Weihnachtswahn

Frage: Was macht man, wenn man als Co-Autor oder als großer Fan eines Buches irgendwann feststellt, dass es Schwachstellen in der Handlung gibt, die immer wieder zu Diskussionen um die Qualifikation des Haupthelden als solchen führen?

Antwort: Man redet es sich schön und erlässt ein Dogma, welches die Handlung wieder glättet und die Fans als schon immer so gewesen hinnehmen müssen. Damit es auch wirklich funktioniert, kann man noch eine Strafe bei Widerrede (oder besser noch Widerglauben) einführen und das ganze dann zum Beispiel am 8.Dezember als Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter feiern. Wenn dann nur ein paar Jahre später ein Epilog in Form einer kurzen Halluzinationsgeschichte  veröffentlicht wird, welche zeigt, dass der neue Handlungsstrang von den treuesten Followern angenommen wurde, profitiert gleich noch eine ganze Gegend über Jahrhunderte touristisch vom Hype. Chapeaux, katholische Kirche, chapeaux!

Als Atheist nimmt man in diesem Fall gelassen den Feiertag hin, der in diesem Jahr auch noch einen Brückentag beschert und empfängt seine Familie am 8. Dezember als eine Art Vorfeier der Weihnachtstage. Normalerweise würden wir an diesem Tag auch unseren Weihnachtsbaum und die Wohnung schmücken, aber wie ganz Süditalien sind wir in diesem Jahr mit dem vorweihnachtlichen Aufrüschen unserer Behausung bereits fertig. Dazu gehören 2 Weihnachtsbäume, 4 Weihnachtskalender, sowie alle erzgebirgische Holzkunst, die sich in sämtlichen Weihnachtsdekoration beinhaltenden Kartons finden ließ. Ein klarer Fall von Weihnachtswahn, denke ich.

Glücklicherweise hat das neue Dekret vom 3. Dezember nicht erlaubt, in Einkaufszentren an Feiertagen andere Geschäfte als Lebensmittelgeschäfte zu öffnen. Sonst würden meine Mititaliener sicherlich wie jedes Jahr die Konsumtempel stürmen, um Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Unsere haben wir übrigens längst; die meisten sogar bereits verpackt. Ein weiteres sicheres Anzeichen von Weihnachtswahn.

Was bisher zu kurz gekommen ist, ist das weihnachtliche Backen. Doch dafür haben wir ja jetzt Dank einer im 19. Jahrhundert geglätteten Familiengeschichte ein schönes langes Wochenende! Danke.

14 Gedanken zu „Weihnachtswahn

      1. B

        Das kann ich mir vorstellen 😁 das hat bestimmt Spaß gemacht…..und das Aufräumen dauerte etwas länger als sonst, oder?🙃

        Antwort
          1. B

            Da spricht die erfahrene Mutter von Söhnen. Tipp: wenn beim Knusperhäuschenbacken eines aussieht, als ob es zusammengebrochen ist und man Dir antwortet, ein Flugzeug ist drauf gelandet, weißt Du, dass er zu alt dafür ist.😂

            Antwort
  1. afrikafrau

    Ein etwas ruhigeres, nicht gestresstes Fest, ohne großen Aufwand kann genau so schön sein.
    Nicht an Corona ( Wahn) denken, wenn möglich. Ohne Zahlenreihen usw. Nein an Weihnachten dieses Jahr besinnlicher, geht doch. Viele gute Wünsche schenke ich euch und ein Lächeln.

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Dankeschön! Wir versuchen den anderen Wahn auszublenden. Inzwischen geht es ganz gut. Wir haben uns an das begrenzte Sozialleben sowie das veränderte Ausgehverhalten gewöhnt und denken voraus bis zum nächsten Sommer, in dem hoffentlich alles wieder normaler sein wird.

      Antwort

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