Auf die (Dattel)Palme bringen

Dattelpalme mit Früchten

Unser Weg zum Kindergarten führt uns jeden Tag an einer stattlichen Palme vorbei. Jetzt im Frühjahr ist sie schwer mit leuchtend orangefarbenen Früchten behängt. Beeindruckt machte ich mich daran, herauszufinden mit welcher Palmenart wir es hier zu tun haben.

Einer Internetrecherche zur Folge handelt es sich um eine Dattelpalme, die zwar in warmen Gebieten zu Hause ist, aber trotzdem viel Wasser braucht. Scheinbar gibt es an dieser Ecke Triggianos ausreichend Grundwasser. Falls also unser Lausebengel seine Kindergärtnerinnen mal wieder auf die Palme bringen will, dann steht da gleich ein stattliches Exemplar bereit.

Leuchtendes Orange im Morgensonnenschein

Damenbinden statt Mimosen

Während man in Deutschland eher an rote Nelken denkt, sind in Italien die Mimosen die traditionellen Frauentags“blumen“.

Wenn sich ab Mitte Februar die leuchtend gelben Puschelblüten der Mimose in den Pastellhimmel recken, dann ist es Zeit, an den Frühling zu denken – und an den internationalen Frauentag. Jedes Jahr am 8. März gedenkt die Welt mehr oder weniger intensiv den Leistungen, die Frauen vollbraucht haben, seit Bildung keine reine Männerdomaine mehr ist. Für Viele ist es auch der Tag, daran zu erinnern, wie schwer es Frauen selbst in der westlichen Welt hatten und teilweise noch haben, gleiche Rechte wie Männer in allen Bereichen des Lebens einzufordern. Vor allem in der dritten Welt haben Frauen jedoch auch heute noch keine Stimme, wenn es darum geht, über ihr eigenes Leben zu entscheiden. Sie werden beispielsweise grausam genitalverstümmelt,  schon als Kinder an erwachsene Männer verheiratet, vergewaltigt, wie Sklavinnen gehalten und ihr ganzes Leben lang nur ausgebeutet.

Die Mimose, die mir Luigi vor 4 Jahren zum Frauentag geschenkt hat, ist schon stattlich herangewachsen.

Warum also am heutigen Frauentag nicht einmal den Gedanken der Gleichberechtigung über Europa hinaus tragen und ganz konkret etwas für Mädchen und Frauen tun? Viele Hilfsorganisationen bieten die Möglichkeit mit einer Spende dort zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird. Da ich seit vielen Jahren eine Kinderpatenschaft für Mädchen im Benin pflege, liegt es mir ganz besonders am Herzen auf die Möglichkeiten hinzuweisen, mit denen die Hilfsorganisation PLAN International dazu beitragen kann, aus benachteiligten Mädchen selbstbewusste junge Frauen werden zu lassen. Da geht es zum Beispiel um so profane Dinge wie Damenbinden zur Verfügung zu stellen, denn wer denkt schon in Europa daran, dass ein Schulbesuch an mangelnden Möglichkeiten zur Monatshygiene scheitern könnte? Oder es geht darum, werdende Mütter in Uganda bei der Geburt ihrer Kinder zu unterstützen. Oder Mädchen mittels Tele-Unterricht zu einem Schulabschluss zu verhelfen oder, oder, oder … Es gibt so viele Möglichkeiten am heutigen Frauentag mit Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt solidarisch zu werden. 

Gemeinsam mit Plan International für die Gleichberechtigung von Mädchen

Ich freue  mich sehr, wenn meine Leser und Leserinnen heute in diesem Sinne aktiv werden, denn wenn du und ich es nicht tun, wer dann? Also macht auf den Frauentag aufmerksam! Sprecht darüber, dass die Ziele der Frauenbewegung längst nicht erreicht sind. Und wenn ihr könnt, dann helft dabei zu helfen.

Frauen aller Länder vereinigt euch und lasst uns wie Mimosenblüten mit der Sonne um die Wette strahlen!

Alles Gute zum internationalen Frauentag!

Eure Corinna

Schiffbruch am Stadtstrand

Schiffbruch nur ca. 150 m vor Baris Seepromenade

Seit nunmehr einer Woche hat Bari ein neues Ausflugsziel. Es ist so begehrt, dass die Polizei in den ersten Tagen, nachdem ein türkischer Frachter auf die Wellenbrecher vor Baris Stadtstrand „Pane e pomodoro“ gespühlt wurde, die vollgeparkte Seepromenade großflächig abriegeln musste. Anschließend ging man dazu über, großzügig mit Strafzetteln um sich zu werfen, um wieder Ordnung in das Verkehrschaos zu bekommen.

Ausflugsziel: gestrandetes Schiff

Inzwischen ist der Andrang etwas abgeflaut, aber trotzdem nutzen die schaulustigen Baresen das schöne Wetter zu regelmäßigen Spaziergängen, um sich vom Fortschreiten der Bergungsaktion zu überzeugen. Viel sieht man noch nicht von den Bemühungen, den Treibstoff abzulassen und das Schiff wieder aufzurichten. Es scheint eine langwierige Aktion zu werden, auch weil Wind und Wellen die Arbeit behindern.

Das kleine Schiff soll verhindern, dass die Efe Murat umkippt.

Bis das Schiff wieder aufs offene Meer geschleppt werden kann, genießen wir also den Anblick unserer temporären Titanic und machen Fotos von der (hoffentlich) einmaligen Frühlingsdekoration. Außerdem bleibt wirklich zu wünschen, dass wir nicht sobald wieder von einem solch starken Sturm heimgesucht werden!

Müsste man nicht eine Gefährdung für die Umwelt befürchten, würde ein Schiffswrack das Panorama direkt aufwerten.

Ohrenschützer auf!

PENG! Ganz deutlich habe ich es heute früh vor unserem Schlafzimmerfenster knallen hören. Umkippende Blumentöpfe? Die Katze im Sprung gegen die Scheibe geprallt? Probleme der Nachbarn beim Türfesthalten? Alles möglich, doch nichts davon ist es gewesen.

Aprikosenknospen und Aprikosenblüte

Ein schläfriger Blick aus dem Fenster brachte es ans Licht: unser Aprikosenbaum hat mit dem Knospenknall begonnen. Also bloß nicht erschrecken und ab in die Natur! Der Frühling ist da.

Was vom Markte übrig bleibt

Obststand im Herbst

Vorsicht spitz!

Märkte sind aus den Stadtbildern hier in Süditalien nicht wegzudenken. Jeder kleinere Ort erlaubt sich wenigstens einmal in der Woche einen Wochenmarkt, auf dem man dann von Obst und Gemüse über Fisch, Fleisch und Käse bis hin zu Bekleidung und Möbeln fast alles finden kann, was das Käuferherz begehrt. Lebensmittel sind frisch und in der Regel von lokalen Erzeugern, die Mode ist aktuell und die Preise liegen oft weit unter denen in Ladenlokalen.

Auch Käse gibt es direkt auf der Straße.

Schmuck in rauen Mengen.

Die Italiener lieben ihre Märkte und wer einen in der Nähe hat, geht auch täglich hin, um stets frische Lebensmittel zu genießen. Allerdings verabschieden sich die Städte immer häufiger von der Outdoorromantik mit bunten Stoffdächern über mobilen, oftmals improvisierten Holztischen. Was die Marktgänger nämlich meistens nicht sehen, ist der Zustand der Straßen , nachdem die Verkäufer ihre Stände wieder weggeräumt haben.

Bunte Bonbons …

 

… bunte Blumen (eine Frühlingsahnung) …

… buntes Schuhwerk… alles da.

Nicht nur die Franzosen essen Schnecken.

Hülsenfrüchte gibt’s direkt aus dem Sack.

Hier auf unserem bevorzugten, täglichen Markt in der Via Pitagora in Bari fallen ab halb eins die Möven ein, um Fisch- oder andere Reste zu ergattern. Wenigstens fliegen sie wieder zurück zum Meer, sobald die Müllabfuhr damit beginnt, alles aufzufegen und die Straße mit Wasser sauber zu spritzen. Andere Nutznießer verkriechen sich nur in Keller und Gassen, weshalb die Anwohner von Märkten generell nicht böse darüber sind, wenn hygienischere Ausweichmöglichkeiten für Straßenmärkte entstehen.

Die Marktmöven kontrollieren ab halb zwei/ zwei, ob noch etwas Essbares zurückgeblieben ist.

So wird in der Nähe vom Hauptbahnhof das Erdgeschoss eines Parkhauses als Markt genutzt. Hier haben die Händler einen kleinen Raum mit Metallrolläden für sich. Am Ende der Via Pitagora wird hingegen aktuell eine Baugrube für eine Markthalle ausgehoben, in welche der Straßenmarkt voraussichtlich im nächsten Jahr umziehen soll.

Wer also noch traditionelles Marktflair unter freiem Himmel genießen will und besagte Orte rechtzeitig wieder verlässt, um nicht sehen zu müssen, was nach einem Markttag so übrig bleibt, der sollte sich beeilen.

Arbeiten in einem der schönsten Orte Italiens

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Super, wenn man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden kann. Während ich also heute darauf achte, dass unsere Examenskandidaten ihre Antworten in die richtigen Felder schreiben, genieße ich den Blick aus dem Fenster. Über den Steinmäuerchen des Itria-Tals reckt sich die Mutterkirche von Locorotondo, eine der offiziell 100 schönsten Orte Italiens, in den Pastellhimmel. Wer da keinen Spaß bei der Arbeit hat, ist selbst Schuld!

Die Tage der Amsel – Apulienwetter im Januar

„Madonna, Santa!“, empfing mich Maria gestern an ihrer Wohnungstür angesichts meiner geöffneten Winterjacke. „Bei dieser Kälte kannst du doch nicht mit offener Jacke gehen!“ Nun empfinde ich 10 Grad bei Sonnenschein nicht gerade als „Kälte“, aber ich bin ja auch kein Maß für Apulien. Die Apulier haben sich wie jedes Jahr Ende Januar auf einen großen Wintereinbruch eingestellt.

So sieht der kalte Januar in Apulien aus, wenn es nicht regnet.

„I giorni della merla“, (dt. die Tage der Amsel) werden die letzten drei Tage im Januar genannt und ihnen frostiges Wetter zugeschrieben. Kaltes Winterwetter an diesen Tagen bedeutet einen zeitigen und schönen Frühling. Schönes Wetter an den Tagen der Amsel hingegen sagt einen späten Frühling voraus. So heißt es hier. Wie gut, dass meine Schwiegermutter 10 Grad als empfindliche Kälte wertet. Der Frühling dürfte also für deutsches Empfinden schon Ende Februar einsetzen.

Die Alpenveilchen haben kein Problem mit Amseltagen.

Was steckt nun hinter diesen Amseltagen? Eine Geschichte natürlich. Dernach wollte die Amsel, welche bis dahin noch wie der Amselmann ein schwarzes Gefieder hatte, dem bitterkalten Januar ein Schnippchen schlagen. Das war  zur Zeit des zweiten römischen Königs namens Ruma Pompilius, als der Januar nur 28 Tage hatte. Die pfiffige Amsel sammelte also Vorräte und schloss sich den ganzen Monat über in ihr Nest ein. Dort harrte sie bis zum 28 Januar im gemütlich Warmen aus. Dann kam sie heraus, um den kältesten Monat ob ihres gelungenen Schelmenstückes mit ihrem Gesang zu verspotten.

Der Januar rächte sich sofort, indem er sich vom Februar weitere 3 Tage borgte und das Land mit Eis, Schnee und kaltem Regen überzog. Die Amsel konnte sich gerade noch in einen Schornstein retten, wo sie sich die folgenden drei Tage lang vor dem wetterlichen Unbill versteckte. Als sie wieder herauskam, war ihr ehedem schwarz glänzendes Gefieder vom Ruß ganz grau gefärbt. Und so ist es bis heute geblieben. (erzählt nach wikipedia)

Also dann: Macht die Jacken zu und freut euch auf einen zeitigen Frühling!