Na, was machst du so? – Drittes Coronaviruswochenende

Das war jetzt das dritte Wochenende seit Ämter, Schulen und andere Lehreinrichtungen in ganz Italien geschlossen worden sind. Fast alle Geschäfte außer denen, die Lebensmittel und Presseartikel oder Tabakwaren verkaufen sind seit über einer Woche zu. Banken und Postämter sind ebenfalls weiter geöffnet, aber sie haben ihre Öffnungszeiten eingeschränkt. In Tabakläden darf jeweils nur eine Person eintreten. Auch die anderen Geschäfte kontrollieren den Personenfluss. Am Eingang von Marias Supermarkt muss man jetzt Nummern ziehen. In unserem darf man sich nummernlos, aber gesittet anstellen und den Mindestabstand wahren. Aber eigentlich soll man am besten gar nicht ausgehen.

Die Ausgangssperre wurde mehr und mehr verschärft. Für jemanden der draußen erwischt wird und nicht zur oder von der Arbeit unterwegs ist oder einkaufen geht, wird es teuer – 5000 Euro kostet der Spaß und wird als Straftat gewertet. Auch Tierbesitzer sollen sich mit ihren Haustieren nicht mehr als 200m von der Wohnung entfernen. … und weil Ostern vor der Tür steht, wurde inzwischen hinterher geschoben, dass der Umzug in die Wochenendhäuschen ebenfalls verboten sei.  Wahrscheinlich vermutet man, die Süditaliener könnten dazu verführt werden, dort ihre großen Familien zu vereinen.

Bis vor ein paar Tagen wurde auf den Balkons noch gesungen oder laute Musik gespielt. Dann sollte man eines Abends kollektiv den Rosenkranz beten. Das war das Ende der Balkonaktionen. Stattdessen häuften sich an diesem Wochenende die „Ciao, was machst du so?“ – Whatsapp-Nachrichten.  Ich glaube, inzwischen sind alle Gardinen gewaschen, alle Fenster geputzt, alle Böden gewienert, alle Regale entstaubt, alle Balkonpflanzen umgetopft… die Waschmaschinen füllen sich auch nicht mehr so schnell, wenn man nicht ausgehen muss. Am dritten Wochenende stellt sich so etwas wie Langeweile ein. Aber nicht bei uns.

„Habe gerade eine Eisenbahnstrecke aus Teilen von Ikea und Brio gebaut.“, schreibe ich zurück. Ich muss das so spezifizieren, denn mein Sohn trennt unsere Wohnungen jetzt in verschiedene Welten. In seinem Zimmer befindet sich vor dem Bett die „Thomas“-Welt mit einer Aneinanderreihung seiner Eisenbahnstrecken aus dem Merchandise-Fundus der „Thomas und seine Freunde“-Serie. Auf der anderen Seite ist die „Ikea-Brio“-Welt mit den entsprechenden Spielzeugen. Wenn wir wagemutig werden, dann nehmen wir die Adapterteile und schließen diese beiden Welten zusammen. Doch dann kommt man nicht mehr ungefährdet bis zum Bett durch. Besonders gefährlich ist das, wenn das Kind des nachts nach Mama ruft und diese im Halbschlaf barfuß ins Kinderzimmer tappt. Autsch!

Unsere Wohnstube hingegen ist frei von Zügen. Hier findet man die „Legowelt“, wo diverse Fahrzeuge, Polizisten und Diebe unseren Teppich fest im Griff haben. Das Schlafzimmer ist die Lesewelt. Auf meinem Nachtschrank türmen sich Kinderbücher, dank deren großbuchstabiger Druckweise ich erst gestern, als ich mal wieder ein Manesse-Buch mit Schriftgröße (gefühlt) 5 in der Hand hielt, feststellte, dass ich zu meiner Weitsichtigkeit möglicherweise jetzt auch noch kurzsichtig bin. Augenärzte sind im Moment ebenfalls geschlossen. Aber zur allergrößten Not gibt es den Tiptoi. Geniale Erfindung. Der liest die dazugehörigen Bücher einfach vor.  Wir wären also selbst bei Erblindung nicht zum Rausgehen gezwungen.

Apropos rausgehen. Auf der Terrasse befindet sich im Sandkasten die „Paw Patrol-und – Baufahrzeuge-Welt. Kleine Hunde retten hier kontinuierlich ausgegrabene Schätze vor dem Nuckeldieb, der dank des fortgeschrittenen Alters von Davide nicht mehr nur Nuckel, sondern  auch alles andere diebt. Doch die beste Welt ist die Mamas-Müllecke-Welt. Hier gibt es leere und halbvolle Farbbüchsen, Holzreste, Gemüsekisten und andere Dinge, mit denen Kinder nicht spielen sollten.

Diese umfangreichen Ausführungen passen gewiss nicht in eine Whatsapp-Nachricht. Deshalb haben wir heute viel telefoniert. Mit der Familie und Freunde ist man ohnehin in festerem Kontakt, aber jetzt kommen auch noch die Arbeitskollegen hinzu. Dabei wurde vor allem eins deutlich: wir sehnen uns nach dem Ende der ganzen Misere und wollen unser ganz normales Leben zurück – das, bei dem wir uns unlängst noch darüber beschwerten, dass wir ständig am Samstag arbeiten gehen mussten, während unsere Wohnung verdreckte.

 

 

 

3 Gedanken zu „Na, was machst du so? – Drittes Coronaviruswochenende

    1. Corinna Autor

      *ggg* Das Problem mit den verhinderten Putzfrauen stellt sich hier bestimmt auch Vielen. Aber auf der anderen Seite hat man jetzt genügend Zeit zum selbst putzen.

      Antwort
  1. B

    Und falls Dir die Ideen für D. ausgehen, auf Pinterest gibt es jede Menge Spiel-, Bastelanleitungen usw ….. nur so als Langzeitplanung. Pass auf Dich auf.😀
    Meine Enkelin liebt khanacademy für Kinder. Falls du was für den Computer/Tablet brauchst. Sie ist 4 und lernt jede Menge dadurch.

    Antwort

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