Archiv für den Monat Juni 2013

Zum ersten Jahrestag -„Buon ComPuglianno!“

Nachdem das letzte Jahr hauptsächlich daraus bestanden hat, Italienisch zu lernen, Bari und Triggiano kennenzulernen, Bewerbungen zu schreiben, Luigis inzwischen fast dreijährige Großcousine zu bespaßen und mit Maria um kleine Aufgaben zu kämpfen, ist seit Ostern plötzlich Bewegung in mein beschauliches Leben gekommen.

Die Handwerker arbeiten an der Realwerdung der Traumwohnung und legen inzwischen fleißig Fliesen. Mein Job als Sprachlehrerin ist sehr befriedigend und lässt mich immer noch mit einem Hochgefühl aus jeder Unterrichtsstunde kommen. Meine ersten Schülerinnen haben inzwischen ihre Zertifikatsprüfung beim Goethe-Institut bzw. an der Uni von Bari bestanden, was darauf hindeutet, dass ich meinen Aufgabe gut gemacht habe. Mein eigenes Sprachvermögen ist noch verbesserungswürdig, aber innerhalb eines Jahres habe ich es geschafft, mich im Alltag problemlos verständigen, sowie auch auf Italienisch ironisch und witzig statt nur eine Ja- bzw. Nein-sagerin sein zu können. Durch die vielen kleinen Erfolge haben sich auch die letzten Zweifel und Zukunftsängste aus meinem Herzen verkrümelt und mein Inneres kann sich entspannt zurücklehnen. Ich bin angekommen; so richtig mit Herz und Verstand.

Luigis Familie, sowie Apulien mit seinem Licht, seiner Wärme, seinen Wohlgerüchen und seinen freundlichen Bewohnern haben es mir leicht gemacht, mich hier heimisch zu fühlen. Meine Familie und meine Freunde lassen das Band zur alten Heimat nicht abreißen, so dass der Verlust nur selten und kurz zu spüren ist. Außerdem habe ich ganz nebenbei in Italien, Deutschland und der ganzen Welt interessante Menschen kennengelernt, die mein Leben bereichern.

In den wenigen Momenten, in denen ich mich unwohl fühle, steht mir nur mein deutsches Ich im Weg, das sich an Pläne und Uhrzeiten klammern möchte und dem angestrebte Entwicklungen nicht schnell genug gehen können. „Pazienza“ – versuche ich mir dann zu sagen oder, wie der Bahnhofsvorsteher unlängst meinte, als mein Zug ohne Begründung einfach ausfiel: „Nicht die Ruhe verlieren! Dahinten ist noch eine Bank frei und der Nächste kommt doch schon in einer Stunde.“

Heute feiere ich meinen ersten Jahrestag in meiner neuen Heimat und danke allen, die mir dabei geholfen haben, mich so gut zu fühlen, wie ich es im Moment tue: sowohl meiner als auch Luigis Familie,  meinen Freunden natürlich und allen Lesern dieses Blogs, die mir zeigen, dass meine Berichte aus diesem wunderbaren und manchmal wunderbar absurden Landstrich willkommen sind. Vor allem aber danke ich Luigi, der mich jeden Tag spüren lässt, dass unsere Entscheidung richtig war.

Ich ernenne den 26.6. hiermit zu meinen persönlichen Jahrestag und, weil Apulien auf Italienisch „Puglia“ und Geburtstag „compleanno“ heißen, werde ich meinen Apuliengeburtstag fürderhin „ComPuglianno“ nennen. Daher: Buon ComPuglianno a me!

Und an euch alle, die ihr diesen Blog lest, meine Frage: Habt ihr persönliche Jahrestage und, wenn ja, wie feiert ihr sie? Ich bin gespannt auf eure Erfahrungen.

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