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Blindverkostung statt Bruderstreit

Am 19. März ist Vatertag in Italien. Das hängt ursächlich damit zusammen, dass der 19. März dem Heiligen Giuseppe gewidmet ist – auch bekannt unter dem Namen Josef und seines Zeichens Vater des kleinen Jesus oder wenigstens dessen Ziehvater. Wie auch immer… zu jedem ordentlichen Feiertag gehört auch etwas Gutes zu essen. An Sant Giuseppe ist es traditionell ein frittiertes oder gebackenes Brandteigbällchen mit einem Vanillecremetopping gekrönt von einer Amarenakirsche. Zeppola (Pl. Zeppole) nennt man es hier und es gehört zum Vatertag dazu wie die Mimose zum Frauentag.

Natürlich hat auch jeder seinen Lieblingskonditor, der die allerbesten Zeppole macht. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass sich Familien darüber zerstreiten, ob nun die Teigbällchen der Konditorei Floro oder die der Konditorei Fanelli die besseren seien. Wenn sich dann noch die Oma einmischt und ihre hausgemachten Zeppole mit ins Rennen wirft, dann kann sich niemand mehr einer ernsthaften Blindverkostung entziehen. So geschehen gestern nach dem Mittagessen bei unseren Freunden aus Bari.

Zeppole der Pasticceria Floro
Zeppole von Nonna Isa

Der Meisterverkoster ließ sich hinter einer zünftigen Zeppolebrille versteckt die verschiedenen Gebäcke reichen und auf der Zunge zergehen. Bewertet wurden getrennt nach Teig und Creme. Während ich die ganze Zeit die Daumen für die Zeppole von Oma Isa hielt, gewannen die Konditorei Floro bei der Cremefüllung und die Konditorei Fanelli in der Kategorie Brandteig. Immerhin wurde so ein biblischer Bruderstreit verhindert und jeder hat ein bisschen Recht behalten. Am Ende waren jedenfalls alle Teller leer – auch der mit den Zeppole von Nonna Isa.

Während also die Väter in Deutschland in diesem Jahr noch bis zum 26. Mai (Christi Himmelfahrt) auf ihren Ehrentag warten müssen, gab es hier – Schule und Kita seien es gedankt – schon gestern ein kleines Geschenk und ein Gedicht von ihren Kindern zur „Festa del Papà”. … und Zeppole satt für alle.