Wenn der Osterhase nach Apulien kommt. . .

. . . dann ist er wahrscheinlich zusammen mit ost- oder nordeuropäischen Einwanderern hier her gelangt. Das Bemalen von Eiern, das Schmücken von Ostersträußen oder das Aufstellen von Osterhasen als Dekoration, sowie das Essen von Kaninchen am Ostersonntag sind keine Bräuche in Italien. Der katholische Glauben hat die meisten dieser heidnischen Fruchtbarkeitsriten zu Gunsten religiöser Handlungen überlagert. Was macht man also statt dessen in Apulien, wenn im Frühling die Osterglocken läuten?

Die Vorosterzeit

Für diejenigen Italiener, die stark im Glauben verwurzelt sind, ist Ostern das wichtigste Fest des Jahres, denn es werden zahlreiche Messen und Prozessionen veranstaltet, die an den Leidensweg von Jesus Christus erinnern. Man hat also einmal mehr die Chance, in seinem Glauben aufzugehen. Außerdem läutet Ostern aber auch das Ende der Fastenzeit ein.

Nicht, dass zwischen Aschermittwoch und Ostern in unserem Haus gedarbt worden wäre, denn Luigis Familie fastet nicht. Aber das Menü der Osterfeiertage wird schon Wochen im Voraus festgelegt und, wenn die Zeit endlich gekommen ist, widmen sich italienische „Mammas“ wie Maria einer ihrer liebsten Beschäftigungen – dem exzessiven Kochen. Dabei wird am Karfreitag nur leicht gegessen. Vorzugsweise gibt es Fisch. Am Sonntag hingegen schlägt man wieder richtig zu.

Schlemmen am Ostersonntag

colombepasqualiDas Ostermahl beginnt mit einem Teller von Antipasti aus gebratenen oder in Öl eingelegten Gemüsen, Käse und Salami. In manchen Orten, vor allem im ländlichen Raum ist es Brauch, gekochte Eier vom Priester in der Kirche segnen zu lassen. Diese werden ebenfalls auf der Antipastiplatte gereicht. Der erste Gang in einem typisch apulischen Ostermittagessen könnte aus Ravioli mit einer Sauce, in der ein paar Stücken Lamm mitgekocht wurden, bestehen. Der Fleischer des Vertrauens sorgt dafür, dass für den Hauptgang ein gutes Stück Lamm auf dem Grill gebracht werden kann. Pasquale schwört auf Lammrippchen. Dazu gibt es Rosmarienkartoffeln aus dem Ofen. Zum Nachtisch fliegt nach dem üblichen Obstteller eine „Colomba“ auf die italienische Ostertafel, ein brioche-artiger Kuchen in Taubenform, der gefüllt und mit Puderzucker oder Kakao bestäubt seinIMG_20130320_203614 kann. Der Kuchen spiegelt durch seine Form die Verbundenheit mit dem Glauben wieder, denn die Taube erinnert symbolhaft an die Auferstehung Christi. Die festliche Tafel wird mit Palmzweiten dekoriert, die man am Palmsonntag vor der Kirche kaufen und vom Priester segnen lassen kann.

Das Osterei

IMG_20130320_203347Das Osterei als Dekorationselement spielt abgesehen von einigen regionalen Bräuchen in Italien keine große Rolle mehr. Es macht sich eher in Pasteten und Torten unsichtbar, als dass es als separat gegessen oder anderweitig zelebriert wird. In Apulien hat das Ei in den Ostertraditionen jedoch überlebt. Es taucht wie beschrieben als gesegnetes Ei unter dem Namen „Benedetto“ auf der Antipastiplatte oder apulienweit als gekochtes Ei mit Schale auf dem Mürbeteigring „Scarcella“ wieder auf.

Süßes zum Verschenken

IMG_20130320_203521Den großen und kleinen Kindern macht man an Ostern eine Freude mit riesigen Schokoladeneiern in quietschbuntem Papier, die mit kleinen Spielzeugen oder Plüschtieren gefüllt sind. Schon seit Wochen stehen sie in den Supermarktregalen oder hängen an Leinen von den Decken hinunter. Aber es gibt auch Konfektionen mit lachenden Schokohasen, Schokoladeneiern und anderen Figuren in Staniolpapier zu kaufen.

Eine weitere typisch apulische Ostersüßigkeit ist das „Osterlamm aus IMG_20130320_203045Marzipan“. Die Hauptzutat liefern die zahlreichen Mandelbäume, welche überall in Apulien wachsen. Daher findet man eigentlich das ganze Jahr über in den Konditorein Süßigkeiten aus Marzipan, denen man zu Ostern in Bezug auf das „Lamm Christi“ eben diese besondere Form gibt.

Pasquetta“ – das „kleine Ostern“

IMG_20130320_203704Natale con i tuoi, pasqua con chi voi“ – „Weihnachten mit den Deinen, Ostern mit wem Du willst“ – heißt es in Italien. Daher zieht es die Italiener am „Pasquetta“, dem Ostermontag, der im Gegensatz zum Karfreitag auch in Italien ein Feiertag ist, bei gutem Wetter hinaus ins Grüne. Mit Picknickörben bewaffnet stürmen die Baresen dann Erholungsgebiete wie „La Foresta Mercadante“ – ein über 1000 ha großes Waldgebiet in der Murge, dem Hügelland westlich von Bari. Auf diese Art können sie Ostern im großen Kreis mit Verwandten und Freunden verbringen. Es werden Nudel- und Obstsalate, im Ofen gegarte Gemüse, Pasteten, verschiedenen Käsesorten, belegte Brötchen,IMG_20130320_203749 Tramezzini (eine Art Sandwich) und Kuchen geschlemmt. Eine besondere Spezialität ist die „Torta Pasqualina“, bei der es sich um eine Pastete mit Ricotta-Spinatfüllung und gekochten Eiern handelt. Die angefressenen Kalorien trainiert man sich anschließend auf einem Spaziergang oder bei sportlichen Spielen wieder ab.

Ist das Wetter weniger gut, erholt man sich am Ostermontag in einem kleineren Kreis zu Hause und genießt den arbeitsfreien Tag. Nicht zuletzt wird an Ostern aber auch die Eissaison eröffnet, das heißt die Eisläden haben nicht länger nur eine handvoll Geschmacksrichtungen im Angebot, sondern ihre Theken sind nun wieder von vorn bis hinten mit leckeren Sorten bestückt, die es zu kosten gilt. Na, wenn das nicht der beste Grund ist, mit dem Fasten zu brechen! Von mir aus kann Ostern kommen.

4 Gedanken zu „Wenn der Osterhase nach Apulien kommt. . .

  1. frauhilde

    Wow!
    Danke für die bildreiche Beschreibung der Osterbräuche bei euch.
    Jetzt weiß ich nicht, ob ich das spannend finden oder Hunger bekommen soll. 😉
    Nein, ernsthaft, ich find’s faszinierend.

    Antwort
  2. janavar

    Danke für die vielen und schönen Informationen! Aber jetzt habe ich sehr großen Appetit auf Süßes, v.a. das Marzipanlamm sieht zum Anbeißen aus …

    Antwort
  3. chkonstantinidis

    Hallo Corinna, damit werde ich nächstes Jahr in meinem Italienischkurs angeben! 😉
    Im Ernst – Dein Blog liefert so viel Wissen über Italien, dass ich ihn durchaus als „Weiterbildungsmaßnahme“ von der Steuer absetzen könnte!! Ich kriege mich gar nicht mehr ein vor Begeisterung und kann Dir sagen – er gefällt mir richtig richtig gut!
    Liebe Grüße
    Christine

    Antwort

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