Mission Traumwohnung 8 – Und sie bewegt sich doch

Seit dem Tag, an dem wir unsere Architektin dahingehend enttäuschten, dass wir keinen ihrer fantastischen Pläne in die Tat umsetzen wollten, sind nun schon wieder zwei Wochen vergangen. In diesen zwei Wochen warteten wir darauf, ein Dokument von einem Ingenieur zu erhalten, das uns noch fehlte, um den Papierkram beim Amt einzureichen und mit den Renovierungsarbeiten beginnen zu können. Offensichtlich war der Mann äußerst beschäftigt und hielt sich ständig außerhalb von Bari auf.

Die zermürbende Warterei wurde gestern durch einen Anruf von Lorenzo unterbrochen: Unsere Fenster aus Polen seien da. Er würde sie morgen um 10 Uhr vorbeibringen und schon einmal in unserer Wohnung abstellen wollen. Klar, kein Problem! Im Gegenteil: Hurra! Endlich tat sich etwas.

Natürlich war im Grunde vorauszusehen, dass wir nicht schon um 10 Uhr in unserer Wohnung auf ihn warten müssten. Zeitangaben sind hier wirklich äußerst relativ. Trotzdem waren wir pünktlich dort. Man konnte ja nie wissen. . .

Mit der Nase gen Sonne

Gegen halb 11 hatten wir unsere Pflanzen gegossen, die Wohnung mehrmals durchmessen und auch die TerrasseIMG_20130301_195246 ausgiebig nach allen Seiten abgeschritten. Die Frühlingssonne knallte mit voller Wucht auf die Südseite. Auf der Schattenseite hingegen wehte sogar ein Lüftchen und es lohnte sich, eine Jacke angezogen zu haben. Natürlich machte ich es mir unbejackt in der Sonne gemütlich und reckte meine Nase gen Himmel, während Luigi die Straße unter uns im Auge behielt.

IMG_20130301_195007Gegen 11 Uhr bekamen wir Hunger. Von Lorenzo war weit und breit nichts zu sehen. Kurzentschlossen stürmte ich die nächstgelegene Bäckerei, damit wir uns die folgenden Warteminuten mit einem improvisierten Picknick vertreiben konnten. Gegen 12 hatte auch Luigis „Pazienza“ ein Ende und er rief Lorenzo an: Ach, so spät schon. Sie seien in Bari aufgehalten worden. Nein, heute Vormittag würde das nichts mehr werden. Er denke, so gegen eins.

„So ein Idiot! Er hätte auch mal von selbst anrufen können“, grummelte ich, als wir uns auf den Nachhauseweg machten. Das tat er dann sogar. Etwa eine halbe Stunde später nämlich. Um uns mitzuteilen, dass er denke, der neue Zeitpunkt wäre ungünstig. Das glaubten wir gern, denn um 13 Uhr sitzt der gemeine Süditaliener am Mittagstisch. Also wurde kurzentschlossen ein neuer Zeitpunkt festgelegt: 16 Uhr. Gleichzeitig versprach er jedoch, noch einmal anzurufen, wenn er sich wirklich auf den Weg machen würde. Meine Güte! Würden wir heute noch Fenster in unserer Wohnung sehen?

Es wurde vier. Es wurde fünf. „Der kommt heute nicht mehr“, sagte ich zu Luigi und ging, um mir einen Tee aufzubrühen. Just als ich mich mit der dampfenden Tasse und ein paar Keksen am Küchentisch niedergelassen hatte, klingelte das Telefon dann doch noch. Sie wären jetzt schon vor unserer Wohnung. Wir sollten uns jedoch nicht sorgen. Tatsächlich sorgten wir uns in diesem Moment nicht mehr, aber wir beeilten uns trotzdem.

Vor unserem zukünftigen Haus trafen wir wenig später auf Lorenzo und zwei weitere Männer. Sie sahen alle drei fix und fertig aus. Seit morgens um halb acht hatten sie Fenster auf das Dach ihres Transporters verladen, durch die Gegend gekutscht und wieder abgeladen. Nun waren nur noch unsere übrig. Dritter Stock. 80 kg wiegt so ein Fenster durchschnittlich. Es dauerte eine gute Stunde, bis alle Teile in unserem zukünftigen Wohnzimmer standen. Allerdings fehlten noch 3 Fenster. Die würden sie am Montag bringen. Oder am Dienstag. Es könne auch Mittwoch werden.

„Sorge dich nicht“, antwortete ihm Luigi nun mit einer der beliebtesten italienischen Floskeln. „Wir warten immer noch auf ein Dokument, bevor wir anfangen können.“ Autsch! Immer auf’s Schlimme. Ich beschloss, trotz der Dunkelheit, die längst eingesetzt hatte, ein paar Fotos von den neuen Fenstern zu schießen. Dabei hatte ich fast das Gefühl, als hätte sich unsere „Mission Traumwohnung“ heute einen Schritt nach vorn bewegt.

finestre

5 Gedanken zu „Mission Traumwohnung 8 – Und sie bewegt sich doch

  1. meineschreibblockadeundich

    HIhi! Und da regen wir uns auf, wenn wir zwei, drei, vier läppische Stunden auf einen Handwerker warten müssen! Tzzzzz!

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  2. kaja

    Sorge dich nicht! 😀 Herrlich. Dein Schreibstil ist ziemlich klasse und wenn ich das so lese, kann ich richtig spüren, dass du dich unglaublich aufgeregt hast, weil in Itialien nix ist mit deutscher Pünktlichkeit, dich aber gleichzeitig zum Zeitpunkt des Schreibens darüber amüsierst, was passiert ist! Sehr schön, immer lachen und das Leben genießen! ❤

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Danke für das Kompliment! Tatsächlich versuche ich immer alles auch mit einem lachenden Auge zu sehen. Ich kann es ja doch nicht ändern. 🙂

      Antwort
      1. kaja

        Eben, was soll man auch machen? Und meistens IST es auch wirklich witzig, wenn man später drauf zurückblickt 🙂

        Antwort

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