Pazienza (mal wieder)

Ich gebe zu, ich bin noch immer nicht so italienisiert, wie ich es gern wäre. Deshalb wundere ich mich, wider besseren Wissens, darüber, dass sich meine nächste Hoffnung auf einen Arbeitsplatz bisher nicht auf meine Email mit meinem Lebenslauf gemeldet hat. Dass es zu dieser Email überhaupt gekommen ist, ist wie so oft eine Geschichte von einem Bekannten einer Bekannnten eines Bekannten oder, um es präzise zu machen, die Geschichte von einem Bekannten einer Freundin eines Cousins von Luigi. Besagter Cousin wäre gerne Busfahrer im ÖPNV. Da man in dieser Sache jedoch darauf warten muss, dass ein altgedienter Fahrer in Rente geht oder als Kollateralschaden bei einer Schießerei ums Leben kommt, wie unlängst in Bari geschehen, arbeitet er momentan als Fahrschullehrer. Bei der italienischen Fahrweise ist sein Leben dadurch zwar nicht sicherer, aber er kommt täglich mit vielen Leuten in Kontakt, so auch mit einer jungen Frau, deren Bekannter ein Geschäft im Bereich Import/ Export eröffnen möchte und Mitarbeiter mit Fremdsprachenkennissen sucht. Dem habe ich am ersten November meinen Lebenslauf geschickt und bisher hat er sich nicht bei mir gemeldet.

Obwohl also Luigi wie so oft meint: „Non preoccuparti!“ (Sorge dich nicht!), lasse ich meine sich stets und ständig sorgende deutsche Seite heraus und schreibe dem Geschäftsgründer noch einmal ein paar Zeilen ihn fragend, ob er meine Bewerbung erhalten habe.

Eine Woche später später bekomme ich eine Antwort, die sich in etwa wie folgt anhört: „Guten Abend Sig.na Hein.Vielen Dank für Ihren Lebenslauf. Ich melde mich bald wieder bei Ihnen. Leider zwingt uns die Bürokratie in Italien mit großer Geduld zu arbeiten. Danke, dass Sie sich für unsere Firma interessieren. Wir hoffen, Sie bald bei uns als Arbeitskraft begrüßen zu dürfen.“

„Hab‘ ich dir doch gesagt.“, meint Luigi. „Du musst Geduld haben.“ Mal abgesehen davon, dass ich durchaus Geduld beweisen kann, wenn ich wenigstens ein Datum weiß, bis zu dem ich mich gedulden soll, fällt mir auch sonst noch allehand ein, was ich in solch launigen Momenten an Italien und den Italienern kritisieren könnte – zum Beispiel die Art, eine Email zu schreiben. Wie höflich ist es denn, Anreden abzukürzen, indem man Mittelteile des Wortes weglässt (Signorina)? Ist es Zeichen des laissez-faire, ohne Absätze und Leerzeilen zu schreiben? Kein Wunder, dass im Süden alles drunter und drüber geht, wenn das italienische Wesen so unübersichtlich ist wie seine Emails. Zum Glück dauern solche Momente nicht lange an, weil ich selbst auch kein allzu pingeliger Mensch bin. Ich gehe also mit gutem Beispiel und dem von meinem Opa geerbten Starrsin voran. Ich antworte mit einer ausgeschriebenen Anrede, Absätzen, Leerzeilen und einer Unterschrift, dass ich sehr froh darüber bin, dass meine Email angekommen ist und ich mich selbstveständlich gedulden werde.

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