Auf die Sprache! Fertig! Los!

Dass ich die verschiedenen Formen von “buono” beherrsche und auch „basta“ sagen kann, habe ich euch im letzten Eintrag bereits eindrucksvoll geschildert, aber natürlich beschränkt sich mein Wortschatz nicht nur auf eine Handvoll Wörter. In meinen Urlaubswochen bin ich immer gut mit einem Grundwortschatz aus vielleicht 1000 Wörtern ausgekommen, die ich mir vor ein paar Jahren mit Hilfe einer Zettelbox angeeignet habe. Außerdem schnappt man automatisch Wörter auf, wenn man sich in einem Land aufhält, insbesondere Schimpfwörter. Von denen beherrsche ich schon länger eine umfangreiche Klaviatur auf Italienisch und auch im Dialekt von Bari. Aber dazu ein anderes Mal.

Nach zwei Wochen bei Luigi und seinen Eltern finde ich es trotzdem etwas beschämend, dass ich in den ganzen letzten Jahren, die wir uns kennen, nicht schon mehr Italienisch gelernt habe; nicht einmal nachdem ich an einer privaten Sprachschule in Bari einen Crashgrundkurs absolviert habe, in dem ich mir die Grundzüge der Grammatik beibringen ließ. Arbeit, Großfamilie, Freunde, Garten, Schreibprojekte, Bücher, Filme, Serien, andere Hobbys – irgendwie war immer irgendetwas wichtiger, als sich hinzusetzen und kontinuierlich Wörter zu lernen. Faulheit lässt grüßen!

Dabei mochte ich das Italienische auf Anhieb, weil ich seine Melodie liebe und den Eindruck habe, dass es sich durch die Anleihen, die andere Sprachen bei ihm genommen haben, leicht erlernen lässt. Manche Wörter verhalten sich im Stamm im Italienischen sogar genau so, wie ich sie schon im Deutschen instinktiv immer hatte schreiben wollen, „tollerare“ zum Beispiel – bei uns „tolerieren“ Keine Ahnung, warum im Deutschen das zweite „l“ verschwunden ist? Ich höre es ganz deutlich. Oder nehmen wir „abbonare“ – „abbonieren“ sähe doch auch im Deutschen wesentlich mehr nach dem aus, nach was es sich anhört, und nicht „abonnieren“. Vor der nächsten Rechtschreibreform würde ich also mal ganz genau hinschauen.

Sehr sympathisch sind auch sprachliche Verwandte wie beispielweise „il carcere“ (der Kerker) oder „l’identità” (die Identität). Mir würden zudem auf Anhieb 10 englische Wörter einfallen, die irgendwie italienisch klingen. Wenn man außerdem an englische Wörter (vorzugsweise an Adverbien wie „incredbile“) eine italienische Endung hängt (vorzugsweise „-mente“), liegt man häufig auch nicht ganz falsch.

Doch natürlich ist diese Lobpreisung der Leichtigkeit nur die halbe Wahrheit. Der überwiegende Teil der Wörter muss leider trotzdem gelernt werden und „falsche Freunde“ finden sich ebenfalls. Ich denke da z.B. an „l’umore“. Das heißt nicht etwa „Humor“ , sondern „Laune“, und die kann gerade beim Sprachenlernen auch mal wenig mit Humor zu tun haben; ganz besonders, wenn man sich durch eine üppige Grammatik kämpfen muss, in der sich fast alle Zeitformen in einer subjektiven Form (dem Congiuntivo) mit überwiegend anderen Endungen noch einmal wiederholen, was ich für ziemlich überflüssig halte. Genauso wie das Passato Remoto – eine Vergangenheitsform, die sehr weit zurückliegende Handlungen in der Vergangenheit wiedergibt, aber eigentlich nichts weiter aussagen kann als das, was man auch mit einem normalen Präteritum ausdrücken könnte. Maria hat mir erst unlängst versichert, dass nicht einmal die Politiker in der italienischen Grammatik durchsähen und man schon froh sein könne, wenn sie wüssten, wie man den Konjunktiv benutze. Nun, ja… ich zweifle, dass ich mir jemals einen italienischen Politiker als Vorbild genommen hätte, aber ich möchte im Italienischen auch nicht so klingen wie unsere Fußballspieler im Deutschen. Also habe ich mir ein dickes Buch mit Erklärungen und Übungen besorgt, durch das ich mich seit meiner zweiten Woche in Italien hindurchgrabe.

Entgegen dem Sprichwort ist beim Lernen einer Sprache aller Anfang leicht. Schwierig wird es ab da, wo man plötzlich Dinge verwechseln kann oder Übungen nicht mehr versteht, weil einem die Wörter fehlen. Also musste noch etwas her, mit dem ich systematisch Wörter pauken konnte. Im Internet fand ich den Kurs von sprachenlernen24 und nachdem ich ihn in der Demoversion ausprobiert hatte, habe ich kurzentschlossen das Komplettpaket gekauft und auf Luigis Laptop geladen. So sitze ich täglich noch etwa eine bis zwei Stunden (ich hab‘ ja Zeit) und pauke Wörter. Außerdem komme ich endlich dazu, alle meine Adesso-Ausgaben durchzuschmökern. Das Sprachmagazin hatte ich in einem Anflug von Lern-Enthusiasmus abonniert und sofort gemocht, allerdings in Deutschland nur sporadisch darin gelesen. Es ist super, wenn ich die Wörter, die mir das Programm beibringt, auch in den Texten oder im Alltag gleich erkenne. Dass sich die Paukerei lohnt, hat sich spätestens erwiesen, als ich plötzlich auf Italienisch schlagfertig wurde. Endlich kann ich meinen Humor zeigen – „l’umorismo“ übrigens (habe ich im Wörterbuch nachgeschlagen).

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