Santa Maria di Cerrate – Verstecktes Kleinod im Herzen des Salento

Auf dem Weg zu den Traumstränden von Lecce trafen wir ca. 15 Autominuten in Richtung Torre Chianca auf etwas, dass sich hinter hohen Mauern und einer Kaktusfeigenhecke versteckte, jedoch angesichts eines davor geparkten Reisebusses von touristischem Interesse sein musste. Sollte es sich vielleicht um eine sehenswerte Masseria handeln? Wir parkten ebenfalls und folgten einigen herumstreunenden Fotoapparaten durch einen Torbogen in den Innenhof, dessen Zugang jedoch durch einen Zaun blockiert wurde.

„Wow!“ entfuhr es mir beim Anblick einer im weichen Morgen-Sonnenlicht ganz golden strahlenden, doch eigentlich weißen Tuffstein-Kirche mit einer romantischen Säulengalerie. Die Überraschung war wirklich gelungen und die offenen Türen in den Nebengelassen verhießen weitere Entdeckungen, sodass 5 Euro Eintrittspreis pro Person gerechtfertigt schienen.

Byzantinische Fresken schmücken die Kirche im Inneren.

Davide war besonders von den massiven Ölmühlen beeindruckt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Getreidemühle

Tatsächlich handelte es sich bei dem Anwesen um die Reste eines Basilikanerklosters mit seiner dreischiffigen Basilika namens Santa Maria di Cerrate aus dem 12. Jahrhundert. Man kann nicht nur die Kirche mit vielen bunten Fresken bestaunen, sondern auch die Ölmühlen und die Getreidemühle des Klosters, sowie einem Steinbackofen. Ein kleiner Garten mit niedrigen Zitronenbäumchen und einem Brunnen lässt ahnen, dass auch die Mönche hier dazumal nicht nur mit Olivenbäumen gegärtnert haben. Ob die Loggia, von welcher man einen tollen Ausblick über das saubere und liebevoll restaurierte Areal hat, auch zu Zeiten der Mönche schon teilweise verglast war, wage ich zu bezweifeln. Doch der „Fondo Ambiente Italiano“ (kurz: FAI) hat hier mit privaten Mitteln ganze Arbeit geleistet und ein richtiges, kleines Schmuckstück wieder aufleben lassen. Uns hat es direkt verzaubert.

Der farblich passende Abteikater darf auch nicht fehlen.

Die gemütliche Loggia lädt zum Verweilen ein. Hier kann man auch bei einem Kaffee in den ausgelegten Geschichtsbüchern blättern.

15 Gedanken zu „Santa Maria di Cerrate – Verstecktes Kleinod im Herzen des Salento

  1. Oma Gitti

    Wunderbar so etwas findet sich nur durch Zufall und ist doch beeindruckend. Schön ,dass es nun wieder hergerichtet ist. Nun finden sich auch bald Mönche an,so wie bei uns im Kloster Neuzelle. Lauf der Zeit oder was? Die Bilder sind einzigartig.

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Ja, das stimmt wohl: die besten Sachen findet man durch Zufall. 🙂 Aber keine Ahnung, ob da noch Platz für Mönche wäre. Die müssten dann auf jeden Fall mobil sein, weil die Abtei doch ziemlich abgelegen ist.

      Antwort
  2. La Giù~Lia

    Oha!! Ein sehr schönes Fundstück und verlockend – besonders wo nächste Woche Familie hier antanzt und ich händeringend nach Alternativen zu den üblichen Ausflugszielen (ich kann Alberbello langsam echt nicht mehr sehen^^) suche. 😉 Un abbraccio

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Ja, dann unbedingt nach Lecce fahren! Neben der netten Stadt selbst gibt es in der unmittelbaren Umgebung sehr viel zu entdecken: diese Abtei, Dolmen, Strände, die Festungsstadt Acaya… leider hatten wir nur ein verlängertes Wochenende und Vieles musste leider auf der Warteliste bleiben.

      Antwort
  3. Friederike H.

    das ist wirklich ein wunderschöner Ort, den ihr gefunden habt! So etwas steht meist auch in keinem der üblichen Reiseführer und außerdem ist es sowieso viel schöner, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen!

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Du hast recht! Und das kann man da unten wirklich sehr gut, weil alle möglichen Sehenswürdigkeiten – kleine und große – ausgeschildert sind. Da muss man dann nur noch neugierig genug sein.

      Antwort
  4. Angela Mayer

    Liebe Corinna,
    da hat sich ja noch einiges getan seit 2013.
    Da waren wir im Oktober beim ersten Apulienurlaub dort – nicht wie Du fast zufällig, sondern ganz geplant, weil wir genau diese schöne Kirche sehen wollten.
    Wir hatten Glück und durften kurz vor der Schließung noch hinein und waren wie Ihr sehr begeistert. Die Nebengebäude waren noch nicht zuzgänglich, die Restaurierung noch nicht abgeschlossen, aber der Vertreter des Trägers (FAI) ließ uns großzügigerweise so lange verweilen, wie wir wollten.
    Ich weiß nicht, ob ich das darf, sonst bitte löschen:
    Hier ist mein dahingehender Bericht im Romforum (da gibt es auch einiges zu „Nicht-Rom“), wo ich aktiv bin:
    https://www.roma-antiqua.de/forum/threads/la-puglia-che-bella-sorpresa.28812/page-5#post-227023

    Da wir dieses Jahr nicht so weit nach Süden kommen werden, habe ich mich über Deinen Bericht sehr gefreut!

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Hallo Angela,

      natürlich kann dein Link hier so stehen bleiben. Vielleicht findet der eine oder andere so auf deinen interessanten Rom-Blog.

      Du hast auch recht. FAI hat hier viel geschafft und es soll noch weiter gehen. Schön, dass du unseren Eindruck bestätigt hast.

      Liebe Grüße in den Norden!
      Corinna

      Antwort
  5. Ria

    Wow, ein wunderschöner Ort den ihr gefunden habt. Leider war bei uns wieder nicht die Zeit um größere Ausflüge zu machen. Eine Woche ist einfach zu kurz ;-( Aber für den nächsten Sommer haben wir uns ganz fest Lecce und Alberobello vorgenommen.

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Ich stimme dir zu: eine Woche ist definitiv zu kurz. Alberobello ist zwar eine absolute Touristenfalle, aber mindestens ebenso sehr ein Muss. Von Bari aus kann man sogar bequem mit dem Zug dorthin fahren. Der Bahnhof ist nur ein paar Schritte von der Trullizone entfernt.

      Bei Lecce lohnt sich schon ein Auto, aber im Prinzip ist es von Bari aus auch gut mit dem Zug zu erreichen und klein genug für ein Taxi zur Übernachtungsstelle, die man fußläufig zum historischen Zentrum wählen kann. Doch natürlich ist mit dem Auto alles viel schöner, weil man noch so viel auf dem Weg entdecken kann, wie ich selbst ja auch immer wieder feststelle. 😉

      Also ich hoffe, dass das Jahr schnell vergeht und du bald wieder hier sein kannst. 🙂

      Liebe Grüße
      Corinna

      Antwort
      1. Ria

        Nächstes Jahr werden wir wohl wieder mit dem Auto fahren. Da wir jetzt nur eine Woche konnten, war das Flugzeug die bessere Wahl 🙂 Haben uns dann ein Mietauto in Bari geholt und sind dann weiter in den Norden. Obwohl ich nun schon bestimmt 14 Mal in Apulien war, standen Lecce und Alberobello noch nie auf unserem Plan. Wir sind immer im Norden bei der Verwandtschaft „hängen“ geblieben 🙂 Das muss sich ändern 🙂

        Was mir dieses Jahr aufgefallen ist, dass das „Müllproblem“ anscheinend immer schlimmer wird. Zumindest ist es mir letztes Jahr nicht so stark aufgefallen. Teilweise war ich schon geschockt. Wie ist das so bei Dir und Umgebung?

        Liebe Grüße

        Antwort
  6. Corinna Autor

    Das Müllproblem wird außerhalb der Saison sichtbarer, weil gerade in den touristischen Gebieten dann nicht mehr so viel Müll geräumt wird. Leider sind die Süditaliener überwiegend Ferkel, die alles dort fallen lassen, wo es ihnen in den Sinn kommt. Sie haben auch noch nicht verstanden, dass wilde Müllkippen die wunderbare Landschaft Apuliens nicht nur optisch zerstören. … und der Müll am Straßenrand erst… Ich kann mir nicht erklären, woher diese Ignoranz kommt, aber man fühlt sich wirklich, als würde man gegen Windmühlenflügel kämpfen.

    Antwort
    1. Ria

      Ja, Ignoranz trifft es gut… Meinem Sohn war unterwegs ein Stück Papier von einem Croissant heruntergefallen. Ich wies ihn daraufhin und bat ihn es aufzuheben. Mein Sohn hob es auf und fragte mich aber (logischerweise) warum…. denn es liege doch hier überall Müll rum. Die Tante und Cousins meinten jedoch nur, er solle es liegen lassen. Wir haben es dennoch, selbstverständlich unter verständnislosen Blicken der Verwandtschaft, eingesteckt 🙂
      Zumindest ist das Thema Mülltrennung, wenn auch nur theoretisch, bei unserer Familie kein allzu großes Fremdwort mehr. So wurden dort alle Haushalte mit 3 kleineren Müllbehältern ausgestattet und das Prinzip scheinen sie auch (zumindest in den eigenen 4 Wänden) verstanden zu haben. Man kann nur hoffen, dass sich da in Zukunft ein Umdenken stattfindet, denn es tut einem in der Seele weh, wie diese wunderschöne Landschaft teilweise zugemüllt wird.

      Antwort
      1. Corinna Autor

        Leider kann ich deine Beobachtung nur bestätigen. Irgendwie fehlt das Bewusstsein dafür, dass ein öffentlicher Ort auch „mein“ Ort ist, weil ich die „Öffentlichkeit“ bin. Zu Hause halten alle Italiener, die ich kenne penibel Ordnung. Da wird geputzt und gewaschen, dass ich mir schon fast schmutzig vorkomme. Außerhalb der eigenen vier Wände können jedoch die Anderen den Dreck beseitigen. Wozu zahlt man schließlich (immer mehr) Steuern und Gebühren?!

        Antwort

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