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Kurioses aus dem Krankenhaus IV – Intelligent mit klassischer Musik

„Du musst deinem Sohn klassische Musik vorspielen!“ erklärt mir meine Zimmerkollegin und zieht die plärrige Spieluhr am Kinderbettchen ihrer Tochter auf. „Beethoven, weißt du.“ Erneut erklingen einige, sich scheinbar endlos wiederholende Takte der „Kleinen Nachtmusik“. Das ist zwar kein Beethoven, jedoch äußerst nervtötend und ich wundere mich, dass die Zwillinge nicht mindestens greinend protestieren. Vielleicht haben Babys am zweiten Tag nach ihrer Geburt noch kein ausgeprägtes Hörvermögen.

„Magst du denn klassische Musik?“ frage ich und versuche die Spieluhr zu ignorieren. Bisher kam mir meine Bettnachbarin nicht wie ein Kulturfreak vor.

„Entschuldige, aber wer mag heute schon klassische Musik?“ Offensichtlich handelt es sich um eine rhetorische Frage, denn sofort erklärt sie mir mit verschwörerischer Mine: „Aber man hat herausgefunden, dass sie Babys intelligenter macht. Hier die ‚Kleine Nachtmusik‘ von Beethoven zum Beispiel.“ Wieder zieht sie die Schnur an dem gelblichen Plastikmond nach unten.

„Entschuldige,“ wende ich ein, „aber die ‚Nachtmusik‘ ist von Mozart.“

„Be, klar!“, entgegnet sie. „Findest du es nicht außergewöhnlich, dass er so etwas geschrieben hat, obwohl er taub war?“

„Der Taube war Beethoven. Mozart ist der aus dem Film ‚Amadeus‘. Vielleicht hast du den mal gesehen.“ versuche ich es auf einem Anfängerniveau. – „Wo Mama nur mit dem Kaffee bleibt…?!“, wechselt meine Zimmerkollegin das Thema und sieht mir direkt in die Augen. Ich verstumme sofort. Wenn Blicke töten könnten, dann wäre ich jetzt mindestens ernsthaft verletzt.