Jedem sein Heiliger Nikolaus

Nachdem sich die Baresen 1087 die Gebeine des heiligen Nikolaus‘ von Myra gesichert und in ihre Basilika am Meer „überführt“ hatten, mussten die Einwohner und besonders die Geistlichen der nur eine knappe Autostunde entfernt liegenden Stadt Trani zusehen, wie immer mehr Pilger Geld nach Bari brachten, während sich nur wenige nach Trani verirrten. Was lag da näher, als eine eigene Einkommensquelle nach dem gleichen Muster Kathedrale zu Ehren eines Nikolaus‘ zu bauen?

IMG_7277Zufällig hauchte ein junger Grieche mit gleichem Namen, der (Achtung! Noch ein Zufall.) in seinem kurzen Leben mehrere Wunder vollbracht haben sollte, wenig später sein Leben in Trani aus. Damit hatte er sich nicht nur für eine Heiligsprechung, sondern auch gleich für ein eigenes Gebäude ihm zu Ehren qualifiziert.

IMG_7282Mit einer ungewöhnlichen Lösung für den Glockenturm versehen und direkt am Meer gelegen ist die über der Gruft des Heiligen Leukios und der Unterkirche Santa Maria della Scala erbaute Kathedrale San Nicola Pellegrino bis heute ein Touristenmagnet in Trani (genauer nachzulesen bei Rotter).

6 Gedanken zu „Jedem sein Heiliger Nikolaus

  1. handvolldackel

    Ich mag die ganzen Geschichten um Reliquien von Heiligen (vermutlich öfter Hühnerknochen, als man denkt) sowieso gern 🙂 Und wahrscheinlich gibt es auch genug Stücke vom Heiligen Kreuz, um da mindestens drei draus zu machen, wenn einem danach sein sollte.
    Kennst du „Die Stimme“ von Judith Merkle Riley? In einer Nebenrolle des Mittelalterromans gibt’s da einen Mann, der hauptberuflich Reliquien herstellt und verkauft 🙂

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Haha, nein, den Roman kenne ich (noch) nicht, aber die Idee finde ich sehr witzig. Vermutlich gar nicht mal aus der Luft gegriffen. Es ist ja auch verblüffend wirtschaftlich, dass der Schrein mit den Knochen vom heiligen Nikolaus in Bari ständig diese Flüssigkeit hervorbringt, die dann an die frommen Pilger verkauft werden kann.

      Antwort
    1. Corinna Autor

      Da zitiere ich mal meine Mutter: Ich glaube, dass ein Pfund Fleisch eine gute Suppe ergibt. Ob das für die Seligkeit schon reicht, kann ich nicht sagen. 😉

      Antwort
    1. Corinna Autor

      Aus dem gleichen Grund – der Weitergabe von Großvaternamen – gibt es in und um Bari auch unglaublich viele Nicolas. Das hat mal zu Ehren des Heiligen angefangen und geht jetzt zu Ehren der Großväter weiter. Ich finde solche Tradition schön.

      Antwort

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