Mission Traumwohnung 7 – Architektinnenträume

Eine Woche nach der ersten Wohnungsbegehung mit unserer Archtektin trafen wir erneut mit ihr zusammen. Eigentlich sollte sie nur unseren “Bau“ betreuen, d.h. die Arbeiten unserer Handwerker kontrollieren und ihre Unterschrift für das Bauamt in Triggiano hergeben. Aber offensichtlich sah sie ein Potenzial zum Ausleben ihres Berufsstandes in unserer Wohnung und wollte uns nun ihren Vorschlag für eine bessere Raumaufteilung und mehr Platz vorstellen.

Bei ihrem vorhergehenden Besuch hatte sie bereits einige Kritikpunkte geäußert, die wir bis dahin eher unkritisch gesehen hatten. Daher ahnten wir bereits dunkel, dass wir überrascht sein würden. Doch “überrascht“ traf es nicht ganz. Schon nach dem ersten Blick auf die Zeichnung, sah ich, wie bei Luigi sämtliche Vorhänge fielen und er nur noch an sich hielt, um nichts Falsches zu sagen oder unhöflich zu wirken.

Unsere sechs Meter lange Wohnstubenwand, an der wir dereinst ein vom Boden bis zur Decke reichendes Bücherregal aufstellen wollten, wurde plötzlich von der Wohnungstür unterbrochen. Der kleine Eingangsflur gehörte nun zu einem kombinierten Küchenesszimmer, weswegen man jetzt durch die neue Wohnungstür eintretend sofort im Wohnzimmer stand und auf unser Sofa blickte. Fans amerikanischer Sitcoms werden von dieser Vorstellung sicherlich hellauf begeistert sein, aber wir waren einigermaßen entsetzt.

Das Kinderzimmer, welches sie noch vor einer Woche als zu klein bezeichnet hatte, war zugunsten eines mit Gipskartonplatten zu errichtenden Umkleidraumes, der auch noch ein Drittel des Wohnzimmers in Anspruch nahm, deutlich geschrumpft und nun wirklich zu klein für zwei Kinder. Dafür hatten wir plötzlich vier winzige Bäder; davon zwei mit Dusche und Toilette, eines mit einer Waschmaschine und Toilette und eines nur mit einem Waschbecken – für den Fall, dass man sich mal nur die Hände waschen möchte. In unser Küchenesszimmer ragten von beiden Seiten zwei kurze Wände/ Wandschränke in den Raum, die den Küchenbereich optisch vom Essbereich trennen und so nützliche Utensilien wie Bügelbretter und Besen beherrbergen sollten. Ein monströser Esstisch verstellte die Tür zu unserer Terrasse und vor dem kuschligen Kamin war nun nicht mal mehr Platz für einen Sessel.

Leider müsse man wegen dem Versetzen und dem Einbau zusätzlicher Wände dann tatsächlich auch überall den Fußboden erneuern, meinte die Architektin zum Abschluss, und in diesem Zusammenhang könnten wir auch überall einen einheitlichen Belag wählen. Zufrieden lächelnd versicherte sie uns nochmals, dass sie bereits mit vielen Fachhändlern zusammengearbeitet hätte und überall gute Preise bekäme.

Zum Glück hatte sie noch einen Termin und musste uns nach dem einstündigen Lobpreisen ihrer genialen Ideen für mehr Funktionalität und weniger ungenutzten Raum fluchtartig verlassen. Wir verblieben so, dass wir ihr noch am Sonntag per Email eine Rückmeldung geben würden. Sollten wir ihr Projekt oder auch nur Teile davon umsetzen wollen, würde sie sich sofort daran machen, die vorliegende Skizze auszuarbeiten und alles notwendige zu beantragen.

Als sie die Tür hinter sich zugezogen hatte, entschuldigten wir uns bei unserer unmodern geschnittenen Wohnung ohne Umkleidezimmer, mit nur zwei Bädern und einem Eingangsflur, der nicht sofort den Blick auf den Wohnbereich freigab, für die erduldete einstündige Schmähung. Es war längst klar, wie unsere Rückmeldung lauten würde.

9 Gedanken zu „Mission Traumwohnung 7 – Architektinnenträume

  1. blitta

    OJE! Manchmal fragt man sich ja wirklich, ob die Architekten eigentlich jeemals zuhören, was die potentiellen Bauherren wünschen… Toitoitoi!!! Wobei der Sitcom-Hinweis cool ist. Wie wäre es mit einem blauen Samtsofa als Blickfang? – und dann natürlich Eintritt verlangen!

    Antwort
    1. Corinna

      Also blau ginge vielleicht noch, aber Samt? Ich glaube, das vertrüge sich nicht mit den roten Haaren unserer zukünftig noch anzuschaffenden Katze. 😉

      Abgesehen davon hat sie uns wirklich nicht zugehört, denn von dem Bücherregal, dem Flur und von einer Badewanne haben wir ihr definitiv erzählt. Sie hat sich halt ein bisschen ausgesponnen. Inzwischen ist sie zum Glück dabei, einfach nur noch ihre Arbeit zu machen. Also es besteht mal wieder Hoffnung. 🙂

      Antwort
  2. imzim

    Ach je….. Aber ich kenne das…. Wenn Architekten unbedingt ihren Stil aufdrücken wollen. Wünsche euch weiterhin viel Glück

    Antwort
  3. frauhilde

    Ach, du meine Güte …
    Ich finde vier Bäder für zwei Personen aber wirklich eine intelligent durchdachte Idee. Vor allem, wenn ihr Kinder habt. Da die ja nun keinen Platz mehr für ihre Zimmer haben, müssen sie ja im Bad nächtigen und leben. Da bietet sich das einfach an, vier Stück zur Auswahl zu haben!
    Und kann man die Wohnungstür nicht in die Bücherwand integrieren? Einmal auf den Mankell drücken und dann öffnet sich der Sesam. Oder so.

    Antwort
    1. Corinna

      Die Bädersache mag ganz gut durchdacht sein, aber wohin mit den Kindern, wenn sie zu groß geworden sind, um im Waschbecken zu schlafen? 😉

      Antwort
      1. meineschreibblockadeundich

        Ab in die Badewanne ;)! Außerdem entfällt so das lästige Abstauben/Staubsaugen. Einmal mit dem Dampfstrahler durch und fertig.

        Herzlichst
        Marie
        (über einen Umbau nachdenkend)

        Antwort

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