Berlusconi und der Weltuntergang

Spätestens seit der Kandidatur Berlusconis als zukünftiger „Wieder-Ministerpräsidente“ Italiens dürfte es allen klar sein: das viel belächelte Ende der Welt ist wahrscheinlicher geworden. Gut, vielleicht läutet die Kandidatur des Cavaliere auch nur das Ende Europas ein, aber während der gemeine Italiener noch hoffen darf, dass sich eine Wahlentscheidung mit dem prognostizierten Weltuntergang am 21.12. erledigt haben wird, müssen sich die Bewohner des Itriatals tatsächlich intensiver mit dem Gedanken an die zukünftige Wahl auseinandersetzen, denn die Region um Cisternino, Martina Franca und Ostuni wird mit Sicherheit vom Weltuntergang verschont bleiben. Das sagen jedenfalls die Anhänger des indischen spirituellen Lehrers Babaji (seinerseits immerhin eine Manifestation Gottes in Menschengestalt), welche sich Ende der 70er Jahre mit ihrem Ashram in Cisternino niedergelassen haben und kürzlich ihre Auslegung der Mayaprophezeiung verkündeten. Da diese Nachricht seit ein paar Tagen emsig von der Tagespresse verbreitet wird, wird später auch niemand sagen können, er habe nicht gewusst, dass man in Apulien sicher sei, und sich deshalb keine Gedanken um die Wahl des Ministerpräsidenten gemacht.

Den Bürgermeister von Cisternino freut der ganze Rummel, denn nach der ähnlich lukrativen Hochzeitsfeier von Justin Timberlake und Jessica Biel in der Nähe von Fasano, sind die Hotels und Herbergen dieses kleinen Stücks Apuliens nun zum zweiten Mal im Jahr gut gebucht. Ich persönlich halte recht wenig von dem ganzen Weltuntergangsgefasel und habe mich eigentlich der Theorie verschrieben, dass nach Ablaufen des aktuellen Mayakalenders ganz einfach die neue Edition gekommen wäre, wenn es die Mayas noch geben würde. Aber um ganz sicher zu gehen, finde ich, dass man die gebotenen Chancen auch nutzen sollte. Daher habe ich Luigi vorgeschlagen, für ein paar Tage ins Sommerhäuschen nach Ostuni umzuziehen. „Bist du verrückt?“, meinte er daraufhin entgeistert und blickte mich an, als würde tatsächlich die Welt untergehen. „In Ostuni kann es schneien. Da kriegen mich im Winter keine zehn Pferde hin!“

(Ich hoffe bloß, dass das keine Ausrede war, weil er nicht weiß, wen er wählen soll.)

Wie die Sache mit dem Weltuntergang ausgegangen ist, kann man hier nachlesen.

7 Gedanken zu „Berlusconi und der Weltuntergang

  1. Christian

    ein bisschen glaubst Du wohl doch dran, wenn Einschneien als sicherer gilt als Ausharren am gottgewollten Orte. Wir hier oben sind sowohl ein bisschen eingeschneit als wohl auch ansonsten am allgemeinen Untergang beteiligt, wie uns allerdings schon zum Jahreswechsel klar war http://www.gedichtladen.de/blog/?s=Maya
    Also Kopf hoch, erst recht am Hacken des Stiefels
    VlG Christian

    Antwort
    1. Corinna

      In Ermangelung eines Mayaschoßes falle ich dann doch lieber in den von Luigi, aber der Weltuntergang wurde schon mehrmals vorausgesagt und soweit ich feststellen kann, dümpelt die Erde noch relativ intakt im All herum. Bevor es nicht mindestens losgeht wie bei Emmerich, mache ich noch Pläne für die kommenden Jahre und amüsiere mich darüber, wie ein kleiner gelifteter Opa die westliche Hemisphäre allein mit seinen Worten mehr in Aufruhr versetzt als eine Weltuntergangsankündigung.

      Antwort
  2. Frau Hilde

    Berlusconi weiß den Weltuntergang sicher zu verhindern. Sonst kann er seinen möglichen Wahltriumph ja gar nicht genießen.
    Wer mit Justiz und Medien fertig wird, für den ist so ein bisschen Welt-vorm-Untergang-Bewahren doch eine Kleinigkeit!

    Antwort
  3. Corinna

    … damit könntest Du sogar recht haben. Berlusconi als neuer Superheld – „Supersilvio“ quasi… und dann kann er auf einem seiner TV-Kanäle auch gleich die passende Serie ausstrahlen mit sich selbst in allen Hauptrollen und der Erde als Statistin. Vielleicht sollten wir uns schnell die Rechte sichern, bevor er noch darauf kommt. 😉

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  4. frauhilde

    Seit ich das gelesen habe, sehe ich ihn immer wieder in einem (zu engen) Superman-Kostüm an einer Liane quer durchs Tal eiern.
    Und dann am anderen Ende malerisch an den Felsen schlagen.

    Antwort
  5. Pingback: Berlusconi und der Weltuntergang (Reprise) & Weihnachtsgrüße | meinapulien

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