Leidenschaftlich zelebrierter Glauben in der italienischen Osterzeit

Mitten hinein in den katholischen Glauben

Italien in der Osterzeit ist eine besondere Erfahrung, da die religiösen Traditionen um die Passion Christi tief verwurzel sind. Die vierzig Tage der Fastenzeit verbingen die Gläubigen mit der Reflexion über das Leben und Wirken von Jesus Christus, das mit der sogenannten Auferstehung am Ostersonntag seinen Höhepunkt gefunden haben soll. Auch Katholiken wie Luigi, die sonst seltener in die Kirche gehen, frequentieren die Gottesdienste in dieser Zeit regelmäßig.

Über die reichhaltige christliche Tiersymbolik, die sich in den traditionellen Ostergerichten widerspiegelt, habe ich bereits in einem der vorhergehenden Beiträge geschrieben, und auch die Palmzweige erwähnt, die man am Palmsonntag, dem Sonntag vor Ostern, in der Kirche segnen lässt und als Dekoration verwendet. Häufig werden dafür auch die Zweige von Olivenbäumen benutzt. Mit dieser Tradition erinnert man sich an den Einzug von Jesus in Jerusalem, bei dem das Volk vor Begeisterung mit Palmzweigen gewunken haben soll.

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 Prozessionen und „Lebende Passionen Christi“

Chiesa San Francesco, TriggianoAm Gründonnerstag gedenkt man der Waschung der Füße, die Jesus an seinen Vertrauten beim Abendmahl durchgeführt haben soll, während der Karfreitag im Gedenken an den Kreuzweg begangen wird. Beeindruckendern sind die Prozessionen, die an diesem Tag in vielen Städten und Dörfern abgehalten werden, bei denen man die Heiligenfiguren der örtlichen Kirche begleitet von zahlreichen Angehörigen der Gemeinden durch die Straßen trägt. In Bari beispielsweise findet am Karfreitag eine Prozession ausgehend von der Kirche San Giuseppe zur Piazza Di Vagno statt, die dort in einem Gruppengebet ihren Höhepunkt findet. In Triggiano organisieren u.a. die Kapuzinermönche der Kirche San Francesco eine „Passione Vivente“, in der die wichtigen Stationen der Leidensgeschichte Jesu Christi mit lebenden Personen nachgestellt werden.

Weithin bekannt sind die Feierlichkeiten der zwei katholischen Hauptgemeinden in Taranto, deren Wurzeln bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, in dem die Region von den Spaniern beherrscht wurde und wirtschaftlich prosperierte. Wohlhabende Bürger stifteten zu dieser Zeit die ersten Statuen für die dortigen Prozessionen. Die Feierlichkeiten beginnen am Palmsonntag mit der Versteigerung der Ehre, die Heiligenfiguren tragen zu dürfen. Wer mitbieten möchte, sollte ein dickes finanzielles Polster mitbringen, denn es können schon mal Summe um die 30.000 Euro geboten werden.

IMG_20130322_204620Die Prozession „Pilgerzug der Schmerzensreichen“ beginnt um Mitternacht des Gründonnerstages, wenn die Glaubensbrüder zu langsamen Trauermärschen in Roben, die an Mitglieder des Ku Klux Klan mit zusätzlichem Schäferhut erinnern, ausgehend von der Kirche San Domenico Maggiore mit ihrer Madonnenstatue eine festgelegte Strecke in der IMG_20130322_204656Altstadt abschreiten, um erst wieder am Nachmittag des Karfreitags zum Ausgangsort der Prozession zurückzukehren. In der Neustadt hingegen beginnt zu dieser Zeit bereits die „Prozession der Mysterien“, anlässlich derer verschiedene Figuren, die den Leidensweg Christi symbolisieren, durch die Straßen getragen werden.

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 Vom religiösen zum leiblichen Wohl

Der Heilige Samstag ist der einzige Tag im Kirchenjahr, an dem keine Messe durchgeführt und demzufolge auch nicht die Kommunion erteilt wird. Der Tag soll ganz im Stillen mit dem Warten auf die Verkündigung der vermeintlichen Rückkehr Jesu Christi von den Toten begangen werden, bevor am Ostersonntag die Völlerei aus Freude über ebenjenes Event beginnt, das bei vielen Italienern am Ostermontag mit einem fröhlichen Familienausflug aufs Land endet.

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Spuren der religiösen Osterzeit im ganzjährigen Sprachgebrauch

Die religiösen Momente der Osterzeit spiegeln sich auch in italienischen Redensarten wieder. „Chi vuole Pasqua deve fare quaresima.“ – „Wer Ostern will, muss die Fastenzeit überstehen“ – drückt aus, dass man sich ins Zeug legen muss, wenn man etwas erreichen will. „Lungo come una Quaresima“ – „Lang wie die Fastenzeit“ – sagt man zu einer langweiligen und langatmigen Angelegenheit wie zum Beispiel unserer Wohnungsrenovierung, deren Beginn sich jetzt schon über Monate hinzieht, und das Sprichwort „Portare la sua propria croce“ – „das eigene Kreuz tragen“ – benutzt man auch im Deutschen, um auszudrücken, dass jemand Probleme mit sich herumträgt.

Mit einem kleinen italienischen Trost das Wetter betreffend, möchte ich diesen Artikel zu Ende bringen: „Pasqua di fango, covone pesante.“ – „Ostern im Schlamm, bringt schwere Garben.“ In diesem Sinne kann es eigentlich im matschigen Tauwetterdeutschland nur besser werden. Wie sollten sonst jemals die schweren Garben heranreifen?

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