Wenn der Ordnungshüter zweimal klingelt (Teil 2)

(Teile 1 hier)

Nachdem der Mechaniker die Überreste von sechs Vogelnestern nebst überschüssigem Nistmaterial, kaum noch als solche erkennbaren Jungvogelleichen nebst einigen Pfund anderer Hinterlassenschaften aus dem seit vermutlich vier Jahren ungeöffneten Blechhängeschrank, in dem sich die Gastherme befand, gekratzt und eine Stunde mit diversen Prüfungen verbracht hatte, meinte er, dass „im Prinzip alles“ funktioniere – bis auf die Zündung. Nun ist meine Kenntnis in Physik nicht sehr ausgeprägt, aber auch mir war klar, dass es ohne Zündung kein Feuer und auch kein warmes Wasser geben würde.

Dass unsere Möbel bald kommen, können wir ja notfalls beiweisen, aber denkst du, dass der Gemeindepolizist uns glauben wird, dass wir aus Gesundheitsgründen immer kalt duschen?“, fragte ich Luigi zweifelnd, als klar war, dass noch ein Elektriker die Therme überprüfen musste. „Oder müssen wir bei der Gemeinde Bescheid sagen, dass wir doch noch nicht einziehen?“, spann ich weiter und hoffte dabei inständig, dass ein Elektriker die Elektronik zum Laufen bringen konnte, denn – wie man so schön im Volksmund sagt – die Ausgabe für eine neue Therme hätte uns gerade noch gefehlt. Doch wie auch immer – „Dem Vigile brauchen wir gar nichts zu sagen. Du denkst doch nicht, dass der uns nach dem Wasser fragen wird?“, meinte Luigi. „Ja, der Besuch ist nur eine Formalität,“ ergänzte dann auch Pasquale. „In einer Wohnung mit Betten und sanitären Anlagen kann man zweifellos wohnen.“

Na, gut,“ gab ich nicht wirklich überzeugt zurück und behielt meine Gedanken für mich, damit ich nicht als Panikerin galt. Zimmertüren beispielsweise konnte man deutlich überbewerten. Dabei hatte das türlose Dasein durchaus Vorteile: niemand konnte sie hinter sich zuknallen. Man konnte sich auch nicht an Türklinken stoßen oder die Tür vor der Nase zugeschlagen bekommen. Nur im Bad hatten wir übergangsweise eine der alten Türen behalten. Doch sind türlose Wohnungen glaubhaft bewohnbar? 

Die Frage stellte sich vorerst nicht, denn der Gemeindepolizist entuppte sich als normaler Italiener und diese Überprüfung als offenbar nur mäßig wichtig, denn zum ersten Termin kreuzte der besagte Ordnungshüter gar nicht erst auf und sagte auch nicht ab. Nachdem Luigi ihm dann zwei Tage hinterhertelefoniert hatte, haben wir einen zweiten Termin bekommen, bis zu dem sich der Umstand mit der Gastherme noch nicht geklärt hatte.  Beim zweiten Termin am späten Abend kam der Vigile dann auch wirklich und sogar nur eine halbe Stunde zu spät.

Von warmen Wasser oder funktionierenden Heizkörpern wollte er dann auch tatsächlich nichts wissen. Statt dessen meinte er anerkennend: “Eine sehr schöne Wohnung. Nichts drin, aber trotzdem sehr schön. Complimenti.“bad

Wieso nichts drin? Wir zeigten ihm stolz unseren Tisch mit drei Stühlen, unsere voll eingerichteten Bäder mit einem provisorischen Küchenwagen, auf dem sich alles für den abendlichen Verzehr von Take Away befand, unsere Gästebetten im zukünftigen Schlafzimmer und unsere Terrassenbeleuchtung, die Luigi eigenhändig installiert hatte. Danach lenkte Gina alle Aufmerksamkeit auf sich, so dass gar nicht mehr ins Gewicht fiel, dass der Vigile sein hochwichtiges, auszufüllendes Dokument vergessen hatte. „Ach, das mache ich auf dem Revier. Sorgt euch nicht!“, lächelte er halb entschuldigend.

Sich sorgen? Wer? Wir doch nicht. Vor allem jetzt nicht, wo wir offiziell unsere Traumwohnungsadresse haben. 

… und wenn wir irgendwann auch noch warmes Wasser bekämen, lebten wir glücklich und zufrieden bis zum nächsten Problemchen.

9 Gedanken zu „Wenn der Ordnungshüter zweimal klingelt (Teil 2)

  1. Gitti

    Immer diese Aufregungen. Dazu muß man wohl Italiener sein ,um sich nicht aufzuregen.
    Trotzdem glaube ich, daß viele schlechter wohnen und der Mangel an Möbeln spart die ewige Frage, wo manches hingekommen sein könnte. Glaube mir ich weiß wovon ich schreibe.

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  2. janavar

    😀 Ich wünsche euch so schnell wie möglich warmes Wasser! Etwas Schlimmeres als eine kaputte Therme gibt es kaum für mich.
    Türen braucht man nicht unbedingt. Das finde ich besonders, seit Canavar auf die Idee gekommen ist, nachts Türen zuzuknallen (erzähle das nicht deiner Gina).

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  3. phialoid

    Aus deutscher Sicht ist deine Aufregung durchaus zu verstehen. Schließlich sind die deutschen Ordnungshüter pingelig bis ins letzte Detail. Irgendwann wirst du bestimmt die italienische „Ruhehaltung“ annehmen und dich nicht mehr sorgen. 😉

    LG, Phia

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  4. frauhilde

    Der hat das ja wirklich sehr gelassen genommen.
    Und hei, Möbel werden grundsätzlich überbewertet. Bleibt man doch eh nur dran hängen oder fliegt drüber. Wie Sina schon schrieb, eine leere Wohnung lässt sich außerdem viel besser putzen! 😉

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  5. ulrisco

    Ich kann dich so gut verstehen, ich hätte mir auch Sorgen gemacht 🙂 Wie immer ein toller Artikel, dein Blog ist wirklich eine Freude! Hör bloß nicht auf damit, trotz Traumwohnung und dreifach Jobs und Katze!

    Antwort

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