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Billy und die Ewigkeit

Nachdem ich über Ostern das diesjährige, regnerische Apulienwetter ausgesetzt hatte und nach Deutschland geflüchtet war, sollte es nach Ostern in Sachen „Mission Traumwohnung“ weitergehen; und zwar beim Projekt „Inneneinrichtung“. In Erwartung meiner mit einer Spedition eintreffenden Bücher (und anderen Habseligkeiten) mussten weitere Bücherregale her. Gar kein Problem – so dachten wir, denn wir hatten uns nach unserem Einzug schnell dazu entschieden, unser Wohnzimmer beim ersten Mal mit dem fast beliebig erweiterbaren, kostengünstigen Billy-Regalsystem auszustatten, das eine allseits bekannte, schwedische Möbelkette schon seit Jahrzehnten produzierte und wohl noch ewig produzieren würde, so dass kein Eile hinsichtlich der Komplettierung des Projekts bestünde. Außerdem sollten sich auf diese Art die Kosten über einen längeren Zeitraum hinweg verteilen und die Anschaffungsmomente beliebig nach der Notwendigkeit gewählt werden können. So der Plan aus den Tagen unseres Einzugs.

Nun machten wir uns also an einem Samstagmorgen relativ zeitig auf, um im Möbelhaus zu frühstücken und danach die Billy-Regalisierung des Wohnzimmers fortzuführen. Bis zum Früstück lief auch noch alles nach Plan. Dann stellten wir fest, dass der Regalwunsch Nummer 1 nicht im Selbstabholungsbereich vorhanden war. „Wird bald geliefert.“, rief ein uns ein vorbeieilender Mitarbeiter zu. Na, ja. Schade, aber wohl nichts zu machen. Wir schoben also weiter an den Regalreihen mit Möbelteilen entlang und wunderten uns dabei nur mäßig, dass die sonst so üppigen Stapel deutlich kleiner ausfielen, weil das meiste deutlich reduziert war. Also packten wir bei der Gelegenheit neben anderen Teilen auch noch zwei Türen ein, die eigentlich nicht im Plan gewesen waren und zogen von dannen.

Mit unseren Teilen zu Hause angekommen, sah sich Luigi die Internetseite an und fand auch dort das im Geschäft nicht vorhandene, etwas tiefere Wunschregal ausverkauft. „Wie jetzt? Ausverkauft. Billy ausverkauft sich doch nicht.“, sagte ich irritiert. Also suchte Luigi im italienischen Web nach einem Hinweis auf Produktionsprobleme bei Ikea. Doch er fand nichts. „Geh‘ doch mal auf die deutsche Seite!“, meinte ich dann und schob ihn zur Seite. „Vielleicht steht dort etwas.“ … und richtig: „Ab August wird Billy noch besser. Gleiches Design. Neue Farben. Und die alten Oberflächen unterscheiden sich dann von den neuen.“, übersetzte ich in etwa, während Luigi mich irgendwie fassungslos anzustarren begann. Als könnte er meiner Übersetzung nicht trauen, versuchter er die gleiche Information auf der italienischen Seite zu finden, aber es gelang ihm nicht. Der Grund war sicherlich nicht mangelnde Fähigkeit.

So lernten wir: Manchmal ist die Ewigkeit deutlich kürzer, als man annimmt, und besser ist nicht immer besser für jeden.

Was also tun? Die neu gekauften Teile zurückbringen und auf das überarbeitete Billydesign warten? Aber würden die bereits angeschafften Billys mit dem neuen Design harmonieren? Sollten wir sie vielleicht gar dem Sperrmüll zuführen müssen? Wohin mit den Büchern die in wenigen Tagen ankommen sollten? Wollten wir wirklich schon wieder monatelang mit Kartonbergen zusammenleben? Oder wäre es klüger, jetzt zuzuschlagen und die Rabattierungen auf das Altbewährte (mit allen bekannten Vorzügen und Mängeln) mitzunehmen? Eine schnelle Projektierung des restlichen Regals, dann ein wenig Mathematik und wir stellten fest, dass wir uns nach einer Kompletteinrichtung mal wieder am Rand der schwarzen Null bewegen würden.

„Mhm, vielleicht könnten wir vorerst auf die Türen verzichten.“, schlug ich vor. „Selbst wenn die neuen Oberflächen anders sind, dann nehmen wir eben etwas total Kontrastierendes und sagen, das ist moderne Kunst oder so.“ Luigis Begeisterung hielt sich in Grenzen und damit gingen wir nahtlos von der Schreckens- in die Jammerphase über: Musste Ikea ausgerechnet jetzt sein Regal verbessern!? Wäre bis 2013 nicht genug Zeit dazu gewesen? Und würde nach 2014 nicht auch noch genug Zeit dafür übrig sein?

Die Frage der modernen Kunst hätte zu einem Problem werden können. Doch sie wurde uns schon am Nachmittag aus der Hand genommen, denn als wir erneut in den Ikea fuhren, um die nunmehr zweite Fuhre aller vor Ort erhältlichen Teile; die uns fehlten, zu kaufen und wir einen Mitarbeiter mit unserem Wissen vom neuen Billy konfrontierten, erklärte er uns, dass die neuen Scharniere nicht mehr mit dem alten System kompatibel sein würden. Gnade ihm Gott, wenn er gelogen haben sollte! Denn nach insgesamt vier Fahrten in den Ikea und einer Bestellung im Internet sind wir nicht nur mal wieder Pleite, sondern haben auch im Akkord aufgebaut und somit die Wohnzimmereinrichtung fast komplettiert.

… und meine Bücher stehen auch schon drin. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.