Schlagwort-Archive: Einkaufen

Am Corona-Gängelband

In Italien sind es jetzt 2 Wochen, dass der der Staat uns mit seiner Anordnung, zu Hause zu bleiben, vor dem Coronavirus schützt. Man verbreitet üppig Zahlen von positiv getesteten und an Coronaviren Verstorbenen, sonst wenig.

Daher hole ich meine Informationen hauptsächlich aus deutschen Medien. Während dort der eine „unaufgeregt“ weltuntergangsähnliche Stimmung verbreitet und der andere noch unaufgeregter erklärt, die aktuelle Coronawelle wäre nicht schlimmer als jede andere winterliche Grippewelle der letzten Jahre (vielleicht sogar weniger schlimm), hat man in Süditalien inzwischen den Eindruck, dass jeder, der vor dem Haus keine Maske und Handschuhe trägt, ein Verbrecher an sich und seinen Mitmenschen sei. Jedenfalls wird man so angeschaut – auch von denen, welche ihre Maske am Hals oder auf dem Kopf tragen. Auch im Supermarkt fragt niemand, ob man eventuell eine Latex-Allergie hat. Man würde die Frage durch einen um Mund und Nase drapierten Winterschal möglicherweise gar nicht verstehen. Hauptsache, man tut irgendwas!

Kein Versuch, ein autarkes Leben auf der Terrasse zu beginnen, sondern nur ein Zeichen dafür, dass die Supermarktradieschen fade schmecken.

Unser Supermarkt ist in Sachen Kundensicherheit ebenfalls noch erfinderischer geworden als bis zu unserem letzten Einkauf vor einer Woche: Man lässt jetzt nicht mehr nur wenige Kunden auf einmal ein. Nein, jetzt darf auch nur noch ein Familienmitglied pro Familie eintreten, d.h. ich muss (ich will) jetzt nicht nur den Einkauf für zwei Familien erledigen, sondern ich werde zusätzlich gezwungen, ihn allein zu machen. Der Grund dafür hat sich mir bisher nicht erschlossen. Am Eingang des Supermarktes steht geschrieben, es hätte mit dem Kundenfluss zu tun.

Unsere musikalischen Nachbarn führen weiterhin immer um 18 Uhr Disko für ihre nähere Umgebung durch. Das Musikangebot könnte man vergleichen mit einem Musikantenstadl plus Andrea Berg. Allerdings reduzieren sie sich inzwischen schon auf 40 Minuten.  Immerhin. Die kann man leicht mit Föhnen, Staubsaugen und anderen rumorigen Haushaltsaufgaben überbrücken. Ich habe festgestellt, dass unser Wasserkocher auch unheimlich laut ist.

Blühende Mandelbäume vertreiben mit ihrem schweren Duft und dem lauten Summen der zahlreichen Wildbienen jeden Gedanken an Coronaviren.

Am Wegesrand

Gäbe es nicht die Natur, die um uns herum einfach immer weiter macht, ohne sich um Viren zu kümmern, könnte man glauben, es wäre schon August und die Welt würde wegen der jährlichen Hitzeperiode stillstehen. Dazu passt auch, dass sich mein mozzarellableiches Gesicht  bereits karamellig einfärbt. Auch mein Sohn sieht aus, als hätten wir Urlaub. Allerdings zeigt der Spaziergang mit dem Alibi-Hund, dass tatsächlich der Frühling in vollem Gange ist. Nicht nur, dass alles grünt und blüht statt sommerlich verbrannt dazuliegen, auch die Landmänner werkeln ganz normal in ihren Gärten. Sie schneiden ihre Olivenbäume, verbennen Zweige, breiten scheinbar endlose Planen über ihre Weinreben aus… ein Opa lädt uns sogar in seinen Garten ein, weil wir kurz vor seinem Zaun stehen geblieben sind, um ihm dabei zuzusehen, wie er einen Korb flicht. Ein anderes Mal.

Auch auf dem Balkon wird es frühlingshaft bunt.

Sobald wir wieder die geleerten Straßen der Stadt erreichen, kehren wir zurück in die Absurdität vorwurfsvoller oder verdächtiger Blicke. Man darf in dieser Zeit einfach nicht normal spazieren gehen, weil man ja nur zum Einkaufen und für Arztbesuche rausgehen soll. Besser wird sein, wir beginnen in ein paar Wochen das Leben nach der Ausgehsperre als geschwächte, muskellose Bleichlinge mit viereckigen Augen vom Onlineunterricht.