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Frischer Fisch auf den Tisch

In meinem früheren Leben in einem brandenburgischen Dorf gehörte man entweder zu den Jägern, den Anglern oder der freiwilligen Feuerwehr. Die Feuerwehr ist irgendwie mit viel Sport verbunden. Das Jagen hat ursächlich mit lautem Schießen und Knallen zu tun. Also wählte ich das Angeln. Angeln bestand und besteht für mich vorwiegend daraus, gemütlich an einem Gewässer zu stitzen – natürlich nur bei gutem Wetter und deutlich nach Sonnenaufgang – und mehr oder weniger den eigenen Gedanken nachzuhängen. Nur unterbrochen vom gelegentlichen Nachlegen des Köders. So viel zu meinem Ehrgeiz als Petrijünger.

Da mein Vater jedoch sehr viel mehr davon an den Tag legt und auch wirklich große Fische aus den brandenburgischen Seen und Flüssen zieht, gab’s bei uns nie einen Mangel an Hecht, Schlei, Karpfen und ähnlichen Schuppentieren. Die Kosten für seine, dem Ehrgeiz angemessene Ausrüstung und die Gebühr für den Anglerverein sowie den Fischereischein stand immer der Satz „Fisch ist teuer“ gegenüber.

Wenn man nun weiß, dass eine handliche Dorade in Triggiano im Fischladen um die Ecke 5 Euro kostet, dann relativieren sich solche Aussagen plötzlich. Der Preis einer guten Rolle für eine Angel zum Meeresfischen geht nämlich gern auch mal ins Dreistellige. Von meiner italienischen Verwandtschaft ist jedenfalls niemand Angler. Dabei gibt’s hier Meer im Überfluss und selbst an der Seepromenade von Bari sieht man, allerdings mit minimalistischem Angelgerät, das nur aus Rolle und Haken zu bestehen scheint, alle paar Meter einen Menschen stehen, der aufs Wasser starrt. Das sind vermutlich Rentner oder andere unbeschäftigte Personen, die hier ihrer Familie etwas für den Mittagtisch besorgen.

Jedenfalls, seit ich weiß, dass eine Dorade nur 5 Euro kostet, landen sie im Sommer regelmäßig auf dem Grill und, wenn Grillen gerade mal nicht angesagt ist, mit viel Gemüse im Backofen. Da Maria Fisch nur in Tomatensauce totgekocht als zweiten Gang serviert, erwies es sich im letzten Jahr einmal mehr als Glücksfall, die Tochter einer italienischen Küchenfee zum Manne dazubekommen zu haben.

„Ehi, Corrriii!“ werde ich nun häufiger im Vorbeigehen von hinter der Fischtheke angeschriehen. „Es gibt Doraden, ganz frisch von heute Morgen!“ … und dann komme ich mit einer oder zweien nach Hause, öffne den Kühlschrank und seh‘ mal nach, was wir an Gemüse noch haben. Ein paar Kartoffeln dazu, die ein halbdeutscher Haushalt immer vorrätig hat, und schon kann das fröhliche Schnippeln losgehen. Dorade aus dem Ofen – einfacher geht Fisch nun wirklich nicht.