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Im Vespa-Nest

Denkt man an Italien, dann denkt man nicht nur an das Meer, die leckere Pizza oder andere kulinarische Köstlichkeiten, sondern auch an die allgegenwärtigen, kleinen Motorroller namens Vespa. Vor allem jetzt im Sommer brausen sie tatsächlich wie Wespenschwärme durch die Stadt. Dabei sind sie nicht nur bei Jugendlichen, sondern vor allem bei den älteren Generationen beliebt, die mit ihrer Vespa Erinnerungen an unendlich scheinende Sommer, Fahrten ans Meer und die erste Liebe verbinden.

Dabei ist die Geschichte des flotten Flitzers eng mit der Nachkriegsentwicklung in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts verbunden. Erstmalig 1946 produziert, erlebte die Vespa schnell einen Boom und man wurde auf Wartelisten gesetzt, um einen der Roller zu bekommen. Der Schwarzmarkt florierte mit bis zu doppelt so hohen Preisen. An die katastrophalen Straßenverhältnisse der Nachkriegszeit erinnern vor allem die Modelle, an denen ein Ersatzrad befestigt werden konnte. Weltberühmt wurde das Fahrzeug 1953, als die blutjunge Audrey Hepburn und Gregory Peck in der romantischen Komödie „Ein Herz und eine Krone“ auf einer Vespa durch Rom rollten. Bis heute erfreut sich DAS italienische Fahrzeug schlechthin einer ungebrochenen Beliebtheit, so dass zum 70jährigen Jubiläum im letzten Jahr eine Sonderedition herausgebracht wurde (mehr zur Geschichte auf vespa.com)

Kein Wunder also, dass sich Vespafreunde aus ganz Apulien am letzten Wochenende nach Ceglie Messapica aufgemacht haben, wo ein nationales Vespatreffen stattgefunden hat. Unter einem strahlend blauen Himmel drängten sich die auf Hochglanz polierten Roller unter dem Uhrenturm von Ceglie dicht an dicht. Es schien als habe jeder regionale Vespa-Club im Umkreis von zwei Stunden eine Abordnung geschickt, denn neben Oria, Lecce oder Canosa waren auch Roller aus Bari vertreten, wie man den Vereinsschildern entnehmen konnte.

Den ganzen Tag lang wurde gestaunt, gefachsimpelt und viel fotografiert. Längst ist das Vespalogo nicht mehr nur auf den Motorrollern zu finden. Vespa-Shirts, Helme, Taschen, Portemonnaies, Schlüsselanhänger – der Merchandise ist so vielfältig wie die Roller-Modelle und wer ein Geschenk für vom Vespa-Virus befallene Freunde suchte, wurde garantiert fündig. Die kleine Stadt Ceglie, die sich zwischen einigen der schönsten apulischen Städtchen wie Ostuni, Cisternino und Locorotondo auf einem Berg erhebt, bot zudem einen tollen Rahmen für die Veranstaltung.

Doch man muss nicht bis nach Apulien kommen, um Vespas zu bestaunen. In Celle starten übermorgen die „Vespa World Days Germany 2017“ (22.-25.6.2017). Noch habt ihr also ein paar Tage Zeit, um einen Ausflug zu planen.

Die schönsten Orte Italiens – Cisternino

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Begrünte Gassen

ALIM0222Von Bari aus der Staatsstraße Nr. 16 in Richtung Ostuni folgend erreicht man in etwa einer Autostunde einen der schönsten Orte Italiens – Cisternino. Dabei handelt es sich nicht (allein) um meine persönliche Einschätzung sondern tatsächlich um einen offiziellen Titel, mit dem sich nur 100 Gemeinden in ganz Italien schmücken dürfen. Das kleine Städchen Cisternino, das gemeinsam mit Locorotondo und Martina Franca das Itria-Tal begrenzt, hat sich diesen Titel wahrlich verdient.

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Rathausplatz in Cisternino

TalblickAuf den Ruinen der römischen Stadt „Sturnium“ ab dem Mittelalter neu erbaut leuchtet von einem Hügel aus das helle Weiß der gekalkten Häuser aus dem tiefen Grün des Trulli-Tals heraus. Die hohen, schmalen und vor allem blitzblank geputzten Gassen laden zu einem Spaziergang ein. Im Sommer räumen Restaurants ihre Tische nach draußen und auch auf dem zentralen Platz vor dem Rathaus werden die zahlreichen Touristen bewirtet. Immer wieder eröffnet sich zwischen den Häusern der Blick in das Tal.

Die Mutterkirche von Cisternino - San Nicola

Die Mutterkirche von Cisternino – San Nicola

Diese romantische Umgebung und die obligatorische San-Nicola-Kirche machen die kleine Stadt zu einem Hochzeitsparadies. Und auch die Stauferliebhaber, die in Apulien fast überall auf ihre Kosten kommen, können sich in Cisternino ihrem Lieblingskaiser Friedrich II ein Stück näher fühlen. Einer Legende nach soll der Staufer dereinst auf einem Ritt durch Cisternino die Nacht mit einem Mädchen des

Hochzeitsmobil

Hochzeitsmobil

Ortes verbracht haben. Zufällig wurde zu dieser Zeit gerade die Kirche „San Nicola“ gebaut und so vermutete man, dass zwei in Stein gehauene Gesichter in einem der Kirchenkapitels Friedrich und seine Geliebte darstellen (siehe auch Rossano Astremo: 101 storie sulla Puglia che non ti hanno mai raccontato).

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Charakteristische Außentreppe

Wir verbringen im Sommer häufig ein paar Nachmittagsstunden Eis essend durch die bezaubernde Stadt schlendernd und von einem der Aussichtspunkte den Blick über das Itria-Tal genießend. Im kühlen Schatten der Bäume wird man langsam von der frühnachmittäglichen Trägheit der Stadt überwältigt und kann nicht anders, als matt den Alten zuzusehen, die sich dort bei einem Brunnen zu einem Spiel zusammenfinden, bei dem sie Münzen möglichst nah an eine andere Münze heranwerfen.

Cisternino 2Vor einigen Jahren gelangte das Städtchen zu unverhoffter Aufmerksamkeit als eine dort ansässige Sekte behauptete, dieser Ort allein sei vor dem Weltuntergang sicher. Nun kenne ich mich mit Weltuntergängen zwar nicht so gut aus, aber immerhin kann ich mit Sicherheit sagen: Sollte die Welt tatsächlich irgendwann untergehen, hätte es Cisternino definitiv verdient, stehen zu bleiben.

Berlusconi und der Weltuntergang (Reprise) und Weihnachtsgrüße

Zwei erfreuliche Dinge von europa- bzw. weltweiter Bedeutung sind kurz vor Weihnachten also doch noch passiert: Erstens hat die Menschheit gestern den 183. prognostizierten Weltuntergang seit Ende des römischen Reiches überlebt – und das nicht nur in Cisternino oder im Itriatal. Und zweitens hat Supersilvio vor ein paar Tagen seine Kandidatur zurückgezogen, denn mit dem Mario spielt er nicht. Der böse Monti tut sich nämlich immer mit den anderen Jungs zusammen und ärgert ihn. Darauf hat der Silvio jetzt einfach keinen Bock mehr.

Der Rückzug der Kandidatur Berlusconis wurde nicht ganz so publikumswirksam gefeiert wie das Weltenende in Cisternino, wo sich am Abend des 20.12. zum groß aufgezogenen „Fest der letzten Nacht der Welt“ 3000 Besucher einfanden, um dem Untergang in recht fröhlicher Stimmung entgegenzusehen. Die Geschäfte und Kirchen hatten die ganze Nacht geöffnet. Musik und Aufführungen unterhielten die Gäste des völlig überlaufenen 12.000-Einwohner-Städtchens. Am gestrigen Tage kamen vermutlich noch wesentlich mehr als die im Voraus geschätzten 5000 Besucher, welche sich in der Stadt und besonders auf dem Weihnachtsmarkt mit Musik, Tanz und Spezialitäten der Region vor dem Untergang verstecken wollten. Letztendlich sah man sich sogar gezwungen, Cisternino kurzerhand zu schließen und niemanden mehr hineinzulassen.

Settimo Catalano, der Präsident der religiösen Vereinigung ist inzwischen dazu übergegangen zu verbreiten, dass sein Meister dergleichen nie gesagt habe, aber immerhin haben die Anhänger des Babaji dafür gesorgt, dass man sich in Cisternino an den 21.12.12 noch für sehr, sehr lange Zeit erinnern wird.

So reiht sich der soeben überlebte Weltuntergang still und leise in die Reihe aller großen Events ein, die heute dazu dienen sollen, den Menschen zum Konsum zu verführen. In diesem Sinne könnte ich jetzt „Frohe Weihnachten“ wünschen. Aber seien wir nicht zynisch! Der Weltuntergang und auch Weihnachten sollten uns nicht nur den Interessen der Wirtschaft folgen, sondern auch darüber nachdenken lassen, was für uns im Leben wichtig ist. Daher an dieser Stelle viele liebe Grüße an meine Familie und alle Freunde in Deutschland und im Rest der Welt! Euch aber auch allen anderen Bloglesern wünsche ich ein schönes und friedliches Weihnachtsfest im Kreise derer, die euch nahestehen!

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Berlusconi und der Weltuntergang

Spätestens seit der Kandidatur Berlusconis als zukünftiger „Wieder-Ministerpräsidente“ Italiens dürfte es allen klar sein: das viel belächelte Ende der Welt ist wahrscheinlicher geworden. Gut, vielleicht läutet die Kandidatur des Cavaliere auch nur das Ende Europas ein, aber während der gemeine Italiener noch hoffen darf, dass sich eine Wahlentscheidung mit dem prognostizierten Weltuntergang am 21.12. erledigt haben wird, müssen sich die Bewohner des Itriatals tatsächlich intensiver mit dem Gedanken an die zukünftige Wahl auseinandersetzen, denn die Region um Cisternino, Martina Franca und Ostuni wird mit Sicherheit vom Weltuntergang verschont bleiben. Das sagen jedenfalls die Anhänger des indischen spirituellen Lehrers Babaji (seinerseits immerhin eine Manifestation Gottes in Menschengestalt), welche sich Ende der 70er Jahre mit ihrem Ashram in Cisternino niedergelassen haben und kürzlich ihre Auslegung der Mayaprophezeiung verkündeten. Da diese Nachricht seit ein paar Tagen emsig von der Tagespresse verbreitet wird, wird später auch niemand sagen können, er habe nicht gewusst, dass man in Apulien sicher sei, und sich deshalb keine Gedanken um die Wahl des Ministerpräsidenten gemacht.

Den Bürgermeister von Cisternino freut der ganze Rummel, denn nach der ähnlich lukrativen Hochzeitsfeier von Justin Timberlake und Jessica Biel in der Nähe von Fasano, sind die Hotels und Herbergen dieses kleinen Stücks Apuliens nun zum zweiten Mal im Jahr gut gebucht. Ich persönlich halte recht wenig von dem ganzen Weltuntergangsgefasel und habe mich eigentlich der Theorie verschrieben, dass nach Ablaufen des aktuellen Mayakalenders ganz einfach die neue Edition gekommen wäre, wenn es die Mayas noch geben würde. Aber um ganz sicher zu gehen, finde ich, dass man die gebotenen Chancen auch nutzen sollte. Daher habe ich Luigi vorgeschlagen, für ein paar Tage ins Sommerhäuschen nach Ostuni umzuziehen. „Bist du verrückt?“, meinte er daraufhin entgeistert und blickte mich an, als würde tatsächlich die Welt untergehen. „In Ostuni kann es schneien. Da kriegen mich im Winter keine zehn Pferde hin!“

(Ich hoffe bloß, dass das keine Ausrede war, weil er nicht weiß, wen er wählen soll.)

Wie die Sache mit dem Weltuntergang ausgegangen ist, kann man hier nachlesen.