Torre 1

Überraschungstürme

Torre 2Darauf, dass Apulien seine kleinen Schätze geheimzuhalten weiß, habe ich schon hingewiesen. So kann man bei Fahrten ins Hinterland auch unvermutet auf gut erhaltene militärische Verteidigungstürme aus der Stauferzeit wie den Torre di Gavetino bei Bisceglie in der Nähe des „Dolmen della Chianca“ treffen. Überraschung.

NikoLeider gibt es weder innen noch außen Treppen, denn man hätte von oben aus bestimmt einen tollen Blick auf das davorliegende Tal (Lama di Santa Croce). Aber vielleicht ist das auch besser so, da der Bewuchs mit Gras und Feigenbäumen sowie das bröckelnde Dach nicht sehr Vertrauen erweckend anmuten. Wie sich Niko daher an der Turmdecke verewigen konnte ( nebenstehendes Foto anklicken und durch das Fenster an die Decke schauen), wird wohl sein Geheimnis bleiben.

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Trullo 1

Pajare – Die weniger berühmten Verwandten der Trulli

Während die Trulli (Sing. Trullo) nicht zuletzt Dank des Unesco-Weltkulturerbes von Alberobello auch außerhalb Italiens inzwischen bekannt sind, findet man die Pajare (Sing. Pajaru) eher einzeln stehend im apulischen Hinterland zwischen Oliven- und anderen Bäumen.

Trullo 2Die stufenförmig angelegten Gebäude haben mit den Trulli ihre konische Form und die Trockenbauweise gemeinsam. Je nach Region werden sie auch pagghiaru, furnieddhu, furnu, truddu, chipuru oder caseddhu genannt (Quelle: Wikipedia). Ihre dicken, fensterlosen Steinmauern halten die sommerliche Wärme ab und dienten den Bauern dereinst als Unterschlupf während der Feldarbeit oder als Lagerplatz für ihr Stroh, auf Italienisch paglia. Daher stammt vermutlich auch der Name „pajaru“.

Auf der Suche nach dem Dolmen della Chianca trafen wir auf viele, recht gut erhaltene Pajare. Im Allgemeinen sieht man sie jedoch (wie auch viele Trulli) auf den Feldern verfallen.

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Galerie und Kammer

Gut versteckt – Bronzezeitliche Steinformationen in Apulien

Obwohl der „verrückte März“ mit seinem Aprilwetter irgendwie nicht von Apulien lassen zu können scheint, genießen wir doch zwischen den Regentagen immer wieder Tage mit strahlendem Sonnenschein, Grillwetter und Hummeln im Hintern, welche die Menschen unweigerlich hinaustreiben, um Neues zu entdecken.

Dolmen di ChiancaDer Besuch meiner Freundin Michy bot dann auch endlich Anlass, mal wieder der Abenteuerlust nachzugeben und einen zweiten Versuch zu unternehmen, den „Dolmen della Chianca“ (auch „Dolmen von Bisceglie“ genannt) zu finden. Der erste Versuch im letzten Jahr scheiterte am nicht vorhandenen Navigationssystem und der mangelnden Ausschilderung dieser Unesco-geförderten Grabanlage aus der Bronzezeit. In Apulien ist man nämlich sehr, sehr weit davon entfernt mit seinen Sehenswürdigkeiten, darunter 23 Dolmen und 79 Menhire, anzugeben.

Dabei haben sich vor ca. 4000 (!) Jahren ein paar vermutlich recht kleine Bronzezeitmenschen gedacht, sie stellen ein paar damals sicherlich ziemlich imposante Steinplatten in die Gegend, damit sie selbst es in der Zeit nach dem Tod gemütlich und die heutigen Touristen etwas zu bestaunen haben. Sie konnten nicht wissen, dass der Mensch der Neuzeit lauter Olivenbäume drumherum pflanzen und die 1,80 m hohe und ca. 10 m lange Grab- und Kultanlage damit quasi unsichtbar machen würde.

Ohnehin wurde die bis dahin verschüttete Megalithgrab erst 1909 von den Archäologen Samarelli und Mosso entdeckt, welche die Steine bis 1910 ausgruben und untersuchten. Sie fanden menschliche Knochen und Reste von Keramikgefäßen, die heute im Archäologischen Museum von Bari aufbewahrt werden. Außerdem blieb eine Feuerstelle erhalten, deren Untersuchung ergab, dass sie mehrmals angezündet wurde, so dass man vermutet, sie habe eine rituelle Funktion gehabt. 2011 deklarierte die Unesco das Monument zum „Zeugen einer Kultur des Friedens“.

einsame StraßeDer Verein „Pro Loco“ aus Bisceglie hat die Kultstätte liebevoll mit einem Mäuerchen umgeben und eine Tafel angebracht, die auf die Unesco-Auszeichnung hinweist. Außerdem veranstaltet er seit 2010 jährlich eine „Nacht der Poesie“ an dieser historischen Stätte. Im letzten Jahr lasen Ende Juli acht Dichter aus ihren Werken. Der Termin für die nunmehr siebte Lesenacht ist der 30. Juli, wie mir ein freundlicher Mitarbeiter auf meine E-Mail-Anfrage hin mitteilte.

Wen jetzt die Abenteuerlust gepackt hat und wer vor einsamen Straßen nicht scheut, der fahre an diesem oder einem anderen Tag an der Ausfahrt Bisceglie Ovest von der SS 16 in Richtung Ruvo ab und folge der SP 85 unbeirrt, bis in Sichtweite der Autobahnbrücke plötzlich ein Wegweiser „Dolmen della Chianca“ nach rechts weist. Wenige Meter später nach links abbiegen und vor dem Tor einer landwirtschaftlichen Genossenschaft parken. Danach muss man nur neben der zweisprachigen Informationstafel (I, EN) durch die Öffnung in der Natursteinmauer den Olivenhain betreten und dem Trampelpfad folgen. Ganze einfach, eigentlich, wenn man es weiß.

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Fahnenschwingen 3

Federicus 2016 – Auftakt der Feiersaison

Raubvogel

Raubvogelvorführungen gehören traditionell zum Programm.

Am 25. April feiert Italien seinen „Tag der Befreiung“. In diesem Jahr war die Freude darüber besonders groß, da der Tag auf einen Montag fiel und den Italienern somit ein langes Wochenende bescherte.  In der von Bari etwa eine Autostunde entfernten Stadt Altamura nutze man die drei Tage für das Mittelalterfestival „Federicus„, welches vor allem die Altstadt Altamuras schon seit ein paar Jahren im Frühling in längst vergangene Zeiten zurückversetzt.

Musik unter TüchernBasteleiJedes Jahr legen die Organisatoren noch eins drauf und lassen ihre Mittelalter-Illusion immer detaillierter werden. Es scheint, dass die Bewohner großen Spaß daran haben, für ein paar Tage ihre normale Kleidung gegen Kostüme zu tauschen, gemeinsam zu musizieren, zu singen und ihr Familienleben vor die Haustür zu verlagern. Vor allem sieht man jede Menge kleinere Kinder mit Holzschwerten und Schilden durch die Gassen wetzen.

Fahnenschwingen 2 Fahnenschwingen 1

Davide haben besonders die Fahnenschwinger gefallen.

Orecchietteproduktion

Frauen zeigten, wie man „Orecchiette“, die traditionellen Öhrchennudeln Apuliens selbst herstellt.

 

Orecchiette

Nach dem Formen müssen sie an der Luft trocknen.

Karussel

Mittelalter-Karussell

Wir haben unseren Ausflug dorthin auch dieses Mal genossen. Vor allem, weil es an jeder Ecke etwas zu schauen gibt und weil man auf das kulinarische Wohl der Gäste besonderen Wert legt und sie mit allerlei Spezialitäten wie dem Brot, für das die Stadt berühmt ist, und gegrillten Spezialitäten aus der Umgebung dazu einlädt, sich auf Strohballen niederzulassen und dem bunten Treiben zuzusehen. So lässt man es sich gerne gut gehen.

Nebel in Mola

April, April in Mola di Bari

Ausgang zum MeerAuch Mola di Bari hatte der Nebel am vorletzten Wochenende in ein ungewöhnliches Licht getaucht. „Ich komme mir vor wie in Mailand!“, schimpfte unsere Freundin Cecilia, aber lud uns trotzdem zum Frühstück in eine Bar und zu einem Altstadtspaziergang ein. Gegen Mittag hatte sich der Nebel dann auch verzogen.

Spielzeugauto

Ein liebevoll aufpolierter Fiat 500 erscheint in einer süditalienischen Altstadtgasse fast wie ein Spielzeugauto.

Balkon an Balkon

Die Balkons hängen so dicht, dass man leicht von einem zum anderen steigen könnte.

Gemüsestuhl

Wer für den Eigenverbrauch zu viel hat, der bietet es den Vorübergehenden vor seiner Haustür an.