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„Plan B“ oder Luigis Verschleppung nach Sibirien

Nachdem wir die vereitelte Besichtigung des „Dolmen San Silvestro“ und den Percorso delle chiese e architetture rurali so erfolgreich hinter uns gebracht hatten, indem wir im Hinterland von Giovinazzo verstreute Kirchen besichtigten, wollte ich den sich über mehr oder weniger erhaltenes Kulturgut nur schwerlich amüsierenden Mitfahrenden ihre Rückkehr in die Zivilisation mit einem Abstecher in einen pittoresken Küstenort, nämlich in das besagte Giovinazzo,  versüßen.

Dort drängt sich um eine malerische Hafenbucht die mittelalterliche Altstadt mit einer Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert und beeindruckenden Palazzi. Leider fegte just an diesem Tag ein eisiger Wind durch die hohen Gassen, der zwischen den Olivenbäumen im Hinterland zuvor nicht zu spüren gewesen war. (Ich schwöre!)

Hinzu kam, dass apulische Altstädte in touristisch wichtigen Orten im Winter ausgestorben sind und das Leben erst wieder mit den Urlaubern in die größtenteils aus Ferienwohnungen, „Bed and Breakfasts“, sowie Restaurants bestehenden Straßen einzieht. Während also Luigi laut lamentierend verkündete, dass Putin ab sofort niemanden mehr nach Sibirien zu verbannen brauche, sondern allesamt nach Giovinazzo schicken könne, versuchte ich überwiegend Fotos zu schießen, die diesem Eindruck entgegenwirken sollten. Doch schon nach einem kurzen Rundgang ließ ich Gnade walten und erklärte mich mit der Rückkehr ins traute Heim einverstanden. Mit klammen Fingern fotografiert es sich nämlich nicht gut.

Doch ich weiß ja, dass ich in Giovinazzo noch einen Kaffee in Aussicht habe. Von daher werden wir sicherlich bei angenehmerem Wetter zurückkehren.

Sonntagmorgens um acht auf der Terrasse

Die Sukkulenten lassen schon seit einem Monat ihre gelben Blüten leuchten und haben die allerersten Insekten angelockt.

Der Frühling ist da. Eigentlich scheint es schon der Frühsommer zu sein, weil die Temperaturen in der letzten Woche täglich auf über 20 Grad kletterten. Das bringt natürlich mit sich, dass die Blütenpracht auf der Terrasse förmlich explodiert. In diesem Jahr springe aber  nicht nur ich wild auf der Terrasse herum, um zu fotografieren, sondern auch Davide, der neugierig die Formen, Farben und alles, was da kreucht und fleucht, entdeckt.

Daher begleitet und doch einfach mal an einem Sonntagmorgen auf unsere Terrasse, auch wenn heute schon Mittwoch ist.

Die kleinen Hyazinthen waren von allen Zwiebeln, die ich gesteckt habe, als erste da.

Davide muss sich das Innenleben der Tulpenblüten ganz genau ansehen.

 

Hier habe ich eine Mischung aus weißen und dunkellilafarbenen Tulpen gesteckt. Was da sonst noch unter unserer Lantana wächst – ich lass mich überraschen.

Die Mittagsblumen warten nicht bis Mittag, bevor sie sich öffnen.

Was da für ein Strauch seit November hinter dem Liegestuhl blüht, weiß ich nicht, aber man findet ihn hier in ganz vielen Gärten.

Gina sind die Blumen ziemlich egal. Sie will lieber frühstücken gehen.

Federicus 2016 – Auftakt der Feiersaison

Raubvogel

Raubvogelvorführungen gehören traditionell zum Programm.

Am 25. April feiert Italien seinen „Tag der Befreiung“. In diesem Jahr war die Freude darüber besonders groß, da der Tag auf einen Montag fiel und den Italienern somit ein langes Wochenende bescherte.  In der von Bari etwa eine Autostunde entfernten Stadt Altamura nutze man die drei Tage für das Mittelalterfestival „Federicus„, welches vor allem die Altstadt Altamuras schon seit ein paar Jahren im Frühling in längst vergangene Zeiten zurückversetzt.

Musik unter TüchernBasteleiJedes Jahr legen die Organisatoren noch eins drauf und lassen ihre Mittelalter-Illusion immer detaillierter werden. Es scheint, dass die Bewohner großen Spaß daran haben, für ein paar Tage ihre normale Kleidung gegen Kostüme zu tauschen, gemeinsam zu musizieren, zu singen und ihr Familienleben vor die Haustür zu verlagern. Vor allem sieht man jede Menge kleinere Kinder mit Holzschwerten und Schilden durch die Gassen wetzen.

Fahnenschwingen 2 Fahnenschwingen 1

Davide haben besonders die Fahnenschwinger gefallen.

Orecchietteproduktion

Frauen zeigten, wie man „Orecchiette“, die traditionellen Öhrchennudeln Apuliens selbst herstellt.

 

Orecchiette

Nach dem Formen müssen sie an der Luft trocknen.

Karussel

Mittelalter-Karussell

Wir haben unseren Ausflug dorthin auch dieses Mal genossen. Vor allem, weil es an jeder Ecke etwas zu schauen gibt und weil man auf das kulinarische Wohl der Gäste besonderen Wert legt und sie mit allerlei Spezialitäten wie dem Brot, für das die Stadt berühmt ist, und gegrillten Spezialitäten aus der Umgebung dazu einlädt, sich auf Strohballen niederzulassen und dem bunten Treiben zuzusehen. So lässt man es sich gerne gut gehen.

April, April in Mola di Bari

Ausgang zum MeerAuch Mola di Bari hatte der Nebel am vorletzten Wochenende in ein ungewöhnliches Licht getaucht. „Ich komme mir vor wie in Mailand!“, schimpfte unsere Freundin Cecilia, aber lud uns trotzdem zum Frühstück in eine Bar und zu einem Altstadtspaziergang ein. Gegen Mittag hatte sich der Nebel dann auch verzogen.

Spielzeugauto

Ein liebevoll aufpolierter Fiat 500 erscheint in einer süditalienischen Altstadtgasse fast wie ein Spielzeugauto.

Balkon an Balkon

Die Balkons hängen so dicht, dass man leicht von einem zum anderen steigen könnte.

Gemüsestuhl

Wer für den Eigenverbrauch zu viel hat, der bietet es den Vorübergehenden vor seiner Haustür an.

April, April in Polignano

Zwar ist der apulische April nicht mit dem deutschen, „der macht, was er will“, zu vergleichen, sondern beständiger und sonniger, aber auch hier kann das Wetter einem so manchen Streich spielen – zum Beispiel mit Nebeltagen, wie man sie nur alle paar Jahre in der Region Bari sieht. Trotzdem zieht es die Baresen und natürlich auch die Touristen beim kleinsten Sonnenstrahl nach draußen. Und so waren auch wir trotz des Nebels mal wieder im nahe gelegenen Polignano a Mare unterwegs.

Blumiges

Die frühlingshafte Sehnsucht nach Farbe wird mit einer Blumenexplosion befriedigt.

in der KisteChilis

Bei mir stehen die Geranien bisher in Gemüsenkisten auf dem Terrassenboden. Aber offensichtlich ist es in diesem Jahr aktuell, die Kisten auch vertikal an der Hauswand zu nutzen, wo sie – angestrichen oder natur – den passenden Rahmen für Pflanzen bilden.

Treppe

Poesie auf der Treppe, Keramik und noch mehr Kisten

Tür

Geheimnisvolle, halb verborgende Tür

Wunscherfüllung

Manchmal gehen Wünsche in Erfüllung – in dieser Woche gleich drei.

Kulturlandschaft1

Da ich mich unlängst mit einer Studentin über die Konditionierung von Touristen unterhielt, hier mal eine Apulienansicht, die den Landstrich als das zeigt, was er weitläufig auch ist – eine Kulturlandschaft.

Der erste hat mit Davide zu tun. Unser Sonnenschein ist nun schon sieben Monate alt. Trotzdem hielt er bisher hartnäckig an der Gewohnheit fest, des Nachts alle zwei Stunden angelegt werden zu wollen. Ächz! Dazu kamen in der letzten Woche die zwei unteren Schneidezähne, die sich ihren Weg ans Licht gebahnt hatten, und ihn „piccioso“ (quengelig) gar nicht mehr von meinem

Kulturlandschaft 2

Rüde von Infrastruktur durchzogenes Ackerland mit Oliven- und Obstbäumen.

Busen weichen lassen wollten. Gähn! In der letzten Nacht wachte er plötzlich nur einmal gegen halb vier auf und dann erst wieder um kurz vor sieben. Zuerst konnte ich gar nicht glauben, dass ich so viele Stunden am Stück geschlafen haben sollte, aber dann musste ich einsehen, dass wir beide heute zum ersten Mal seit sieben Monaten in aller Herrgottsfrühe ausgeschlafen und putzmunter waren.

 

im Garten

Im Detail dann aber wieder so schön, das man es malen möchte. (Leider bin ich dazu nicht fähig und muss mit Fotos Vorlieb nehmen.)

Da kam der zweite Wunsch ins Spiel – das Wetter hatte in der letzten Woche ein Einsehen. Mit einem Mal ist es wieder Frühling in und um Triggiano geworden. Die Knospen der Mandelbäume sind innerhalb von zwei Tagen explodiert und schon früh um acht tauchte die Sonne alles in ihren warmen Schein. Die beste Zeit für einen Spaziergang in die Gärten und schönes Licht für Fotos.

Romantischer Verfall

Romantischer Verfall

Zuletzt noch meinen lieben Lesern und Leserinnen vielen herzlichen Dank für die guten Wünsche angesichts meines letzten Blogbeitrags! Sie haben geholfen. Wir sind alle wieder erkältungsfrei.

Eine schöne Woche euch allen! Corinna

Mandelblüten nah

Erkenntnis der Woche

Mordsmäßig erkältet und mit krankem Kleinkind sowie krankem großen Kind Mann zu Hause zu sein, erinnert stark an Hölle. Da ist es besser, sich halb tot auf Arbeit zu flüchten.

Was das Foto damit zu tun hat? Nichts. Ich wollte nur mal an schönere Tage im apulischen Frühling erinnern.

Allen Schniefnasen gute Besserung!