Mission Traumwohnung 11 – Vorübergehend ausgehämmert

„So geht das aber nicht“, sagte der freundliche Beamte beim Bauamt zu unserer Architektin, als diese die Unterlagen für die Renovierungsgenehmigung einreichen wollte. „Dieses kleine Bad sieht mir ganz nach einem ungenehmigten, nachträglichen Anbau aus.“ … Mit diesem Satz war der Renovierungsbeginn kurz nach Ostern abgesagt. Nach nur zwei Tagen Arbeit packten die Fensterbauer ihr Handwerkszeug wieder ein und zogen ab. Nicola und seine Maurer hatten ohne Genehmigung gar nicht erst angefangen. Verständlich, dass niemand riskieren wollten, mehrere Tausend Euro Strafe zu bezahlen, da wir das Amtsschreiben nun doch nicht in ein/zwei Tagen bekommen würden. Verständlich vielleicht auch, dass ich, nachdem Luigi versucht hatte, mir das ganze schonend beizubringen, zwischen einem Schreianfall und einem Heulkrampf schwankte.

„Das kann doch nicht sein“, brachte ich dann irgendwann doch ein paar Worte hinaus und blätterte hektisch in unserem großen Traumwohnunghefter, um den Wohnungsplan zu finden, den wir beim Kauf erhalten hatten. „Bitte.“, sagte ich zu Luigi und wies auf die Zeichnung, „Hier ist das Bad doch ganz deutlich eingezeichnet und es steht sogar ‚WC‘ dran.“ „Ich kann mir das auch nicht vorstellen“, pflichtete er mir bei. „Noch dazu sind die Fliesen gleich, die Fenster, die Türen – alles wie in der restlichen Wohnung.“ Die Architektin, die am Nachmittag vorbei kam, um einen Blick auf unseren Plan zu werfen, da sie sich hinsichtlich eines Termin für die Einsicht in die Unterlagen beim Bauamt gedulden sollte, war sich trotzdem nicht sicher, ob sie diesem Plan trauen konnte. Er war auf einen Tag im Jahr 1983 datiert. Wenn das Haus eher gebaut sein sollte, könnte es sich trotzdem noch um einen angebauten Raum handeln, der nicht vom Amt genehmigt worden war. Würde sie jetzt den Antrag für die Renovierungsgenehmigung unterschreiben und sich hinterher herausstellen, dass ihre Angaben falsch gewesen seien, müsste sie die Verantwortung dafür tragen. Darauf hatte sie natürlich keine Lust. Auch verständlich.

Also war wieder einmal die berühmte Italienische „pazienzia“ angesagt; diese verlixte Ergebenheit, in die Dinge, die man nicht ändern kann, und das Warten darauf, dass irgendjemand, den man immer freundlich anlächeln muss, obwohl man ihm am liebsten in den Allerwertesten treten möchte, sich bequemt oder gar in die Lage versetzt wird, einen Handschlag für unsere Sache zu tun.

Drei Wochen nach Ostern stellte sich schließlich heraus, dass wir den Originalplan besaßen, dass unser Badezimmer kein Schwarzbau war und daher auch nicht abgerissen werden musste und, dass Nicola mit dem Abschlagen der alten Fliesen beginnen konnte. Wie üblich war dieser jedoch verschollen; dieses Mal auf einem Lehrgang in Mailand. Nach einer Woche Telefonterrors hatten wir ihn jedoch so weit, dass er unsere Nachrichten auf seiner Mailbox und die SMS nicht länger ignorieren konnte und uns anrief: Zufällig hatten seine Mannen die Arbeiten auf einer anderen Baustelle gerade beendet und zwei von ihnen konnten in unserer Wohnung mit dem Abriss anzufangen – aber nicht am Montag, dem 29. Das lohne sich nicht, denn der erste Mai sei schließlich ein Feiertag, an dem ohnehin nicht gearbeitet werden würde. Also vor Donnerstag nicht, doch er rufe noch einmal an deswegen. Das tat er dann auch – am Freitag nach dem besagten Donnerstag, um sich mit uns und seinen Angestellten am Samstag in unserer Wohnung zu treffen und ihnen zu zeigen, wo sie mit der Arbeit beginnen sollten.

Seit gestern wird nun tatsächlich offziell, d. h. mit Genehmigung und ohne weitere Verdächtigungen wieder in unserer Wohnung gehämmert. Die ersten Fliesen sind gefallen. Das erste Waschbecken liegt zerscherbt in einer Art riesigem Plastikeimer, von denen inzwischen mehrere mit Bauschutt gefüllte in unserem zukünftigen Esszimmer stehen. Doch wir wären nicht in Italien, wenn es nicht trotzdem einen Haken an der Sache gäbe: Um die Nerven der Nachbarn zu schonen, hämmern sie nur vormittags, und morgen machen sie erstmal einen Tag Pause wegen San Nicola, dem Schutzheiligen von Bari. Aber das ist schon wieder ein anderes Thema.

5 Gedanken zu „Mission Traumwohnung 11 – Vorübergehend ausgehämmert

  1. frauhilde

    Wah, als ich die ersten Sätze gelesen habe, wollte ich schon laut „Neeeeiiiin!“ schreien – aber es ging ja noch wenigstens halbwegs gut aus. *uff*
    Ist es denn diese Woche überhaupt weitergegangen? Weil ist doch Himmelfahrt am Donnerstag …

    Antwort
  2. meineschreibblockadeundich

    Meine Güte, Corinna! Je länger ich eure Baustelle verfolge, desto harmloser erscheint mir (Um)Bauen in Deutschland! So ein Blick über den Tellerrand kann ziemlich heilsam sein.

    Toitoitoi!
    Marie

    Antwort
  3. kaja

    Jesus Christus, Herr im Himmel, ich würde durchdrehen in Italien. Da ich ohnehin sehr wenig pazienzia besitze, sondern am liebsten alles auf einmal und am besten schon vorgestern erledigt gehabt hätte, fühle ich mit dir mit. Wann wollt ihr denn einziehen?

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Wollen? Wenn es nach „wollen“ ginge, würde ich schon seit letztem September in der Wohnung wohnen. *lol* Zum Glück haben wir bei Luigis Eltern ein Dach über dem Kopf, so dass wir nicht darauf angewiesen waren, zeitnah einzuziehen. Angesichts der Fortschritte im Wändezerstören und wieder Zusammensetzen würde ich schätzen, dass wir im Juli die ersten Möbel reinstellen können. Aber ich habe gelernt, dass es nicht viel bringt, hier Pläne zu machen. Daher: pazienza. Oder anders gesagt: Abwarten und Limoncello trinken. 😉

      Antwort

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