Das verflixte siebte Jahr

Hallo, meine lieben Lesenden,

ich weiß, es ist mal wieder still auf diesem Blog geworden. Das kommt daher, dass ich seit Ende April an sechs Tagen die Woche arbeite. Und das kommt wiederum daher, dass ich u.a. in einer privaten Sprachschule arbeite, in der pro Jahr mal eben 6000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene Cambridge Sprachprüfungen ablegen – vielleicht auch mehr – und so etwas findet dann bevorzugt an Samstagen vor Schuljahresende und dem Sommerurlaub statt. Luigi sei Dank, dass uns zu Hause noch nicht die Müllberge über den Kopf gewachsen sind und regelmäßig etwas zu essen auf dem Tisch steht!

Nicht Apulien aber ähnlich ambivalent.

Meine Administratortätigkeit für IDP IELTS Examen hat mich zudem drei Nächte ins asiatische Ausland geführt. Ihr könnt ja mal raten, welche Stadt der Blick aus meinem Hotelfenster zeigt.

Wenn du nicht zum Strand kommst, muss der Strand eben zu dir kommen. Sandkästen sind in Süditalien unbekannt. Deshalb habe ich kurzerhand selbst einen gebaut.

Hat man sich und seinen zehn Kilo schweren Rucksack dann abends in den dritten Stock hochgeschleppt, wird man von einem Kind angesprungen, dass den ganzen Tag nur darauf gewartet hat, seiner Mama 1000 Dinge zu erzählen, eine Eisenbahnstrecke mit ihr zu bauen und/ oder im vor Kurzem fertig gestellten Sandkasten (Keine Ahnung, wann ich das Ding auch noch gebaut habe!) zu buddeln, bis die Sonne untergegangen ist.

Nur gut, dass es Jahrestage gibt! Momente zum Innehalten, Durchatmen, Revue passieren lassen…

Der letzte Sommer und Herbst vergingen viel zu schnell. Inzwischen freuen wir uns schon auf unseren nächsten Besuch aus und in Deutschland.

Ein Stück Hafen von Bisceglie im Februar.

Im zeitigen Frühjahr hatten wir noch Muße, uns in der Nähe von Bari umzusehen und ein paar kleine Städte zu besuchen.

Erinnerung an unseren nachösterlichen Kurzurlaub im Süden Süditaliens: Das Schloss von Otranto im April.

Denkwürdig auch die zwei Wochen, in denen ein vor der Seepromenade Baris gestrandetes Frachtschiff die Hauptattraktion Apuliens bildete.

Und natürlich darf ich „San Nicola“ nicht vergessen. Während des drei Tage währenden Stadtfestes hatten wir dieses Mal die Gelegenheit, die italienische Kunstfliegerstaffel „Frecce Tricolore“ vom Dach eines Hauses an der Seepromenade zu beobachten – lauter laute Düsenjäger zum Anfassen nah. Davide fand sie auf einmal gar nicht mehr so sympathisch und zog sich ins Haus zurück.

Ja, wie war also das verflixte siebte Jahr? Gar nicht so verflixt. Eher normal; normal gut. Während Luigis Plan, sich neben seiner Arbeit im Lohnbüro als Hausverwalter zu etablieren aufgeht und er demnächst schon das zweite zu verwaltende Haus übernehmen wird, hat Davide das erste Kindergartenjahr mit Spaß und Freude hinter sich gebracht. Ich habe noch mehr Verantwortung in meiner Schule und einen Schlüssel für den ungehinderten Zugang übertragen bekommen. So geht alles irgendwie immer weiter. Beruhigend oder?

Unser Feigenbaum Federico lockt mit supergroßen Fironi.

Über Aprikosenmangel können wir uns auch nicht beklagen.

Gestern Abend lümmelten mein Sohn und ich bis in den späten Abend hinein auf einem Liegestuhl herum, denn ein leichter Wind hatte die afrikanische Hitze endlich erträglich gemacht, und ließen den Tag ausklingen. „Mama, erzähl doch noch eine letzte Geschichte, eine die wir noch nie gehört haben!“ verlangte er schließlich. „Weißt du was,“ wiegelte ich ab, denn das wäre ungefähr die zehnte Geschichte dieser Liegestuhllümmelei geworden, „wir gehen jetzt ins Bett und die Geschichte, die machen wir morgen selbst, okay?“ – Es war natürlich nicht okay, aber er ging trotzdem ins Bett.

Und genau heute beginnt diese neue Geschichte – mein achtes Jahr in Apulien. Ich weiß nicht, wie lange das weitergehen wird, aber bisher empfinde ich es immer noch als etwas Besonderes, in diesem Landstrich leben zu dürfen – gerade jetzt, wo der Sommer beginnt, welcher Grillabende mit Freunden, müßige Stunden auf der Terrasse, Mittagsschläfchen, Fahrten ans Meer und jede Menge süßer Wassermelonen versprich, ist das Leben hier so einfach und deshalb so besonders schön.

Praktisch – Hund zum Ausborgen. Unsere Nachbarn sind immer froh, wenn wir mit Yuki zu einem langen Spaziergang aufbrechen. Er auch.

Unsere Katze Gina hingegen ist auch nach ihrer Wiederauffindung wenig dankbar, asozial und absolut kein Fotomodell. Wir lieben sie trotzdem.

Allen denen, welche diesen Blog verfolgen und auch den ca. 100 Personen, die täglich hier zufällig vorbeisehen, wünsche ich eine ebenso tolle Zeit! Ich sende Grüße an alte und neue Freunde und werde an euch denken, während ich noch ein Stückchen ComPluglianno-Kuchen (auch bekannt als „Fraukes Buttermilchkuchen“) esse und mit einem Gläschen Limoncello auf meinen siebten Apuliengeburtstag anstoße.

 

Tanti Auguri e tante belle cose a tutti!

Corinna

 

 

28 Gedanken zu „Das verflixte siebte Jahr

  1. Elfriede Goritschnig

    Liebe Corinna!
    Es freut mich so viel positives von Dir zu hören. Man merkt deine Zufriedenheit und Ausgeglichenheit. Was gibt es schöneres? Dein berufliches Weiterkommen freut mich sehr..
    Liebe Grüße Elfi Goritschnig

    Antwort
  2. B

    Liebe Corinna, es ist so schön, wieder von Dir zu hören, noch schöner, dass das verflixte 7. Jahr genau das nicht war (ich hatte mich schon ordentlich erschrocken) und am allerschönsten, dass es euch allen rundum gut geht.
    Alles Liebe, Barbara

    Antwort
    1. B

      Ich war früher Ann von kinderunlimited….nur falls du keine Ahnung hast, wer Dir hier schreibt.🤣🤣

      Antwort
        1. B

          😁….ich wollte es nur sicherstellen, dein Blog gehört zu meinen liebsten😊 und ich verziere ihn gern mit meinem Stil.🤣

          Antwort
  3. beaherby

    7 Jahre! Hätte ich auch gerne erreicht. Leider nur 4,5 . Wir mussten leider umziehen nach Deutschland wegen den gesundheitlichen Problemen unter denen mein Mann litt. Bin aber sehr dankbar für diese wunderbare Zeit. Werde auf jeden Fall deinen Blog weiterverfolgen und wehmütig zurückdenken.
    Wünsche dir alles Liebe und viel Freude! Arbeite bloss nicht zuviel! Beatrix

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Oh, das tut mir aber leid! Dennoch denke ich, dass es der richtige Schritt war, denn die Gesundheitsversorgung ist hier doch eher dürftig. Ich hoffe, ihr werdet auf Urlaub zurückkehren!

      Antwort
  4. Arno von Rosen

    Guten Morgen liebe Corinna, ich frage mich überhaupt, wie du alles unter einen Hut bringst! Die Kinderjahre unseres Sohnes sind nur so an uns vorbeigeschossen, und hätten wir nicht ab und zu Bilder gemacht (nicht so schöne wie deine), dann käme mir alles vor wie ein Traum 😉 Habt eine wunderbare Sommerzeit!

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Ich mich auch. Allerdings ist es bemerkbar, dass ich zum Schuljahresende regelmäßig den Verstand verliere. Dass ich überhaupt noch mit richtig herum angezogener Kleidung in die Schule gehe, ist nur Luigis wachsamem Blick zu verdanken.

      … und das mit dem Traum kann ich gut nachvollziehen. Es ist so unglaublich, dass er erst/ schon vier Jahre bei uns ist.
      Dir auch einen wunderbaren Sommer!
      Corinna

      Antwort
  5. Julia

    Ich wünsche euch alles Gute! Auf weitere 7 möglichst nicht verflixte Jahre und danach noch 7 und noch 7 und noch 7 und ….. 🙂 Vi abbraccio
    Julia

    Antwort
  6. Friederike

    wie schön!! Und wie die Zeit vergeht… ich hoffe, du findest weiterhin Muße zum Bloggen und erzählst uns von deinen weiteren schönen Jahren in bella Puglia!!

    Antwort
  7. Frank Endler

    Liebe Corinna, wir freuen uns mit Dir über den bisher erfolgreich beschrittenen Weg in der
    südlichen Ferne und wünschen Dir und Deiner Familie weiterhin alles Gute. Teile Deine Zeit
    gut ein, damit du nicht zu viel arbeitest. Auf die Geschichten im Blog sind wir natürlich
    weiter sehr gespannt.
    Waltraud und Frank

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Oh, Junge! Wie es mich freut, von euch zu hören! In diesem Jahr müssen wir es unbedingt schaffen, uns wieder zu treffen. Vielleicht zusammen mit Christine Wallroth. 🙂

      Antwort
  8. azzurrodiary

    Hallo Corinna, ich bin heute zum ersten Mal auf Deinem Blog (Prokrastination at its best :P), sehr interessant. Bin immer auf der Suche, nach Müttern in einer ähnlichen Situation – Thema Zweisprachigkeit! Ich lebe auch in Italien und habe kleine Kinder mit italienischem Papa. Neugierige Frage: Spricht euer Papa deutsch und wenn nicht, spricht Euer Sohn deutsch? (Ich arbeite auch und meine Kinder waren in Krippe und Kindergarten, daher ist deutsch bei uns nicht so dominant, obwohl ich natürlich mit meinen Kindern nur deutsch spreche. Die antworten mir dann auf italienisch, weil ich es ja verstehe und mit meinem Mann spreche.) Sorry, wenn ich Dich so direkt frage! Viele liebe Grüße vom Lago Maggiore, Stefanie

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Mein Sohn spricht nur mit mir Deutsch – und natürlich mit unserer Sippe in Deutschland, wenn wir skypen oder zusammen sind. Sein Vater spricht rudimentär Deutsch, aber vermeidet es generell. Mich würde interessieren, wie alt deine Kinder sind. Mein Sohn wird jetzt 4 und seit einem Jahr antwortet er mir auch immer auf deutsch; vorher hat er mir auf Italienisch geantwortet.

      Hast du meinen Beitrag zur Zweisprachigkeit gelesen: https://meinapulien.wordpress.com/2019/01/25/zweisprachigkeit/

      Wie versuchst du, deinen Kindern den Kontakt mit der deutschen Sprache zu vermitteln?

      Antwort
      1. azzurrodiary

        Hallo Corinna,
        danke für Deine schnelle Antwort 😀 Mein Sohn wird im Juli 5 und meine Tochter ist im Februar 2 geworden. Unsere italienischen Großeltern sind unsere Nachbarn und haben von Anfang an bei der Kinderbetreuung geholfen. (Ich bin selbstständig und habe schon im ersten Lebensjahr beider Kinder wieder stundenweise gearbeitet.) Was mache ich also: Ich habe immer sehr viel gesungen für meine Kinder, als sie Babys waren und auch jetzt noch zum Einschlafen. Ich habe ihnen auch die klassischen Ringelreihen beigebracht: Häschen in der Grube usw. wir haben ein Buch mit den Melodien der bekanntesten Kinderlieder (meine Tochter hatte so eine Phase, aber viel lieber mag sie „Giro, giro tondo…“ :D) Ich habe auch ein paar Bilibri (zweisprachige Kinderbücher, jetzt Teil des Hueber-Verlags). Generell lesen wir viel (ich dt. mein Mann ital.) und wenn vorhanden, haben wir die Bücher in beiden Sprachen, v.a. die Lieblingsbücher. Filme gucken sie nur auf Deutsch, das ist meine Art, einen zweiten “Kanal“ zu schaffen, da ich allein gegen das Italienisch von allen Seiten schlecht ankomme. (Klingt ein wenig negativ, aber so empfinde ich es gerade.) Mein Vater ist selten bei uns zu Besuch (vielleicht 1-2/a) und wir selbst fahren nur einmal im Jahr nach Deutschland, für 2-3 Wochen Urlaub.
        Aber heute ist etwas Lustiges passiert: erster Tag Centro estivo, und nach dem Abholen fängt mein Sohn auf einmal an, mit mir Deutsch zu sprechen! Irre. Hat nicht lange angedauert, aber er hat es versucht und es war richtig gut. Vielleicht brauche ich nur mehr Geduld und muss mir noch ein paar neue Sachen (stärker/anders insistieren, Rituale) überlegen. Am Ende läuft es immer auf Zeit hinaus, oder? (Da mache ich mir ein wenig Vorwürfe, dass ich arbeite. Deswegen fand ich Eure Situation interessant, da Du auch arbeitest.) Das war jetzt ein langer Kommentar 😀 Danke für den Link zu Deinem Artikel, lese ich mir heute Abend durch!
        lg, Stefanie

        Antwort
        1. Corinna Autor

          Ich glaube, du musst wirklich einfach nur Geduld haben und es duchziehen. Für meinen Sohn ist es selbstverständlich, dass ich Deutsch spreche. Er wundert sich, wenn ich Italienisch mit ihm spreche, um z.B. Spielkinder nicht auszugrenzen.

          Antwort
        2. Corinna Autor

          Und, ja, du hast natürlich recht, es kommt auch auf die Zeit an, aber nicht nur. Wenn die Zeit dem Kind wertvoll erscheint, dann bewirkt weniger vielleicht auch mehr. Ich arbeite wirklich oft nachmittags und abends – von Oktober bis Juni eigentlich täglich – meistens komme ich erst um 8 oder halb 9 nach Hause. Da liegt unser Kleiner dann immer noch wartend im Bett, es sei denn er ist total knülle gewesen – und will eine Geschichte hören. Und dafür gibt er mir dann den Rahmen vor. Das ist auch nicht immer leicht, wenn man hungrig wie ein Wolf und müde wie ein Hund ist. 😉 Aber das wirst du ja selbst wissen…

          Gib einfach nicht auf!

          Antwort
        3. Corinna Autor

          Bilibri – Bücher habe ich auch ein paar im Schrank, aber bisher haben wir keins gefunden, was uns wirklich gefällt. Ich finde die Geschichten irgendwie uninspiriert. Was ist dein Eindruck?

          Antwort
  9. athenmosaik

    Das ist schön zu lesen! Vielleicht feiere ich das auch auch noch. Jetzt wird erst mal das Dreijährige fällig. Ganz liebe Grüße aus Athen!

    Antwort

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