Onkel Paul der hat ’ne Farm

Der Nationalpark „Alta Murgia“ umfasst ca. 68.000 Hektar Apuliens zwischen Santeramo in Colle im Süden, Andria im Norden, Spinazzola im Westen und Bitonto im Osten. Natürlich bietet ein so rieisges Gebiet jede Menge kulturelle Highlights; angefangen bei archäologischen Sehenswürdigkeiten wie dem berühmten Skeletts des Manns von Altamura, über architektonische wie dem mysteriösen Castel del Monte bishin zu einem landschaftlichen Mosaik aus Anbauflächen für Getreide, Oliven und Wein, sowie Laub- oder Nadelwäldern und steppenartigem Weideland. Außerdem gibt es sehenswerte Altstädte mit Kathedralen, kleineren Kirchen, Festungen, super Ausblicken und Restaurants, in denen man gut und gerne mal drei bis vier Stunden zu Mittag ist.

Hier im apulischen Hinterland befinden sich auch Gehöfte, die oftmals einer kleinen Festung gleichen, wie wir beim Torre del Tuono auf dem „Pflanzen- und Blumenweg“ zwischen Terlizzi und Bitonto schon gesehen haben. Manche sind so weit ab vom Schuss, dass sie gar ein eigenes Kirchlein umfassen. Schon immer wollte ich so eine „Masseria“, wie diese Großbauernhöfe hier heißen, sehen. Da bot es sich an, dass Freunde von uns vorschlugen, eine Nacht in einer „Masseria didattica“ – also auf einem Bauernhof mit Erklärungen zur Vieh- und Pflanzenzucht – zu verbringen. Außerdem wollten sie dort auch unbedingt essen, denn viele dieser Bauernhöfe offrieren hausgemachte Spezialitäten. Glücklicherweise suchten sie eine schöne Masseria in der Nähe Minervinos aus, wo außerdem noch eine Höhlenkirche auf Erkundung wartete.

Es gibt sicher komfortablere Masserien. Manche verfügen sogar über einen Swimming Pool. Den gibt es bei Revenaldis nicht. Auch die Zimmer sind eher zweckmäßig als komfortabel und nur zum Schlafen gedacht. Diese Masseria hingegen hat das Herz Davides und seiner Freundin Laura vor allem Dank ihres ältesten Sohns Vito gewonnen, der mit einer Riesengeduld mit ihnen das Geflügel fütterte und es zum Streicheln einfing, sie auf einem Pferd herumführte und mit seiner Drohne spielen ließ. Seine Mutter hingegen erklärte mir, dass tatsächlich Schwalben zum Trinken in die Zisterne einfliegen, und wie früher die Schafe gemolken wurden. Die Tiere auf diesem Bauernhof sind beneidenswert frei. So laufen die Pferde beispielsweise frühmorgens einfach von ihrer Weide am Haus irgendwohin in die Murgia und kommen am späten Nachmittag von selbst wieder zurück. Auch diverse (umgängliche) Hunde kamen und gingen wie sie wollten. Es versteht sich, dass sich der Straßenverkehr sich in dieser Gegend in Grenzen hält.

Am Abend genossen wir im Hof der Masseria ein üppiges Essen mit zahlreichen Vorspeisen, Pasta und Fleisch vom Grill. Zum Frühstück gab es mindestens 4 verschiedene selbstgebackene Kuchen, Hörnchen, Kaffee (natürlich) aber auch frische Schafsmilch zum Probieren und Zabbaione aus superfrischen Hühnereiern.

Solltet ihr so ein Wochenende ausprobieren wollen, dann sei gesagt, dass es in vielen Punkten der Murgia keinen Handyempfang gibt. Hier kann mal also mal komplett abschalten – im wahrsten Sinne des Wortes.

10 Gedanken zu „Onkel Paul der hat ’ne Farm

  1. Friederike H.

    Fast paradiesisch dürfte es dort sein und für Kinder ist Landleben mit Tieren sowieso fast immer das schönste, finde ich. Kein Handyempfang und kein Internet, daran muss man bzw. eher die Jugend sich erst gewöhnen 😉
    Wir genießen das auch jedes Jahr im Sommerurlaub auf einer Alm in den Bergen.
    lg

    Antwort
  2. afrikafrau

    Wow einfach Super – klingt nach Idylle, ist es nicht, aber eine Leistung was da erbracht wird,in heutigen Zeiten – Respekt-
    den Kinder vorzuführen, wie es auch anders sein kann.

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Ja, Bauernhof ist echte Arbeit. Aber ich glaube schon, dass es glücklich macht, wenn man mit Herzblut dabei ist. Ich persönlich könnte es mir vorstellen, aber ich habe mir leider ein echtes Stadtkind ausgesucht.

      Antwort
  3. gerlintpetrazamonesh

    Ferien auf dem Bauernhof… Herrlich, gerade mit Kindern! Ich erinnere mich auch noch (mit unseren Kindern haben wir das kaum gemacht – wir haben hier reichlich Höfe und Bekannte und die Kinder hatten ihre Freunde auf diversen Bauernhöfen und haben da die wildesten Dinge veranstaltet, zum Glück haben wir nicht alles mitbekommen) an meine Kindheit. Das erste Foto von mir auf einem (stehenden, die Erwachsenen haben der Sache wohl nicht getraut) Traktor, alles noch Schwarzweiß, versteht sich, das erste Mal auf dem Plumpsklo (mich gruselte), unter Kühen, Braunvieh vom alten Schlag, wenn ich das richtig interpretiere, bimmelnde Kuhglocken (auf der Alm kein Luxus, man muß die Rinder auch wiederfinden können) und der Versuch, Milch aus dem Tier zu gewinnen…

    Antwort
    1. Corinna Autor

      Vielen Dank für das Teilen dieser schönen Erinnerungen! Ich bin auf dem Land aufgewachsenen, aber so richtig Bauernhof war das auch schon nicht mehr. Ich erinnere mich auch dunkel an ein Plumpsklo, aber ich weiß nicht mehr, wo das gewesen sein soll. Muss mal Mama fragen. 🙂

      Alles Liebe! Corinna

      Antwort

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