Archiv für den Monat Oktober 2018

Wo baden die Wagemutigen?

Auf dem Absatz des italienischen Stiefels lohnt es sich, alle paar Hundert Meter anzuhalten und einen Blick auf das Meer zu werfen. Über den Strand von Roca Vecchia, der mich wegen seines pittoresk auf einem Felsen mitten im Wasser zerfallenden Wachturms beeindruckt hat, habe ich schon begeistert berichtet. Dank seiner Ausgrabungsstätte genießt er einen höheren Bekanntheitsgrad.

Doch auch nördlich von Melendugno, etwa 20 Autominuten vom Zentrum von Lecce, wurde zwischen den schroffen Felsen immer wieder Sand zu einem kleinen oder größeren Strand angeschwemmt, so dass sich urplötzlich Badebuchten mit malerischem Blick auf Felsen eröffnen, die ihre Schönheit der beharrlichen Erosion verdanken. Über heruntergebrochene Stellen (gefährlich!) oder in den Fels gehauene Treppchen (weniger riskant) gelangt man ans Wasser hinunter. Während Davide in die Fluten abtauchte und sein Vater ein wachsames Auge auf ihn hatte, konnte ich mir den Strand erwandern und mich gar nicht am wunderbaren Grünblau des Wassers satt sehen.

Aus der Ferne grüßte auch hier ein Wachturm herüber, derer zahlreiche entlang der apulischen Küste stehen, weil sie in früheren Zeiten wesentlicher Bestandteil einer Nachrichtenkette waren. Die wohlhabenden Hafenstädte wie Otranto waren nämlich im 16. Jahrhundert begehrte Opfer von Piraten. Über die Wachturmkette konnte mit Rauchzeichen Hilfe angefordert und die Bevölkerung der Umgegend gewarnt werden.

Wenn ich mir die Fotos so betrachte, dann möchte ich gleich wieder in dieses glasklare Blau eintauchen. Mit einem Piratenangriff braucht man im Moment wahrscheinlich nicht zu rechnen.