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Von großen Steinen und hohen Zäunen

Hinter alten Olivenbäumen erheben sich die Trockensteinmauern des Dolmen.

Als 1961 ein Straße von Giovinazzo (ca. 20 min nördlich von Bari) nach Terlizzi gebaut werden sollte, fand sich im April ein Bulldozer, beim Versuch, einen Hügel zu planieren, plötzlich in einem steinernen Korridor wieder. Die Arbeiten wurden an dieser Stelle sofort eingestellt und im August rückte ein Ausgrabungsteam an, das einen der – wenn nicht sogar den – bedeutendsten, weil so detailliert erhaltenen, Dolmen Italiens ausgraben sollte. Obwohl die Ursprünge des guten Stücks bis mindestens in die Bronzezeit (ca. 1500 Jahre v.Chr.) zurückdatiert werden können, wurde er nach dem Heiligen Silvester benannt. Vielleicht gut so, denn himmlische Hilfe können italienische Kulturgüter wohl alle brauchen.

Die runden Bauten wurden als Grabkammern genutzt.

Der von einer Trockensteinmauer eingefasste Rundhügel, der heute bis auf seinen steinernen Ursprung abgetragen in einem Olivenhain liegt, hatte ursprünglich einen Durchmesser von fast 40 m und war bis zu über 10 m hoch. In seinem Inneren befanden sich mehrere Kammern, die durch den vom Straßenbau zerteilten Korridor verbunden waren. In einer der Grabkammern fand man zum Zeitpunkt der Entdeckung die Überreste von 13 Personen und Scherben von Töpferwaren, die möglicherweise dereinst Grabbeigaben enthalten haben. Wie die Untersuchung der Umgebung des Dolmen ans Licht brachte, wurde die ganze Gegend bereits vor dessen Errichtung als Bestattungsplatz genutzt (siehe hier).

Alles in allem hörte sich das jedenfalls für Abenteurer vielversprechend spannend an, sodass ich an einem sonnigen Sonntag meine gesamte Familie ins Auto verfrachtete und in Richtung Giovinazzo aufbrach. Meine Erfahrungen mit der dürftigen Ausschilderung des Dolmen della Chianca bei Bisceglie aus dem Vorjahr im Hinterkopf hatte ich natürlich auch einen Plan B, der da einfach „Giovinazzo besuchen“ lautete.

Kurz und gut, „Plan B“ wurde aus einem anderen Grund notwendig. Der Dolmen „San Silvestro“ war nämlich bereits ausgeschildert, als wir bei Giovinazzo von der Statale auf die SP 107 in Richtung Terlizzi abbogen. Doch bei der Ausgrabungsstätte angekommen, machten ein hoher Zaun, Videoüberwachung und ein riesiges Schild, das auf von der Europäischen Union geförderte Restaurierungsmaßnahmen, die im letzten August abgeschlossen sein sollten, hinwies, die freudige „Indianer Jones“-Stimmung, welche auf den letzten Metern aufgekommen war, sofort wieder zunichte. Wir umrundeten das Areal, so weit es möglich war, und ich versuchte, auf Fotos so viele Eindrücke wie möglich festzuhalten.

Zwei Pajare in einem Olivenhain unweit des Dolmen. Sie illustrieren eindrücklich, dass sich die traditionelle Bauweise seit der Bronzezeit gar nicht so sehr verändert hat.

Aufgrund des schönen Wetters und der allgemein frühlingshaft freudigen Aufbruchstimmung waren wir nur ein bisschen enttäuscht. Apulien ist nämlich im richtigen Moment immer für eine Überraschung gut. So hatten wir bereits auf dem Weg zum Dolmen die Ausschilderung eines „Percorso delle Chiese e delle Architetture rurali“ (also einen „Weg mit Kirchen und ländlicher Architektur“) entdeckt, der sich rechts in die Büsche bzw. den Olivenhain schlug. … und, obwohl meine Mutter etwas ähnliches sagte wie „Kind, da kannst du doch unmöglich reinfahren!“, lenkte ich unseren kleinen Panda auf einen wenig vertrauenerweckenden Sandweg, der zwischen Trockensteinmauern hindurch ins Hinterland von Giovinazzo führte.

wird fortgesetzt