Wie von Oma und Opa geknuddelt

Eine der schönsten Regionen Apuliens ist das Itria-Tal (Valle d’Itria), eine fruchtbare Ebene zwischen den pittoresken Orten Locorotondo, Cisternino und Martina Franca. Bekannt ist sie nicht nur für Oliven- und Weinanbau, sondern vor allem für die Trullis, kleine Rundbauten aus Naturstein mit einem Kegeldach. Der Ort mit den meisten dieser Häuschen ist Alberobello, eine der schönsten Touristenfallen der Region und gleichzeitig Weltkulturerbe der Unesco.

Trullo hinter Olivenbäumen

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es im Itria-Tal zahlreiche, denn inzwischen lebt die Region mindestens so sehr vom Tourismus wie von der Landwirtschaft. Besonders begeistert hat mich aber das im Hinterland von Locorotondo versteckte „Trullo di Nonno Angelo“ und zwar so sehr, dass ich die Gastfreundschaft von Martino und seiner Frau Livianna bereits zweimal genossen habe. Eine schmale Straße schlängelt sich zwischen Trockensteinmauern hügelauf und -abwärts. Das Trullo selbst duckt sich hinter ein paar der insgesamt 70 Olivenbäume und ist von der Straße aus kaum zu entdecken.

Deshalb holt Martino alle Neuankömmlinge persönlich am Bahnhof von Locorotondo ab und führt sie zu seinem B&B. Beim zweiten Mal wartet seine Frau vor dem Tor, damit wir nicht vorbeifahren.

1991 hat sich Liviannas Vater (Nonno Angelo) hier auf einem Teil seiner 7 Hektar Land seinen Traum von den eigenen vier Wänden erfüllt und einen Kompromiss zwischen dem traditionellen Trullo und einem praktischen Häuschen gefunden. Das traditionelle Trullo mit seinem Kegeldach umgeben gerade Wände. Die schmale Tür unter dem gewölbten Eingang veranlassen eine Arbeitskollegin zum Vergleich mit einem Hobbithaus. Tatsächlich hat man beim Eintreten den Eindruck, ins Haus seiner Großeltern zu kommen. Wer den Charme von Deckchen, Vorhängen und Deko-Kissen, dunklen Möbeln und Nischen nicht mag, ist hier definitiv fehl am Platz. Alle anderen werden es süß bis urig und für eine paar Tage Abschalten vom Alltag gerade richtig finden.

Was bei mir aber besondere Begeisterung ausgelöst hat, ist der Garten des Trullos. Hier zeigt sich das Livianna einen dunkelgrünen Daumen hat, mindestens einen: überall grünt und blüht es, in Töpfen auf Mauern und Terrassen, in Beeten, Zinkeimern… . Hier schaukelt eine Hängematte unter einer Pinie. Dort sitzt man auf rustikalen Holzbänken unter einer Pergola aus Immergrün. Direkt vor der Tür befindet sich eine weitere Sitzgelegenheit unter einer Holzlaube. Und auf der höher gelegenen Terrasse laden Liegestühle zum verweilen ein. Wem zu warm geworden ist, der kühlt sich unter der Außendusche ab. Natürlich gibt es auch ein geräumiges Badezimmer mit Dusche und Waschmaschine im Inneren des Hauses.

Das Beste am Trullo von Nonno Angelo bleibt jedoch der warme Willkommensgruß in Form einer hausgemachten, fluffigen Focaccia, lokalem Wein und Taralli, sowie traditionellen Keksen und einem süßen Sandkuchen als Nachtisch oder zum Frühstück. In der Saison bewirten Martino und seine Frau ihre Gäste auch mit Früchten von ihren ca. 100 Kirschbäumen, mit Feigen oder Aprikosen. Wenn man erstmal auf der Terrasse sitzt und es sich mit Blick auf Blumen und Bäume gut schmecken lässt, dann fällt sofort der Alltag von einem ab und ein wohliges Urlaubsgefühl stellt sich ein, selbst wenn man noch arbeiten muss, was bei Wifi sowohl im Haus als auf der Terrasse möglich ist. Und, was zweimal so gut geklappt hat, wird auch 2023 wieder funktionieren.

Noch ein Tipp: Wer weitere traditionelle Speisen (z.B. Panzerotti, Orecchiette oder Süßes) probieren möchte, ist im nahegelegenen Bistro von Liviannas Schwester bestens aufgehoben.

Link zu Booking: Trullo di Nonno Angelo