Mimose auf der Terrasse

Mimosengelber Februar

Ein Grund dafür, warum ich gern in Apulien lebe, ist, dass im Februar über lange Zeit schon 20 Grad herrschen können und die Leute hier deshalb einfach bessere Laune haben als anderswo.

Mimose auf der Terrasse 2

Die italienische “Frauentagsblume” ist in diesem Jahr schon einen Monat eher dran. Unsere Mimose auf der Terrasse blüht dank des ungewöhnlich warmen Wetters bereits seit Anfang Februar.

Gestern passierte ich zum Beispiel das Haus von Rosa. Rosa ist… Rosa ist … ja, also… ungefähr fünfzig, die Kinder im Norden, der Mann verstorben, arbeitet als Gesellschafterin einer alten Dame… im Grunde habe ich eigentlich keine Ahnung, wer Rosa ist. Wir sind weder verwandt noch verschwägert. Ich kenne sie nur wegen ihres Hundes Zara, welcher dereinst freudig an mir hochsprang, weshalb sich unweigerlich das erste Gespräch zwischen Rosa, deren Namen ich damals natürlich noch nicht kannte, und mir anbahnte. Zara lebt inzwischen „in campagna“ (irgendwo auf dem Land), aber Rosa und ich führen trotzdem weiterhin regelmäßig Haustürgespräche über den Hund, das Wetter (immer zu kalt oder zu warm), das Essen und seit ein paar Monaten höre ich mir auch Komplimente über Davides Schönheit an. „Ci’ge bell!”, „… é bellissimo!” oder “Amore, sorridi, sorridi alla zia!“ Die Liste ließe sich fortsetzen. Dabei schwillt mein ohnehin praller Stillbusen noch weiter an vor Stolz, so dass ich von Glück reden kann, dass mein Hinterteil mich davor bewahrt, in solchen Situationen nach vorn überzukippen.

Rosas Mimose auf dem Esstisch

Sonnenschein im Esszimmer und ein Beweis dafür, dass ich nicht fokussieren kann.

Gestern traf ich also wieder auf Rosa, die vor ihrem Haus bereits mit einer anderen Freundin schwatzte, welche einen Mimosenast in der Hand hielt. Dieser wurde gerade geteilt und, weil so tolles Wetter, die Laune so gut und Davide so schön waren, wurde auch mir spontan ein kleines Zweiglein überreicht. Dieses verbreitet jetzt Sonnenschein in unserem Esszimmer. Auch deshalb mag ich Apulien: weil die Leute hier etwas freundlicher sind als anderswo.

blühender Mandelbaum im Februar

Wunscherfüllung

Manchmal gehen Wünsche in Erfüllung – in dieser Woche gleich drei.

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Da ich mich unlängst mit einer Studentin über die Konditionierung von Touristen unterhielt, hier mal eine Apulienansicht, die den Landstrich als das zeigt, was er weitläufig auch ist – eine Kulturlandschaft.

Der erste hat mit Davide zu tun. Unser Sonnenschein ist nun schon sieben Monate alt. Trotzdem hielt er bisher hartnäckig an der Gewohnheit fest, des Nachts alle zwei Stunden angelegt werden zu wollen. Ächz! Dazu kamen in der letzten Woche die zwei unteren Schneidezähne, die sich ihren Weg ans Licht gebahnt hatten, und ihn „piccioso“ (quengelig) gar nicht mehr von meinem

Kulturlandschaft 2

Rüde von Infrastruktur durchzogenes Ackerland mit Oliven- und Obstbäumen.

Busen weichen lassen wollten. Gähn! In der letzten Nacht wachte er plötzlich nur einmal gegen halb vier auf und dann erst wieder um kurz vor sieben. Zuerst konnte ich gar nicht glauben, dass ich so viele Stunden am Stück geschlafen haben sollte, aber dann musste ich einsehen, dass wir beide heute zum ersten Mal seit sieben Monaten in aller Herrgottsfrühe ausgeschlafen und putzmunter waren.

 

im Garten

Im Detail dann aber wieder so schön, das man es malen möchte. (Leider bin ich dazu nicht fähig und muss mit Fotos Vorlieb nehmen.)

Da kam der zweite Wunsch ins Spiel – das Wetter hatte in der letzten Woche ein Einsehen. Mit einem Mal ist es wieder Frühling in und um Triggiano geworden. Die Knospen der Mandelbäume sind innerhalb von zwei Tagen explodiert und schon früh um acht tauchte die Sonne alles in ihren warmen Schein. Die beste Zeit für einen Spaziergang in die Gärten und schönes Licht für Fotos.

Romantischer Verfall

Romantischer Verfall

Zuletzt noch meinen lieben Lesern und Leserinnen vielen herzlichen Dank für die guten Wünsche angesichts meines letzten Blogbeitrags! Sie haben geholfen. Wir sind alle wieder erkältungsfrei.

Eine schöne Woche euch allen! Corinna

Mandelblüten nah

unendliche Weiten

Erkenntnis der Woche

Mordsmäßig erkältet und mit krankem Kleinkind sowie krankem großen Kind Mann zu Hause zu sein, erinnert stark an Hölle. Da ist es besser, sich halb tot auf Arbeit zu flüchten.

Was das Foto damit zu tun hat? Nichts. Ich wollte nur mal an schönere Tage im apulischen Frühling erinnern.

Allen Schniefnasen gute Besserung!

auf dem Catwalk 4

Catwalk

Unsere Findelkatze Gina hat in ihrem Leben eine Sache definitiv richtig gemacht, als sie sich uns damals am Müllcontainer vor die Füße warf. Seit dem hat sie nicht nur unsere Traumwohnungs- sondern auch alle angrenzenden Terrassen für sich erobert.

auf dem Catwalk 1

Damit hat sie hier auf dem Dach unseres Palazzos ein Reich von mindestens 700 qm, in dem sie regelmäßig Blumenkübel umgräbt, Parcours übt und auf den Mauern ihren “Catwalk” vorführt. 

auf dem Catwalk 2

Zum Leidwesen unserer Nachbarn, die sie gern mit ein bisschen Katzenfutter angelockt hätten, lässt sie sich jedoch nicht so einfach übers Ohr hauen oder gar streicheln.

auf dem Catwalk 3

Als Straßenkatze wäre sie mit dieser Einstellung verloren, aber darüber muss sie sich ja keine Gedanken mehr machen.

fertig

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Ausflug zum Anfang unserer Zivilisation

DSC_0072Wenn man von Bari aus die im weiteren Ausbau befindliche Staatsstraße 96 eine knappe Stunde in Richtung Altamura fährt und dort scharf links abbiegt, erreicht man nach weiteren 15 Minuten auf der Strada Statale 99 die Stadt Matera. Dann befindet man sich im Grunde genommen schon in Basilikata und nicht mehr in Apulien, aber das soll an dieser Stelle nicht stören. Matera ist für jeden Apulienbesucher auf jeden Fall einen Abstecher Wert. Wegen ihrer „Sassi“ (Steine), wie die Höhlensiedlung der Altstadt genannt wird, steht Matera nämlich schon seit 1993 auf der Liste des Unesco Weltkulturerbes. Im Jahr 2019 wird die einstige “Schande Süditaliens” sogar Kulturhauptstadt des Jahres sein.

DSC_0099Das Flüsschen Gravina hat hier in den unzähligen Jahrhunderten auf seinem Weg in den Abgrund steile Hänge gegraben, in deren Kalksteinwänden sich Höhlen bildeten, die den Menschen bereits vor mehr als 2000 Jahren Unterschlupf boten. Solche Felsenhöhlen kann man noch auf der gegenüberliegenden Seite der Gravina-Schlucht sehen. Auf der Seite Materas wurden die Höhlen irgendwann mit Wänden versehen und muten von außen wie übereinandergetürmte Würfelhäuser aus dem Bausteinkasten an.

DSC_0113IMG_2456Wer auf historischen oder filmischen Pfaden weilt, der kommt in der sich langsam mit Bed & Breakfasts, Souvenirläden, kleinen Restaurants und Werkstätten wiederbelebenden Geisterstadt voll auf seine Kosten. So filmte Mel Gibson große Teile seiner „Passion Christi“ hier und erst im letzten Februar wurden Teile der Neuverfilmung von „Ben Hur“ (soll in diesem Jahr in die Kinos kommen) mit Morgan Freeman in Matera gedreht.

DSC_0091Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein, waren die Sassi noch mit Menschen und Nutztieren bewohnt, die oft unter einem Dach lebten. Die daraus resultierenden, katastrophalen hygienischen Zustände in der Siedlung, deren Anfänge bis in die Jungsteinzeit zurückgehen, machte es nötig, dass die Menschen aus den Sassi in neue Wohnhäuser umgesiedelt wurden. In der Nähe der kleinen Felsenkirche San Pietro findet man einen Wegweiser zum „Casa Grotta di Vico Solitario“, einem Haus, das wie in der Zeit vor der Umsiedlung eingerichtet ist und ahnen lässt, wie es sich in Matera gelebt haben muss. Leider begann mit der Umsiedlung auch der Zerfall der Höhlenwohnungen von Matera. Erst in den 80er Jahren erkannte man, welchen Schatz, man mit dieser einzigartig umfangreichen Höhlensiedlung eigentlich in Händen hält und begann mit umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen, die wohl auch in vielen Jahren noch nicht abgeschlossen sein werden.

TorbogenInzwischen gibt es entlang der ordentlich gepflasterten Straße, die dicht am Abgrund entlang und dann mitten durch die Sassi hindurch führt, sowie in ihren verschlungenen Nebenstraßen mit steilen Treppen, die die Häuser verbinden, komfortable Übernachtungsmöglicheiten, Restaurants (Touristenmenü mit Vorspeise, Hauptgang und Obst ab 15 Euro), Bars, Künstlerwerkstätten, Galerien, Läden, in denen man Handwerkskunst und andere Souvenirs erstehen kann, und auch eine gut gepflegte öffentliche Toilette.

TöpferwerkstattTöpferwerkstatt2Für den Besuch der Sassi sollte man mindestens zwei Stunden, besser einen ganzen Vormittag einplanen, sowie gemütliches Schuhwerk und im Sommer auch viel Wasser mitnehmen, denn obwohl es in den Höhlen nur 15 Grad warm sein kann, wie in der Töpferwerkstatt von Giuseppe, steigen die Temperaturen in der Schlucht doch leicht bis auf 40 Grad. Gerade um die Mittagszeit sollte man die Chance nutzen, in einem Restaurant nicht nur etwas zum Essen sondern auch Schatten zu finden.

Ich denke, es gibt nur wenige Orte in Europa, an denen man sich dem Anfang unserer Zivilisation so Nahe fühlt wie in Matera. Es lohnt sich, einmal hier gewesen zu sein.

Wetterkapriolen im apulischen Winter

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Nachdem uns der letzte Winter mit einer Riesenladung Schnee überrascht hat, besticht der aktuelle bisher mit milden Temperaturen und viel Sonnenschein. Trotzdem gelingt es ihm, uns gelegentlich richtig zu verblüffen – zum Beispiel mit einer ordentlichen Portion Hagel.

Für uns ein Schauspiel – für die Landwirte Bedrohung, denn die Mandelbäume tragen wegen der Wärme bereits ganz dicke Knospen.

Olivenernte

OlivenbaumAls ich im April 2014 meine Habseligkeiten von Deutschland nach Apulien überführte, befand sich darunter auch ein Olivenbaum, den meine Mama mir ca. 10 Jahre zuvor als daumendickes Stämmchen geschenkt hatte. Einen Olivenbaum nach Apulien zu schaffen, ist zwar ungefähr so sinnvoll wie Eulen nach Athen zu tragen, aber inzwischen war sein Stamm schon auf Kinderarmdicke angewachsen, und er ließ sich im Winter auch nicht mehr einfach so ins Haus holen.

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…Olivenbaumblüten

Der Olivenbaum zog also mit Büchern, Geschirr, Klamotten, Nippes und meinem Elefantenfußbaum “Joe” nach Apulien, genauer gesagt auf die Traumwohnungsterrasse um, wo es ihm nun ausgesprochen gut gefällt. Das zeigt er unter anderem damit, dass er fleißig blüht und mich im letzten Herbst vor das Problem stellte, was ich mit dem Körbchen voller Oliven anfangen sollte, dass ich ernten konnte. Damit zur nahegelegenen Ölpresse zu wandern, erschien mir ein bisschen lächerlich.

Oliven am Baum

Oliven nach dem Regen

“Sie braten einfach eine Zwiebel und ein Stückchen Knoblauch an, so appena-appena.”, erklärte mir mein neuer, bester Freund Pino als ich ihm sagte, dass ich seine Oliven nicht brauche, weil ich schon nicht wüsste, was ich mit meiner eigenen Ernte anfangen solle.  “Dann schneiden Sie hier diese Tomaten in Stücke (wobei er mir gut zwei Kilo davon in eine Tüte schaufelte) und werfen kurz danach eine Handvoll Oliven hinterher.” Ja, das schmeckte lecker – so mit Pasta zusammen, aber trotzdem hatte ich keine Lust darauf, jeden zweiten Tag Tomaten mit Oliven zu essen.

Oliven im Körbchen

Also folgte ich Marias Rat und legte die Oliven in einem Glas mit viel Meersalz ein. Ihr zur Folge sollte ich nur jeden Tag das Glas ordentlich schütteln und ab und zu das Wasser abgießen. Nach einem Monat kostete ich die so eingelegten Oliven und muss sagen, dass ich noch nie etwas Ekligeres gegessen habe. Selbst ihr Untergang in Tomatensauce konnte sie nicht vor dem Biomülleimer retten. Nächstes Mal gehe ich vielleicht doch zur Ölpresse.