Die lieben Nachbarn oder Big Brother is Watching Me

Neulich an der Ecke von unserem Palazzo. Ich komme mit Davide in seinem Babytragerucksack vom Besuch bei seiner Oma zurück, als plötzlich ein schwarzes Auto mit quietschenden Reifen und drei mir völlig unbekannten Insassen neben mir hält. Es handelt sich um zwei ältere Damen und einen männlichen Fahrer ebenso fortgeschrittenen Alters.

Die Beifahrerdame kurbelt die Fensterscheibe herunter und unisono klingt mir ein “Auguri! Auguri!” entgegen. Zum Glück heißt das so viel wie “Herzlichen Glückwunsch!”, deswegen ist mein anfänglicher Schreck (Oh, Gott! Wir werden entführt!) auch schnell wieder abgeklungen und ich bedanke mich. Daraufhin entwickelt sich ein kurzes Gespräch. Wir klären das Geschlecht und den Namen und ich werde vielmals wegen der Schönheit meines Sohnes komplimentiert (womit sie natürlich ausgesprochen recht haben). Dann sagt die Dame auf dem Rücksitz etwa das Folgende: “Ach, wie schön, dass wir ihn endlich aus der Nähe sehen konnten. Wir haben schon Ihren Bauch wachsen sehen und nun den Kinderwagen auf der Terrasse bemerkt, aber darin kann man ihn nicht richtig erkennen.”

Offensichtlich handelte es sich bei den Dreien um Nachbarn aus den Häusern in der unmittelbaren Umgebung. Wie beruhigend, dass sie darauf vertraut haben, uns irgendwann vor dem Haus anzutreffen, statt sich zum Beispiel einen Feldstecher zu besorgen.

Kurioses aus dem Krankenhaus I – Berufsaussichten Kindermädchen

Der Tag unserer Entlassung. Sowohl meine Zimmerkollegin als auch deren Mutter als auch ich sitzen angezogen im Zimmer herum und schauen den Zwillingen beim Schlafen zu. Wir warten auf die Entlassungspapiere, als eine ältere Dame eintritt. Meine Zimmerkollegin stellt mich ihr vor: “Das ist Corinna. Sie ist Deutsche.” “Ach,” antwortet die Frau überrascht, “ihr habt ein DEUTSCHES Kindermädchen.”

Suchanfragen IV – Kartoffelblüte

Immer wieder finden Leute auf meinen Blog, weil sie sich die Frage stellen, warum Kartoffeln blühen. Schuld daran, dass man mit dieser Frage ausgerechnet auf meinem Apulien-Blog landet, ist ein Blog-Kartoffelexperiment, welches die Giftige Blonde dereinst ins Leben gerufen hat.

Leider ist mein Kartoffelanbauversuch auf der Terrasse damals kläglich gescheitert. Hier oben ist es im Frühling und Sommer einfach zu warm dafür und im Winter zu feucht. Da bräuchte ich sehr durchlässige und gute Erde.

In Apulien existiert dennoch eine lange Tradition des Kartoffelanbaus. Wie man auf der Seite “Coltura & Cultura” nachlesen kann, gibt es schon seit 1837 einen regen Export von Kartoffeln nach Frankreich, England, Österreichen, Deutschland, Russland u.a.. Gerade wegen der Wärme werden sie hier in einem Herbst-Winter-Zyklus angebaut und schon ab März geerntet. Typisch apulische Kartoffelsorten sind dabei “Sieglinde di Galatina”, für die ein Verfahren zu Anerkennung als DOP-Produkt (geschütztes, regionales Produkt) läuft, und die “Kartoffel von Zapponeta”.

Wie auch immer aus der Erfahrung eines brandenburgischen Landkindes heraus kann ich sagen, dass sich Kartoffeln sowohl durch Samen als auch durch ihre Früchte vermehren lassen. Legt man eine Kartoffel in die Erde, wächst praktisch ein Pflanzenklon der Mutterkartoffel. Das garantiert, dass alle Kartoffeln einer Sorte die gleichen Eigenschaften haben und somit auch gleich schmecken. Will man jedoch neue Kartoffelsorten züchten und kreuzen, benötigt man die Samen. Das Blühen der Kartoffel garantiert also in einem gewissen Sinne die Artenvielfalt.

Jungel

Bonboniere – Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft

Korb 2Die Italiener beschenken sich gerne. Das habe ich daraus abgeleitet, dass sie nicht nur Geburtstage, sondern auch Namenstage feiern. Aber bei offiziellen Anlässen wie Hochzeiten, Geburten, Taufen u.s.w. beschenkt man nicht nur die Gefeierten, sondern es werden auch die Gäste mit einer Kleinigkeit zur Erinnerung an das denkwürdige Ereignis bedacht. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, heißt es, und hier nennt man diese Kleinigkeit „Bonboniere“, abgeleitet vom Wort für ein Aufbewahrungsbehältnis von Süßigkeiten.

Bonboniere-Läden gibt es in Bari und Umgebung zuhauf. Ich hielt sie früher, in meiner Zeit als Touristin in Apulien, für Geschenkeläden, in denen man garantiert ein Mitbringsel für alte Omas oder Tanten findet. Darin verkauft man nämlich mehr oder weniger sinnvolle Objekte wie Vasen, Tellerchen, Schüsselchen, Schmuckkästchen, sowie Nippes aus Glas, Keramik oder Porzellan und dergleichen mehr. In den italienischen Haushalten sieht man folgerichtig überall Bonboniere in Vitrinen oder auf kleinen Tischchen einstauben. Bewundernswert, wie Luigis Mama Maria all diese winzigen Erinnerungsstücke noch halbwegs präzise zuordnen kann. Als die ökonomische Situation in Italien noch entspannter war, waren auch die Bonboniere noch wertmäßig auf den Verwandtschaftsgrad abgestimmt, d.h. die nähere Verwandtschaft bekam etwas Wertvolleres als die fernere oder gar Freunde.

LoeweGemein ist der Bonboniere jeglichen Wertes jedoch, dass dem eigentlichen Geschenk noch ein Säckchen mit Süßigkeiten anhängt. Meistens sind das von Schokolade umhüllte Mandeln mit einer Zuckerkruste; ähnlich den m&m’s. Wir haben uns für eine Variante mit gerösteten Haselnüssen entschieden. Natürlich in blau, denn bei uns ist ein Junge geboren.

Wir sind mit unserem Anliegen auch in keinen Bonboniere-Laden gegangen. Marias Nachbarin Elia, die bei der Nachricht von meiner Schwangerschaft förmlich ausflippte und sich jedes Mal, wenn sie meiner angesichts wurde, mit Quietschtönen auf meinen sich rundenden Bauch stürzte, wollte uns unbedingt die Bonboniere zusammenpuzzeln und drängelte bereits seit März, dass wir die entsprechenden Komponenten kaufen sollten.

Korb 1Anfang Juni fuhren wir endlich in einen Großhandelsladen und besorgten alles Notwendige: die Haselnuss-Schokoladen-Kugeln, blauen Tüll in Kreisform, Schleifenband und Kühlschrankmagneten aus Holz, die gleichzeitig eine Klammer sind, mit der man zum Beispiel eine Einkaufsliste oder Notizen anklammern kann. Wenn schon, dann sollte es wenigsten eine halbwegs nützliche Kleinigkeit sein. Fehlen durfte natürlich auch nicht der entsprechende Bonboniere-Präsentkorb, denn irgendwo müssen die so entstandenen ca. 70 Geschenkwölkchen bis zur Verteilung möglichst formschön aufbewahrt werden.

Wenn also nun Verwandte und Freunde zu uns kommen, um Davide zu sehen, dann schleppen sie nicht nur Geschenke für ihn an, sondern nehmen auch immer eine Bonboniere mit nach Hause.

Suchanfragen III – Die Toleranz des Internets

Ich muss schon sagen, das Internet ist doch schlauer, als ich immer angenommen hatte. Wenn ich mir die letzten Suchphrasen so ansehe, wundere ich mich nämlich wirklich, wie man mit derartigen Verschreibern trotzdem noch auf einer Seite mit relevanten Informationen, also bei mir, landen kann.

pepa big auf italenich die neuchen folgen” – scheinbar: Peppa Pig auf Italienisch die neuen Folgen. Dazu nur so viel: “Peppa Pig” ist total out. Im Moment ist hier bei uns “Masha und der Bär” die neue “Peppa Pig” und zwar mit allem Merchandise, der dazugehört: Luftballons, Spielzeug, Klamotten…

alberbulli stadt der trulli” – möglicherweise “Alberobello Stadt der Trulli”, aber der Reim ist im Suchphrasen-Original natürlich schöner.

Putzig finde ich es auch, nach den Mitgliedern der apulischen Mafia suchen zu wollen (“Sacra Corona Unita Mitglieder”). Ich glaube kaum, dass dieser Verein Mitgliederlisten im Internet veröffentlicht.

Bei der folgenden Anfrage kann ich persönlich gar nicht helfen. Ich bin in der bildenden Kunst nur mäßig fähig, aber vielleicht sollten Suchende, die “einen Olivenbaum töpfern” möchten, einfach mal bei den Experten in der Keramikhochburg Grottaglie anfragen.

Und zu guter Letzt: “Italien hat diese Region an der Hacke.”  Na, wer von meinen Bloglesern kann in dieser Frage sachdienliche Hinweise geben?

Mein Geburtstagsgeschenk 2015

Mein schönstes Geburtstagsgeschenk

Das schönste Geburtstagsgeschenk meines Lebens habe ich mir in diesem Jahr selbst gemacht. (Na, gut, bei den Rahmenbedingungen hatte auch Luigi noch ein bisschen mitzureden, aber das lasse ich jetzt mal unter den Tisch fallen. Den größten Teil habe ich doch selbst vollbracht, auch wenn er im entscheidenden Augenblick meinen Kopf gehalten hat und – Gott sei Dank! – nicht, wie von mir befürchtet, in Ohnmacht gefallen ist.)

Zwei Stunden vor dem errechneten Termin und somit noch an meinem Geburtstag hat sich mein Sohn Davide (wird in Italien auf dem “a”, also der ersten Silbe betont) entschieden, sich doch noch aus meinem Bauch herausdrücken zu lassen (Unendlichen Dank an den Anästhesisten und an meine beherzte Gynäkologin!!!). Das nenne ich ganz schön überpünktlich und ziemlich unitalienisch.

Unser neues, liebstes Foto-

Unser neues, liebstes Foto-“Objekt”

Dann mussten wir die vorgschriebene Zeit im Krankenhaus ausharren, eine nervige italienische Großfamilie auf dem Zimmer ertragen, jeden Tag zweimal Brühe mit Nudeln (u.a.) essen und gestern schließlich, durfte der stolze Papa seinen 54 cm großen und knapp 3,5 kg schweren Wonneproppen nach Hause schleppen.

Liebe Freunde, die ihr noch gespannt auf Nachrichten wartet und auch ihr, die mir schon (teilweise ganz unerwartet. Der Buschfunk in Deutschland funktioniert also immer noch gut.) gratuliert habt,

ich danke euch von ganzem Herzen! Ich lebe im Moment die glücklichsten, konfusesten, unsichersten, fröhlichsten, schlaflosesten Stunden meines bisherigen Lebens. Meine Familien in Deutschland und Italien unterstützen mich, Luigi und Davide jede auf ihre Art und nach ihrer Möglichkeit sehr dabei, den kommenden Wochen und Monaten mit etwas Gelassenheit – soweit man da von Gelassenheit sprechen kann – entgegenzusehen.

Ich kann euch sagen, dass sich schon eine Menge Schreibstoff über Italien und Schwangerschaften, Krankenhäuser etc. angehäuft hat. Ich melde mich also wieder mit Neuigkeiten und Wissenswerten aus “meinem Apulien”.

Bis dahin noch mal oder schon mal ganz herzlichen Dank für Grüße, Wünsche und die vielen Geschenke, die bei uns eingetroffen sind!

Eure Corinna

Blogparade – Der meist gelesene Artikel

Wenn man nicht viel zu tun hat – und im Moment halten sich meine körperlichen Aktivitäten in Grenzen – bietet einem WordPress eine Menge Optionen zum Herumspielen und Zeitvertrödeln. Konkret spreche ich da von den Statistiken.

WordPress und seine Statistiken

Für Uneingeweihte möchte ich kurz erklären, dass man sich mit Hilfe der Statistiken über den Verkehr auf seinem Blog informieren kann. Darüber, dass man häufig mitgeteilt bekommt, welche Suchphrasen Blogbesucher in die Suchmaschinen eingegeben haben, um einen Beitrag von mir zu finden, habe ich bereits geschrieben. Aber man sieht beispielsweise auch, wie viele Personen auf den Blog gefunden haben, aus welchem Land sie kamen oder wie viele und vor allem welche Seiten angesehen wurden.

Der meist gelesene Artikel auf MeinApulien

Unlängst habe ich beim Surfen durch die Bloglandschaft den Bericht eines Bloggers gefunden, der seinen meist gelesen Artikel vorstellte. Das fand ich interessant und habe deshalb auch mal bei mir nachgesehen, welches Thema auf die größte Resonanz gestoßen ist. ERSCHÜTTERND – kann ich das Ergebnis nur nennen. Bereits im Jahr seines Erscheinens (2013) wurde er doppelt so oft angeklickt, wie der Blogartikel der im Ranking an zweiter Stelle steht. 2014 sah es genauso aus und in diesem Jahr liegt er bereits seit Juni derart weit abgeschlagen an erster Stelle, dass er bis zum Jahresende wohl viermal so oft angeklickt werden wird, wie der zweite Platz. Die Rede ist von einem Artikel über italienische Schimpfwörter.

Schimpfen in Fremdsprachen – Der Reiz des Verbotenen?

Ich habe mein persönliches Schimpfwörterbuch mehr oder weniger freiwillig im täglichen Leben vor Ort oder beim Ansehen von Filmen zusammengestellt. Obwohl ich sie nur mäßig benutze, habe ich mich trotzdem schon bei so manchem laut gesprochenen „cretino“, „vaffanculo“ oder „cazzo“ selbst erwischt. In Schrecksekunden rutscht mir meist noch ein deutscher Fluch über die Lippen und das ist dann vielleicht auch besser so. Trotzdem ist es doch überdenkenswert, warum gerade Schimpfwörter in Fremdsprachen so interessant sind … und nicht zum Beispiel die Konjugation der unregelmäßigen Verben, die dem Sprechenden ungleich weiter helfen könnte.

Ist es die Faszination des Bösen, des Verbotenen, die uns schon in unserer Kindheit gerade alles das sagen ließ, von dem unsere Eltern behaupteten, man dürfe es nicht sagen? Oder liegt es vielleicht daran, dass man Schimpfwörter in Fremdsprachen als gar nicht so schlimm empfindet, wie wenn man sie in seiner Muttersprache sagen würde? Das sexuell angehauchte „Welch’ ein Schwanz!“ klingt doch irgendwie vulgärer in meinen deutschen Ohren, als „Che cazzo!“ zu sagen. Oder für alle Anglophonen Sprecher: kommt einem nicht das das englische „shit“ oft einfacher über die Lippen als ein herzhaftes, aber deutliches „Scheiße!“?

Deutsches Ich vs. Fremdsprachen-Ich

Tatsächlich wage ich zu behaupten, dass ich ganz unabhängig von Schimpfwörtern auf Italienisch eine entspanntere, freiere und vielleicht sogar etwas frechere Person bin, während ich auf Deutsch sehr viel mehr reflektiere, vorsichtiger spreche und emphatischer auf Schwingungen in einem Gespräch reagiere. Das mag zum einen daran liegen, dass ich im Italienischen auf einen einfacheren, weniger komplexen Wortschatz zurückgreifen muss, zum anderen liegt es aber sicher auch daran, dass man mit den Worten auch die Kultur verinnerlicht. Wenn um einen herum alle „non ti preoccupare“ („sorge dich nicht“) als tägliches Mantra wiederholen, dann sorgt man sich irgendwann auch weniger und nimmt diese relaxte Haltung tatsächlich an.

Oder nehmen wir eine Begebenheit, die sich in einem Deutschkurs zutrug, als ich nach dreimaliger Verbesserung auf Deutsch im Unterricht schließlich auf Italienisch meinte, wenn noch ein Schüler sagen würde, dass er in den Sommerferien hierhin oder dorthin in den Urlaub gehen statt fahren oder fliegen würde, dann sollten sie sich nicht darüber wundern, wenn sie am nächsten Morgen vom verzweifelten Selbstmord einer Deutschlehrerin in der Gazetta del Mezzogiorno lesen würden. Das hätte ich auf Deutsch als sehr unprofessionell empfunden und sicherlich auch noch zum viertel Mal geduldig erklärt, dass man gehen nur sehr allgemein oder für Fortbewegungen zu Fuß benutzt. Aber der “Professoressa” Corinna ist es einfach so herausgerutscht und hat sowohl für einen Heiterkeitsausbruch als auch für leicht verstörte Gesichter gesorgt.

Und die Moral von der Geschichte?

Natürlich freue ich mich, dass mein Artikel über italienische Schimpfwörter immer wieder Leser auf meinen Blog lockt, denn es besteht auch jedes Mal die Chance, dass sie bleiben und noch den einen oder anderen Bericht über meine Wahlheimat Apulien lesen, was mir persönlich mehr am Herzen liegt. Aber was ich allen Lesern hier außerdem mit auf den Weg geben will, ist das Folgende:

Lernt Fremdsprachen und ihr werdet vermutlich Seiten an euch entdecken, von denen ihr bis dahin gar nichts geahnt habt!