ComPuglianno!“

Seit drei Jahren lebe ich nun schon hier und feiere heute meinen dritten, selbsternannten Apuliengeburtstag (ComPuglianno). Ehrlich, es kommt mir gar nicht so lange vor, wie sich das anhört. Auch im zurückliegenden Jahr ist viel passiert und die Zeit ist nur so dahin geflogen.

Veränderungen in der Wohnung und auf der Terrasse

sonnengereifte Aprikosen

Sonnengereifte Aprikosen

Wir haben unsere Wohnungseinrichtung weiter komplettiert und beispielsweise so wichtige Anschaffungen wie eine neue Gastherme und Fliegengitter getätigt. Außerdem sind wir dabei, unseren Balkon in einen Abstellraum zu verwandeln, denn wir müssen dringend das zweite Schlafzimmer entrümpeln. Warum? Weil wir bald ein Kinderzimmer brauchen (mehr dazu siehe unten). Die Aufforstung auf der Terrasse ist weiter fortgeschritten und Luigi hat sich besonders über die zahlreichen Aprikosen gefreut, die wir jedoch bereits alle verputzt haben.

Verzicht auf 5 Minuten fraglichen Ruhms

Fast wäre ich im letzten Jahr ins Fernsehen gekommen, denn ich habe über die Anfrage eines privaten, deutschen Fernsehsenders nachdenken dürfen, der eine Sendung über ausgewanderte Menschen aus dem Osten Deutschlands machen wollte. Nachdem ich mit ein paar Vertrauten gesprochen und mir eine Folge der Show auf Youtube angesehen hatte, war mir jedoch schnell klar, dass mir meine und die Würde meiner Familie wichtiger waren, als fünf Minuten fraglichen Ruhms. So bin ich also nicht über den Bildschirm geflimmert und ihr müsst weiter mit den Fotos auf diesem Blog vorlieb nehmen.

Erfolgsmomente im Beruf

Beruflich hatte ich ebenfalls interessante Erlebnisse, denn das Interesse an Deutsch als Fremdsprache ist im wirtschaftlich schwachen Apulien immer noch groß oder wächst sogar. Mein besonderes Highlight war in dieser Hinsicht der Vorbereitungskurs auf ein Examen des Goethe Instituts, den ich für 27 Schüler aus unterschiedlichen Klassen an einem staatlichen Gymnasium gegeben habe. Eine so große Gruppe hatte ich bis dahin noch nie unterrichtet, war jedoch nur einmal mehr davon überrascht, wie souverän ich mich als Lehrerin mache und wie einfach es ist, Italiener zu unterrichten. Da gibt es zum Beispiel keine falsche Scheu vor Gruppenarbeit, selbst wenn sich die Schüler vorher nicht kannten.

Außerdem habe ich durch das Unterrichten viele interessante Leute kennengelernt, wie zum Beispiel einen Maestro Gelatiere (Meister der Speiseeisherstellung), dessen Eis in der Gelateria Martinucci in Baris Altstadt sogar meinem bisherigen Lieblingsladen Gasperini den Rang abgelaufen hat. Dann könnte ich noch eine ambitionierte Studentin der Mechanik nennen, die sich im Moment auf einem Kongress in Kanada befindet. Obwohl ich an ihrem Projekt gar keinen Anteil hatte und es nur aus unseren Deutschstunden kenne, kommt es mir fast so vor, als hätte ich trotzdem bei der ganzen Sache mitgemacht und Grund stolz auf sie zu sein. Ein anderer Schüler hat mich im letzten Jahr dazu gebracht, große Teile einer Internetseite für seinen Familienbetrieb zu übersetzen bzw. dem deutschsprachigen Markt anzupassen, wobei ich viel über den biologischen Anbau von Oliven und die Olivenölherstellung gelernt habe.

Ich bin also mit meinem Job immer noch sehr glücklich, obwohl ich mich über eine Arbeitsstelle mit nur einem Anlaufpunkt und zusammenhängenden Arbeitszeiten, gern auch in einem anderen Bereich, sehr freuen würde. Daher beobachte ich immer noch die Stellenangebote.

Familienerweiterung

Allerdings ist all das in seiner Bedeutung in der letzten Zeit etwas zurückgetreten, denn neben Luigis bestandener Weiterbildung hat sich pünktlich zu meinem dritten Apuliengeburtstag noch ein weiterer Wunsch aus dem letzten Jahr erfüllt: Anfang Juli, d.h. praktisch gleich, werden wir Eltern. Meine italienische Familie ist angefangen von den zukünftigen Großeltern, über die Tanten bis zu den Cousinen komplett aus dem Häuschen und selbst unsere Nachbarn, unsere Automechaniker und alte Omas, die ich nur gelegentlich gegrüßt habe, wenn sie vor ihren Haustüren in der Abendsonne saßen, sind plötzlich interessiert und redselig geworden. Wenn ich es eilig habe, muss ich daher meine gewohnten Wege direkt meiden.

Ja, so eine Schwangerschaft in Italien ist schon eine verrückte Sache. Vielleicht werde ich an anderer Stelle noch mehr darüber erzählen, aber bisher war es einfach schön, etwas nur für mich und die nächsten Verwandten und Freunde zu haben.

Für das kommende Apulienjahr wünsche ich mir, dass wir gut in unseren neuen Lebensabschnitt hineinfinden und uns als Eltern bewähren werden. Alles andere wird sich schon ergeben oder – wie der Süditaliener sagt: Non ti preoccupare!*

In diesem Sinne denke ich heute wieder besonders an alle meine Lieben in Deutschland und in der Welt. Wie schön, dass es euch gibt und, dass ihr mich nicht vergesst! Mir einen sorglosen dritten ComPuglianno und euch ebenfalls sorgenfreie Tage, wo immer ihr auch gerade stecken mögt!

Eure Corinna

* Sorge dich nicht!
Teetassenparade

Einsam auf weiter Flur – Als Teetrinker im Kaffeeland

Fast hätte ich ich es vergessen, dass ich im letzten Jahr bei der Hamburger Bloggerin Nina auf eine interessante Aktion namens “How do you tea?” (Link zum Beitrag) gestoßen war. Ich fand es interessant, von den Gewohnheiten anderer Teetrinker zu lesen. Außerdem war das eine sehr gute Möglichkeit, mich mit der Tatsache auseinanderzusetzen, dass ich im Land von Espresso und Co. mit meinen Teebüchsen und Teekartons eher die Ausnahme bin, sowie meiner eigenen Begeisterung für Tee Ausdruck zu verleihen.

Der Beitrag ist nun schon etwas älter, aber die Aktion bei Nina läuft weiter und sie freut sich immer darüber, weitere Teetrinker kennenzulernen, die ihren Fragenbogen bearbeiten möchten.

„Non c’è più! Non arriva più!“* oder Wann beginnt der Sommer in Süditalien?

Am Sonntag ist Luigis Namenstag und hier in Süditalien legt man großen Wert darauf, diesen auch festlich zu begehen. Mindestens muss man der gratulierenden Verwandtschaft als nicht gänzlich Backunbegabte eine Torte oder anderes Gebäck kredenzen.

„Ich hätte gern 250g gemahlene Mandeln.“ sagte ich daher gestern in einem meiner Lieblingsläden namens „Dolcemania“ zur Verkäuferin, denn in diesem Laden für Back- und Süßigkeitenbedarf kauft man fast alles nach Gewicht aus großen Tüten oder Körben. „Ich habe noch ungefähr ein halbes Kilo.“ antwortet mir die junge Frau. „Besser du nimmst alles. Es kommt jetzt nichts mehr rein.“ „Wie jetzt? Nie mehr?“, fragte ich irritiert und überlegte, ob ich vielleicht eine Schreckensnachricht von verhagelter Mandelblüte überhört hätte.

Die Verkäuferin lächelte milde wie man ein kleines Kind anlächelt, das von der Welt noch keine Ahnung hat, und erklärte mir, dass sich das „jetzt“ natürlich nur auf den Sommer bezog. Aha… vielleicht hat der gemeine Süditaliener im Sommer keinen Bedarf an geriebenen Mandeln, isst keinen Kuchen oder kein Mandelgebäck mehr, sondern steigt komplett auf Wassermelonen und Speiseeis um. Ich wagte nicht zu fragen und sagte statt dessen: „Bitte noch 30 Baci Perugina!“ Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Glückskeks und Ferrero Küsschen, die ich am Sonntag Luigi und der lieben Verwandtschaft zusätzlich zum Mandelkuchen anbieten wollte. „Haben wir nicht mehr und kriegen wir auch nicht mehr.“ kam prompt die Antwort. Für einen Moment fühlte ich mich irgendwie merkwürdig dumm und in die Zeit der DDR-Mangelwirtschaft zurückversetzt.

Beim Bezahlen an der Kasse outete sich jedoch eine Italienerin hinter mir als ebenso unwissend, als sie dem Kassierer einen leeren „Mars“-Karton vor die Nase hielt und meinte, ob sie noch welche hätten. „Nein,“ antwortete der Kassierer und setzte hinzu, „und wir kriegen die auch nicht mehr rein.“ Aha, also auch kein Mars. Ach, und keine Überraschungseier! Mehr hörte ich von dem Dialog über einen anstehenden Kindergeburtstag nicht, da ich mein Wechselgeld bereits verstaut hatte und unmöglich weiter an der Kasse stehen bleiben konnte.

Luigi klärte mich dann am Nachmittag auf: Demnach gäbe es im Sommer in Süditalien keine Schokolade mehr zu kaufen, da es für sie zu warm sei. Das erklärte natürlich, warum unser Kühlschrank schon seit Wochen voller Kinderriegel lag, die sorgsam eingeteilt wurden. Aber gerade deswegen will sich mir die logische Verbindung zwischen Wärme und Schokoladenverkauf nicht vollständig erschließen, gibt es doch auch in Super- und anderen Märkten Kühlgelegenheiten. … und geriebene Mandeln sind meines Wissens gänzlich schokoladenfrei.

Wie auch immer, solltet ihr also wissen wollen, wann in Süditalien der Sommer beginnt, würde ich zurückgeben: “Am 19. Juni.” Denn, wenn es im Sommer keine Schokolade mehr gibt, dann muss er gestern angefangen haben.  Und sollte noch jemand vor September etwas Mandelmehl brauchen, hätte ich da noch ca. 300g übrig. Die würde ich zum Beispiel gegen einen Karton Baci Perugina, Mars oder Überraschungseier eintauschen.

Mandeltorte mit Schokotropfen und Vanillebuttercreme

Zum Namenstag: Mandeltorte (sehr frei nach Emily) mit Schokotropfen, Vanillebuttercreme und Schokoladenüberzug

* „Haben wir nicht mehr! Kriegen wir nicht mehr.“

Im Wolfsmaul

Jedes Volk hat seine Eigenarten, wenn es jemandem gutes Gelingen wünscht: Wir Deutschen drücken oder halten die Daumen. Die Engländer halten die Finger für die betreffende Person gekreuzt. Vielleicht kennt ihr aus anderen Sprachen ähnliche Redensarten, dann lasst sie gern in einem Kommentar zurück.

In Italien hingegen wünscht man den anderen ins Wolfsmaul. „In bocca al lupo!“ heißt es, wenn eine schwierige Situation gemeistert werden muss. Woher diese Redensart kommt und warum man den Anderen gerade in den Rachen des Feindes wünscht, ist wie bei den meisten Redensarten schwer nachzuvollziehen. Was ich zunächst sehr merkwürdig bis unverständlich fand, erschien mir jedoch weniger eigenartig, als mir einfiel, dass wir im Deutschen die Art und Weise, jemandem genau das Gegenteil von dem zu wünschen, das eintreten soll, ebenfalls kennen. Wenn wir beispielsweise „Hals- und Beinbruch“ sagen, heißt das noch lange nicht, dass wir unser Gegenüber im Gips oder gar Sarg wiedersehen wollen.

Am ehesten kann man sich also vorstellen, dass diese Redensart aus dem Jagdjargon kommt, möglicherweise auch aus dem Ambiente der Hirten, für die der Wolf sicherlich eine der größten Bedrohungen darstellte, und genau das Gegenteil von dem ausdrücken sollte, was es wörtlich bedeutet.

In bocca al lupo“ – sagt also der Italiener, wenn er jemandem Erfolg wünschen möchte. Daraufhin sollte man aber keinesfalls mit „Danke!“ antworten. Die richtige Antwort lautet: „Crepi (il lupo)!“ und bedeutet wörtlich, dass der Wolf krepieren soll, und im übertragenen Sinn, dass man die Oberhand über die schwierige Situation behalten wird.

Soweit mein kleiner Exkurs in die Eigenheiten der italienischen Sprache und für all eure heutigen Vorhaben: In bocca al lupo!

Tödlicher Wein – Sommerlektüre und Urlaubsgefühle

Vino mortale

Kirsten Wulf: Vino mortale: Ein Apulien-Krimi, Kiwi, 2015, S. 368

Seitdem ich vor ein paar Monaten auf der Internetseite der in Genua lebenden, deutschen Journalistin und Autorin Kirsten Wulf gelesen hatte, dass sie hart daran arbeite, ihren dritten Apulienkrimi bis Juni 2015 zum Abschluss zu bringen, stellte sich bei mir Vorfreude auf den Sommer ein: 30 Grad, ein Liegestuhl unter dem Sonnenschirm auf meiner Terrasse und ein spannendes Buch in der Hand. Endlich wieder mit der Fotojournalistin Elena und Commissario Cozzoli durch die engen, staubigen Straßen des Salento bei Lecce streifen, wo sich bereits seit dem ersten Band „Aller Anfang ist Apulien“ (2013) immer wieder dunkle Abgründe hinter aller Freundlichkeit, Unbeschwertheit und scheinbar naiven Provinzialität auftun.

Seit gestern steht „Vino Mortale“ nun in den Buchläden und ich habe mein etwas früher eingetroffenes Rezensionsexemplar auch extra langsam gelesen, viele Wasser- und Eiscremepausen gemacht sowie – fast passend zum Roman – meinen Weintrauben beim Wachsen zugesehen, aber trotzdem ist mein Apulienkrimisommer nach drei Tagen schon wieder vorbei. Ich weiß nicht, ob sie das hier lesen wird, aber vielleicht kann ich sie an anderer Stelle das Gleiche noch einmal fragen bzw. bitten: Liebe Kirsten Wulf, kannst du nicht dickere Bücher schreiben, per piacere!?!

Tatsächlich ist der neue Roman noch gelungener als seine beiden Vorgänger und aus diesem Grund war es ein doppelter Genuss, mit ihm eine Weile aus dem Alltag abtauchen zu können. Die Krimihandlung ist deutlich in den Vordergrund getreten, weshalb der bärbeißige, doch anhängliche Kommissar aus Rom (der meiner Meinung nach charakterlich vielschichtigste und deshalb interessanteste Protagonist) in diesem Roman einen größeren Raum bekommen hat. Ohne lange zu fackeln, geschehen nämlich gleich zwei brutale Morde, die auf den ersten und zweiten Blick nichts miteinander zu tun haben, aber im Zuge ihrer Aufklärung schließlich in einen spannenden, völlig unerwarteten Zusammenhang gebracht werden. Als treuer Leser bangt man dieses Mal besonders mit, geht es doch nicht einfach nur darum, die kriminalistische Lösung zu finden, sondern auch darum, Elenas liebenswert-chaotischen Onkel Gigi herauszuhauen, auf den allen Unglaubens zum Trotz fast bis zuletzt der Hauptverdacht für den Mord an einem überheblichen, französischen Weinexperten fällt. Dabei stehen in „Vino mortale“ der Weinanbau in Apulien oder Weine aus Apulien und deren Wert in den  Augen der Fachwelt nur scheinbar im Vordergrund.

Trotzdem wäre es sehr empfehlenswert, bei der Lektüre des Romans eine Flasche Wein – natürlich aus dem Salento – in Reichweite zu haben, denn die Autorin hat sehr sorgfältig Traubensorten und die daraus gekelterten Weine recherchiert. Da die im Roman verkosteten Tropfen auch immer wieder beschrieben werden, entsteht fast zwangsläufig große Lust darauf, den Lesegenuss mit Weingenuss zu verbinden.

Ich kann meinen geneigten Bloglesern diesen Roman also nur wärmstens als Sommerlektüre ans Herz legen, besonders wenn ihr gerade keine Möglichkeit habt, in einen Flieger zu steigen, um unter apulischen Olivenbäumen zu urlauben. Für mich persönlich ist der Roman auch wunderbar, weil anhand der Serie sichtbar wird, wie ein Schriftsteller mit jedem Buch wächst, handwerklich immer besser wird und auch seinen Charakteren zu mehr und mehr Lebendigkeit verhilft. Also von mir aus könnte es gleich Sommer 2016 werden, denn der Schluss des Romans lässt deutlich auf eine Fortsetzung hoffen.

Spätfrühling auf der Terrasse 2 – Die Früchte der Arbeit

Wein

Wein auf der Terrasse – ein neues Experiment

Gina kontrolliert, ob die Tomate wächst.

Gina kontrolliert, ob die Tomate wächst.

Die Überschrift ist jetzt eher nicht metaphorisch gemeint, kann aber durchaus so verstanden werden. Manchmal fühlt man sich auch auf einer Terrasse wie die sprichwörtlichen Schatzsucher im Weinberg; besonders wenn man sich dann auch noch einen Weinstock anschafft. Nach dem letzten Beitrag über Blühendes heute also der zweite Teil der aktuellen Terrassenbegehung mit einer kleinen Auswahl dessen, was Früchte trägt oder tragen wird.

Olivenbaumblüten

Der Olivenbaum hat reich geblüht. Mal sehen, ob er auch Früchte tragen wird.

Birnbaum

Der Birnbaum trägt in diesem Jahr mehr als drei Früchte.

eine Kirsche

Beim neu gepflanzten Kirschbaum hat es genau für eine Kirsche gereicht.

Aprikose mit Rukola

Die Aprikose mit ihrem Unterwuchs von Rukola hängt voll.

Insekt am Rukola

Und das ist der Grund dafür: Die leuchtend gelben Rukolablüten locken Bienen an.

 



 

 

 

 

sich biegender Ast

Die Zweige des Aprikosenbaums biegen sich unter ihrer Last.

 

Feigenbaum

Feigenbaum Federico lässt sich nicht lumpen. Er hat bereits die ersten Früchte, Fioroni genannt, wachsen lassen und nun auch Feigen (fichi) angesetzt.

Kaktusfeigenblueten

Die Früchte der Kaktusfeigen schmücken sich jetzt mit gelben Blüten.