Bombe di Acqua oder Warum meine Oma mich ständig in Gefahr wähnt

„Ach, Kind, sind bei euch auch diese schrecklichen Überschwemmungen? Da ist doch schon wieder einer ums Leben gekommen. Pass bloß auf, wenn du raus gehst!“ – So oder ähnlich klingt meine besorgte Großmama des öfteren am Telefon und lässt mich verwundert über das zurück, was in den deutschen Medien über das Wetter in Italien verbreitet wird.  Was meine Oma dabei übersehen zu scheint, ist der Fakt, dass es sich bei solchen Hiobsbotschaften eigentlich immer um den Norden Italiens handelt und, dass es für Wetterschäden in Norditalien eigentlich immer eine logisch, wenn auch traurige, Erklärung gibt.

Dabei handelt es sich natürlich nicht um Marias tiefinnere Überzeugung, dass Gott einen schützenden Schirm über Bari und das Umland aufgespannt hat, obwohl das irgendwie sympathisch klingt. Schuld ist vielmehr die italienische Politik, die es im Norden erlaubt, in Gefahrengebieten wie Überflutungsflächen von Flüssen und an steilen Berghängen (mit schöner Aussicht) scheinbar unkontrolliert Häuser zu bauen und anderweitig großflächig zu betonieren. Wenn nun wie zum Beispiel im November letzten Jahres in Genua in 24 Stunden gut 400 mm Niederschlag fallen, dann ist der Mensch den Naturgewalten hilflos ausgeliefert. „Bombe di acqua“ – nennt man diese lang anhaltenden, ungewöhnlich starken Regenfälle furchtsam. Scheinbar ist der furchtsame Mensch aber nur wenig lernfähig, denn obwohl solche Ereignisse immer wieder und auch jetzt im regnerischen Frühling auftreten, wird wenig bis nichts dafür getan, diese Gebiete sicherer zu machen, der Natur wieder mehr Raum zu geben und ggf. einen Rückbau einzuleiten. Hinzu kommt scheinbar auch, dass Bäume in Städten nur selten auf ihren Zustand hin kontrolliert werden und bei heftigem Wind auch gern mal Passanten unter sich begraben, wie vor ein paar Tagen z.B. im kleinen Städtchen Urbino in den Marken geschehen.

Da man nun aber nicht davon ausgehen kann, dass die Politik in Apulien besser wäre als im Rest von Italien, muss man sagen, dass wir hier in der Provinz Bari einfach großes Glück haben, dass es kaum Flüsse gibt, die über die Ufer treten können. Bäume halten sich in den Städten auch in Grenzen oder beschränken sich auf schlanke Oleander und so beschweren wir uns eigentlich nur darüber, dass bei starkem Regen die Straßen zu reißenden Flüssen werden und die Gullis überlaufen.

Trotzdem hat meine Oma jedes Mal Angst um mich, wenn sie von Unwettern in Italien hört. Also werde ich ihr wohl demnächst eine Italienkarte schenken und den göttlichen Schirm über Bari einzeichnen müssen.

2 Gedanken zu „Bombe di Acqua oder Warum meine Oma mich ständig in Gefahr wähnt

  1. Gitti

    Es lebe der Irrglaube , die Vorurteile und die ewige Angst um die Familie. Ansonsten ist Italien groß genug ,um verschiedenes Wetter zu haben. Und Bausünden gibt es überall auf der Welt.Außerdem ist vielen Leuten nicht klar, dass im Fernseher nur kommt was man wissen soll. Ohne Rücksicht um dadurch entstehendes hartnäckiges Halbwissen.

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  2. Dani

    Irgendwie verstehe ich die Sorge deiner Oma!:)
    Bin auch jedesmal besorgt und frage nach, ob wohl alles in Ordnung ist, wenn ein Italientief zuschlägt und für Katastrophenmeldungen sorgt.

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