Auf den Spuren Hannibals

Aus meiner Erfahrung als Geschichte- lehrerin in einem deutschsprachigen Gymnasium war mir die Erinnerung an die punischen Kriege und einen Ort ganz in unserer Nähe, der zu dieser Zeit Weltbedeutung erlangt hatte, geblieben. Unter dem Namen Cannae ging er im Jahr 216 v.u.Z. als Schauplatz einer riesigen Schlacht und schmählichen Niederlage in die römische Geschichte ein. 

Keine Ahnung, wovon ich spreche? Kein Problem. Wir können ja nicht alle eben mal für ein paar Monate so tun, als ob wir Geschichtelehrer seien. Vielleicht lassen es die folgenden Schlagworte klingeln: Hannibal, Elefanten, Alpen. Falls nicht: Die Karthager unter ihrem Heerführer Hannibal wollten so grob um 200 v.u.Z. ein bisschen die Römer aufmischen und kamen mit einem großen Heer und den besagten Elefanten über die Alpen nach Italien. Die armen Tiere starben kurz nach der Alpenüberquerung, aber die Fuß- und Reitertruppen schafften es bis hier herunter in den Süden.

Auf einem 50m hohen Hügel nahe Barletta erhoben sich dereinst die Mauern Cannes in den apulischen Himmel.

Wer in die Nähe von Barletta kommt, kann die Schilder mit der Aufschrift „Canne della Battaglia“ nicht übersehen. Irgendwo hier an der Mündung des wichtigsten und ziemlich einzigen Flusses Apuliens, dem Ofanto, schlug Hannibal die zahlenmäßig weit überlegenen Römer in einer Umfassungsschlacht, die heute noch als Musterbeispiel für gute Kriegsführung unterrichtet wird.

Möglicherweise, weil sie an der Via Traiana unbewacht herumgestanden hätten, wurden einige Meilensteine von dort nach Cannea verfrachtet und hier ausgestellt.

Aufgebaut. Zerstört. Wieder aufgebaut und wieder zerstört…. Im Mittelalter lag es nahe, der Stadt ein Kastel hinzuzufügen.

So genau kann niemand sagen, wo die Schlacht tatsächlich stattgefunden hat, auch weil der Bericht darüber erst gut 70 Jahren nach dem Ereignis verfasst wurde (Quelle: Wikipedia), aber das Städtchen „Cannae“, welche der Schlacht seinen Namen geliehen hat, wurde seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wieder ausgegraben. Seine Mauerreste durchstreift man im Moment maskenfrei, da die meisten Urlauber das Meer bevorzugen, und auch gratis von Mittwoch bis Sonntag. Es liegt auf einem Hügel, der einen weiten Ausblick in die Ebene der Provinz Foggia bietet.

Ein Sakralbau, umgeben vom Friedhof.

Große Schautafeln klären darüber auf, was man in Cannae sehen kann: eine im Schachbrettmuster angelegte, ursprünglich römische Siedlung mit Wohnhäusern und schnurgeraden Straßen. Im Mittelalter wurde die Hügelkuppe mit einer Stadtmauer eingefasst und, wie es sich für einen zünftigen Bischhofssitz gehört, zwei ordentliche Basiliken auf die eine Seite gequetscht. Gleich daneben gibt es eine Nekropole mit spektakulärer Aussicht.  Auf der anderen Seite wurde unter der normannischen und stauferischen Herrschaft eine kleine Festung gebaut.

Das Besucherzentrum beherbergt eine kleine, aber feine Ausstellung zur Siedlungsgeschichte.

Außer normannischen und römischen Spuren hat man auch Zeugnisse aus der Ur- und Frühgeschichte ausgemacht. Von diesen Jahrtausenden der Geschichte erzählt das kleine Besucherzentrum am Fuße des Hügels mit Hilfe der gefundenen Keramikgefäße, Münzen und Statuen. So klein die Stadt auch war, war sie doch strategisch wichtig genug, um in jedem größeren Krieg niedergemacht zu werden: Nach dem Einfall der Ostgoten kaum erholt, metzelten hier die Sarazenen herum. Dann bekämpften sich die Normannen und Byzantiner. Und unter den Anjou hatte Canne seine Bedeutung schon verloren, weil seine Bewohner ab der ersten Jahrtausendwende ins nahe gelegene Barletta abwanderten.

… und die Natur erobert sich auch die Ruinen von Cannae wieder zurück.

Geblieben ist für uns heute ein sehenswertes Monument, in dem man den Atem der Geschichte als leichte Brise vom 9 km entfernten Meer spürt. Mit Fantasie begabte können auch versuchen, sich vorzustellen, wie 50.000 Iberer, Libyer und Gallier unter Hannibal knapp 60.000 Römer einkesseln und die meisten von ihnen niederstrecken.  … und wem das noch nicht genügt, dem sei gesagt, dass man in der unmittelbare Umgebung nur so von einer Ausgrabungsstätte in die nächste stolpert.

 

 

 

 

 

 

 

 

9 Gedanken zu „Auf den Spuren Hannibals

  1. notiznagel

    Danke für den Unterricht in Geschichte. Erkenntnis Müller: anwandeln ist besser als verhackstückt zu werden. Ein schönes Wochenende wünsch ich nach Süd Italien.

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  2. Frank Endler

    Danke für den Ausflug in die Geschichte.Ein schönes Wochenende.
    Bei uns sollen heute 34°C erreicht werden.

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  3. janavar

    Solche Berichte liebe ich und weiß direkt wieder, was ich mit am meisten von Europa vermisse: die großartigen historischen Orte.

    Antwort

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