Wenn der Ordnungshüter zweimal klingelt (Teil 1)

Nachdem wir unlängst auf der Rechnung unseres Stromanbieters eine Gebühr von vierzig Euro wegen des Nutzens unserer Wohnung als Zweitwohnung vorgefunden hatten, waren wir nicht nur überrascht und leicht erschrocken, sondern gelangten schlagartig zu der Überzeugung, dass wir unseren Wohnsitz endlich in unsere Traumwohnung ummelden mussten. Wir hatten gehört, dass, während es in Deutschland  höchstens die GEZ interessiert, wenn man umzieht, in Italien nach der Antragstellung der Ummeldung im Rathaus innerhalb von 45 Tagen  durch die Gemeindepolizei überprüft wird, ob die Wohnung, in der man sich angemeldet hat, auch von einem bewohnt wird bzw. überhaupt bewohnbar ist. Doch Luigi und seine Freunde hielten das für eine Legende und wir kümmerten uns nicht weiter darum.

Nach zwei Wochen stellte sich heraus, dass die Legende nicht so legendär war, wie wir geglaubt hatten, denn wir fanden plötzlich einen Zettel in unserem Briefkasten. Demnach hatte ein Vigile Urbano (Gemeindepolizist) bereits mehrmals vormittags vergeblich an unserer Tür geklingelt. Wir waren arbeiten und Gina ist noch zu jung für eigene Wohnungsschlüssel. Daher konnte ihm nicht einmal durch Zufall jemand öffnen, weshalb er uns besagten Zettel mit seiner Telefonnummer zur Terminvereinbarung hinterlassen hatte.

Oh, mein Gott!“, keuchte ich und mein Herz schlug drei Takte schneller. „Noch nicht einmal richtig eingezogen und schon die Polizei im Haus. Was machen wir denn nun?“

Schnellstens einziehen.“, sagte Luigi und rief seine Cousine an, um noch ein zweites Gästebett zu organisieren. Das Erste hatten wir schon vor ein paar Wochen aus dem Wochenendhäuschen mitgebracht. Doch bisher lümmelte sich nur Gina gelegentlich darauf herum.

Betten sind ja schön und gut,“ wandte ich ein, aber sollten wir beim Einzug nicht wenigstens auch warmes Wasser und vielleicht auch ein paar Möbel haben?“

Werden wir schon.“, meinte Luigi. „Sorge dich nicht!“

Doch, wenn ein Italiener „Sorge dich nicht!“ sagt, dann klingeln bei mir gleich alle Alarmglocken. So stellte der freundliche Herr Zählerinstallateur von unserem zukünftigen Gasversorger eine Woche später auch in zwei Sekunden fest, dass er an unserem Anschluss keinen Zähler anbringen konnte, weil die beiden Anschlussrohre zu nah beieinander lagen. Ein fragender Anruf bei unserem Oberhandwerker trug dazu bei, dass noch am selben Nachmittag ein Kollege vorbeikam, der diesen Mangel beseitigte.

Italienische Gasversorger sind offensichtlich sehr daran interessiert, neue Kunden zu akquirieren, so dass bereits wenige Tage später ein zweiter Versuch der Zählerinstallation unternommen wurde, der nach der kleinen Korrektur der Anschlussrohre selbstverständlich fruchtete. So kam es, dass am Vormittag des Vigilebesuchstages nur noch die Gastherme überprüft und angeschlossen werden musste. Hurra! Endlich warmes Wasser, die Möglichkeit zu heizen und, in Anbetracht der Küchenpläne auch die Möglichkeit zu kochen! Aber natürlich sollte mal wieder alles anders kommen als erhofft. 

5 Gedanken zu „Wenn der Ordnungshüter zweimal klingelt (Teil 1)

  1. frauhilde

    Oh nein, der letzte Satz verheißt nichts Gutes …

    Meine Güte, ich würd mich was erschrecken, wenn plötzlich die Polizei vor der Tür steht. Ua!

    Antwort
  2. janavar

    Oh ja, die Gerüchte, worauf alle achten oder nicht achten … Hier ist nur gut, dass die lokale Polizei viel zu faul ist, um alles zu überprüfen, sonst hätten die nämlich gemerkt, dass ich die Adresse in meiner Aufenthaltsgenehmigung erst 1,5 Jahre nach unserem Umzug ändern lassen habe.

    Antwort

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