Wassereinbruch

Nachdem die beste Anschaffung des Monats November ein paar Gummistiefel waren, ist DIE Anschaffung des Dezembers eine auf über 4 Meter ausziehbare Leiter, denn eines Nachts, während es draußen wie aus Eimern und Kannen schüttete und Wasserfälle durch die Fallrohre vom Dach auf die Terrasse stürzten, wurde ich von einem ungewöhnlichen Tropfgeräusch aus meinem dämmrigen Halbschlaf geholt. Plitsch! Plitsch! Es dauerte eine Weile, bis mein Gehirn realisierte, dass das Plitschen nicht von draußen hereindrang, sondern irgendwo in der türlosen Wohnung auf Fliesen stattfinden musste.

Während ich mich also aus dem warmen Bett quälte und zitternd dem Geräusch bis ins Esszimmer folgte, raste Gina ein freudiges Miau ausstoßend an mir vorbei, weil sie vermutete, es gäbe einen nächtlichen Snack. Ich teilte ihre Freude hingegen absolut nicht und bekam leichtes Herzrasen.

Plötzlich war ich hellwach. Ich malte mir aus, wie sich unser Esszimmer in dieser Regennacht in ein Schwimmbecken verwandeln und von dort aus die ganze, natürlich schwellenlose Wohnung unter Wasser setzen würde. Was man sich so alles in 10 Metern ausmalen konnte… Nervös fingerte ich am Esszimmerlichtschalter herum und fand schließlich den, der die kürzlich angeschafften Sparbirnen anschaltete. In der einsetzenden Funzelbeleuchtung sah ich Gina, die in einer sich ausbreitenden Pfütze stehend nach oben zum Kaminrohr starrte, aus dem – Plitsch! Plitsch! Plitsch! –  ein Tropfen nach dem anderem auf die Fliesen knallte.

Eimer! Lappen! Wischen! –  signalisierte mein Gehirn so minimalistisch wie praktisch. Daher warf ich mir eine Jacke über, sprang in die Gummistiefel und rannte hinaus auf die Terrasse, um meinen Blumengießeimer zu holen. Immerhin tropfte es nur aus dem Rohr. Vielleicht war die Abdeckung im Wind verrutscht. Alles halb so schlimm, beruhigte ich mich, während ich wischte und die  Wassertropfen nun in den Eimer fielen.

Zurück im Bett hörte ich eine Weile dem Trommelgeräusch zu, das die Tropfen nun auf der Plaste verursachten. Immerhin tropfte es langsam. Ich zog mir das Kissen über die Ohren und wollte bereits langsam wegdämmern, als mich blitzartig ein anderer Gedanke durchzuckte: Gina! Wo war die Katze?

„Gina?“, flüsterte ich in der Hoffnung, dass sie auf das Bett springen würde. Es geschah nichts. Also raffte ich mich erneut auf und schwankte mit einem Gefühl zwischen Müdigkeit und Wut auf Luigi, der seelenruhig pennte, während ich mir die Nacht um die Ohren schlug, zurück ins Esszimmer. Funzelbeleuchtung an. Blick Richtung Terrassentür – hoch aufgerichtet an selbiger eine Art übergroße Ratte mit riesigen Augen und gefletschten Zähnen. War das etwa Gina, die mit weit aufgerissenem Maul und klatschnassem Fell empört um Einlass trommelte? Ein Brille konnte so nützlich sein! Allerdings war die Anwesenheit einer Riesenratte eher unwahrscheinlich.

Ich fing Gina also gleich beim Eintreten von der Schwelle und unterzog  das nasse Tier einem Trocknungsprozess mit dem nächstbesten Handtuch, was ihr aber genauso nicht gefiel wie im Regen auf der Terrasse ausgesperrt zu sein. Dafür fand sie das Tropfengetrommel im Plastikeimer umso interessanter, was ich daraus schlussfolgerte, dass sie, statt mir ins Bett zu folgen, vor dem Eimer sitzen blieb.

Wenigstens hatte einer von uns Spaß in dieser Nacht.

…und natürlich lag der unvermittelte Wassereinbruch nicht nur an einer verrutschten Rohrabdeckung. Doch davon das nächste Mal mehr.

9 Gedanken zu „Wassereinbruch

  1. Gitti

    So ein Mist ihr seit doch gerade mit dem Renovieren fertig. Hoffentlich ist der Schaden am Dach nicht so hoch.

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  2. giftigeblonde

    Oh, ich hoffe der Schaden hält sich in Grenzen.
    Aber die Katz am Balkon aussperren hätte ich dir nicht zugetraut gggg.

    Mein Mann würd bei sowas auch seelenruhig den SChlaf der Gerechten halten tztz.

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  3. janavar

    Oh nein, da hattest du ja eine furchtbare Nacht! Ich hoffe, ihr konntet inzwischen die undichte Stelle reparieren! Aber es ist schon unfreundlich, dass dein Mann einfach weiterschläft, während du dich um alles kümmerst. Allerdings kenne ich das Problem, wenn hier irgendetwas nachts passiert, bin ich auch diejenige, die plötzlich aufwacht und sich damit herumschlagen muss.
    Ich wünsche dir schon frohe Weihnachten und ein bisschen Ruhe, liebe Corinna! Ab morgen bin ich in Mecklenburg und ich habe keine Ahnung, wie viel Internet es dort im Moment gibt 🙂

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  4. notiznagel

    Klasse geschrieben. Ich schlafe in solchen Situation auch immer vorzüglich und möchte daher deinen Luigi in Schutz nehmen. Mann kann ja nicht immer und überall auf Zack sein. 😉

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  5. mangoseele

    Wieder mal eine wunderschöne Erzählung zum Schmunzeln. Bald kommt wieder der Sommer, dann wirst du den Regen ganz schnell wieder vergessen 😉

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  6. Emily

    Uhhh… ich habe mir auf die Unterlippe gebissen, als ich das hier las. Ich weiß nicht so genau, ob ich auf die Fortsetzung gespannt sein soll, wenn ich ehrlich bin…

    Liebe Grüße zu dir, Emily

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  7. frauhilde

    Oh, nein!
    (Aber ich musste zugeben, dass ich jetzt schon ein bisschen grinsen musste bei der Vorstellung einer ziemlich angepissten und tropfnassen Gina. *gesteh*)

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