„Die wahre Pizza ist Italienerin“

10 Jahre sind vergangen, seitdem ein virtuelles Team von Köchen, den 17. Januar zum „Internationalen Tag der italienischen Küche“ ausgerufen hat. Jedes Jahr am Tag des Heiligen Antonius, dem Schutzpatron der Tiere und Fleischer (sic!), wird ein besonders charakteristisches Gericht Italiens gefeiert. Dabei geht es darum, die Qualität der italienischen Zutaten und damit der original italienischen Produkte hervorzuheben und dieses Gericht möglichst originalgetreu zuzubereiten.

Ich habe in den vergangenen Jahren auf meinem Blog schon Parmigiana aus Auberginen (2015) und Tiramisu (2013) vorgestellt. Im aktuellen Jubiläumsjahr heißt es: „Die wahre Pizza ist Italienerin“, um hervorzuheben, dass die Pizza, obwohl inzwischen auf der ganzen Welt verbreitet, DAS italienische Gericht schlechthin ist. Stellvertretend für all die leckeren Varianten wurde mit der Pizza Margherita, die wohl einfachste Pizza zum „Gericht des Jahres“ gewählt. Ein Pizzagrundteig bestrichen mit ein wenig Tomatenpaste, mit Mozzarella belegt und häufig mit ein bisschen Basilikum garniert. Grün, weiß und rot wie die italienische Flagge – ganz wie es sich für ein Nationalgericht gehört. Hier bei uns ist die Margherita mit 3,50 Euro in der Pizzeria aber wirklich zu günstig, um sie noch selbst zu backen. Unser Abendbrot kommt heute aus Angelas Pizzaofen – einmal um die Ecke und dann vielleicht 10 Meter geradeaus.

Guten Appetit!

Apulien dreht durch

Was passieren kann, wenn es in Apulien einmal Schnee gibt, verbreiten gerade die sozialen Medien und wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, bis auch die traditionelle Presse darüber berichten wird.

Aus einem Scherz heraus wurde die „Winterolympiade von Toritto“, einem kleinen Ort 20 km südwestlich von Bari, geboren. Ein paar Schneeverrückte begannen, im 40 cm hohen Winterwunder z.B. Brustschwimmen oder Delphinstil-Wettbewerbe durchzuführen und die Videos ihrer verrückten Späße im Internet zu posten. Sie haben eine eigene Facebook-Seite eingerichtet und so einen regelrechten Schneesportvirus ausgelöst. Inzwischen pilgern auch Apulier aus anderen Städten nach Toritto, um mit Obstkisten Schlitten zu fahren oder auf den vereisten Straßen ihre Schlittschuhe, Ski und Snowboards auszuprobieren. Sogar vor den Disziplinen Synchronspringen und Synchronschwimmen schrecken die begeisterten Schneeliebhaber nicht zurück.

Während sonst hier in Apulien bei Schneefall das Leben zum Erliegen kommt, macht man in Toritto das Beste daraus und lässt sich den Spaß am Leben nicht vergällen.

Hier der Link zu einem Bericht von Tele Appula auf YouTube.

Und was macht ihr so, wenn Schnee fällt?

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Winterwunderland im Süden

 

sonnenaufgangalpenveilchenDer schönste Moment im Winter ist, wenn man morgens die Rollläden hochzieht und feststellt, dass alle Pflanzen, Töpfe, Mauern und Dächer plötzlich eine Schneehaube tragen. Statt  der Waschmaschinen der Nachbarn und des Straßenlärms hält eine unglaubliche Stille die Stadt umfangen. Und die Blüten, die ungläubig zitternd aus dem Schnee herausschauen, scheinen zu fragen, warum aus dem zeitigen Frühling mit einem Mal doch noch ein Winter geworden ist.

Die letzten Früchte des Kaktusfeigenablegers haben wir nicht mehr geerntet. Jetzt tragen sie ein weißes Häubchen aus Schnee.

Die letzten Früchte des Kaktusfeigenablegers haben wir nicht mehr geerntet. Jetzt tragen sie ein weißes Häubchen aus Schnee.

 

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Diese Sukkulente wollte mit ihren Glöckchen schon den Frühling einläuten. Jetzt schluckt die Schneedecke den Glockenklang.

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Sonst eine einladende Sitzecke – heute nur Fotomotiv.

 

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So geschehen heute morgen auf unserer Terrasse in Triggiano, sowie sicherlich auch in anderen umliegenden Gemeinden im italienischen Süden.  Zum zweiten Mal in meiner Apulienzeit und zum ersten Mal in Davides Leben hat es bei uns geschneit. Unser Kleiner nahm das kalte Weiß mit einigem Erstaunen wahr. Ich glaube, er hätte es lieber gesehen, wenn er seine Spielzeugautos über eine schneefreie Terrasse schieben gekonnt hätte. Stattdessen tippte er mehrere Pflanzen an und ließ den Schnee vom Oleander rieseln. Danach hielt er es mit Gina, der die Feuchtigkeit unter den Beinen schnell zu viel wurde und die daher wieder ins Haus wollte.

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Warm eingepackt kommt Davide zum ersten Mal mit Schnee in Berührung.

Vom warmen Zimmer aus lässt sich am Fenster das Winterwunder am besten genießen; vor allem, weil uns aus Erfahrung klar ist, dass der schönste Moment des Winters hier spürbar endlich ist. Obwohl… im Moment tobt draußen ein neuerlicher Flockenwirbel… Kann mir jemand einen Schneeschieber borgen?

 

Türkenkopf

Wie die Hexe Befana fast ihren Kopf verlor

Es war wieder einmal so weit: Die alte Hexe Befana hat den italienischen Kindern und zum ersten Mal auch Davide in der letzten Nacht einen Stiefel mit Süßigkeiten vorbeigebracht – eine Tradition, die hier so selbstverständlich ist wie in Deutschland der Nikolaus.

Eine Baresische Volksmund erzählt jedoch, dass diese schöne Geste – oder sagen wir besser das Leben der Befana – Mitte des 9. Jahrhunders schon auf Messers Schneide gestanden haben soll. Da war Bari nämlich gerade von Sarazenen besetzt. Einer von ihnen, der Krieger Mufarrag, hat dieser Erzählung nach der verlässlichen Hexe in der Nacht vom 5. zum 6. Januar aufgelauert, um ihr den Kopf abzuschlagen. Zum Glück für alle Kinder misslang der Versuch. Statt dessen wurde Mufarrag selbst ziemlich kopflos und hatte auch keine Gelegenheit mehr, die Bewohner Baris zum Islam zu bekehren.

Ja, so kann es kommen, wenn man sich mit Hexen einlässt, aber natürlich ist die Legende nicht verbürgt. Der Kopf eines Mannes mit Schnurrbart und Turban, der sogenannte Türkenkopf (testa del turco), über einem Torbogen in Baris Altstadt (Strada Quercia 10) erinnert jedoch daran und erhält die Geschichte lebendig (erzählt nach einem Artikel in Repubblica, 7.3.2016).

Neujahrsversprechen

Bevor ich mich ab morgen wieder einen Monat lang beim Datum verschreiben werde, bis das neue Jahr wirklich in meinem Kopf angekommen sein wird, möchte ich die letzten Stunden dieses Jahres noch dafür nutzen, mich bei allen Freunden, den stillen Lesern und besonders den vielen kommentierenden Mitbloggenden für ihr anhaltendes Interesse an Apulien und unserem Leben in diesem freundlich chaotischen Land zu bedanken.

Es gibt hier noch so viel zu entdecken und sicherlich wird unser Leben mit Kind ein übriges dafür tun, dass es auch im nächsten Jahr nicht langweilig wird. Es geistern auf jeden Fall immer mehr Ideen in meinem Kopf herum, als ich aufschreiben kann. Deshalb ist es gut, dass das Leben morgen einfach weitergeht und wieder jeden Tag 24 Stunden zur Verfügung stehen werden.

Bis dahin wünsche ich euch eine schöne Silvesternacht, so wie ihr sie mögt! Alles Gute für 2017 und danke, dass ihr mir gewogen bleibt!

Eure Corinna

PS: Übrigens hat es der Panzerotti-Beitrag 2016 fast geschafft, den Schimpfwörtern den Rang abzulaufen. Ich bin so stolz auf die Internetgemeinde!

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Last-Minute-Baumschmuck

weihnachtsbaum-vor-sant-giuseppeweihnachtsbaum-vor-sant-giuseppe-dekoVor Baris Kirche „San Giuseppe“ steht ein Weihnachtsbaum mit besonders einfallsreichem Schmuck. Die Kinder des angrenzenden Kindergartens haben mit ihren Erzieherinnen ausgediente Plastikflaschen zu Baumschmuck umgearbeitet und außerdem Botschaften an das Christkind mit angehängt. Eine schöne Idee auch für alle, die kurz vor Heiligabend noch basteln wollen.

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„Jesus, der Du mein Engel bist und mich beschützt, ich will dir einen Sack voll des Guten!“ (Ich habe dich sehr, sehr lieb.) und „Frohe Weihnachten, Jesus!“ – Wenn das nicht Begeisterung ist…