Coronavirus macht fett

Am letzten Samstag fand ich einen Grund, das Haus zu verlassen und nach Bari zu fahren ohne Gefahr zu laufen, mich einer Straftat schuldig zu machen: Ich musste in mein Schulbüro gehen, um ein paar aus Cambridge gesendete Unterlagen zu verwalten. Gut, vielleicht hätte ich nicht gemusst, aber nach 6 Wochen häuslicher Internierung war jeder Grund gut genug.

Erdbeertiramisu – fruchtige Personifizierung des Bösen

Mit 50 Sachen – leider muss man in diesen Tagen immer mit einer Verkehrskontrolle zur Überprüfung der Ausgehmotivation rechnen – raste ich also das nahezu autofreie Lungemare entlang, das Fenster heruntergekurbelt, „All Along the Watchtower“ aus dem Autoradio im Ohr und warmen Fahrtwind im Gesicht…. fast hätte man denken können, es wäre Sommer und das Leben grenzenlos frei. Aber im Kopf und in der Bauchgegend ging mir etwas völlig anderes herum: eine kneifende Jeans. Mit Baucheinnziehen und Luftanhalten hatte ich sie gerade so noch zuknöpfen können.

Geahnt hatte ich es zwar schon, doch die Wochen in Jogginghosen hatten das Problem geschickt kaschiert.  Nun zeigte der samstägliche Ausgang es ohne Gnade:

Coronavirus macht fett!

Wirklich auch das letzte Süßigkeiten- versteck wurde inzwischen geplündert.

Dabei hatte ich in 6 Wochen nur eine Torte gebacken und nicht wie eine Kollegin in den ersten 3 Wochen schon 5 Torten. Das könnte ursächlich auch damit zusammenhängen, dass in unserem Discounter statt wie in Deutschland das Klopapier ausverkauft zu sein bei uns immer mal das Mehl ausverkauft ist. Also habe ich statt weitere Torten zu backen, nur zweimal Erdbeertiramisu gemacht, alle Süßigkeiten von Weihnachten aufgegessen und lediglich das Marzipan aus dem Osterpäckchen meiner Mama verschlungen. Die vier Packungen Kinderriegel sind noch unangerührt. Allerdings war die Pause mit Tee und Keksen, die Davide und ich gegen 10 auf der Terrasse einzunehmen pflegen, früher ebenfalls nicht im Programm.

…und den Nachmittag verbringe ich mit Online-Unterricht vor dem Computer. (Buhä!)

Ricotta-Kuchen: weniger happy, wenn auf den Hüften!

Coronavirus macht also fett. Eine arbeitsbedingtes Online-Meeting meines überwiegend weiblichen Teams, das wegen der Verlängerung der Ausgangssperre in Italien bis mindestens zum 3. Mai in Ermangelung von Neuigkeiten eher einem Treffen von depressiven Haufrauen glich, untermauerte die These. Ein nur zwei Tage vor Ostern gebackener Osterkuchen hatte nicht bis zum gleichnahmigen Fest überlebt. Auch die sonst bis Weihnachten den Kühlschrank vermüllenden Überreste riesiger Schokoeier sind in diesem Jahr kein Problem, sondern überwiegend pur gegessen oder verbacken worden. Außerdem flüchten sich unser einziger Mann und zwei Kolleginnen mit größeren Familien in exzessive Kochorgien und leben virtuell auf Kochblogs.

Ähnliche Nachrichten haben mich inzwischen auch von Eltern aus Davides Kindergartengruppe und aus Deutschland erreicht.

Wie schade, dass eine Freundin nur gescherzt hat, als sie meinte, gerade an einem Diätbuch zu arbeiten, denn ich glaube, es fände reißenden Absatz. Vermutlich wäre es sofort in mehrere Sprachen übersetzt worden.

Zum Glück hat sich meine kneifende Jeans am Samstag noch ein bisschen geweitet, während ich vom Parkplatz zur Schule hastete. Ja, das Wort „hastete“ ist tatsächlich nicht übertrieben. Unter diesen doofen Schutzmasken kann ich wirklich nur schwer atmen. Also wollte ich sie möglichste schnell wieder abnehmen. Außerdem war es geradezu eine Freude, die Beine auszuschütteln und das zu machen, wozu Menschen geboren sind: zu laufen. Ich glaube, wenn das Sportverbot im Freien wieder aufgehoben wird, werde ich eine der Ersten sein, die mit dem Joggen beginnt –  also bitte fahrt vorsichtig und nehmt Rücksicht auf das kleine, blonde Pummelchen mit dem krebsroten Gesicht und der Darth-Vader-Atmung, falls es noch einmal ein Leben nach COVID19 geben sollte. Gesetzt den Fall natürlich, dass ich bis dahin noch durch unsere Tür passe.

32 Gedanken zu „Coronavirus macht fett

        1. Corinna Autor

          Käsekuchen ist der Hit in einem halbdeutschen Haushalt. Allerdings ist es ein Problem, Quark zu bekommen. Gibt’s nur im Lidl und der liegt nicht in unserer Richtung. 😉

          Antwort
  1. Goritschnig Elfriede

    Liebe Corinna! Ganz liebe Grüße aus Österreich-uns geht es auch nicht besser. Mein Mann hat schon ein paar tausend Fotos bearbeitet und archiviert und ich habe schon drei Paar corona Socken gestrickt. mittlerweile schon auf Auftrag.Es kann nur besser werden.
    Liebe Grüße Elfi Goritschnig

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Stricksocken… wie schön! 🙂 Vielleicht kannst du noch ein Geschäft daraus machen, solange wie die Virussituation dauert. 😉

      Antwort
  2. B

    Hallo Corinna, vielleicht hast Du ja Lust bei meinem Projekt mitzumachen. Abnehmen ohne Kalorienzählen, Messen, Wiegen. Es ist nicht aufwendig, preiswert und gesund. Ich würde mich jedenfalls sehr freuen. Liebe Grüße, Barbara
    PS: Ich bin die von kinderunlimited damals😉

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Ich bekomme gar keine Emails mehr von deinem anderen Blog. Hast du den noch? … abgesehen davon… bin mir nicht sicher, ob ich der Typ für so ein Projekt bin.

      Antwort
      1. B

        Den anderen habe ich gelöscht. Ich baue so manches Wissen in meine Briefe oder so mit ein.
        Die meisten machen nicht mit, geben nur ihren ausdrücklich erwünschten Senf dazu. Nur, wenn Du magst, Du hast sicher auch tolle Rezepte.
        Ich werde die Soprano (🤣)Bohnen noch vorstellen. Durch und durch italienisch.

        Antwort
      2. B

        Die Briefe kann man ja auch kommentieren. Kat. und ich haben die Form gewählt, weil das Schreiben leichter ist. Aber wenn Du kein Interesse hast, kann ich das auch verstehen. Ich freue mich jedenfalls sehr, dass Du hier vorbeigeschaut hast und den geplanten Espresso in Bari habe ich nicht vergessen.

        Antwort
        1. Corinna Autor

          Ich sage es mal so: Wir haben vielleicht den grünen Daumen und den Brennnesselbusch im Garten gemeinsam, aber vermutlich nicht die gleiche Art von Humor.

          Antwort
    1. Corinna Autor

      🙂 Dankeschön! Bei dir finde ich aber auch immer interessante Inhalte, die man sonst nirgends liest. So wie Käferregen. (Iiih!)

      Antwort
  3. Tanjas Bunte Welt

    Hihi ich verstehe dich sooo gut und momentan scheint sich bei allen irgendwie alles ums Essen zu drehen. Zum Glück muss ich fast täglich in die Arbeit, wenn auch für kürzer dank Kurzabeit, aber ich bin schon froh die Beine so etwas vertreten zu können. Und es wird sicher ein Leben danach geben, wenn auch etwas anders und mit ein paar Kilos mehr auf den Hüften 😉
    Liebe Grüße und du wärst nicht die einzige mit Schnappatmung und Krebsverbundenheit beim Joggen

    Antwort
  4. Anna C.

    Liebe Corinna, auch als systemrelevante und somit gut beschäftigte Apothekerin…. werden meine Hosen enger. Paß auf dich und euch auf….

    Antwort
  5. rotewelt

    Das Zunehmen schein gerade ein weltweites Phänomen zu sein… 😉
    Ich würde dich gern was fragen, Corinna, da ich aber deine Mailadresse nicht habe, muss ich es hier tun: Gestern gab es je eine neue Corona-Verordnung für Apulien https://www.open.online/2020/04/28/studenti-e-lavoratori-fuorisede-possono-tornare-a-casa-dal-4-maggio-lo-stop-della-puglia-quarantena-per-tutti-oggi-lordinanza/. Darin wird ab dem 4. Mai eine 14tägige vorgeschrieben
    Da steht einerseits „Quarantena per tutti» (also für alle), andererseits “ DAL 4 MAGGIO: OBBLIGO DI QUARANTENA DOMICILIARE DI 14 GIORNI PER CHI RIENTRA DA FUORI REGIONE PER SOGGIORNARE IN PUGLIA. rientrare bedeutet doch zurückkehren, oder? Aber es wird sicher so sein, dass die Grenzen für Touristen aus dem Ausland noch geschlossen bleiben, oder ist dir etwas anderes bekannt? Wir müssen unsere Ferienunterkünfte in Apulien demnächst stornieren (aber wahrscheinlich geht eh kein Flug). Entschuldige bitte meine Off-topic-Frage.

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Du hast recht. Ab dem 4. Mai darf man aus anderen italienischen Regionen wieder nach Apulien reisen, muss sich aber sofort in eine 14tägige, häusliche Quarantäne begeben. Das ist für die Apulier gedacht, die im Norden festsitzen, weil sie nicht mehr nach Hause konnten.

      Ich denke, es ist weise, wenn ihr euren Urlaub storniert. Was man hier bisher so munkelt, ist, dass auch die Italiener während des Sommers ihre Region nicht verlassen, aber vielleicht innerhalb der Region in den Urlaub fahren dürfen. Wir haben unseren apulieninternen Urlaub auch storniert, weil uns „vielleicht“ zu ungenau war.

      Ihr soltet auch bedenken, dass Italien sofort wieder restriktiver wird, sobald sich die Fallzahlen stark erhöhen werden. Im Moment sind Entwicklungen kaum vorherzusagen.

      Antwort
      1. rotewelt

        Liebe Corinna, danke dir für deine Antwort und Einschätzung. Stimmt, man weiß nie, was noch oder weider kommt… Mir wird das Meer fehlen, die Antipasti und alles.

        Antwort
        1. Corinna Autor

          Ich verstehe, was du meinst. Mir wird es mit den brandenburgischen Kiefernwäldern und Mutters Kochkünsten so gehen. Aber in diesem Sommer ist es einfach nicht sinnvoll, Flugreisen zu machen.

          Antwort

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