umrühren fertig

Multitasking Mama mit Couscous

Frauen sagt man nach, dass sie multitasking seien. Mütter heben diese Fähigkeit, zahlreiche Dinge auf einmal tun zu können, noch auf ein ganz anderes Level.

Während ich zum Beispiel mit einer Hand meine Frühstückskekse in die Milch dippe und mit der anderen telefoniere, schiebt mein Bein ganz automatisch den Kinderwagen vor und zurück. Gleichzeitig überlege, was ich zum Mittag kochen könnte, wenn Davide endlich schlafen würde. Bleibt noch ein freies Bein, mit dem ich nervös wippen kann, wenn die Person, mit der ich telefoniere, nicht zum Ende kommt. Wenn das nicht multitasking ist, dann weiß ich auch nicht…

Kochen, essen, überhaupt das ganze Leben richtet sich im Moment nur nach dem Rhythmus unseres kleinen Sohnes… und so rhythmisch ist der noch nicht. Nur eines ist sicher: ausgerechnet wenn das Essen auf dem Tisch steht, wenn man mal dringend aufs Örtchen muss, wenn es an der Tür klingelt, wenn die Katze etwas fressen will… kurz, wenn es gerade ganz ungünstig ist… dann hat Davide Hunger und ich kann mich stillend nicht bewegen.

Da lohnt es sich, bei der eigenen Essensplanung vor allem Gerichte in Betracht zu ziehen, die sich nicht nur schnell in größerer Menge kochen, sondern auch leicht wieder aufwärmen lassen – wie zum Beispiel „Couscous mit Gemüse“.

Bei den vielseitig verwendbaren Grießkügelchen aus Weizen, Gerste oder Hirse denkt man wahrscheinlich nicht zuerst an Italien, sondern an Afrika, aber tatsächlich ist Couscous ein fester Bestandteil der süditalienischen Küche, wurde doch der Süden Italiens im Mittelalter lange Zeit von den Arabern beeinflusst oder wie auf Sizilien gar beherrscht. Sie haben nicht nur in der Baukunst, sondern auch in der Küche ihre Spuren hinterlassen. Ziemlich leckere Spuren, wie ich finde.

Gemüse bratenFür Gemüse-Couscous kann man eigentlich alles Gemüse verwenden, das einem schmeckt oder sich ohnehin gerade im Kühlschrank befindet: Karotten, Zucchini, Aubergine, Paprika, Tomaten oder Zwiebeln machen sich ganz wunderbar. Ich habe für 4 Personen drei kleine Karotten, zwei kleine Zucchini und einer kleine Aubergine nebst ein paar Tomaten in Würfel geschnitten und in einer Pfanne mit ein bisschen Knoblauch, Salz und Pfeffer angebraten. Für 250 g Couscous wird ein Viertel Liter Wasser mit Couscous dazueinem Esslöffel Öl und einem Teelöffel Salz zum Kochen gebracht und, wenn es sprudelt vom Feuer genommen; dann den Couscous einrühren und ein paar Minuten quellen lassen. Danach noch einmal drei Minuten kochen und ein bisschen Butter unterrühren. Zum Schluss alles in der Pfanne zusammenrühren und mit etwas Basilikum abschmecken. Fertig.

Da kann Davide in letzter Minute gern das Mittagessen vereiteln. Nach einer Minute in der Mikrowelle ist das „Couscous con verdure“ wieder warm und wird von mir ganz schnell verspeist. Man kann nie wissen, wie lange man selbst Zeit zum Essen hat oder ob der Kleine nicht gleich noch einen Nachschlag will. Stillen und eine richtige Mahlzeit essen funktioniert zwar auch, hat sich im Sinne sauberer Kleidung aber als unpraktisch erwiesen.

Kurioses aus dem Krankenhaus IV – Intelligent mit klassischer Musik

„Du musst deinem Sohn klassische Musik vorspielen!“ erklärt mir meine Zimmerkollegin und zieht die plärrige Spieluhr am Kinderbettchen ihrer Tochter auf. „Beethoven, weißt du.“ Erneut erklingen einige, sich scheinbar endlos wiederholende Takte der „Kleinen Nachtmusik“. Das ist zwar kein Beethoven, jedoch äußerst nervtötend und ich wundere mich, dass die Zwillinge nicht mindestens greinend protestieren. Vielleicht haben Babys am zweiten Tag nach ihrer Geburt noch kein ausgeprägtes Hörvermögen.

„Magst du denn klassische Musik?“ frage ich und versuche die Spieluhr zu ignorieren. Bisher kam mir meine Bettnachbarin nicht wie ein Kulturfreak vor.

„Entschuldige, aber wer mag heute schon klassische Musik?“ Offensichtlich handelt es sich um eine rhetorische Frage, denn sofort erklärt sie mir mit verschwörerischer Mine: „Aber man hat herausgefunden, dass sie Babys intelligenter macht. Hier die ‘Kleine Nachtmusik’ von Beethoven zum Beispiel.“ Wieder zieht sie die Schnur an dem gelblichen Plastikmond nach unten.

„Entschuldige,“ wende ich ein, „aber die ‘Nachtmusik’ ist von Mozart.“

„Be, klar!“, entgegnet sie. „Findest du es nicht außergewöhnlich, dass er so etwas geschrieben hat, obwohl er taub war?“

„Der Taube war Beethoven. Mozart ist der aus dem Film ‘Amadeus’. Vielleicht hast du den mal gesehen.“ versuche ich es auf einem Anfängerniveau. – “Wo Mama nur mit dem Kaffee bleibt…?!”, wechselt meine Zimmerkollegin das Thema und sieht mir direkt in die Augen. Ich verstumme sofort. Wenn Blicke töten könnten, dann wäre ich jetzt mindestens ernsthaft verletzt.

Kurioses aus dem Krankenhaus III – Gratisbrötchen

„Ich will meine Mama!“ raunte mir meine Zimmerkollegin nachts um drei über das Babybettchen ihres Sohnes hinweg zu, während ihre Schwiegermutter mit dem Zwillingsmädchen zum Säubern im Bad verschwunden war. Schwiegermama machte freiwillig Nachtschicht auf einem ungemütlichen Krankenhausstuhl, damit sich ihre Schwiegertochter nach dem Kaiserschnitt besser ausruhen konnte.

Wie jetzt? Nachtschicht der Verwandten im Krankenhaus? – Ja, das italienische Krankensystem ist gelinde gesagt „gewöhnungsbedürftig“. Man prahlt sich damit, dass die Grundversorgung der kranken italienischen Bürger gratis ist, aber de facto funktioniert es wie folgt: Man stelle sich vor, man brauche Brötchen und ginge zum Bäcker. Die Brötchen vom Vortag sind gratis, falls es noch welche gibt. Die von heute muss man bezahlen, sie werden schneller über die Theke gereicht, sind weicher und schmecken auch besser. … und falls man optimal versorgt werden will, schickt man am besten einen Verwandten hin, der sie einem bäckt, denn wer weiß, wann der Bäcker eigentlich Zeit hat, sich darum zu kümmern. Also zusammengefasst: Brötchen gratis, ja. Aber wann und in welcher Qualität ist ungewiss. Unter Umständen ist man eher verhungert, als man seine Brötchen bekommt.

Daher ist es im italienischen Krankenhaus angeraten, robuster und selbständiger Natur zu sein oder seine Verwandtschaft Tag und Nacht zur Bedienung um sich zu scharren, denn Krankenschwestern sind scheinbar chronisch nicht verfügbar. Meine Bettnachbarin wurde denn auch in der ersten Nacht nach ihrem Kaiserschnitt von ihrer Mutter, in der zweiten von der Schwägerin und in der dritten von ihrer Schwiegermutter, welche sie offensichtlich nicht so gut leiden konnte, betreut.

Ich mochte alle drei gleichermaßen – aber nur am Tage, denn mir ist ein ausgesprochen archaisches Revierverhalten eigen und allein die Vorstellung, eine fremde Person sitze nachts wach in meinem Zimmer, während ich ihr hilflos schlafend ausgeliefert bin, lässt mich kein Auge schließen. Erst in der dritten – der Schwiegermutternacht – bin ich trotz alledem in einen komatösen Schlaf gefallen und nur einmal aufgewacht, als das Zwillingsmädchen wegen einer vollen Windel weinte.

Bei alle dem und noch anderen Unannehmlichkeiten war ich direkt froh, dass Davide ruhig und friedlich zur Beobachtung auf der Säuglingsintensivstation schlummerte. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte. Und diese hat weniger mit medizinischen Dingen als vielmehr mit kalten Mittag- und Abendessen zu tun.

Die lieben Nachbarn oder Big Brother is Watching Me

Neulich an der Ecke von unserem Palazzo. Ich komme mit Davide in seinem Babytragerucksack vom Besuch bei seiner Oma zurück, als plötzlich ein schwarzes Auto mit quietschenden Reifen und drei mir völlig unbekannten Insassen neben mir hält. Es handelt sich um zwei ältere Damen und einen männlichen Fahrer ebenso fortgeschrittenen Alters.

Die Beifahrerdame kurbelt die Fensterscheibe herunter und unisono klingt mir ein “Auguri! Auguri!” entgegen. Zum Glück heißt das so viel wie “Herzlichen Glückwunsch!”, deswegen ist mein anfänglicher Schreck (Oh, Gott! Wir werden entführt!) auch schnell wieder abgeklungen und ich bedanke mich. Daraufhin entwickelt sich ein kurzes Gespräch. Wir klären das Geschlecht und den Namen und ich werde vielmals wegen der Schönheit meines Sohnes komplimentiert (womit sie natürlich ausgesprochen recht haben). Dann sagt die Dame auf dem Rücksitz etwa das Folgende: “Ach, wie schön, dass wir ihn endlich aus der Nähe sehen konnten. Wir haben schon Ihren Bauch wachsen sehen und nun den Kinderwagen auf der Terrasse bemerkt, aber darin kann man ihn nicht richtig erkennen.”

Offensichtlich handelte es sich bei den Dreien um Nachbarn aus den Häusern in der unmittelbaren Umgebung. Wie beruhigend, dass sie darauf vertraut haben, uns irgendwann vor dem Haus anzutreffen, statt sich zum Beispiel einen Feldstecher zu besorgen.

Kurioses aus dem Krankenhaus I – Berufsaussichten Kindermädchen

Der Tag unserer Entlassung. Sowohl meine Zimmerkollegin als auch deren Mutter als auch ich sitzen angezogen im Zimmer herum und schauen den Zwillingen beim Schlafen zu. Wir warten auf die Entlassungspapiere, als eine ältere Dame eintritt. Meine Zimmerkollegin stellt mich ihr vor: “Das ist Corinna. Sie ist Deutsche.” “Ach,” antwortet die Frau überrascht, “ihr habt ein DEUTSCHES Kindermädchen.”

Suchanfragen IV – Kartoffelblüte

Immer wieder finden Leute auf meinen Blog, weil sie sich die Frage stellen, warum Kartoffeln blühen. Schuld daran, dass man mit dieser Frage ausgerechnet auf meinem Apulien-Blog landet, ist ein Blog-Kartoffelexperiment, welches die Giftige Blonde dereinst ins Leben gerufen hat.

Leider ist mein Kartoffelanbauversuch auf der Terrasse damals kläglich gescheitert. Hier oben ist es im Frühling und Sommer einfach zu warm dafür und im Winter zu feucht. Da bräuchte ich sehr durchlässige und gute Erde.

In Apulien existiert dennoch eine lange Tradition des Kartoffelanbaus. Wie man auf der Seite “Coltura & Cultura” nachlesen kann, gibt es schon seit 1837 einen regen Export von Kartoffeln nach Frankreich, England, Österreichen, Deutschland, Russland u.a.. Gerade wegen der Wärme werden sie hier in einem Herbst-Winter-Zyklus angebaut und schon ab März geerntet. Typisch apulische Kartoffelsorten sind dabei “Sieglinde di Galatina”, für die ein Verfahren zu Anerkennung als DOP-Produkt (geschütztes, regionales Produkt) läuft, und die “Kartoffel von Zapponeta”.

Wie auch immer aus der Erfahrung eines brandenburgischen Landkindes heraus kann ich sagen, dass sich Kartoffeln sowohl durch Samen als auch durch ihre Früchte vermehren lassen. Legt man eine Kartoffel in die Erde, wächst praktisch ein Pflanzenklon der Mutterkartoffel. Das garantiert, dass alle Kartoffeln einer Sorte die gleichen Eigenschaften haben und somit auch gleich schmecken. Will man jedoch neue Kartoffelsorten züchten und kreuzen, benötigt man die Samen. Das Blühen der Kartoffel garantiert also in einem gewissen Sinne die Artenvielfalt.