Bari steht Kopf – Festa di San Nicola – 7. Mai

Einmal im Jahr steht Bari Kopf und zwar in der Woche um den 8. Mai. An diesem Tag gedenkt man der „Rettung“ der Gebeine des Heiligen Nikolaus vor den muslimischen Seldschucken in Myra. Demnach waren die christlichen Bewohner der Stadt im Jahr 1087 bereits in die Berge geflohen, als italienische Seefahrer den Sarg des Heiligen aufbrachen und seine Überreste nach Bari brachten, wo die alten Knochen um den achten Mai herum eintrafen und bis heute in der Krypta der „Basilica San Nicola“ ihr Wunder tun sollen. Aber auch um diesen Tag herum geht es in Bari drunter und drüber.

Seit letzter Woche sind unzählige Menschen damit beschäftigt, Absperrgitter aufzustellen, die Stadt mit Lichterbögen zu schmücken, sowie den großen Festumzug, eine Flugshow mit Millitärflugzeugen, ein Feuerwerk und noch vieles mehr zu Ehren des Stadtheiligen vorzubreiten. In diesem Jahr kommt das Radrennen „Giro d’Italia“ hinzu und sorgt mit dafür, dass die öffentlichen Einrichtungen entlang der Strecke schon einen im Voraus geschlossen wurden, die Kinder zusätzlich Schulfrei bekommen haben und Eltern auch heute nicht wissen, wie sie ihre Kindergartenkinder betreuen sollen. Viele Baresen würden der Stadt und dem ganzen Rummel am liebsten entfliehen. Doch wegen der zahlreichen gesperrten Straßen gelingt es ihnen nicht.

Castello di BariWir hingegen haben es trotzdem gewagt, uns zu einigen Events ins Stadtzentrum hineinzuschlagen und unter das einheimische Volk und die zahlreichen Touristen zu mischen; natürlich nicht ohne vorher „Mamma Marias“ zahlreichen Ratschlägen zu lauschen, die sich in etwa so anhörten: „Nimm um Gottes Willen bloß kein Geld mit, keine Papiere, am besten gar keine Handtasche! Binde dir keinen Schmuck um. Und lass Luigi nicht los, sonst findet ihr euch nie wieder.“ Mit diesen und anderen Ermahnungen im Ohr sind wir also am Abend des 7. Mai in die Altstadt von Bari aufgebrochen, um uns den historischen Festzug anzusehen.

 „Sankt Nikolaus fährt zur See“

IMG_20130509_174048Dem historischen Festumzug geht alljährlich eine Feier im kleinen Fischerhafen von San Giorgio, südlich von Bari, voraus. Der Legende nach gingen dort die Kaufleute mit der Reliquie San Nicolas an Land. Heute stechen von dort aus geschmückte Fischerbote in See, welche die zuvor während einer Messe geweihte Statue des Heiligen hinaus auf das Meer bringen, wo sie bis zum nächsten Abend darauf warten muss, im Hafen von Bari wieder an Land zu gehen. Von dort aus wird sie in einer Prozession durch die Hauptstraßen von Baris Altstadt getragen und in diesem Jahr auf der Piazza Ferrarese inmitten einer spektakulären Lichtinstallation aufgestellt.

Am Abend gegen neun zogen dann kostümierte Ritter, Reiter, Fahnenschwenker, Kirchenleute, Handwerker, Edelfrauen und -männer, sowie ein auf Räder verfrachtetes Boot mit einer ikonischen Darstellung von San Nicola begleitet vom Klang zahlreicher Percussiongruppen vom Schloss ausgehend durch die breitesten Hauptstraßen von Bari. An allen Ecken hörte man auf Italienisch oder im Dialekt der Baresen das „San Nicola“-Lied, das die Kinder bereits in der Grundschule lernen.

corteo storico festa di san nicola

Sanda Nicole va pe mare,

va vestute a marenare

e meradue quant’è belle

e ca i è Sanda Nicole…

Sankt Nikolaus fährt zur See,

ist angezogen wie ein Seemann

bewundert ihn, wie schön er ist,

denn er ist der Heilige Nikolaus…

Keine Chance für schlechtes Wetter oder Kriminelle

Zu Beginn des Festzugs hattes es beinahe so ausgesehen, als wolle der Regen dem Vergnügen einen Strich durch die Rechnung ziehen. Die ersten Schirme waren bereits geöffnet und den Darstellern in ihren historischen Kleidern stand die Angst vor einem Wolkebruch buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Doch nach wenigen Minuten fing sich das Wetter wieder, was umstehende Scherzkekse dem heiligen Nikolaus zuschrieben, der seine Feier nicht ruiniert sehen wollte.

IMG_5104Maria konnten wir hinterher auch beruhigen, denn wir sahen an diesem Abend so viele Polizisten in Uniform und zivil, dass Diebe sicherlich keine Chancen gehabt haben dürften. Im Gegenteil ein freundlicher Barese in der Altstadt öffnete uns sogar ganz stolz das Tor zu seinem Refugium, als ich in fragte, ob ich den Oldtimersportwagen, an dem ich ihn durch einen Türspalt hatte werkeln sehen, fotografieren dürfe. Wenn dieses Kleinod schon fix und fahrbereit gewesen wäre, hätte ich vielleicht kurz überlegt, ob ich ihn mir einstecken solle. Doch Flucht wäre bei den Menschenmassen, durch die wir uns auf der zur Fressmeile umfunktionierten Seepromenade zu unserem Auto zurückschlagen mussten, ohnehin undenkbar gewesen. „Menschenmassen!“, lachte Luigi jedoch nur. „Warte mal ab, was morgen hier los ist! Da kannst du keinen Fuß mehr vor den anderen setzten.“

Fressmeile

4 Gedanken zu „Bari steht Kopf – Festa di San Nicola – 7. Mai

  1. Friederike

    Schön!! Aber immer diese Menschenmassen, irgendwie faszinierend 😉
    Ich glaube ja, den Süditalienern macht das gar nichts aus, je voller umso besser, ob ein Fest oder einfach Wochenende. Wir waren ja Anfang April im Süden, Trani zB. war am Samstag Abend voll, aber es war nur Wochenende und keine Festlichkeit…

    Antwort
  2. frauhilde

    Wow, beeindruckender Bericht und tolle Bilder. Das mit den eingesperrten Baresen find ich witzig. Ist ja eh meist so, dass die Einheimischen bei solchen „Mega-Events“ am liebsten das Weite suchen würden. 😉

    Antwort

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