Zurück in die 50er – Gran Premio di Bari 2013

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Das hätte ich nun nicht erwartet: Nur eine Woche nach dem Ausnahmezustand, der den Feierlichkeiten zu Ehren des Stadtheiligen San Nicola geschuldet war, wurden die Hauptverkehrsadern schon wieder unterbrochen und für die „Rievocazione del Gran Premio di Bari“ der Corso Vittorio Emanuele, Teile des Lungomare und der Via San Francesco d’Assisi für den normalen Verkehr gesperrt. Statt des Lärms des üblichen Verkehrschaos‘ sah und hörte man am Vormittag des 19. Mais Rennwagen aus den 40er und 50er Jahren ihre Runden rund um die Altstadt ziehen.

GPBari02In den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, als die Rennwagen noch nicht ganz so schnell fuhren wie heute und Bari noch nicht so dicht bebaut war, war die Stadt fast 10 Jahre lang Gastgeber eines richtigen Grand Prix mit Wagen und Rennfahrern, die Renngeschichte geschrieben haben. Die rote Farbe der italienischen Marken hat das Gesicht der IMG_20130519_160101Grand Prix geprägt, denn Ferrari, Maserati, Alfa sowie Fiat, Lancia und diverse kleine italienische Marken kämpften sich nach dem Krieg zu internationaler Bedeutsamkeit hoch. Gewonnene Autorennen machten die Italiener wieder stolz auf ihr Land. Die Rennpiloten dieser Tage wie Tazio Nuvolari sind bis heute nicht in Vergessenheit geraten, sondern leben in der Renngeschichte und in Lobliedern wie dem des berühmten italienischen Liedermachers Lucio Dalla weiter.

2010 beschloss der „Old Cars Club“ von Bari in Kooperation mit dem Automobilclub Bari die Erinnerungen live und in Farbe wieder aufleben zu lassen. Natürlich werden aktuelle Rennen auf speziell dafür angefertigten Rennstrecken gefahren, die normalerweise außerhalb von bevölkerten Zonen liegen, daher käme ein modernes Autorennen nicht in Frage. Doch ein Spektakel, das die vergangenen Zeiten mit dem Röhren der Motoren und dem Geruch nach Benzingemisch wieder wach ruft, ließ sich nun in Bari zur Freude der Schaulustigen bereits zum dritten Mal organisieren.

Vagone Ferrovie Sud Est Gran Premio di Bari Bereits am Samstag wurden die Maschinen auf der „Piazza della Libertà”, vielen Baresen besser unter dem alten Namen „Piazza della Prefectura“ bekannt, ausgestellt. Leider kam man nur mit einem speziellen Pass oder Freunden unter den Aufpassern richtig dicht an die Autos heran. Schade, doch verständlich, dass man die motorisierten Kleinode vor Schaden bewahren wollte. In einem alten Wagon der örtlichen Eisenbahngesellschaft „Ferrovie del Sud Est“ wurde noch bis Sonntag eine Ausstellung zum historischen Grand Premio di Bari mit alten Dokumenten und Fotos gezeigt. Am Samstagabend fuhren die Veteranen der Renngeschichte dann einen Corso durch die Stadt bis zum Strand „Pane e Pomodoro“ hinaus. Anschließend stimmte Simona Molinari, aufsteigender Stern am italienischen Musikhimmel, zusammen mit der Jazzband La Mosca ein Gratiskonzert an.

GPBari01Am Sonntagvormittag fuhren die Oldtimer dann auf Zeit ihren Runden um die Altstadt, den Corso Vittorio Emanuele hinunter, am Schloss vorbei und das Lungomare an der Stadtmauer entlang bis zum Teatro Margerita, wo sie wieder auf den Corso einbogen und überall von Groß und Klein bestaunt und angefeuert wurden. Neben den bereits genannten italienischen Marken fanden sich auch englische Oldtimer wie Lotus, Austin, Watford oder Rochedale unter ihnen. Den Fahrern stand der Spaß dabei buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Während die Beifahrer bei strahlendem Sonnenschein und einer leichten Meeresbrise ihre weißen Zähne zeigten, legten sich die Piloten angespannt in die Kurven und versuchten auf den graden Strecken, die gelegentlich durch zu umkurvende Kegelschikanen unterbrochen wurden, das möglichste an Zeit herauszufahren, obwohl ihnen gelegentlich die Straßen trotz Absperrung überquerende Menschen in den Weg sprangen. Falls ich noch irgendwann herausfinde, wer das Rennen schließlich gewonnen hat, werde ich es euch verraten. Doch GPBari04im Großen und Ganzen ging es bei dieser Veranstaltung um den Spaß am Fahren und darum, das gehegte und gepflegte Blechkleinod einer breiten Masse vorführen zu können.

Ein Wiedersehen mit aufpolierten Blechkleinoden – Link zum Bericht über den „Gran Premio“ 2015. 

13 Gedanken zu „Zurück in die 50er – Gran Premio di Bari 2013

    1. Corinna Autor

      Oh, danke für dieses Kompliment von einer, die mit der Kamera echt viel mehr kann als ich. Ich bin fotografisch eher der Einfachdraufhalter, aber ich habe mich für die meisten dieser Fotos ins Zeug oder besser fast auf die Straße gelegt. Und ich bin sogar von einem Vigile (Stadtpolizisten) dabei unterstützt worden, als er mir das Absperrungsband hochhielt, damit ich drunter durch und an den Straßenrand gelangen konnte. 😉

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      1. Wolkenfahnderin

        Danke für das Kompliment, aber es kommt nicht auf Perfektionismus sondern eher auf die Aussagekraft an. Und Deine Bilder erzählen sehr viel. Bitte weiter so mit Fotos und Texten! Sehr lesens- und sehenswerter Blog.
        Schönes Wochenende.
        VLG Gitte

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    1. Corinna Autor

      Ja, es scheint, dass im Mai hier der Bär steppt. Dafür ist dann aber den ganzen Sommer lang tote Hose, weil alle ans Meer fahren.

      Antwort
  1. Christian

    das ruft längst verschüttete Erinnerungen wach, wie viele berühmte Automarken es mal gegeben hat und schön ist auch, dass es mal näher an den Menschen ist als die heutigen Synthetikrennbahnen für teuer Geld

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    1. Corinna Autor

      Da hast Du absolut recht. Ich finde, diese Autos haben, ganz wie die alten Motorräder oder Mofas, auch viel mehr Seele. Jedenfalls kann ich jeden verstehen, der, wenn er die handwerklichen Fähigkeiten besitzt, an so einem Teil herumschraubt und sein Herzblut hineinsteckt.

      Antwort
  2. Pingback: Sonntäglicher Ohrwurm vom 26. Mai-Lucio Dalla | giftigeblonde

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