Imbecilli und Cretini – Schimpfen auf Italienisch I

Rimbambito, imbecille, cretino oder deficiente – wichtige Schimpfwörter beim Autofahren

Damit, dass die Italiener ihre Emotionen stark nach außen kehren, erzähle ich sicherlich niemandem etwas Neues. So gehören denn auch verschiedene Schimpfwörter seit meinem ersten Besuch in Bari zu meinem Vokabular, obwohl ich tatsächlich weiterhin lieber auf Deutsch fluche, wenn mich mal wieder jemand bei der Einfahrt in den Kreisverkehr links überholt, um gleich an der nächsten nur zwei Meter entfernten Ausfahrt rechts rüberzuziehen und den Kreisverkehr wieder zu verlassen, während ich eine Vollbremsung einlege.

Man kann Schimpfwörter am besten als Mitfahrer lernen. Hier mal meine Favoriten für die nächste Autofahrt in Italien. Sie alle bedeuten in etwa das Gleiche: Blödmann, Dummkopf, Depp oder Schwachkopf und müssen mit einer nachdrücklichen Handbewegungen (einer vertikal gehaltenen Hand, die in einer Aufwärtsbewegung die Luft durchschneidet) untermalt werden, damit der Fahrer des anderen Autos auch wirklich versteht, dass er euch verärgert hat: (vecchio) rimbambito, imbecille, cretino oder deficiente. Falls sie euch in Notsituationen nicht sofort einfallen, dann nehmt den internationalen „idiota“. In Italien ist offensichtlich schimpfmäßig nicht der typisch deutsche (Streichel)Zoo mit seinem dummen Affen, Kühen, Säuen, Eseln etc. unterwegs.

Wenn der so Angeschimpfte dann damit reagiert, dass er seine Hand hebt, an der alle Finger zu einer spitzen Tüte geformt wurden und irgendwie guckt als wolle er sagen: „Was willst du denn von mir?“, dann antwortet am besten mit einer betonenden Wiederholung des Schimpfwortes also z.B.: „Sei proprio un cretino!“ (Du bist wirklich ein Blödmann!) und, weil man gewöhnlich im Auto nichts weiter ausrichten kann, aber wenigstens für sich selbst als Überlegener aus dem Streit hervorgehen will, vollführt man mit der rechten Hand eine Bewegung wie die Rückhand im Tennis und ruft dem Blödmann dabei „Vattene via!“ (Hau bloß ab!) hinterher. Was dieser ohnehin meistens macht.

Mascalzone, monello, cafone oder scemo – „liebevolle“ Schimpfwörter im Familienleben

Im Familienleben werden ebenfalls eher nett anmutende Schimpfwörter gebraucht: mascalzone (Lausebengel), monello (Frechdachs), cafone (Flegel, Rüpel) oder scemo (Dummkopf). Ich führe das darauf zurück, dass die italienische „Mamma“ wie jede andere Mama ihren Kinder nicht richtig böse sein kann. Theoretisch kann diese Erfahrung aber auch daran liegen, dass Luigis Familie der Mittelschicht entstammt und sich deutlich vulgärere Ausdrücke von selbst verbieten.

Hörner – teuflisch gut gegen alles

„Sag‘ mir mal ein paar richtige Schimpfwörter!“ fordere ich Maria in Vorbereitung auf diesen Text auf. Sie lacht, dieses typische Lachen, mit dem man einen Schreck zu übertünchen versucht. „Frag doch mal lieber Luigi.“, antwortet sie dann auch ausweichend, hilft mir fürs Erste mit dem „cornuto“ auf die Sprünge. „Corne“ sind eigentlich Hörner und in einem guten katholischen Land sind natürlich die des Teufels gemeint.

Eine Besonderheit im Italienischen ist die Verwendung der Wörter und Gesten rund um „Hörner“. So kann man mit dem gespreizten Zeigefinger und dem kleinen Finger, während die anderen eine Faust bilden, jemandem den Teufel an den Hals wünschen, wenn man mit dieser Geste auf jemandem zeigt. Oder man kann den Teufel von sich abwehren, wenn man die Geste vor dem eigenen Körper vollführt. Wenn jemand jedoch ein „cornuto“ ist, dann ist er entweder ein gehörnter Ehemann oder aber ein „Scheißkerl“. 

Vulgäre Schimpfwörter

Irgendwie befriedigt mich das trotzdem nicht. Nachdem ich ihr durch die ganze Wohnung nachgelaufen bin, stelle ich Maria schließlich an ihrer Waschmaschine, die sich in einem Raum befindet, der keinen zweiten Ausgang hat, und entlocke ihr unter Ausflüchten die Worte „stronzo“ und „vaffanculo“. Ihr Gesicht spricht Bände. Es ist ihr unheimlich peinlich. Während ich mich wieder an den Computer setze, frohlocke ich innerlich darüber, endlich ein paar wirklich vulgäre Ausdrücke gelernt zu haben und schlage sie gleich mal im Onlinelexikon nach: „Arschloch“ und „Leck mich am Arsch!“ Na ja, auf einer Skala von eins bis zehn mit zehn als dem schlimmsten Ausdruck, bekommen sie von mir höchstens eine 5.

Die Grenzen der Sprachfertigkeit

Letztendlich warte ich doch darauf, dass Luigi von der Arbeit kommt, und quetsche diesen aus. Ich erfahre, dass man in Italien eher die Mutter und Schwester beleidigt, wenn man jemanden hart treffen möchte, indem man z.B. behauptet, dass diese Huren wären. In einem Land, in dem die Familie eine so starke Einheit bildet wie in Italien kann ich mir gut vorstellen, dass das als sehr große Affront empfunden wird. Allerdings sind das keine Schimpfwörter mehr, sondern schon ganze Sätze, und da ich keinesfalls vorhabe, jemanden über einer dritte Person hinweg zu treffen, lasse ich es dabei bewenden. Es kommt im Ganzen ohnehin auf Mimik und Gestik an. Mit der entsprechenden Verachtung im Gesicht und in der Haltung, wirkt ein förmlich ausgespuckter „cretino“ definitiv überlegener als ein ganzer Roman über die Profession der Mutter.

Ein Gedanke zu „Imbecilli und Cretini – Schimpfen auf Italienisch I

  1. kaja

    Ist es nicht merkwürdig, dass man immer ganz versessen darauf ist, die Schimpfworte einer fremden Sprache zu lernen? Mein Wortschatz umfasst französische Schimpfworte (und Fragmente der 5 Jahre Schulfranzösisch), polnische, englische und nun auch italienische Beleidigungen – danke! 🙂

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s