Klippen und Meer – Polignano a Mare

IMG_20121220_141405Etwa zwanzig Autominuten südlich von Bari wagt sich das Städchen Polignano a Mare mit seiner Altstadt bis an den Rand  schroffer Klippen vor, ja, fast scheint es sich sogar ins Meer hinein stürzen zu wollen. Schon allein aufgrund dieser Lage ist die kleine Stadt sehenswert und außerdem gerade groß genug, um sich einen Nachmittag darin zu vertreiben. Ich habe besonders schöne Erinnerungen an einen Junitag vor sieben Jahren in Polignano, an dem Luigis Cousine ihrem Mann in dieser bezaubernden Kulisse aus dem 14. bis 16. Jahrhundert das Jawort gegeben hat. An diesem Tag mit seiner ganz besonderen Atmosphäre habe ich mich in Polignano verliebt und natürlich ist auch Michy sofort dabei, als wir uns an einem warmen Nachmittag im November dorthin aufmachen wollen.

Wir nehmen die Autobahn (S 16) in Richtung Brindisi, fahren jedoch schon unmittelbar nach Mola diIMG_20130120_183304 Bari wieder von ihr herunter und auf einer schmalen Küstenstraße weiter, welche die gleiche Richtung nimmt. Auf dem Weg nach Polignano passiert man hier zahlreiche einzeln stehende Trulli auf gepflegten Feldern, hinter denen sch malerisch das Meer bis zum Horizont erstreckt. Da die Straße nur mäßig befahren ist, wenn sich nicht gerade Sommers die Autokolonnen aus der Stadt in Richtung Meer wälzen, kann man auch relativ gefahrlos anhalten und ein paar Eindrücke fotografisch festhalten.

In Polignano angekommen muss man möglichst früh der Ausschilderung zu den Touristenparkplätzen folgen, sonst hat man schon die schmale Brücke über der Badebucht „Lama Monachile“ passiert und steht direkt vor dem Altstadttor. Hier sind kaum Parkplätze zu finden und die ohnehin engen Straßen machen das Navigieren auf dem strategischen Rückzug nicht gerade leichter.

polignano2Ist das Auto erstmal abgestellt und das Parkticket bezahlt, schlendern wir hügelabwärts und erreichen die besagte Brücke, unter der hindurch man den kleinen Steinstrand erreicht, an dem tatsächlich auch Anfang November noch ganz Wagemutige ins Wasser gehen. Wir trauen uns nur mit den Füßen hinein, aber das Wasser ist tatsächlich überraschend warm. Wir können gerade noch ein paar Fotos schießen und werden dann von einem Kamerateam gebeten, den Strand für eine Filmaufnahme frei zu machen. Auch die Badenden packen ihre Handtücher ein und trollen sich.

IMG_20121220_140827Über eine Treppe gelangen wir auf die Brücke und zum Altstadttor. Das Brückchen hat hier so ähnlich bereits vor ca. 1900 Jahren gestanden, denn der Weg durch Polignano war Teil der „Via Traiana“, die auf Wunsch des römischen Kaisers Traian die Orte Benevento und Brindisi an der Adria entlang verbinden sollte. Durch Bari und Polignano, das damals noch Neapolis („neue Stadt“) hieß, machte die Via Traiana noch zusätzlich einen kleinen Schlenker.

Hinter dem Altstadttor verbergen sich gleich allen Altstädten dieser Gegend die überwiegend weiß getünchten wie mit dem Baukasten errichteten hohen Wohnhäuser, welche im Sommer ihre kühlen Schatten auf die schmalen Gässchen werfen. Linker Hand befindet sich der halboffene Saal IMG_20121220_141324des Rathauses, in dem Ausstellungen stattfinden oder eben auch gelegentlich geheiratet wird. Von dort aus hält man sich immer links, bis man zum ersten Aussichtspunkt gelangt. Insgesamt gibt es hier drei Lücken in der Bebauung direkt an der Klippe in denen sich im Sommer die Touristen drängen. Auch im November sind wir nicht die einzigen Touristen, aber es ist so leer, dass sich auch ein paar Angler eingefunden haben, die von hier aus ihre Haken ins Meer hinaus werf en. Dass einer von ihnen etwas gefangen hätten, haben wir jedoch nicht gesehen.

IMG_4206Zentrum der Altstadt ist die gemütliche Piazza Vittorio Emanuele II., die flankiert wird von Bars, Geschäften und der Kirche Santa Maria Assunta. Wir wollen einen Blick ins Innere werfen, wo sich Skulpturen des bekannten Renaissancekünstlers Stefano da Putignano aus dem 17. Jahrhundert und andere kleine Kostbarkeiten befinden. Es findet jedoch gerade eine Messe statt, und statt alte Kunstwerke zu sehen, werden wir Zeugen der Tatsache, dass in Polignano der Nachwuchs an gläubigen Katholiken gesichert ist. Der Priester ist in ein lautes „Gespräch“ mit fröhlichen Zurufen aus drei Bankreihen voller Kinder verwickelt und bespricht eine Bibelstelle mit ihnen. Die Kirche ist auch abgesehen von den Kindern gerammelt voll, obwohl es sich nicht um einen Feiertag handelt. Wir lassen also unseren Blick nur kurz schweifen und ziehen uns dann wieder ins Freie zurück, um noch ein wenig zu bummeln. Wir begegnen auf unserem Streifzug nicht nur der örtlichen Putzkolonne, Touristen und zweibeinigen Stadtbewohnern, sondern auch zwei Kanarienvögeln, die ihren Käfig an eine Außenwand verlegt haben. Ein paar Gassen weiter, erhalte ich die Gelegenheit, ein Kätzchen zu streicheln, während seine Katzenmama an einer Hauswand die Strahlen der Herbstsonne genießt.

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Natürlich fehlen auch in Polignano die üblichen Geschäfte mit Spezialitäten der Gegend oder anderen Andenken nicht. Man kann sich aber auch ganz einfach mit einem Eis vor einer der Bars niederlassen und sich seines Lebens freuen. Aktuell empfiehlt es sich, der Gelateria „Caruso“ in der Via Martiri di Dogali einen Besuch abzustatten. Sie liegt etwas abseits der Altstadt, aber der Weg lohnt sich. Der 24jährige Eishersteller Luca Babbo hat sich mit seinen innovativen Kreationen einen Namen gemacht und für sein Kastanieneis mit Mandarinen und Sternanis den „Giubileo Cup“ verliehen bekommen, der zugleich Türöffner für einen Eiscremewettbewerb ist, der ihn IMG_20130120_195802schließlich bis zum Weltcup der Gelaterie führen könnte. Der Gewinn des „Giubileo Cups“ ist zugleich ein Imagegewinn für Apulien, richtet er doch für einen Augenblick die Aufmerksamkeit auf ein junges Unternehmen, das hier im häufig unterschätzten Süden Wert legt auf Innovation und mit der Verwendung natürlicher einheimischer Produkte ganz im Trend der Zeit liegt. Da kann man es verschmerzen, wenn es nicht alle Eissorten ganzjährig zu kaufen gibt, weil nur Früchte der Saison Verwendung finden. Selbst der Preis hält sich mit 2,30 Euro für drei Geschmacksrichtungen in Grenzen.

IMG_20121220_141101Auch wenn kuliniarische Köstlichkeiten häufig anziehender sind, als weiß gestrichene Häuser, von denen es in Apulien zugegebenermaßen recht viele gibt, sollte man nicht in Polignano gewesen sein, ohne einen Blick von der der Altstadt gegenüberliegenden Seite der Bucht auf das historische Zentrum genossen zu haben. Hier befindet sich zugleich das Denkmal für den wohl bekanntesten Sohn der Stadt. Oder sagen wir es anders: Sein Name, Domenico Modugno, ist vielleicht nicht so bekannt, aber den Song, der ihn international berühmt gemacht hat, kann wohl so ziemlich jeder ansingen. „Voooooooooolare, oooho! Cantare, ohohohoho!“ kann ich es mir dann auch nicht verkneifen. Aber weil so ein schöner Tag ist und Luigi ein Gesicht zieht, als habe er gerade furchtbare Zahnschmerzen bekommen, verzichte ich darauf, uns vor den anderen Touristen zum Affen zu machen. Im Gegenzug dafür muss er uns vor dem Denkmal knipsen. Voooooooooolare, oooho!

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7 Gedanken zu „Klippen und Meer – Polignano a Mare

  1. frauhilde

    Hach, das klingt so schön und stimmungsvoll!

    Das Kätzchen hättest du ja einpacken können; es würde doch bestimmt gut in eure Traumwohnung passen, oder? 😉

    Antwort
    1. Corinna

      Ehrlich? Ja, ja, jaaa… Aber hätte ich alle niedlichen Katzen, derer ich bisher habhaft werden konnte, eingepackt, dann bräuchten wir auch noch ein Katzenzimmer in unserer Wohnung. 😉

      Antwort
  2. Hilfe für Miranda

    Liebe Corinna,

    ich schreibe Dich jetzt einfach mal hierüber an, da ich keine anderen Kontaktdaten auf Deinem Blog gefunden habe. Du warst so lieb, etwas über unsere Amazon-Wunschliste für die Pferde zu spenden! 😀 Leider legt Amazon meistens keine Lieferscheine den Sendungen bei. Gestern kam ein Paket mit Eggersmann Mineralbricks. Nun weiß ich leider nicht ob das von Dir ist? Kannst Du mir bitte Bescheid geben? Das wäre toll! 😀
    Ich sage jetzt schon einmal vielen Dank!!! ♥

    Viele liebe Grüße
    Susanne und die Pferde

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Hallo Susanne,

      ja, das ist von mir. Schön, dass Du Dich freust. 🙂

      Ist nur eine Kleinigkeit, aber ich hoffe, es hilft den geretteten Pferden und motiviert vielleicht auch andere, euch zu unterstützen.

      Viele Grüße,
      Corinna

      Antwort
      1. Hilfe für Miranda

        Vielen Dank meine Liebe! ♥
        Jede Spende hilft den Gnadenbrotplatz unserer Rentnerpferde und den anderen unvermittelbaren Tieren auf dem Hof zu erhalten! 😀
        LG Susanne
        PS: Ich habe auch auf Mirandas Blog über Deine Spende berichtet.

        Antwort

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