Frühstück zu zweit oder Aus dem Leben mit neugeborenen Italienern

Drei Monate Mütterzeit

In Italien gehen die Mütter in der Regel ab dem vierten Monat nach der Geburt des Kindes wieder arbeiten. Bis dahin gibt es 80% vom Gehalt. Wer noch drei Monate dranhängen möchte, muss in diesen mit 60% seines Gehalts Vorlieb nehmen. Weitere 6 Monate gibt es für 30% des letzten Gehalts. Daher rufe ich hier mal allen Müttern in Deutschland zu: Genießt die Freiheit und ökonomische Sicherheit und, liebe Väter, nutzt die Elternzeit! … denn natürlich können es sich die wenigsten italienischen Familien leisten, die Mütter länger als normal zu Hause zu lassen. Väter in Elternzeit sind hier gar nicht vorgesehen. Daher werden die Kleinen drei Monate nach der Geburt zu dem Omas oder ins „Asilo nido“ (die Kinderkrippe) gebracht. Wohl dem, der wie wir, eine rüstige Oma hat! Bei der lässt man sein Kind doch beruhigter zurück als bei fremden Personen.

Wie, du stillst noch?

Aus dem oben beschriebenen Grund wird in Italien das Stillen in der Regel nur bis zum vollendeten dritten Monat gepflegt. Danach beginnt das Zufüttern. Scheinbar möchten sich die meisten Mütter das lästige Abpumpen und die Organisation desselben ersparen. Daher war unsere Kinderärztin auch ziemlich überrascht, als ich ziemlich überrascht auf ihren Zettel sah, auf dem stand, aus welchen Zutaten ich ab dem vierten Monat Brühe kochen und mit Reispulver zu einem Babybrei vermischt meinem Kind füttern sollte. Sie meinte, ich solle mir das mit der exklusiven Verpflegung durch Muttermilch bis zum vollendeten sechsten Monat überlegen, denn dem Kind würden so wichtige Stoffe fehlen, die in der Muttermilch nur noch in geringen Mengen enthalten seien; Eisen zum Beispiel.

Da steht man dann natürlich etwas unsicher da. Wem soll man glauben? Dem Kinderarzt mit über 30 Jahren Erfahrung? Oder der WHO? Ich entschloss mich dazu, der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation zu folgen. Daher sind wir das Abenteuer Zufüttern erst ab Januar angegangen. Mit ziemlich miesem Erfolg. Brühe fand Davide ganz okay, aber mit Reismehl angedickt wollte er sie nicht mehr essen. Fleischhaltige Babybreie (wegen des Eisens) findet er bis heute nicht gut: Hühnchen – Bäh! Kaninchen – Gerade so. Rind – Geht gar nicht! – Kalb – Würg! Vorletzte Woche probierten wir Dorade aus und – Siehe da! – endlich etwas, das unser Kleiner mit Genuss isst. Offenbar haben wir einen Fischliebhaber und Feinschmecker, denn Lachs findet er auch gut. Seebarsch ebenso. Wie es scheint, ist Davide ganz Barese geworden und ich sehe ihn schon frisch gefangenen Polypen, die Beine ausreißen und roh hinterschlingen.

Keksfrühstück mit Frühstückskeksen

Apulisches Frühstück 1

Kleine Tasse mit kleinen Keksen für unseren Kleinen und große Kekse mit großer Tasse für die Großen (Na, ja… vergleichsweise „Großen“).

Damit die süditalienischen Kinderchen sich beizeiten an Frühstückskekse und Milchkaffee gewöhnen, gibt es Kinderkekse, die sich schon mit wenig Flüssigkeit (z.B. Speichel) zu einem weichen Brei auflösen. Seit Davide diese entdeckt hat, frühstücke ich nicht mehr allein. Natürlich stippen wir seine Kekse nicht in Kaffee, sondern nur in Milch. Aber irgendwie ist es sehr schön, nicht mehr allein frühstücken zu müssen. Kinder zu haben, hat auch ungeahnte Vorteile.

In diesem Sinne guten Appetit! Corinna

10 Gedanken zu „Frühstück zu zweit oder Aus dem Leben mit neugeborenen Italienern

  1. Arno von Rosen

    Sehr schöner Beitrag und die Kekse erinnern mich an meine Italienzeiten, wo wir das ebenso gehalten haben mit Kaffee und trockenen Keksen 😉 Das Davide von Muttermilch (was ihm ja die reine Natur ist) nicht auf andere Sachen umsteigen möchte, verstehe ich gut, denn die Geschmacksnerven sind noch so fein, dass ihm die Alternativen wie die Gerichte eines verliebten Koches vorgekommen sein müssen – sonnige Tage für euch 🙂

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Danke, das beruhigt mich doch ein wenig. Mit der Zeit werden ihm die Gerichte der verliebten Köche vielleicht doch schmecken.

      Antwort
  2. Belana Hermine

    Danke für Deine schöne Erzählung.
    Ich hatte dasselbe Problem (in Ost-Deutschland), als unser Kleiner 6 Monate war. Oh, da fehlen doch aber… Da ich dann aber mal ein bisschen weiterstudieren musste, habe ich dann doch umgestellt. Aber Breichen kochen in der versifften Wohnheimküche wollte ich nicht. Also gab es dann gleich Brot. Das morgendliche Still-Vergnügen haben wir uns aber bis zu seinem 1. Geburtstag nicht nehmen lassen. Also körperlich hat es ihm nicht geschadet – er ist ein beliebter Fitness-Trainer.
    Ich glaube, in dieser Beziehung muss man einfach darauf schauen, was sich unter den gegebenen Umständen gut und passend anfühlt.
    Wünsche Euch eine genussvolle Zeit und Zeit zum Genießen.
    Belana Hermine

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  3. Goritschnig Elfriede

    Mir fällt hiezu eine Begebenheit ein die sich schon vor einigen Jahren mit meiner Nichte zugetragen hat.Ihr Erstgeborener Daniel war etwa drei als seine Schwester geboren wurde. Viktoria wurde wie ihr Bruder auch gestillt. Und Daniel -wenn er nur konnte -holte sich die Brust der Mutter und nuckelte daran wie ein Baby. Er hatte dafür auch eine plausible Erklärung…“weil es sooo gut ist…“ Also da hat man den Beweis-es gibt nichts Besseres. Mein Sohn wollte jedoch nicht an der Brust trinken und Breie in Gläschen hat er verabscheut. Ich denke Du machst es richtig.
    Liebe Grüße aus Österreich von Elfi

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Danke für die Erfahrungsteilung! Manchmal ist es ganz gut zu wissen, dass es anderen ähnlich ging. Da stellt man es nicht mehr so in Frage.

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  4. La Giù~Lia

    Hihi, als ich diesen Satz gelesen habe: „Vorletzte Woche probierten wir Dorade aus und – Siehe da! – endlich etwas, das unser Kleiner mit Genuss isst“ …dachte ich sofort das gleiche, das Du im nächsten Satz selbst geschrieben hast 😀 Ein echter ragazzo di mare 😉

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  5. olannwolle

    Solange die Leitung standhält….
    Die Ansichten mancher Mediziner geben Rätsel auf. Wie hat die Menschheit bloß so lange überlebt?!? Du machst genau das Richtige und erinnerst mich an den regelmäßigen Wortwechsel am Käsestand: „Möchte die Kleine (jetzt 18) ein Scheibchen Käse?!“ „Ähm, jaaaa, aber sie mag nur Parmesan.“ „Ach, äh, ja gut. Ein Feinschmeckerchen!“ Mit 6 wurde und blieb sie Vegetarierin. So soll es sein, Kinder selber schmecken und entscheiden lassen.
    Mach’s gut, Birgit

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Ich glaube, unser Davide wird ein begeisterter Fischesser.

      Ja, und das mit den Medizineransichten habe ich mich auch schon gefragt. Unter anderem im Hinblick auf weniger industrialisierte Länder, wo alles noch natürlicher vonstatten geht und die Mütter trotzdem ihre Kinder durchbringen.

      Antwort
  6. Mäusemamma

    Hallo Corinna!! Jaja, caffe latte und biscotti für alle!! Schön, Deinen Blog gefunden zu haben!! Ich selbst lebe im Piemont und berichte ab und an auch auf meinem Blog darüber. Kannst ja mal schlunzen kommen. P.S. Meine Tocher wollte auch nie diesen klebrigen, vom Kinderarzt angepriesenen Babybrei, sondern sofort und ohne Zähnchen Pasta, Grissini, Auberginen, Erdbeerjoghurt…diese kleinen rebellischen Italiener😉! Viele Grüsse! Claudia

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