Apulische Altstädte – lauschig romantisch und klaustrophobisch eng

 

 

Wer sein fahrtechnisches Können unter Beweis stellen will, ist in süditalienischen Altstädten gut aufgehoben. Hier zeigte der Fahrer eines Transporters, welcher Mitte Juli Material zum Bühnenaufbau in die historische Altstadt von Martina Franca gebracht hatte, was er drauf hat.

Auf Olivenbaumpirsch

Dass es mir die Olivenbäume Apuliens angetan haben, habe ich auf meinem Blog schon mehrfach zum Ausdruck gebracht (unter anderem hier). Auch in diesem Sommer war ich schon mit meiner Familie in der Gegend um Fasano unterwegs, wo besonders alte und oft auch eigentümliche Bäume zu finden sind. Davide ist ebenso fasziniert wie ich, wenn wir auf knorrige Stämme stoßen, die zeigen, dass die Pflanzen allen Widrigkeiten zum Trotz immer weiter gewachsen sind.

Dieser Olivenbaum scheint sich mehrmals auf sich selbst abgelegt zu haben. Irgendwann ist er dann wieder dem Himmel entgegen gewachsen.

Solltet ihr im Itriatal Urlaub machen, dann fahrt ruhig einmal ins Hinterland. Angst vor engen Straßen, halbhohen Mäuerchen und mangelnder Ausschilderung dürft ihr dabei natürlich nicht haben.

Eine Kutschpartie ist lustig

Neulich zwischen Ostuni und Francavilla Fontana – Wohin diese beiden Männer unterwegs waren, habe ich nicht in Erfahrung gebracht. Vielleicht musste sich das Pferd sein Stroh vom Feld holen. Vielleicht sollten Kutsche, Pferd und Stroh auch irgendwo eine Touristenattraktion bilden. Auf jeden Fall fielen sie auf.

Selbstgemachte Nudeln aus Baris Altstadt

Seit die Baresen erkannt haben, dass sie mit ihrer Altstadt ein kleines Juwel besitzen, das ständig weiter restauriert und verschönert wird, sind auch die Altstadtbewohner findig geworden. Sommers sitzen die Omas vor der Haustür und stellen die typisch apulischen Öhrchennudeln, Orecchiette, in für alle sichtbarer Handarbeit her. Dabei teilen sie in Windeseile kleine Stückchen von einem Nudelteigstrang und rollen ihn in die Örchenform. Dann legen sie die Nudeln in der Sonne zum Trocknen aus und verkaufen sie an vorübergehende Touristen.

Man sollte sich darauf vorbereiten, mindestens zu erzählen, woher man kommt, denn ein kleines Schwätzchen ist immer drin. Doch auch dabei stehen die fleißigen Hände kaum still.

Das verflixte siebte Jahr

Hallo, meine lieben Lesenden,

ich weiß, es ist mal wieder still auf diesem Blog geworden. Das kommt daher, dass ich seit Ende April an sechs Tagen die Woche arbeite. Und das kommt wiederum daher, dass ich u.a. in einer privaten Sprachschule arbeite, in der pro Jahr mal eben 6000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene Cambridge Sprachprüfungen ablegen – vielleicht auch mehr – und so etwas findet dann bevorzugt an Samstagen vor Schuljahresende und dem Sommerurlaub statt. Luigi sei Dank, dass uns zu Hause noch nicht die Müllberge über den Kopf gewachsen sind und regelmäßig etwas zu essen auf dem Tisch steht!

Nicht Apulien aber ähnlich ambivalent.

Meine Administratortätigkeit für IDP IELTS Examen hat mich zudem drei Nächte ins asiatische Ausland geführt. Ihr könnt ja mal raten, welche Stadt der Blick aus meinem Hotelfenster zeigt.

Wenn du nicht zum Strand kommst, muss der Strand eben zu dir kommen. Sandkästen sind in Süditalien unbekannt. Deshalb habe ich kurzerhand selbst einen gebaut.

Hat man sich und seinen zehn Kilo schweren Rucksack dann abends in den dritten Stock hochgeschleppt, wird man von einem Kind angesprungen, dass den ganzen Tag nur darauf gewartet hat, seiner Mama 1000 Dinge zu erzählen, eine Eisenbahnstrecke mit ihr zu bauen und/ oder im vor Kurzem fertig gestellten Sandkasten (Keine Ahnung, wann ich das Ding auch noch gebaut habe!) zu buddeln, bis die Sonne untergegangen ist.

Nur gut, dass es Jahrestage gibt! Momente zum Innehalten, Durchatmen, Revue passieren lassen…

Der letzte Sommer und Herbst vergingen viel zu schnell. Inzwischen freuen wir uns schon auf unseren nächsten Besuch aus und in Deutschland.

Ein Stück Hafen von Bisceglie im Februar.

Im zeitigen Frühjahr hatten wir noch Muße, uns in der Nähe von Bari umzusehen und ein paar kleine Städte zu besuchen.

Erinnerung an unseren nachösterlichen Kurzurlaub im Süden Süditaliens: Das Schloss von Otranto im April.

Denkwürdig auch die zwei Wochen, in denen ein vor der Seepromenade Baris gestrandetes Frachtschiff die Hauptattraktion Apuliens bildete.

Und natürlich darf ich „San Nicola“ nicht vergessen. Während des drei Tage währenden Stadtfestes hatten wir dieses Mal die Gelegenheit, die italienische Kunstfliegerstaffel „Frecce Tricolore“ vom Dach eines Hauses an der Seepromenade zu beobachten – lauter laute Düsenjäger zum Anfassen nah. Davide fand sie auf einmal gar nicht mehr so sympathisch und zog sich ins Haus zurück.

Ja, wie war also das verflixte siebte Jahr? Gar nicht so verflixt. Eher normal; normal gut. Während Luigis Plan, sich neben seiner Arbeit im Lohnbüro als Hausverwalter zu etablieren aufgeht und er demnächst schon das zweite zu verwaltende Haus übernehmen wird, hat Davide das erste Kindergartenjahr mit Spaß und Freude hinter sich gebracht. Ich habe noch mehr Verantwortung in meiner Schule und einen Schlüssel für den ungehinderten Zugang übertragen bekommen. So geht alles irgendwie immer weiter. Beruhigend oder?

Unser Feigenbaum Federico lockt mit supergroßen Fironi.

Über Aprikosenmangel können wir uns auch nicht beklagen.

Gestern Abend lümmelten mein Sohn und ich bis in den späten Abend hinein auf einem Liegestuhl herum, denn ein leichter Wind hatte die afrikanische Hitze endlich erträglich gemacht, und ließen den Tag ausklingen. „Mama, erzähl doch noch eine letzte Geschichte, eine die wir noch nie gehört haben!“ verlangte er schließlich. „Weißt du was,“ wiegelte ich ab, denn das wäre ungefähr die zehnte Geschichte dieser Liegestuhllümmelei geworden, „wir gehen jetzt ins Bett und die Geschichte, die machen wir morgen selbst, okay?“ – Es war natürlich nicht okay, aber er ging trotzdem ins Bett.

Und genau heute beginnt diese neue Geschichte – mein achtes Jahr in Apulien. Ich weiß nicht, wie lange das weitergehen wird, aber bisher empfinde ich es immer noch als etwas Besonderes, in diesem Landstrich leben zu dürfen – gerade jetzt, wo der Sommer beginnt, welcher Grillabende mit Freunden, müßige Stunden auf der Terrasse, Mittagsschläfchen, Fahrten ans Meer und jede Menge süßer Wassermelonen versprich, ist das Leben hier so einfach und deshalb so besonders schön.

Praktisch – Hund zum Ausborgen. Unsere Nachbarn sind immer froh, wenn wir mit Yuki zu einem langen Spaziergang aufbrechen. Er auch.

Unsere Katze Gina hingegen ist auch nach ihrer Wiederauffindung wenig dankbar, asozial und absolut kein Fotomodell. Wir lieben sie trotzdem.

Allen denen, welche diesen Blog verfolgen und auch den ca. 100 Personen, die täglich hier zufällig vorbeisehen, wünsche ich eine ebenso tolle Zeit! Ich sende Grüße an alte und neue Freunde und werde an euch denken, während ich noch ein Stückchen ComPluglianno-Kuchen (auch bekannt als „Fraukes Buttermilchkuchen“) esse und mit einem Gläschen Limoncello auf meinen siebten Apuliengeburtstag anstoße.

 

Tanti Auguri e tante belle cose a tutti!

Corinna

 

 

Kurztrip zum Mars

Am vergangenen Wochenende fuhren wir auf einen Kurzurlaub nach Otranto. Das ist ein schmuckes Städtchen im südöstlichen Salento, mit dem Auto ca. zweieinhalb Stunden von Bari entfernt. Es gibt einen wunderbaren Stadtstrand, ein Schloss, das die Aragonier hinterlassen haben, und eine liebevoll restaurierte Altstadt mit verlockenden, kleinen Läden, die Keramik, Schmuck, (Strand)Kleidung und auch viele Mitbringsel aus dem leicht zu behauenden Lecceser Sandstein anbieten. Da fällt es wirklich schwer, sein Portemonnaie festzuhalten.

Bis in die 70er Jahre hinein wurde hier Bauxit abgebaut; ein Mineral, das man für die Aluminiumherstellung verwendet.

Wer hätte allerdings gedacht, dass die beeidruckendste Sehenswürdigkeit von Otranto eine ehemalige Bauxit-Grube wenig außerhalb der Stadt sein würde? Wer käme überhaupt auf die Idee, eine Grube zu besichtigen, in der dereinst Material zur Aluminiumherstellung abgebaut wurde? Ehrlich gesagt, ich wollte da nur hin, weil ich im letzten Jahr wirklich beidruckende Fotos gesehen hatte. Sie zeigten einen grünlich schimmernden See inmitten einer bizarren, roten und gelbroten Hügellandschaft; dahinter das tiefblaue Meer. Wow! Ein kleiner Ausschnitt des Mars‘ mitten in Apulien. Das musste ich mit eigenen Augen sehen.

Allerdings ist der kleine See kein Geheimtipp mehr und als „Laghetto (ex-cava di bauxite)“ von Otranto aus gut ausgeschildert und sogar fußläufig schnell zu erreichen. Ca. 1,5 km vom historischen Zentrum aus in Richtung Santa Cesarea Therme, sieht man schon kurz nach dem Abbiegen auf eine Schotterstraße den Parkplatz. Drei Euro kostet das organisierte Abstellen des Autos und dann kann man dem Sandweg folgen, der rechter Hand bis vor eine imposante Absperrung führt, auf der steht, dass das Betreten des Privatgeländes streng verboten sei. Davor findet man sicher einige ratlose Gesichter, sollte dann aber den mutigen Besuchern folgen und die Absperrung auf dem Trampelpfad umrunden.

Man erreicht die Bauxitgrube nicht nur auf Schusters Rappen. sondern auch auf richtigen Pferden.

Nach nur wenigen Metern steht man vor den roten Hügeln, die jetzt im Frühling von einem satten Grün umwogt und von einem ebensolchen Pflanzenteppich erobert werden. Wenn man sich in Richtung Grubenrand vorwagt, erkennt man deutlich, dass hier immer wieder „Ufer“ wegbricht und sich rechts zwischen dem tief unten liegenden „Seechen“ und einem apulischen Mini-“Ayers Rock“ Spalten auftun. „Streng verboten“ macht da einen gewissen Sinn. Allerdings zeigt eine Reiter-Kolonne, die im Gänsemarsch den kleinen See umrunden und vom Rücken der Pferde aus auf ihn hinunterschauen auch, dass das farbenfrohe Spektakel bereits Schaulustige im größeren Stil anzieht. Sicher muss hier in Zukunft ein gutes Konzept gefunden werden, welches das ungewöhnliche Naturschauspiel und die menschliche Neugier in Einklang bringt.

Wir können den Besuch dieser einmalige Landschaft nur empfehlen. Als wir unserer Vermieterin am Tag der Heimfahrt begeistert davon erzählten, konnte sie noch eine Anekdote hinzufügen. Ihr Mann besitzt eine Firma für Baumaschinen und sollte dereinst die besagte Bauxit-Grube zuschütten und planieren. Nur weil man sich nicht über den Preis einigen konnte, blieb das Loch im Boden und füllte sich in den darauf folgenden Jahren mit Wasser, sodass der kleine See entstand. Wer hätte gedacht, dass die unliebsamen Hinterlassenschaften des Industriezeitalters einen solchen Publikumsmagneten hervorbringen würden? Ja, wer würde überhaupt darauf kommen, eine Ex-Bauxit-Grube zu besichtigen, wenn es nicht solche Fotos gäbe?

Ostersonntag

Bei Atheisten spielt Ostern keine große Rolle, wenn man von den gern zur Erholung genutzten Feiertagen absieht. Derer gibt es im katholischen Italien leider nur den Ostermontag. Immerhin schließen die Schulen und anderen Kindereinrichtungen großzügig schon am Donnerstag vor Ostern und öffnen in diesem Jahr Dank des italienischen Nationalfeiertags am 25. April erst wieder am Montag, dem 29. Ein Wunder eigentlich, dass keine „Superbrücke“ – eine extreme Kombinationen von Urlaubstagen zwischen Feiertagen – konstruiert wurde und die Kinderchen gleich bis zum 2. Mai zu Hause bleiben dürfen.

Egal ob Ostern oder nicht – Gina genießt von uns allen die Terrasse am meisten.

Gut, dass Mama auch schulisch tätig ist, sonst gäbe es ein Betreuungsproblem. Doch wer spricht schon gern an einem sonnigen Osterwochenende von Problemchen? Der Osterhase hat ein paar Geschenke auf unserer Terrasse verloren, die bereits freudig gesucht wurden. Keine italienische Ostertradition, aber mit einem Kind hat Ostern wieder eine andere, viel freudigere Bedeutung bekommen. Und so schleicht man also in aller Herrgottsfrühe über die Terrasse und fragt sich, ob das Kind irgendwann länger als bis halb sechs schlafen oder sich das Leben für immer schon vor dem Aufstehen abspielen wird.

Ostertipp: Schneckenmäßig entschleunigen.

Glücklicherweise können sich Eltern bei der Betreuung abwechseln. Während jetzt also im Wohnzimmer eine raumfüllende Eisenbahnstrecke gebaut wird, Gina sich auf einem Liegestuhl putzt und eine Schnecke über meinen Frühstückstisch kriecht, wünsche ich euch sonnige, frohe und erholsame Osterfeiertage.