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Viel Spaß beim Amt

Gestern war Nikolaustag und, obwohl es in Italien die Tradition mit dem Stiefel und den Nikolausgeschenken nicht gibt, fühle ich mich ganz so, als hätte ich doch eines erhalten. Und das kam so: Der Plan, Ende September nach Deutschland zurückzukehren und Arbeitslosengeld zu beantragen, falls ich noch keinen Job gefunden haben würde, wurde durch die nur langsam voranschreitenden Entwicklungen in Sachen „Mission Traumwohnung“ vereitelt. Da ich es auch für wenig sinnvoll hielt, mich in Deutschland aufzuhalten, während mein beste Freundin ohne mich Bari und Umgebung unsicher macht, bin ich also erst im November beim Arbeitsamt meines Heimatortes aufgeschlagen. Nach einer Woche Wartezeit bin ich den freundlichen Beamten an sechs von zehn Arbeitstagen persönlich, schriftlich oder telefonisch auf die Nerven gefallen, bis ich nicht nur Arbeitslosengeld sondern auch die Erlaubnis erhalten hatte, es für sechs Monate ins Ausland „mitzunehmen“ (sprich: es weiterhin gezahlt zu bekommen auch, wenn man dem deutschen Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung steht). Dafür bekommt man ein Dokument namens PD U2, welches man beim Arbeitsamt in dem Staat vorlegen muss, in dem man Arbeit sucht. Ich weiß gar nicht, wie oft ich den unterschiedlichen Ansprechpartnern erklären musste, wo Apulien liegt, warum ich ohne einen Job zu haben, meinen Arbeitsplatz gekündigt habe, und, warum ich es so eilig hätte, wieder zurückzukehren, wo ich doch nun bereits Arbeitslosengeld beziehen würde. Ja, ich kam mir mehrmals ganz schön blöd vor; unter anderem auch, weil mein Betreuer trotz des tagelangen Nebels so gute Laune hatte, als wäre er auf Drogen gewesen. Doch: Ende gut, alles gut.

An dieser Stelle eine zerknirschte Entschuldigung an all diejenigen, bei denen ich in dieser Zeit nicht vorbeigekommen bin. Autolos ist man auf dem platten Land ziemlich aufgeschmissen und so hat die knappe Zeit neben saisonalen häuslichen Betätigungen wie exzessivem Laubharken, Blumengartengärtnern oder Plätzchenbacken kaum zu mehr ausgereicht, als die engste Familie und die engsten Freunde zu besuchen.

Inzwischen habe ich mein „Portable Document U2“ einem Beamten im Arbeitsamt von Triggiano unter die Nase gehalten, der nicht so recht wusste, was er damit anfangen sollte – zumal er kein Deutsch sprach. Er hat mir dann trotzdem zwei italienische Dokumente ausgedruckt, von denen das erste bezeugt, dass ich mich innerhalb des vorgeschriebenen Zeitraums beim Arbeitsamt vor Ort gemeldet habe. Das zweite bestätigt, dass ich zur Vermittlung uneingeschränkt zur Verfügung stehe. Was jedoch seelisch und moralisch wertvoller ist, als diese zwei Zettel, die Luigi vermutlich gerade an die zuständige Beamtin im deutschen Arbeitsamt faxt, ist die Tatsache, dass dieser Mann es unverständlich fand, dass im hiesigen Amt noch nichts unternommen wurde, mich zu vermitteln, obwohl ich schon seit Ende Juni gemeldet bin. Ich habe es unterlassen wiederzugeben, was mir im Sommer gesagt wurde – in etwa, dass sie für Leute mit Studienabschlüssen ohnehin keine Arbeitsstellen hätten – und mich darüber gefreut, dass ich am Montag zu einem ausführlichen Gespräch vorbeikommen darf. Das war doch mal ein Wort, und bis Montag kann ich mich auch sehr gut gedulden.