Mission Traumwohnung 3

Pazienza*

Es ist nun Anfang November geworden. Heute sind wir um 16 Uhr mit einem Handwerker in unserer Wohnung verabredet. Dieser hat eine kleine Klempner-Firma und kümmert sich auch um Elektrik. Zudem ist er Kunde in Pasquales Lohnbüro. Dieser persönliche Kontakt macht ihn zu einem vertrauenswürdigen Menschen, den man beruhigt in seine Wohnung lassen kann, ohne befürchten zu müssen, dass sie ein paar Jahre später mit Hilfe von Insiderwissen leer geräumt wird. Zehn Minuten vor vier reiße ich also ein paar Fenster auf und lasse die abgestandene Luft hinaus auf die Terrasse, während Luigi vor dem Haus auf den Handwerker wartet.

Die Sache ist äußerst knapp kalkuliert, denn wir haben vielleicht noch eine halbe Stunde Tageslicht. Wir sind nicht sicher, ob der Stromanbieter uns bereits freigeschaltet hat. Ich teste also die Glühbirne in der Küche und tatsächlich reagiert sie auf mein Schalten. Sie gibt ein mattes dunkelgelbes Licht ab, das etwas heller wird, nachdem ich auf einen Stuhl geklettert bin und die Birne vom Staub befreit habe. Na, bitte! Es geht doch. Ich gieße unsere Pflanzensammlung, die sich langsam von der mehrjährigen Vernachlässigung erholt, und winke dann Luigi zu, der sich vor dem Haus mit einem unserer neuen Nachbarn unterhält.

Die Uhr zeigt inzwischen halb fünf. Die Sonne stürzt sich über einem zehnstöckigen Hochhaus zu Tode und färbt den Himmel rot. Wir fragen uns, wie der Klempnerelektriker im Dunkeln unsere Wohnung besichtigen will, denn mehr Licht als von der Küchenglühbirne gibt es bei uns im Moment nicht. Wir rufen ihn also auf seinem Handy an. „Macht euch keine Sorgen.“ (Das sagen die Italiener immer.) „Ich bin schon unterwegs.“ (Na, immerhin! Wenigstens schon unterwegs.) „Pazienza.“, sagt Luigi und lässt sich auf der ersten Treppenstufe nieder.

Gegen 18 Uhr ist der Handwerker vor Ort und wir machen einen wildromantischen Taschenlampenrundgang. Dann verkündet er uns den groben Plan:

  1. Die Eisenrohre müssen raus. Die dürften nach 30 Jahren mit Rost und anderem Dreck verstopft sein. Das erkläre auch, warum in der Küche gar kein und im Bad nur wenig Wasser ankäme.
  2. Er brauche einen Plan, auf dem wir ihm alle Positionen von Steckdosen und Schaltern einzeichnen. Aber damit könnten wir uns noch ein paar Wochen Zeit lassen, denn:
  3. „Wir fangen dann im Januar an.“

Mir fällt mal wieder die Kinnlade herunter. Also erklärt er uns, dass er zunächst einen „Arbeitsantrag“ bei der Commune stellen müsse, damit es ihm beispielsweise erlaubt sei, in unserem Haus offiziell Krach zu machen und davor mit größeren Fahrzeugen die Straße zu blockieren oder Baumaterialien auf dem Gehweg abzustellen. So ein Antrag wird gewöhnlich nach etwa 20 Tagen genehmigt. Dann sei es praktisch kurz vor Weihnachten und alle würden Urlaub machen. Also planen wir am besten gleich, erst im Januar anzufangen.

„Ist diese Erlaubnis wirklich notwendig?“, frage ich zweifelnd, denn ich kann mir gar nicht vorstellen, dass die Italiener, die sonst alles so großzügig auslegen, so bürokratisch sein können. „Ja.“, bestätigt der Handwerker und fügt erklärend hinzu, dass er sich keine 5000 Euro Strafe leisten könne. Als ich höre, dass der Auftraggeber eines Handwerkers zu dessen 5000 Euro Strafe noch 20.000 Euro dazulegen müsse, bin auch ich zähneknirschend davon überzeugt, dass wir bis Januar warten können. Außerdem bin ich froh, dass Weihnachten in Italien erst Ende November und nicht wie in Deutschland schon im September beginnt, sonst würde man vielleicht vom Sommerurlaub nahtlos in die Weihnachtsferien übergehen.

„Pazienza!“, meint Luigi schließlich wieder, als wir die Tür hinter uns abschließen. Er macht dabei einen sehr geduldigen Eindruck, denn er hat ja 35 Jahre Übung darin. Ich hingegen muss noch viel lernen.

 

* Geduld

3 Gedanken zu „Mission Traumwohnung 3

  1. MaoMao

    Scheint dann auch nicht alles so einfach zu sein in Italien mit den Handwerkern. Mal sehen wie es damit weitergeht. Lg Thomas

    Antwort
  2. nussundpoint

    Ich finde deine Berichte über dein neues Leben in Italien liest sich sehr interessant – und das obwohl es um so scheußliche Dinge wie Verträge, Handwerker &co geht! ^^

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Danke. Ich bin auch immer wieder erstaunt, wie langmütig die Italiener sind. Sollte unsere Handwerksfirma, die im Januar zu arbeiten anfangen wollte (Der Wievielte ist heute?), tasächlich am Wochenende den Kostenvoranschlag ins Büro geschickt haben, dann gibt’s bald ein „Mission Traumwohnung 4“. 😉

      Antwort

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