Nebel in Mola

April, April in Mola di Bari

Ausgang zum MeerAuch Mola di Bari hatte der Nebel am vorletzten Wochenende in ein ungewöhnliches Licht getaucht. “Ich komme mir vor wie in Mailand!”, schimpfte unsere Freundin Cecilia, aber lud uns trotzdem zum Frühstück in eine Bar und zu einem Altstadtspaziergang ein. Gegen Mittag hatte sich der Nebel dann auch verzogen.

Spielzeugauto

Ein liebevoll aufpolierter Fiat 500 erscheint in einer süditalienischen Altstadtgasse fast wie ein Spielzeugauto.

Balkon an Balkon

Die Balkons hängen so dicht, dass man leicht von einem zum anderen steigen könnte.

Gemüsestuhl

Wer für den Eigenverbrauch zu viel hat, der bietet es den Vorübergehenden vor seiner Haustür an.

nebliges Polignano

April, April in Polignano

Zwar ist der apulische April nicht mit dem deutschen, “der macht, was er will”, zu vergleichen, sondern beständiger und sonniger, aber auch hier kann das Wetter einem so manchen Streich spielen – zum Beispiel mit Nebeltagen, wie man sie nur alle paar Jahre in der Region Bari sieht. Trotzdem zieht es die Baresen und natürlich auch die Touristen beim kleinsten Sonnenstrahl nach draußen. Und so waren auch wir trotz des Nebels mal wieder im nahe gelegenen Polignano a Mare unterwegs.

Blumiges

Die frühlingshafte Sehnsucht nach Farbe wird mit einer Blumenexplosion befriedigt.

in der KisteChilis

Bei mir stehen die Geranien bisher in Gemüsenkisten auf dem Terrassenboden. Aber offensichtlich ist es in diesem Jahr aktuell, die Kisten auch vertikal an der Hauswand zu nutzen, wo sie – angestrichen oder natur – den passenden Rahmen für Pflanzen bilden.

Treppe

Poesie auf der Treppe, Keramik und noch mehr Kisten

Tür

Geheimnisvolle, halb verborgende Tür

Kopfschütteln 2 – Hässliche und andere Mütter in der Politik

Mutterschaft vs. Politisches Amt

Neben der Homoehe und der Diskussion um die Adoption der Kinder von gleichgeschlechtlichen Partnern hat auch das zweite Thema, das bei mir immer noch für Kopfschütteln sorgt, im weitesten Sinne etwas mit Familie zu tun. Offensichtlich ist die Emanzipation bei manchen Italienern noch nicht bis ins Bewusstsein vorgedrungen. Da kandiert die schwangere Politikerin Giorgia Meloni für das Bürgermeisteramt in Rom und bekommt prompt öffentlich von ihren Kollegen geraten, doch lieber mit dem künftigen Kind zu Hause zu bleiben, statt sich der katastrophalen Lage des bereits seit Oktober 2015 führungslosen Roms anzunehmen.

Mal ganz davon abgesehen, dass für jede Frau die Entscheidung für oder gegen Mutterschaft eine ganz persönliche Entscheidung sein sollte, in die ihr niemand hineinzureden hat, gibt es in Italien ohnehin nur eine recht kurze Mutterschutzzeit und die Bürgermeisterin von Rom hätte sicher auch noch andere Möglichkeiten der Vereinbarung von Mutterschaft und Beruf über die normalen Betreuungsmöglichkeiten für kleine Kinder hinaus. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass Mütter die besseren Politiker sind, mindestens was soziale und ökologische Entwicklungen betrifft. Eine Mutter würde bestimmt nicht wollen, dass ihr Kind am Tiberufer im Müll watet oder in eine Schule geht, in welcher der Putz von den muffigen Wänden fällt – ein verantwortungsvoller Vater sicher auch nicht, aber es ist eben kaum zu erklären, warum so merkwürdige männliche Persönlichkeiten in Italien Politik machen, wie sie zu ihrem Amt gekommen sind und warum hier so gar nichts vorwärts zu gehen scheint.

Für Politik nicht schön genug

Kann man(n) sich im Fall Meloni noch mit gespielter Fürsorge herausreden, geht es bei der Kandidatin für das Bürgermeisteramt in Mailand Patrizia Bedori darum, dass man sie für nicht schön genug für die Politik hält. Nachdem sie von mehreren Seiten als „hässlich und fett“ beschimpft wurde, hat sie beschlossen, sich dem medialen Stress nicht länger auszusetzen, und ihre Kandidatur zurückgezogen.

Abgesehen davon, dass “schön” oder “hässlich” doch sehr individuelle Einschätzungen sind und lange nicht von allen geteilt werden müssen, ist es schade, dass es in Italien nicht wichtig ist, wer einen Posten am besten ausfüllt, sondern wer ein gefälliges Gesicht und am besten keinen Uterus hat. Frau Merkel hätte es hier aus diesen Gründen und wegen ihrer Kleidung höchstens in die Lokalpolitik geschafft.

Osterüberraschung

Kleine Sonnen auf der Terrasse

Kleine Sonnen auf der Terrasse

Warum schreibst du denn nicht mal wieder was über Ostern? – hat mich Luigi unlängst gefragt, als wir eine “Colomba”, einen traditionellen Osterkuchen in Taubenform verspeisten, den seine Cousine Maka gebacken hatte. Die Antwort ist relativ einfach: Ich habe keine Zeit, weder zum Kochen noch zum Backen und schon gar nicht, um fundiert darüber zu schreiben. Saisonale Blogbeiträge werde ich jetzt wohl immer ein Jahr vorher vorbereiten und auf Halde legen, so wie in der letzten Woche einen Beitrag zur Befana für den kommenden Januar. (Das nenne ich weitsichtig!)

Trotzdem werden meine Osterbeiträge im Moment gern geklickt. Daher glaube ich, dass sie ganz gut und informativ sind.

Hier könnt ihr nachlesen, wie man Ostern in Apulien feiert: Wenn der Osterhase nach Apulien kommt” 

Hier habe ich über meinen Kampf mit Maria um die Eier in einer typischen Osterpastete geschrieben: “Torta Pasqualina oder Wie ich fast die Gunst meiner Schwiegermutter verlor”

Und ein simples, traditionelles Ostergebäck wie die Scarcella könnt ihr ganz einfach nach Tante Annas Rezept nachbacken.

OstereiDa die Italiener Meister im Verschenken sind und sich zu jeder sich bietenden Gelegenheit gegenseitig mit Kleinigkeiten eine Freude machen, habe ich von einer befreundeten Lehrerin bereits in der Woche vor Ostern ein typisches Geschenk erhalten – na, ja, eigentlich nicht ich, sondern Davide: ein großes Osterei aus Milchschokolade mit einer Überraschung drin. Diese Lehrerin habe ich seit unserem ersten Treffen vor einem Jahr genau 11 Mal gesehen, was verdeutlichen soll, was ich vor dem schönen Wetter, der abwechslungsreichen Landschaft und dem guten Essen an Apulien besonders schätze: die Herzlichkeit der Bewohner. Die finde ich auch nach fast vier Jahren immer wieder und immer noch umwerfend.

In diesem Sinne – HERZLICHE OSTERGRÜßE zu euch nach Hause! Macht’s euch schön!

romantisches Ostuni

Altstadtromantik

Als ob süditalienische Altstädte wie hier in Ostuni nicht schon romantisch genug wären, hilft man mit rosa Blümchen und Kerzenschein gern noch etwas nach. Wer möchte da nicht Platz nehmen und sich auf’s neue verlieben: in den lauen Sommerabend, die weiße Stadt und vielleicht auch den begleitenden Menschen?

Kopfschütteln I – Homoehe oder der Untergang des Abendlandes

Zwei in der italienischen Öffentlichkeit stark debattierte Themen haben bei mir in der letzten Zeit Kopfschütteln ausgelöst. Das erste war die wochenlange Diskussion um ein Gesetzt zur Gleichstellung der traditionellen Familie mit Familien aus gleichgeschlechtlichen Paaren. Da ging es zum Beispiel darum, ob gleichgeschlechtliche Paare eine „Ehe“ eingehen und die Kinder ihrer Lebensgefährten/innen adoptieren dürfen. Was in den meisten europäischen Ländern und sogar erzkatholischen Gesellschaften wie in Irland heute kein Problem mehr ist, wurde und wird in Italien diskutiert, als würde man gerade das Rad erfinden. Dabei sind meine sonst so gutmütigen Italiener bockbeinig wie Ziegen.

Mutter-Vater-Kind vs. Zeitgemäße Familienkonzepte

Der 30.01. wurde zum „Tag der Familie“ ausgerufen. Doch statt darüber zu reflektieren, dass das traditionelle Familienkonzept von “Vater-Mutter-Kind” durch Scheidungen etc. heute schon vielfach bei heterosexuellen Paaren nicht mehr aufgeht, und zu überlegen, WIE ein Gesetz zur Gleichstellung von Homoehen aussehen könnte, wurde dagegen protestiert. Den Äußerungen nach, die hinterher in den Fernsehnachrichten und sozialen Netzwerken kursierten, hat jeder Traditionalist mindestens einen schwulen Freund, den er sehr mag, aber dem er dennoch kein Leben in familiären Strukturen gönnt. Zahlreiche Protestierende hielten Homosexualität für eine temporäre Verirrung, wenn nicht gar eine Krankheit, die man mit gutem Beispiel und vielleicht sogar Medikamenten wieder in den Griff bekommen kann. Da fragt man sich, ob sich Italien tatsächlich in Europa oder vielleicht doch auf einer einsamen Insel oder gar einem anderen Planeten befindet. Ich kann gerade noch verstehen, wenn mich Maria, die bereits auf die 80 zugeht, jetzt häufiger in Diskussionen über Homosexualität und die Fähigkeit von Männern, Kinder großzuziehen, verwickelt. Aber, dass auch junge Menschen so ablehnend sein könnten, hätte ich nicht gedacht.

Alle in anderen Ländern (z.B. in den Vereinigten Staaten) bisher gemachten Erfahrungen (siehe Wikipedia), nach denen Kinder in gleichgeschlechtlichen, bisexuellen oder Transgender-Partnerschaften weder zwingend homosexuell noch in ihrer geistigen Entwicklung gestört werden, werden ignoriert. Wenn also das Kindeswohl nicht gefährdet wird, sondern Kinder in einer liebevollen Partnerschaft, in der sie geliebt und gefördert werden, in der sie frei und glücklich sein können, aufwachsen, warum sollte man dagegen sein? Ich frage mich, wovor haben die Gegner dieses Gesetzes denn wirklich Angst? Was geht es sie an, was ihre Nachbarn oder (fraglichen) Freunde hinter ihren Schlafzimmertüren machen? Ja, eigentlich hege ich Zweifel an der menschlich-moralischen Reife der Gegner und nicht an der von gleichgeschlechtlichen Paaren, die ihre Zusammengehörigkeit und die damit einhergehende Verantwortung vor der Welt und dem Gesetz demonstrieren wollen.

Zivilunion – ja / Adoption – nein

Immerhin hat der italienische Senat im Februar abgestimmt und eine Zivilunion genehmigt. Leibliche Kinder des einen Partners/ der einen Partnerin dürfen aber weiterhin nicht von dem Lebenspartner oder der Lebenspartnerin adoptiert und somit rechtlich abgesichert werden. Statt dessen herrscht eine diffuse Angst davor, dass alle homosexuellen Paare sich sofort im In- oder Ausland Kinder beschaffen könnten und die traditionelle Familie aus Mutter, Vater und Kind damit schon so gut wie abgeschafft sei. Gelöst hat man das Dilemma der Diskriminierung homosexueller Staatsbürger damit, dass man Adoptionswünsche zur Einzelfallentscheidung an die Gerichte übergibt.

Niki Vendola – Vorzeigehomosexueller und Stachel im italienischen Fleisch

Doch damit war die Diskussion nicht beendet, denn Baris schwuler Ex-Bürgermeister und inzwischen apulischer Präsident Nicola “Niki” Vendola hat mit seinem Lebensgefährten eine Leihmutter in den USA gefunden und mit dem Bekanntwerden der zukünftigen Elternschaft einen erneuten Sturm der Entrüstung ausgelöst, bei dem Adoptionsgegner ihre Homophobie jetzt gut hinter der Leihmutterfrage verstecken können.

Man darf daher gespannt sein, wie liberal Italien in der nächsten Zeit noch werden muss und ob Kinder nur Homosexuellen mit entsprechenden finanziellen Mitteln vorbehalten bleiben werden.

Über das zweite Kopfschüttelthema muss ich beim nächsten Mal schreiben, denn vor lauter Schütteln ist mir schon ganz schwindelig.