unendliche Weiten

Erkenntnis der Woche

Mordsmäßig erkältet und mit krankem Kleinkind sowie krankem großen Kind Mann zu Hause zu sein, erinnert stark an Hölle. Da ist es besser, sich halb tot auf Arbeit zu flüchten.

Was das Foto damit zu tun hat? Nichts. Ich wollte nur mal an schönere Tage im apulischen Frühling erinnern.

Allen Schniefnasen gute Besserung!

auf dem Catwalk 4

Catwalk

Unsere Findelkatze Gina hat in ihrem Leben eine Sache definitiv richtig gemacht, als sie sich uns damals am Müllcontainer vor die Füße warf. Seit dem hat sie nicht nur unsere Traumwohnungs- sondern auch alle angrenzenden Terrassen für sich erobert.

auf dem Catwalk 1

Damit hat sie hier auf dem Dach unseres Palazzos ein Reich von mindestens 700 qm, in dem sie regelmäßig Blumenkübel umgräbt, Parcours übt und auf den Mauern ihren “Catwalk” vorführt. 

auf dem Catwalk 2

Zum Leidwesen unserer Nachbarn, die sie gern mit ein bisschen Katzenfutter angelockt hätten, lässt sie sich jedoch nicht so einfach übers Ohr hauen oder gar streicheln.

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Als Straßenkatze wäre sie mit dieser Einstellung verloren, aber darüber muss sie sich ja keine Gedanken mehr machen.

fertig

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Ausflug zum Anfang unserer Zivilisation

DSC_0072Wenn man von Bari aus die im weiteren Ausbau befindliche Staatsstraße 96 eine knappe Stunde in Richtung Altamura fährt und dort scharf links abbiegt, erreicht man nach weiteren 15 Minuten auf der Strada Statale 99 die Stadt Matera. Dann befindet man sich im Grunde genommen schon in Basilikata und nicht mehr in Apulien, aber das soll an dieser Stelle nicht stören. Matera ist für jeden Apulienbesucher auf jeden Fall einen Abstecher Wert. Wegen ihrer „Sassi“ (Steine), wie die Höhlensiedlung der Altstadt genannt wird, steht Matera nämlich schon seit 1993 auf der Liste des Unesco Weltkulturerbes. Im Jahr 2019 wird die einstige “Schande Süditaliens” sogar Kulturhauptstadt des Jahres sein.

DSC_0099Das Flüsschen Gravina hat hier in den unzähligen Jahrhunderten auf seinem Weg in den Abgrund steile Hänge gegraben, in deren Kalksteinwänden sich Höhlen bildeten, die den Menschen bereits vor mehr als 2000 Jahren Unterschlupf boten. Solche Felsenhöhlen kann man noch auf der gegenüberliegenden Seite der Gravina-Schlucht sehen. Auf der Seite Materas wurden die Höhlen irgendwann mit Wänden versehen und muten von außen wie übereinandergetürmte Würfelhäuser aus dem Bausteinkasten an.

DSC_0113IMG_2456Wer auf historischen oder filmischen Pfaden weilt, der kommt in der sich langsam mit Bed & Breakfasts, Souvenirläden, kleinen Restaurants und Werkstätten wiederbelebenden Geisterstadt voll auf seine Kosten. So filmte Mel Gibson große Teile seiner „Passion Christi“ hier und erst im letzten Februar wurden Teile der Neuverfilmung von „Ben Hur“ (soll in diesem Jahr in die Kinos kommen) mit Morgan Freeman in Matera gedreht.

DSC_0091Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein, waren die Sassi noch mit Menschen und Nutztieren bewohnt, die oft unter einem Dach lebten. Die daraus resultierenden, katastrophalen hygienischen Zustände in der Siedlung, deren Anfänge bis in die Jungsteinzeit zurückgehen, machte es nötig, dass die Menschen aus den Sassi in neue Wohnhäuser umgesiedelt wurden. In der Nähe der kleinen Felsenkirche San Pietro findet man einen Wegweiser zum „Casa Grotta di Vico Solitario“, einem Haus, das wie in der Zeit vor der Umsiedlung eingerichtet ist und ahnen lässt, wie es sich in Matera gelebt haben muss. Leider begann mit der Umsiedlung auch der Zerfall der Höhlenwohnungen von Matera. Erst in den 80er Jahren erkannte man, welchen Schatz, man mit dieser einzigartig umfangreichen Höhlensiedlung eigentlich in Händen hält und begann mit umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen, die wohl auch in vielen Jahren noch nicht abgeschlossen sein werden.

TorbogenInzwischen gibt es entlang der ordentlich gepflasterten Straße, die dicht am Abgrund entlang und dann mitten durch die Sassi hindurch führt, sowie in ihren verschlungenen Nebenstraßen mit steilen Treppen, die die Häuser verbinden, komfortable Übernachtungsmöglicheiten, Restaurants (Touristenmenü mit Vorspeise, Hauptgang und Obst ab 15 Euro), Bars, Künstlerwerkstätten, Galerien, Läden, in denen man Handwerkskunst und andere Souvenirs erstehen kann, und auch eine gut gepflegte öffentliche Toilette.

TöpferwerkstattTöpferwerkstatt2Für den Besuch der Sassi sollte man mindestens zwei Stunden, besser einen ganzen Vormittag einplanen, sowie gemütliches Schuhwerk und im Sommer auch viel Wasser mitnehmen, denn obwohl es in den Höhlen nur 15 Grad warm sein kann, wie in der Töpferwerkstatt von Giuseppe, steigen die Temperaturen in der Schlucht doch leicht bis auf 40 Grad. Gerade um die Mittagszeit sollte man die Chance nutzen, in einem Restaurant nicht nur etwas zum Essen sondern auch Schatten zu finden.

Ich denke, es gibt nur wenige Orte in Europa, an denen man sich dem Anfang unserer Zivilisation so Nahe fühlt wie in Matera. Es lohnt sich, einmal hier gewesen zu sein.

Wetterkapriolen im apulischen Winter

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Nachdem uns der letzte Winter mit einer Riesenladung Schnee überrascht hat, besticht der aktuelle bisher mit milden Temperaturen und viel Sonnenschein. Trotzdem gelingt es ihm, uns gelegentlich richtig zu verblüffen – zum Beispiel mit einer ordentlichen Portion Hagel.

Für uns ein Schauspiel – für die Landwirte Bedrohung, denn die Mandelbäume tragen wegen der Wärme bereits ganz dicke Knospen.

Olivenernte

OlivenbaumAls ich im April 2014 meine Habseligkeiten von Deutschland nach Apulien überführte, befand sich darunter auch ein Olivenbaum, den meine Mama mir ca. 10 Jahre zuvor als daumendickes Stämmchen geschenkt hatte. Einen Olivenbaum nach Apulien zu schaffen, ist zwar ungefähr so sinnvoll wie Eulen nach Athen zu tragen, aber inzwischen war sein Stamm schon auf Kinderarmdicke angewachsen, und er ließ sich im Winter auch nicht mehr einfach so ins Haus holen.

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…Olivenbaumblüten

Der Olivenbaum zog also mit Büchern, Geschirr, Klamotten, Nippes und meinem Elefantenfußbaum “Joe” nach Apulien, genauer gesagt auf die Traumwohnungsterrasse um, wo es ihm nun ausgesprochen gut gefällt. Das zeigt er unter anderem damit, dass er fleißig blüht und mich im letzten Herbst vor das Problem stellte, was ich mit dem Körbchen voller Oliven anfangen sollte, dass ich ernten konnte. Damit zur nahegelegenen Ölpresse zu wandern, erschien mir ein bisschen lächerlich.

Oliven am Baum

Oliven nach dem Regen

“Sie braten einfach eine Zwiebel und ein Stückchen Knoblauch an, so appena-appena.”, erklärte mir mein neuer, bester Freund Pino als ich ihm sagte, dass ich seine Oliven nicht brauche, weil ich schon nicht wüsste, was ich mit meiner eigenen Ernte anfangen solle.  “Dann schneiden Sie hier diese Tomaten in Stücke (wobei er mir gut zwei Kilo davon in eine Tüte schaufelte) und werfen kurz danach eine Handvoll Oliven hinterher.” Ja, das schmeckte lecker – so mit Pasta zusammen, aber trotzdem hatte ich keine Lust darauf, jeden zweiten Tag Tomaten mit Oliven zu essen.

Oliven im Körbchen

Also folgte ich Marias Rat und legte die Oliven in einem Glas mit viel Meersalz ein. Ihr zur Folge sollte ich nur jeden Tag das Glas ordentlich schütteln und ab und zu das Wasser abgießen. Nach einem Monat kostete ich die so eingelegten Oliven und muss sagen, dass ich noch nie etwas Ekligeres gegessen habe. Selbst ihr Untergang in Tomatensauce konnte sie nicht vor dem Biomülleimer retten. Nächstes Mal gehe ich vielleicht doch zur Ölpresse.

Hafen Stadtansicht

Mola di Bari – Venusbrüste und Schlossmauern

Mole di MolaFischerbooteLuigi und ich waren nie die großen Ausgeher, aber seit Davide in unser Leben gerutscht ist, gehen wir abends gar nicht mehr weg. Dafür sind wir zu Sonntagvormittagsausgehern geworden, denn in Italien ist es Gang und Gäbe, dass man sich wenige Stunden vor dem Essen zu einem Aperitivo (hier ein schöner Beitrag dazu auf dem Blog von Claudia alias La Capocuoca) zusammenfindet, in unserem Fall ist das meistens ein spätes Frühstück.

Schloss FrontSchlossspitzeSo trafen wir unlängst unsere Freundin Cecilia in Mola di Bari, einem der zahlreichen Vororte der apulischen Provinzhauptstadt. Molas Seepromenade lädt zum Flanieren und die zahlreichen Cafés zur Einkehr ein. Es gibt sogar ein trutziges Kastell, das Karl I. von Anjou (ein Vertreter des Clans nach dem berühmten Stauferkaiser Friedrich II.) 1277 zwischen Altstadt und Meer errichten ließ. Die spitze Eckbastion aus dem 16. Jahrhundert ragt aggressiv dem Meer entgegen und erinnert damit an Baris Kastell, das genauso spitz auf die Altstadt weist. Leider wird das Kastell von Mola nur für besondere Ereignisse wie Hochzeiten geöffnet und ist nicht zu besichtigen.

tette di venere e cappuccinoGleich an diesem Kastell befindet sich jedoch in der Via Toti die Bar und Konditorei Viennese. Mit Blick auf die wuchtigen Schlossmauern kann man hier neben den üblichen Cornetti auch leckeres Gebäck wie sizilianische Canneloni (die natürlich in diesem Fall nicht aus Sizilien stammen) oder „tette di venere“, welche in unserer Gegend auch unter dem Namen „tette delle monache“ laufen, ein mit Vanillecreme gefülltes, fluffiges Teigstückchen, dessen Form tatsächlich Ähnlichkeit mit einer Frauenbrust hat. Ob nun die Brüste der Venus tatsächlich so aussahen… mit ein bisschen Vorstellungskraft kann man es glauben. Bei Mönchen hingegen kenne ich mich nicht so aus und meine Vorstellung reicht nur für ein Gebäck, das erheblich flacher wäre. Nun, ja…

Alstadtplatz

Mit Cappucino und Venusbrüsten im Bauch lässt es sich hervorragend einen Spaziergang durch den gepflegten Altstadtkern und auf der Hafenmole machen. Danach bei „Mamma Maria“ Mittag essen und anschließend ein kleines Schläfchen einlegen – wenn das nicht dolce vita ist, dann weiß ich auch nicht.

Trubel auf dem Flohmarkt

Flohmarkt Detail 2 Flohmarkt Detail 1

Suchphrasen X – Mausefalle oder Honigtopf?

Im ersten Moment musste ich lachen, als ich die gestrige Statistik mit den Suchphrasen sah: “Liebesfalle Schwiegereltern“. Das hört sich fast schon nach dem Titel eines lustigen Romans an. Tatsächlich habe ich den Begriff aber schon einmal gebraucht, als ich über meine eigenen Schwiegereltern schrieb, denen es schon immer eine Freude war, mich mit lieb gemeinten Geschenken zu bedenken, die nicht meinem Geschmack oder meinen Maßen entsprechen.

Allerdings habe ich mit meinen Schwiegereltern sehr großes Glück gehabt, und meine persönliche Liebesfalle ist eher eine aus süßem Honig. Das passiert wohl nur, wenn sich die Besagten über die Wahl ihres Familienneuzugangs freuen, und ich glaube, so herzlich wie ich die Apulier bisher erlebt habe, dürfte es allgemein einfach sein, hier von den Schwiegereltern akzeptiert und wohlwollend aufgenommen zu werden. Zumal die italienischen “Mammas” eigentlich nur darauf warten, dass endlich ein liebes Mädel ihren “Mammone”, den Kleinen im fortgeschrittenen Jugendalter bis ca. 40 Jahre, der es sich im Hotel Mama gemütlich eingerichtet hat, dort abholt. Deutsche Frauen scheinen dabei häufiger Schwiegereltern in Italien zu finden und sich in Italien niederzulassen, als deutsche Männer, denn ich persönlich kenne nur binationale Beziehungen, bei denen die Frau nach Italien gezogen ist. Sollte dem nicht so sein, widersprecht bitte unbedingt in den Kommentaren!

Ich habe das Verhältnis zu Schwiegereltern in weit zurückliegenden Jahren schon anders erlebt. Da war die “Liebesfalle” eher eine Mausefalle für die Beziehung und quetschte ganz schön in der Herzgegend. Letztendlich hat die Liebe das mangelnde Wohlwollen der Schwiegereltern nicht überstanden. Aber das ist nur meine Erfahrung.

Von daher ist jetzt auch mal eure Altersweisheit gefragt. Helft den Suchenden bei einer künftigen Entscheidungsfindung! Mausefalle oder Honigtopf – Wie sieht es aus mit der Liebe und den Schwiegereltern? Welche besonderen Erfahrungen habt ihr mit Schwiegereltern bei binationalen Beziehungen gemacht?

Ich freue mich über eure Beiträge!