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Tierschau im Nationalpark Gargano

Wer hier häufiger mitliest, hat sicher festgestellt, dass ich von all den schönen Gegenden in Apulien den Gargano am meisten mag. Als Halbinsel bildet er den Sporn des italienischen Stiefels und bietet neben flachen Sandstränden mit kristallklarem Wasser auch ein einzigartiges, bergiges Landschaftsschutzgebiet.

Zentrum dieses Naturparks ist der Foresta Umbra („Schattiger Wald“). Diese grüne Lunge des Gargano wird dominiert von Buchenwäldern mit dichtem Unterholz, deren stolzeste Exemplare Rekorde wie das Alter von über 700 Jahren oder einen Stammumfang von 5 Metern vorweisen können. Manche Kiefern zeigen noch Spuren der Harzgewinnung.

Von einem künstlich angelegten See, der diese Bezeichnung angesichts des brackigen Tümpels, den er mindestens Ende Mai darstellt, eigentlich nicht verdient hat, gehen auf 800 Metern Höhe 14 Wanderwege ab, die man allerdings mit bewegungsfreudigeren Menschen beschreiten sollte als mit meinen Männern. Für unseren Sohn war der Spaziergang vom Parkplatz am Dammwildgehege bis zum See bereits ausreichend. Allerdings muss ich zu Davides Verteidung gestehen, dass die engen Serpentinen und der Ausblick aus dem Autofenster in Schluchten, die wir in Bari einfach nicht gewöhnt sind, dazu geführt haben, dass ihm nicht nur übel wurde, sondern wir auch das Auto putzen mussten. Also vielleicht besser ein paar Papiertüten einstecken, wenn man einen empfindlichen Magen hat.

Ich fühlte mich oben auf dem Berg angekommen jedenfalls wie zu Hause und stark an unsere brandenburgischen Buchen und Kiefernwälder erinnert. Die können natürlich vom Alter her nicht mithalten, aber dafür braucht man keine Stunde, um 50 km hinter sich zu bringen, wenn man von einem Ort zum anderen will.

Doch auch Davide hatte den unliebsamen Vorfall im Auto sofort wieder vergessen, als er nach einem Picknick an einem der extra zu diesem Zweck dort vorhandenen Tischchen der vielen Schildkröten ansichtig wurde, die sich am Seeufer sonnten. Am liebsten hätter er eine eingesteckt – aber das ist ein anderes Drama.

Was ich am Gargano jedoch tatsächlich am besten finde, ist, dass man buchstäblich überall über Tiere stolpert. Hier lümmeln Kühe unter schattigen Wipfeln. Da passt ein Hirtenhund auf, dass man beim Fotografieren seinen Ziegen nicht zu Nahe kommt. Und wieder auf einer anderen Stelle pirschen Ponys durch einen Olivenhain. Und wer ganz nach unten schaut, der kann auch Marienkäfer auf Gänseblümchenwiesen entdecken.

Also auf dem Gargano kann man alles: baden, wandern, mountainbiken, fotografieren, seine Fahrkünste trainieren oder einfach nur die Seele baumeln lassen und dem Gesang der Vögel zuhören. Keine Frage, dass wir wiederkommen werden.