Weihnachtsfreie Zone oder Grüße zum Neuen Jahr

Wenn man Ende November umzieht und auch noch eine nahe Verwandte stirbt, deren Wohnung man bis Ende Dezember auflösen soll, dann gestaltet sich die Adventszeit wenig weihnachtlich – so meine Erkenntnis aus dem Dezember 2013.

Obwohl die Geschäfte immer mehr glänzten, sich in meinem Lieblingshaushaltswarenladen fünf riesige, in unterschiedlichen Farbtönen geschmückten Tannenbäume bis an die Decke streckten, meine Lieblingsblogger mit Plätzchenrezepten, Deko- und Geschenkvorschlägen nicht geizten und tatsächlich mehrmals „Last Christmas“ im Autoradio zu hören war, blieb unsere rümpelige Wohnung eine weihnachtsfreie Zone. Zum Glück dachten und handelten liebe Menschen in diesem Jahr für mich mit. So kamen nacheinander diverse Care-Packete bei uns an. Meine Mama schickteIMG_20131230_203614 Weihnachtsdeko, Marzipan und Stollen; meine Großeltern sandten eine große Kiste mit Pfefferkuchen; meine Freundinnen neben Geschenken auch einenAdventskalender und selbstgebackenes Shortbread. Pasquale und Maria wiederum teilten einen riesigen Weihnachtsgeschenkefresskorb mit uns und so wurde ich schließlich doch noch vom Weihnachtsvirus angesteckt.

Zwei Wochen vor Weihnachten klinkte ich mich für ein Wochenende aus dem Möbeltragen aus und buk statt dessen sechs bis sieben Kilo Plätzchen, auch damit wir etwas zum Verschenken an alle diejenigen, denen Luigi bereits Plätzchen versprochen hatte, haben würden. Außerdem galt es, auch die Hoffnungen derer, die sich schon seit dem letzten Jahr wieder auf deutsches Gebäck freuten, zu erfüllen. Die Plätzchenaktion erwies sich als voller Erfolg, denn nicht nur bei Verwandten und Nachbarn, sondern auch bei den Mechanikern der gegenüberliegenden Autowerkstatt und der Ehefrau unseres Fenstergitterbauers habe ich jetzt einen weihnachtlichen Stein im Brett.

IMG_20131230_203222Statt eines Weihnachtsbaumes gab es in diesem Jahr zwei spärlich geschmückte Weihnachtssträuße aus Zweigen, die ich mir organisierte, als ein Gärtnereibetrieb die Pinien vor Zievolas Palazzo kahl schnitt. Da wir uns kaum zu Hause aufhielten, wollten wir unserer ungestümen Katze Gina kein Sortiment an zerbrechlichen „Spielzeugen“ vor die Nase setzen, denn (meine treuen Leser dürfte die folgende Litanei schon langweilen) Türen, die man zum Schutz eines Weihnachtsbaumes hätte schließen können, hatten wir nicht.

IMG_20131230_203105Am Heiligen Abend fanden wir uns bei Pasquale und Maria ein. Vor Weihnachten isst man hier generell „spärlich“, d.h. bei uns gab es zwei Focacce (Pl. von Focaccia) eine Riesenschüssel voller Pettole. Pettole bestehen aus einem einfachen Teig aus Mehl, Wasser, Hefe und einer Prise Salz, der löffelweise frittiert wird. Man isst sie mit Zucker oder auch herzhaften Beigaben wie Thunfisch mit Oliven. Um halb elf fielen wir trotz aller „Spärlichkeit“ genudelt ins Bett und wachten erst am nächsten Tag gegen Mittag wieder auf. Die hektischen Wochen forderten ihren Tribut.

Die Weihnachtsfeiertage verbrachten Luigi und ich damit, dass wir die letzten Reste von Zievolas Habe, die auch keiner von den Verwandten mehr gebrauchen konnte (Taschen, Gläser und anderes Geschirr) zu entsorgen oder an den illegal als Parkplatzwächter arbeitenden, möglicherweise auch illegal eingewanderten Mitmenschen vor Zievolas Palazzo zu übergeben. Dieser hatte uns eines Tages angesprochen, als er sah, dass wir Koffer voller Kleidung zur Kleiderkammer fuhren, und meinte, was wir entsorgen würden, könne er noch verkaufen und schließlich habe er eine Familie zu versorgen, etc. Na, bitteschön! Frohe Weihnachten. Nun sind nur noch Bücher, für die wir noch eine Unterbringungslösung außerhalb des Papierkontainers suchen, und Pflanzen, die nach und nach auf unsere Terrasse umsiedeln sollen, übrig geblieben.

Bisher scheint es uns, als gäbe es ein Band, das uns mit Luigis Tante verbindet; als würden wir noch etwas für sie tun. Wenn wir die Tür ihrer Wohnung zum letzten Mal hinter uns zumachen werden, wird dieses Band zerreißen und einer Endgültigkeit Platz schaffen, die mich jetzt schon traurig stimmt. Doch so komisch das klingen mag – diese Traurigkeit kann durch den Gedanken an Biobeutel und Zievolas Beerdigung vertrieben werden. Aber davon muss ich ein anderes Mal berichten. Nicht zuletzt steht auch noch das Ende der Wassereinbruchs– und Dachschadengeschichte aus.

Für heute danke ich all‘ den großartigen Menschen – Verwandten, Freunden und auch den anderen Lesern meines Blogs – die uns mit Worten und Taten durch die letzten Wochen geholfen haben, für die uns entgegengebrachte Zuneigung und Unterstützung!

Ich wünsche euch allen ein wunderbares Jahr 2014!

Wir lesen uns wieder . . .

6 Gedanken zu „Weihnachtsfreie Zone oder Grüße zum Neuen Jahr

  1. Maria Vico Bandiera

    Oh, die Pettole erinnern mich an unseren Bari Altstadtbummel und haben gleich Appetit gemacht! Ich glaube, die Kinder muss ich nicht lange überreden, dass es die bald auch mal wieder bei uns gibt.
    Hier verflüchtigt sich Dank unserer Silvesterparty alles weihnachtliche…
    Mein etwas schwerer Kopf hoffentlich auch…
    Und ich glaube, dass trotz Wohnungausräumen und anderen Aktionen alles Wichtige bleiben wird. Nicht traurig sein!

    Euch beiden ein wunderbares 2014!

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  2. mangoseele

    Dir auch ein wunderbares Neues Jahr und ich freue mich schon auf deine lustigen, nachdenklichen und immer wieder großartigen Blogbeiträge! Liebe Grüße Melanie

    Antwort
  3. janavar

    Liebe Corinna, ich wünsche dir ein tolles neues Jahr 2014! Hoffentlich hört euer Stress mal auf und du kannst nur noch über wunderschöne Dinge schreiben 🙂

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  4. Emily

    Ja, jetzt verstehe ich schon besser. Ich wünsche euch ein stressfreies, schönes, herzliches, glückliches und gesundes neues Jahr, liebe Corinna!
    Alles Liebe, Emily

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  5. frauhilde

    Liebe Corinna,
    euch beiden mitsamt der Familie auch ein schönes, gelassenes und stressfreies neues Jahr! (Und wer weiß, vielleicht kommen die Türen ja sogar vor 2015?!)

    Antwort

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