Frage: Braucht man im dritten Stock einen Komposthaufen?

Antwort: Na, aber selbstverständlich!

Ich möchte nicht wissen, was unsere Nachbarn, welche das Vorgehen auf unserer Terrasse stets mit Interesse verfolgen, gedacht haben, als ich dieser Tage mit meinen dreckigen Gummibotten freudestrahlend über dieselbe stiefelte und pechwarzes Stollenprofil hinter mir ließ, als käme ich gerade vom heimischen Acker. Wenn es für die süditalienischen Eingeborenen mit 20 Grad nicht zu kalt zum freiwilligen Hinaustritt auf den Balkon gewesen wäre, wüsste ich es vielleicht, denn es werden sich gern ein paar höfliche Worte von Balkon zu Balkon zugerufen. Möglicherweise werde ich es im nächsten Frühjahr erfahren oder, wenn ich Nachbarn aus dem näheren Umkreis im Supermarkt treffe. Wie auch immer… dieser Bericht handelt von einem Komposthaufen und meinem diesjährigen Weihnachtsgeschenk.

Wie man in der Stadt zu einem Komposthaufen kommt

Wer hier häufiger mitliest, weiß, dass ich passionierte Stadtgärtnerin bin und gelegentlich mit meinen Händen in Erde wühlen muss. Außerdem bin ich williges Opfer einer Internetseite namens Dalani geworden, von der angeblich (und auch tatsächlich) stark heruntergesetzte Markenware aus verschiedensten Bereichen per Newsletter zu mir auf den heimischen Computer flattert. Viel zu oft schaue ich mir diese Angebote dann auch an und bestelle zum Beispiel so nützliche Sachen wie einen Komposthaufen. Komposthaufen? Ja, Komposthaufen.

herumwuelen-im-kompost

Mit einem Komposthaufen lässt man nicht nur Erde entstehen, wo man sie benötigt, sondern reduziert auch noch das lästige Hinuntertragen von Biomüll.

Als ich im letzten November die Komposthaufen oder vielmehr Plastik“würfel“ mit Deckel, in die man seine Abfälle schmeißen kann, auf der Seite sah und feststellte, dass der größte nur die Hälfte des Preises des kleinsten von ihnen kostete, traf es mich wie ein Blitzschlag: Was meine Terrasse dringend brauchte, war ein Komposthaufen, in den ich all die abgefallenen Blätter und Pflanzenteile werfen konnte, die ich so tagtäglich in den Ecken zusammenfegte und über den Biomüll entsorgte. Und da meine Terrasse recht groß ist, fand ich auch, dass der größte Komposthaufen gerade gut genug war. Außerdem hoffte ich natürlich, dass sich mit der häuslichen Produktion von Komposterde der Kauf von Säcken mit Blumenerde und vor allem das Treppensteigen mit denselben reduzieren würde.

Von den Schwierigkeiten einer Terrassenkompostproduktion

Natürlich bringt so ein Projekt „Terrassenkomposthaufen“ auch Bedenken mit sich. Schließlich muss unbedingt verhindert werden, dass sich Wasser auf den schon recht maroden Fliesen staut oder gar in diese eindringt. Das hoffte ich mit Plastikfliesen zu lösen, die ich unter dem Komposthaufen verlegte und die den gewünschten Abfluss z.B. von Regenwasser gewährleisten sollten. Dann legte ich zwei alte Wachstuchtischdecken darauf und stellte den Plastikcontainer an seinen Ort. So weit, so gut.

Blätter und anderer Pflanzenschnitt fallen bei uns genug an. Das zunächst sehr magere Häufchen Abfälle wuchs über den Winter und Frühling zu einem recht stattlichen Hügel, allerdings knisterte es verdächtig nach Heu und sah so gar nicht nach Erde aus. Eine vorsichtige Bewässerung des Heuhaufens im Sommer, ein/ zwei Eimer Gartenerde mit den darin enthaltenen Würmern und anderem winzigen Getier, sowie hin und wieder eine Zeitung (damit den Asseln und Würmern auch nicht langweilig wird) schien dennoch keinen Befeuchtungserfolg zu bringen, so dass ich immer mehr davon überzeugt war, dass ich eine Art Plastikwanne brauchte, in welcher der Komposthaufen stehen musste, um feucht genug gehalten werden zu können.

Man soll die Weihnachtsgeschenke pflanzen wie sie fallen (oder so)

weihnachtsgeschenk

Geschenketipp: Blumen kommen immer gut an!

Luigis diesjähriges Weihnachtsgeschenk (Ja, ja! Wir sind halt ein bisschen früher dran.), eine enorme Strelizie, die in einem enormen Blumentopf enorm viel Erde brauchte, führte mir wieder vor Augen, wie schön es wäre, wenn der Komposthaufen endlich funktionierte. Also machte ich mich auf die Suche, nach einem passenden Untersatz. Über die von meinem Mechanikervater vorgeschlagene Kofferraumwanne, gelangte ich schließlich zu einem quadratischen, 1,20 m großen und 12 cm hohe Pflanzgefäß, das findige Leute, welche es bei Amazon gekauft und bewertet hatten, auch als Katzenklo oder Hundbadewanne benutzten. Komposthaufenuntergrund fügt sich nahtlos in die Liste der kuriosen Nutzungsmöglichkeiten ein. Bestellt und nur kurz daran gedacht, wie viel Blumenerde man für den Preis kaufen können hätte…

sympathische-bluetenAls ich mich letztendlich daran machte, den Komposthaufen umzuschichten, um die „Wanne“ unter den selbigen zu befördern, kam die große Überraschung. Der von außen trocken anmutende Kegel aus Pflanzenschnitt und Blättern, bestand innen aus fetter Komposterde, in der sich sogar relativ große Würmer aalten und aus der ein Battalion Kellerasseln in alle Richtungen davonstürmte. So kam es, dass ich wie eingangs beschrieben mit dreckigen Gummistiefeln freudestrahlend über meine Terrasse bottet und alle Eimer zusammensuchte, deren ich habhaft werden konnte. Vier große Eimer Erde und eine Neuinstallation später, pflanzte ich auch meine Strelizie ein und feierte die einsetzenden Rückenschmerzen als Siegestrophäe über die Widrigkeiten des Stadtgärtnerns.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten (morgen ist der 1. Advent)!

Ergänzend, weil ich fürchte, dass der Kommentar von ihr untergehen könnte, möchte ich auf einen Beitrag von Ulrike über ein sehr interessantes „Regenwürmerbuch“ und einen tollen Balkonkomposthaufen hinweisen, der das Kompostieren ganz leicht und macht und einigen Aufwand erspart: Hier lesen.

18 Gedanken zu „Frage: Braucht man im dritten Stock einen Komposthaufen?

  1. Gitti

    Kompost ist immer gut. Wir haben 2 Behälter und noch zwei “ Nothaufen “ mit Holzschwellen als Umrandung. Zur Zeit die letzteren voller Laub. Da sie ihren Kompost für zwei neue gepflanzte Apfelbäume geben mußten. Ob Stadt- oder Landgärtner Viel Erfolg und guten Wuchs der riesen Strelizie. So eine große Pflanze habe ich noch nicht gesehen. Toll diese Weihnachtsgeschenkidee.

    Antwort
  2. Friederike

    du hast wohl einen ausgeprügten grünen Daumen 😉
    und Geruchsbelästigung im Sommer gibts nicht? davor hätte ich die meisten Bedenken auf einer Terrasse im tiefen Süden

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Da wir keine Essensreste entsorgen, gibt es auch keinen Geruch, keine fetten Fliegen oder andere größere Tiere. 🙂 Davor hätte ich auch Angst.

      Antwort
  3. janavar

    Ich kann mir vorstellen, wie glücklich du warst! In Istanbul hatte ich auf meinem Balkon auch mal einen Komposthaufen in Plastikumgebung.
    Ich wünsche dir ein schönes erstes Adventswochenende!

    Antwort
        1. Corinna Autor

          Ja, aber alle die, denen ich bisher davon erzählte, dass ich über 10 zwar kurze, aber doch recht dicke Regenwürmer in einem Eimer Erde gefunden hatte, als ich die Strelizie eintopfte, konnten meine Begeisterung nicht nachvollziehen, sondern guckten nur verwirrt bis angewidert. Ich habe die Würmer jedenfalls wieder zurück in den Kompost gesetzt und hoffe, sie haben da noch ein paar Kollegen. 🙂

          Vermutlich sind sie mit dem Eimer voller Gartenerde dort eingezogen, den ich im Frühjahr raufgekippt hatte.

          Antwort
          1. notiznagel

            Super, hoffentlich gibt es noch 10x mehr davon, dann bekommst du den durchwühltesten Kompost der ganzen Region. Deine Pflanzen werden es dir mit ihrer Blütenpracht danken.

            Antwort
  4. Ulrike Sokul

    Cara Corinna,
    da habe ich einen feinen Buchhinweis für Dich: „Der Regenwurm ist immer der Gärtner“.
    Amy Stewart hat mit Begeisterung und Leidenschaft ein informatives Plädoyer für den Regenwurm geschrieben. Wenn sie von ihren eigenen Beobachtungen und handzarten Wurmerfahrungen erzählt, Darwin bewundernd zitiert und uns neueres Wurmwissen wohlportioniert „vorkaut“, bringt sie uns nicht nur den Regenwurm näher, sondern sie eröffnet auch eine Perspektive, die in die Erde hineinschaut und uns demütiger werden läßt, angesichts des zwar meist unsichtbaren, aber doch sehr, sehr wirkungsvollen, lebensdienlichen Wirkens, das dort geschieht.
    Hier entlang zur vollständigen Rezension:
    https://leselebenszeichen.wordpress.com/2016/05/23/der-regenwurm-ist-immer-der-gaertner/

    Am Ende meiner Buchbesprechung befindet sich zudem ein informativer Hinweis mit Links auf einen ganz neuartigen Wurmkomposter – ausdrücklich für Balkon/Terrasse.

    Berauhreifte Grüße von Ulrike

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Na, das ist doch ein super Tipp für alle Gartenfreunde, die wie ich mit einem Balkon oder einer Terrasse Vorlieb nehmen müssen. Vielen Dank für Hinweis!

      Antwort
  5. Karo-Tina Aldente

    Hallo Corinna,
    sehr wichtig sind natürlich abertausende winzig kleine Lebewesen, die auch im klassischen Gartenkompost die Hauptarbeit übernehmen. Die können mit klassischem Kompostbeschleuniger (Gartenmarkt) oder mit einem Würfel Hefe + ein 250 g – Päckchen Puderzucker in Schwung gebracht werden. Einfach den Zucker in 8 – 10 Liter Wasser auflösen, die Hefe einrühren und dann über die gesammelten Pflanzenreste geben.
    Ein frisch aufgesetzter Kompost wird mit dieser Methode im Innern allerdings um die 70 °C heiß, was wieder nicht so gut für eventuell vorhandene Würmer und Engerlinge ist.
    Bei einer optimalen Kompostierung werden drei Phasen unterschieden. 1. Bakterielle Phase (Hitzeentwicklung) 2. Pilzphase (Die Pilze zersetzen z.B. auch verholzte Materialien.) 3. Wurmphase
    Wissenschaftliche Grüße aus dem Garten 🙂 😀

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Vielen Dank für diese ausführlichen Tipps und Infos! Alles sehr interessant.

      Inzwischen habe ich mir Kompostbeschleuniger in meinem Lieblingsbaumarkt besorgt. Daher werde ich die Hefe nicht ausprobieren, denn ich glaube, die paar Lebewesen, die da inzwischen eingezogen sind, möchten es im Moment nicht so warm. 😉

      Antwort

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