Die Kirche rockt

IMG_20130610_151045Wenn sonntagmorgens in Triggiano das laute Knallen von Feuerwerkskörpern durch die verschlafenen Straßen dringt, kann man sich sicher sein, dass wieder ein Kirchenfest zu Ehren eines Heiligen veranstaltet wird. Da es sehr viele Kirchen in Triggano gibt (allein im Umkreis von einem Kilometer um unsere Bahnhofsstraße herum etwa 4-5), knallt es auch recht häufig im Jahr. Außer mir scheint deshalb aber niemand aus dem Bett zu fallen.

Später am Abend wird dann eine feierliche Messe zelebriert, die Heiligenfigur auf einer Prozession mit recht traurigen Gesängen durch die von der Polizei abgesperrten Straßen rund um die Kirche getragen, wobei manchem Mitwirkenden ihre Langeweile buchstäblich ins Gesicht geschrieben steht, und danach gibt es noch einmal ein richtiges Feuerwerk. Ich glaube, die Italiener lieben es, ihr Geld in buntem Rauch aufgehen zu sehen. Luigi meint jedoch, das wären nicht die Gelder aus der Kollekte, sondern es würde alles von Sponsoren finanziert. Nun, ja… Kirche basiert auf “glauben”.

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Jetzt kann man aber von Kirchen halten, was man will, die kleine “Kirche des Heiligen Kreuzes” hat mich am letzten Sonntag doch beeindruckt. Ihr winziger quaderförmiger Bau täuscht darüber hinweg, wie groß die Gemeinde eigentlich ist; nämlich so groß, dass  hinter der Kirche ein riesiges Festzelt dauerhaft installiert wurde, um allen Gläubigen die Teilhabe an der Messe zu gewähren. Nebenan gibt es einen kleinen Spielplatz und dahinter noch einen Fußballplatz.

Auf diesem Fußballplatz fand am letzten Sonntag nach dem Feuerwerk sogar ein Konzert statt. Aufgetreten ist in Gestalt der Modà Tribute Band “Modàndo“ eine Lokalberühmtheit, in der Luigis Cousin Pierpaolo Gitarre spielt. Von 22 Uhr bis Mitternacht rockten sie den Kirchenplatz und, da die Originalband „Modà” mit ihrem Schmuserock ziemlich erfolgreich ist und die Schulkinder bereits Ferien haben, war die Party auch bis zum Schluss mit Kindern, Jugendlichen und Eltern gut besucht. Die Anwohner haben es sich mit Freunden und Verwandten auf ihren Balkons und in den Vorgärten bequem gemacht und von dort aus zugehört. Für das leibliche Wohl sorgten Gemeindemitglieder, die grillten, frittierten, Brötchen schmierten und Crepes buken. An diesem fröhlichen Abend konnte ich sehen, was Menschen dazu bringt, sich in einem Verein zu engagieren, den ich eigentlich immer für konservativ und langweilig gehalten habe. Wieder ‚was gelernt.

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7 Gedanken zu „Die Kirche rockt

  1. janavar

    Bei euch gibt es aber wirklich oft Feiern! 🙂
    Feuerwerk wird hier auch gerade ordentlich verballert, allerdings von den Demonstranten auf die Polizisten 😦

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  2. Gitti

    Der Artikel gefällt mir und aus eigenem Erleben kann ich es bestätigen. Diese Feuerwerke mitten am Tage sind für mich immer verwunderlich . Es ist eine besondere Art seine Kirchenfeste zu feiern. Gitti

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  3. frauhilde

    Feuerwerk ist definitiv eine schönere Art, seinen Glauben zu feiern, als mit traurigem Gesicht hinter irgendeiner Reliquie herzulatschen.

    Tolle Bilder sind das übrigens!

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  4. kaja

    Die Kirche ist so lebendig wie die aktiven Mitglieder. Ich selber bin seit Jahren aktiv in der Jugendarbeit meiner Gemeinde und wir haben eine ganze Menge verändert, was Freizeiten ect angeht! 🙂 Vielleicht ist es ja auch was für dich, wenn du die richtige Kirche findest. Wenn nicht, genießt du einfach weiter die Feuerwerke 🙂

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