Dem Wasser auf der Spur

Wassernymphe

Duilio Cambellotti – Wassernymphe

Es gibt Dinge im Leben über die man sich keine Gedanken mehr macht und sie als selbstverständlich hinnimmt: fließendes Wasser aus der Leitung zum Beispiel. Doch erst vor 100 Jahren – und damit vor gar nicht allzu langer Zeit – konnten die Einwohner Baris Zeugen dessen werden, wie auf der Piazza Umberto der erste apulische Brunnen mit Leitungswasser in Betrieb genommen wurde. Bis dahin behalf man sich in der Region ohne größere Süßwasservorkommen nämlich ausschließlich mit Zisternen, welche die im Winter und Frühling gefallenen Niederschläge auffingen, mit denen man den Sommer lang auskommen musste. Natürlich waren diese selten ausreichend – von der Hygiene ganz zu schweigen.

Sitz der apulischen Wasserwirtschaft – Palazzo dell’Acquedotto Pugliese

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entschloss man sich daher in Apulien ein Leitungssystem einzuführen und gründete die Gesellschaft Acquedotto Pugliese. Mit der Fertigstellung des Hauptkanals, der Wasser aus dem Fluss Sele bis nach Bari brachte, war 1915 die erste große Etappe vollbracht. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges verzögerte jedoch den weiteren Ausbau. Aber nach dem Krieg wurde das Leitungssystem bis nach Brindisi, Taranto, Lecce und Foggia ausgeweitet. Heute speisen weitere Flüsse dieses enorme Leitungswerk, so dass es mit dem Bevölkerungswachstum mithalten und auch auf kleinere Städte bis nach Basilikata hinein ausgeweitet werden konnte.

dettaglio palazzo acquedotto Pugliese Bari

Palazzo dell’Acquedotto Pugliese – Balkon über dem Hauptportal

Hauptsitz der Wasserwirtschaft ist der Palazzo dell’Acquedotto Pugliese aus dem Jahr 1932, der sich im Herzen von Bari gleich hinter dem Petruzzelli-Theater befindet. Dort ist noch bis zum 14. Juni die Ausstellung „Duilio Cambellotti – Le graziu e le virtù dell’acqua“ (Dt. etwa „Die Anmut und die Gaben des Wassers“) zu sehen. Die Ausstellung mit zahlreichen Werken dieses universellen Künstlers (Grafikers, Bildhauers, Malers u.v.m.), der bei der Erbauung für die Einrichtung und Dekoration verantwortlich war, ermöglicht auch den Blick in ein historisches Gebäude Baris, das den Touristen sonst verschlossen bleibt.

Wandgemälde und Lampen

Wasser auf Wandgemälden und in Lampenform

Schlafzimmer CambellottiFür 6 Euro wird man eingelassen und bekommt auch einen Audioguide, der viel Wissenswertes über das Gebäude sowie Cambellottis (1870-1960) Leben und Werk vermittelt. So kann man eine gute Stunde lang 120 Ausstellungsstücke von Keramik, über Illustrationen und Gemälde, sowie Möbel bis hin zu Statuen bestaunen und natürlich immer wieder das in Italien einmalige Gebäude der Wasserwirtschaft, bei dem das lebensspendende Nass nicht nur in raumfüllenden Wandgemälden oder Lampen, sondern selbst in den kleinsten Details wie Schreibtischintarsien auftaucht.

1001 Nacht 2Intarsien SchreibtischMir zum Beispiel haben besonders die fantasievollen, bunten Illustrationen des Künstlers für die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht und seine offensichtliches Wohlwollen gegenüber Schwalben gefallen. Außerdem finde ich gut, dass es thematische Führungen für verschiedene Altersgruppen von Kindern und Jugendlichen gibt, die aber leider auf Schulen beschränkt sind.

Also falls ihr zufällig in Bari seid, dann schaut ruhig rein. Es lohnt sich!

„Duilio Cambellotti – Le grazie e le virtù dell’acqua“
Palazzo dell’Acquedotto Pugliese, Via Salvatore Cognetti 36, Bari
Di-So 8-18 Uhr
nicht an Montagen, Feiertagen und Tagen vor Feiertagen
Eintritt: 6 Euro/ bis 18 Jahre 3 Euro/ Gruppen >15 Personen 4 Euro

Ein Gedanke zu „Dem Wasser auf der Spur

  1. minibares

    Danke, dass du mich zu deiner Führung mitgenommen hast.
    Das hast du super erzählt, so kann ich mir das echt vorstellen, wie es wurde.
    Liebe Grüße Bärbel

    Antwort

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