Bald nun ist . . . Natale

Weihnachen steht praktisch vor der Tür. È praticamente natale. Doch abgsehen von dem Stapel an Weihnachtsgeschenken auf Marias Kommode, der seit Anfang Dezember immer größer wird, war bisher nicht viel davon in unserer Wohnung zu sehen. Dafür war umso mehr zu riechen, denn seit zwei Wochen backe ich Weihnachtspläzchen – mal allein, mal mit Unterstützung. Aber die Blechdosen sind hier wie Fässer ohne Boden: ich fülle oben ein; doch bald darauf sind sie schon wieder leer. Das merkwürdige Verschwinden hat damit zu tun, dass immer wieder Nachbarn an der Wohnungstür klingeln und fragen, was so gut rieche. Bevor man da lange erklärt, werden die Dosen eben aufgemacht und verkostet. Auch bei der lieben Verwandtschaft kommt deutsches Weihnachtsgebäck hervorragend an.

In der letzten Woche hat Maria mich zudem in die Herstellung eines für Apulien typischen Weihnachtsgebäcks eingeweiht. Ich mag besonders die gewöhnliche Variante, die nach dem Ausbacken in Vincotto „gebadet“ und auch damit gefüllt wird. Luigis Familie verwendet dafür einen dicken, fast schwarzen Feigensirup. Vincotto gibt es aber auch etwas heller aus eingekochtem Weintraubenmost. Einen Bericht von der handwerklich etwas aufwendigeren Herstellung dieser klebrigen Süßigkeit namens Cartellate werde ich im Laufe der Woche nachliefern.

So weit, so gut. Man riecht also seit zwei Wochen im ganzen Haus, dass wir uns auf Weihnachten vorbereiten, aber man sah es bisher nur auf Luigis Kommode, wo ich Anfang Dezember aus nostalgischen Gründen ein paar erzgebirgische Holzschnitzerein aufgestellt hatte. Eigentlich wird in Italien am 8.12. weihnachtlich aufmunitioniert. Der arbeitsfreie Tag der „Maria Empfängnis“, der in diesem Jahr auf einen Samstag fiel, wird dazu genutzt, den (Plaste)Baum zu schmücken und sich gegenseitig im Aufstellen voluminöser Krippen zu überbieten. Nachdem sich die Balkons des Häuserblocks gegenüber in ein blinkendes Las Vegas verwandelt haben, und wir bei einer Bekannten Krippenaufbauten, die ein Drittel des Wohnzimmers einnahmen, bewundern durften, ist in Pasquale nun auch der Weihnachtsvirus ausgebrochen. Über die mäßige Begeisterung der restlichen Familie empört stapfte er mit einer Woche Verspätung in die Garage und trug nicht nur von dort diverse Pappkartons im Wohnzimmer zusammen. Darin befanden sich mehrere Krippen, zwei Weihnachtsbäume, mindestens fünf Lichterketten und anderes Zubehör, welches wir dekorativ in der Wohnung verteilten. Die Krippe kann mit dem Miniaturbethlehem der Bekannten natürlich nicht mithalten, denn sie findet bequem auf einem Tischchen Platz, aber dafür haben wir zwei Weihnachtsbäume und jede Menge Gebäck.

Weihnachten kann kommen. Wir sind vorbereitet.

3 Gedanken zu „Bald nun ist . . . Natale

  1. frauhilde

    Ah, ich sehe, du hast es ohne zusätzliches Schlafanzug-mit-Comic-Geschenk geschafft, die Küche zu erobern. 😉

    Der eine Baum ist… interessant.

    Antwort
    1. Corinna

      „Interessant…“? Ich finde, es ist der schrecklichste Baum, den ich je erlebt habe. Aber eine genauere Untersuchung hat zu Tage gebracht, dass es der erste Weihnachtsbaum seit ca. 8 Jahren ist. Die letzten Weihnachten hat Luigi immer in Deutschland verbracht und, weil keine Kinder im Haus waren, haben seine Eltern nur die Krippe aufgebaut. Wir haben also praktisch mit veraltetem Material gearbeitet und dafür etwas recht Anständiges zu Stande gebracht. . . jetzt, wo wieder Kinder im Haus sind . . . Da könnte ich vor Rührung schon fast ein Tränchen vergießen.

      Außerdem habe ich herausgefunden, dass die Übernahme der Küche zu Backzwecken ganz einfach ist. Luigis Mama ist ganz froh, wenn jemand anderes bäckt. Sie kocht lieber. 🙂

      Antwort
  2. Frau Hilde

    Okay, „schrecklich“ hast jetzt du gesagt.
    Aber schön, dass „Kinder im Haus“ wieder eine Rückkehr zu schönen Traditionen bedeuten.

    Ah, das mit dem Kochen ist natürlich unheimlich praktisch! Nutz es aus! 😉

    Antwort

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