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Gegen das Kind – Neues Projekt aus Holzpaletten

Nach dem Abschluss des letzten Terrassenprojektes – einer fahrbaren Mülleimerumzäunung – haben wir unser nächstes Palettenprojekt in Angriff genommen. Dieses hat ursächlich damit zu tun, dass Davide inzwischen so mobil und abenteuerlustig ist, dass wir seinen Bewegungsraum auf der Terrasse unseren Nerven zuliebe einschränken müssen.

Daher haben wir überlegt, gut die Hälfte der Terrasse mit einem Zaun abzuriegeln, so dass die Kaktusecke nicht mehr zugänglich ist und der liebe Filius auch nicht einfach um die Wohnungsecke aus der elterlichen Sicht verschwinden kann. Ein einfacher Zaun aus dem Baumarkt, den man an der Ballustrade und der Hauswand hätte festmachen können, hätte es sicher auch getan, aber mir schwebte ein mobiler Zaun vor, für den man keine Löcher zu bohren brauchte, die später nur die Wände verunzieren würden.

Da ein Zaunfeld jedoch nicht von selbst steht und ich generell schnell dabei bin, einen neuen Blumenkübel zu bepflanzen, lag es nahe, beides zu verbinden. Daher steht jetzt schon das erste Blumenkübeluntersetzerzaunfeld an seinem vorherbestimmten Ort. Es sieht noch ein wenig verloren aus, aber der schulfreie Juli kommt und dann wird das Projekt komplettiert.

Die Tomaten fühlen sich wohl in ihrem Zaunkübel.

Suchen und Finden

Mein neuer Freund – das Schleifgerät

In unserem Traumwohnungspalazzo ist es ruhig. Sehr ruhig. Zu ruhig. Man könnte fast glauben, dass wir in einem Sanatorium lebten, wenn nicht die Nachbarskinder unter uns an Wochenenden gelegentlich auf Töpfen und Plasteeimern Trommelkonzerte spielten, bis den sehr leidensfähigen Eltern der Kragen platzt und die Künstler niedergebrüllt werden. Darüber hinaus wird die Sanatoriumsruhe nur von einer einzigen anderen Person gestört und die bin ich, denn ich habe eine große Schwäche für Altes und Gebrauchtes. DerIMG_20140408_140910 sogenannte „shabby chic“ wurde vermutlich nur für mich erfunden. Da jedoch Altes und Gebrauchtes häufig eher„shabby“ (auf gut Deusch: schäbig) als schick ist, muss es oftmals einer Überarbeitung unterzogen werden. Deshalb habe ich meinen letztjährigen Gefährten, den schweigsamen Spachtel, inzwischen gegen ein handliches, aber lautes Schleifgerät eingetauscht, mit dem ich bei gutem Wetter und mäßigem Wind auf der Terrasse Krach mache, um hinterher den Pinsel zu schwingen.

Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir

Es ist ein sehr glücklicher Umstand, dass man meiner Generation in der Schule neben der herkömmlichen intellektuellen Ausbildung auch nützliche Dinge fürs Leben beigebracht hat. Diese wiederum beschränken sich nicht nur auf das Sockenstopfen oder die Grundzüge des Nähens, sondern wir lernten ebenfalls, dass man Holz immer mit der Faserrichtung schleift, wie man sägt, bohrt, hämmert, feilt, biegt, abkantet und schraubt oder wie man sich die Hände gründlich im Schulgarten schmutzig macht. Frau lernt so etwas heute entweder gar nicht mehr oder muss sich dieses Wissen im Erwachsenenalter mühsam selbst erarbeiten, indem sie hippe DIY-Ratgeber von Frauen in rosafarbenen Overalls liest oder notfalls Kurse im Baumarkt bucht.

Dabei kann handwerkliches Arbeiten fast meditativ wirken. Beim Abschleifen geerbter, dunkelbrauner Holzstühle kann man beispielsweise wunderbar darüber nachdenken, wer wohl schon alles darauf gesessen haben mag, was man als nächstes mit den lieben Lernenden im Deutschkurs machen könnte, warum die Nachbarin schon wieder Wäsche auf der Leine zu hägen hat (das wird vermutlich zu meinem Trauma) oder was ich eigentlich noch gut gebrauchen und am besten am Straßenrand aufsammeln könnte. Denn das ist eine andere, große Schwäche von mir: Ich bin nicht nur Krachmacher. Ich bin auch ein Finder.

Vom Suchen und Finden

IMG_20140413_130009Nachdem mir bei den temporären Gärten im letzten Jahr in Bari die Kombination von roten Blüten und grünen Weinballons so gut gefallen hat, wollte ich unbedingt solche bauchigen Flaschen. Eines Tages standen doch glatt drei kleine Versionen dieser Weinballons an einem Glascontainer in der Nähe unserer Wohnung. Ich rettete sie vor der Vernichtung und stellte sie auf die Terrasse neben rot blühende Geranien. Ich bin mir fast sicher, dass ich irgendwann noch ein größeres Exemplar finden werde.

IMG_20140408_141300Als ich eines Tages nach Marktschluss in der Nähe der Marktstraße parkte, weil ich relativ  zeitig nach dem Mittagessen eine Stunde geben sollte, glaubte ich meinen Augen kaum zu trauen, als ich an unzähligen, zu einem riesigen Berg aufgetürmten Obst- undIMG_20140408_140813 Gemüsestiegen vorbeifuhr. Die Reinigungskolonne war noch nicht mit dem Aufräumen fertig. Und damit begann meine Gemüsekistenmanie. Mit dem Schleifgerät von splitternden Kanten befreit und mit ein bisschen Farbe lasiert, fungieren sie bereits als Aufbewahrungskisten für Katzenfutter, sowie als Blumentöpfe und Blumenständer. Wer weiß, was mir noch so alles für sie einfällt. Erst vorgestern habe ich wieder zwei an mich gebracht.

IMG_20140408_140659Eine weiterer, bisher noch weit unterschätzter Wegwerfartikel in Italien sind Paletten, also die ausladenden Holzkonstruktion, auf denen Waren in Geschäften angeliefert werden. Offensichtlich hat sich hier noch keine Norm durchgesetzt, denn es gibt sie in mehr oder weniger stabilen Ausführungen und verschiedenen Größen. Sie sind toll als Blumenkübeluntersetzer z.B. für unsere Bäume auf der Terrasse, wenn man unten noch vier Rollen dranschraubt. Man kann aber auch einfach darauf sitzen und ein Buch lesen oder aus ihrem Holz andere Dinge zusammenbauen. Aktuell habe ich die Idee für eine Truhe, in der ich die Mülltrennungsmülleimer stellen kann, damit sie uns der gelegentlich heftige Wind nicht über die Terrasse verteilt, im Hinterkopf. Dafür muss ich allerdings noch einige Paletten sammeln und mir eine Säge anschaffen – elektrisch natürlich, damit die Nachbarn auch etwas von meiner Bautätigkeit haben.

Palettentrendsetting im Kostümchen

IMG_7077Vor ein paar Wochen sah ich ein besonders schönes Palettenexemplar, das nur halb so groß wie ein normales war, neben einem Müllcontainer vor einem Spielzeuggeschäft im Zentrum von Bari stehen. (Man sieht es auf dem Foto unter den Töpfen hervorlugen.) Ich war auf dem Weg zum Auto, das ich weit entfernt dort parke, wo man keine Parkgebühr von zwei Euro pro Stunde bezahlen muss. Nur kurz wägte ich ab, ob sich das Tragen einer Palette mit einem schwarzen Lehrerinnenkostüm und Pumps vereinbaren ließ. Ihr wisst ja: „bella figura“ und so… . Dann beschloss ich, dass das Tragen von Paletten unbedingt Trend werden sollte, schnappte mir das Teil und hängte es mir lässig in die Armbeuge. Ich gebe zu, es verlangte einiges an Willenskraft so auszusehen, als ob das Holzmonstrum nur so viel wie eine Handtasche wiegen würde, aber hell nussbaumfarben angestrichen, gefällt sie mir gut unter dem Zitronenbäumchen. Dafür hat sich die halbe Stunde schweißtreibendes Trendsetting gelohnt. Bisher habe ich jedoch noch niemanden gesehen, der diese Mode aufgegriffen hätte. Daran muss ich also noch ein bisschen arbeiten.

IMG_20140408_140952Ein ähnliches Spektakel habe ich jedoch mit einem geflochtenen Korb von enormer Größe kurz darauf wiederholt, der jetzt als Behälter für abgestorbene Pflanzenteile und zusammengefegtem Schmutz auf der Terrasse dient. Ich hab’s ja oben schon einmal geschrieben: Ich bin ein Finder und das Finden lohnt sich. Deshalb tun mir meine Nachbarn gelegentlich ein bisschen leid, wenn ich mit meinem besten Freund auf der Terrasse herumrumore. Wenn sie mich irgendwann auf den Lärm ansprechen sollten, werde ich ihnen tröstend versichern, dass sie nur noch zwei Gemüsekisten, fünf Stühle, eine Truhe und wenige Paletten von der ewigen Ruhe entfernt sind – es sei denn, ich finde noch weitere nützliche Dinge am Straßenrand. Das kann man nicht ausschließen.

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Euch, meinen lieben Lesenden, wünsche ich, dass ihr im Leben auch immer genau das finden mögt, was ihr sucht – und zwar nicht nur zu Ostern und natürlich nicht nur auf Materielles bezogen.

In diesem Sinne frohe Feiertage und viel Spaß beim Suchen!

Eure Corinna