Schlagwort-Archive: Gewittersturm

Gegen den Sturm

Der etwas pompös anmutende Titel des heutigen Beitrags ist wörtlich zu nehmen, betrifft jedoch nur ein Holzpalettenprojekt, das ich endlich fertig gestellt habe, nachdem ich ein halbes Jahr damit verbrachte, die geeigneten Paletten am Straßenrand zu finden.

Aber von vorn, denn so ein Projekt muss ja auch einen Grund haben. Im letzten Frühjahr und Herbst tobten mehrmals Stürme über unsere Traumwohnungsterrasse hinweg, nach denen wir unsere Mülleimer, nebst deren ehemaligen Inhalten suchen und einsammeln mussten. Die einstmals so schön hergerichtete Mülleimeraufbewahrungstruhe enthält inzwischen die Holzfliesen von Davides Wasserspielecke, die dort über den Winter wegen unnötiger Verwitterung aufbewahrt werden. Außerdem ist seit dem Wegfall der öffentlichen Glascontainer und der Einsammlung von Glasmüll vor der Haustür ein weiterer Mülleimer hinzugekommen, der nicht mehr in die Truhe passte.

Nach etwas Überlegung beschloss ich, einen Zaun zu bauen, in dem die Mülleimer leicht zugänglich aufbewahrt werden konnten. Irgendwann kam die Idee hinzu, diesen Zaun beweglich zu gestalten und die Mülleimer nicht auf die Erde zu stellen. Eine rollende Mülleimerumzäunung hat den Vorteil, dass man leicht darunter fegen kann. Ich finde, dass ich mal wieder eine genial praktische Idee hatte, und habe auch gleich noch ein paar Blumenkästen daran aufgehängt.

Die schönste Mülleimeraufbewahrungsholztruhe der Welt

IMG_7507

Holztruhendeckel im Originalzustand

Bis vor einem Jahr gab es in Triggiano noch riesige Gemeinschaftsmüllkontainer am Straßenrand. Die quollen trotz regelmäßiger Leerung schon nach einem Tag im wahrsten Sinne des Wortes über und ergossen sich auf den sie umgebenden Straßen- und Fußwegbereich. Wilde Hunde und Katzen taten ihr Übrigens, wenn sie in der Nacht in den Müllbeuteln nach Abfällen suchten, um diese Müllkontainer zu einer „vergogna“ zu machen – einer „Schande“ um es mal verharmlosend mit Mamma Marias Worten auszudrücken.

Im letzten Jahr kam dann ein genialer Triggianese auf die Idee, die Mülltrennung bei uns einzuführen. Die Müllkontainer verschwanden über Nacht. Statt dessen bekam jeder Haushalt kleine Mülleimer für Papier, Biomüll und Diverses, sowie gelbe Säcke für Plastikmüll, die nun nach einem festgelegten Wochenplan zur Leerung vor die Haustür gestellt werden müssen. Abgesehen von den anfänglichen abendlichen Diskussionen um den richtigen zu entsorgenden Abfall funktioniert das System recht gut.

Der Lack ist ab

Der Lack ist ab

Den Spitzfindigen unter den Mitmenschen, die statt der Eimer lieber Plastiktüten mit ihrem Müll vor die Haustüren drapierten, um nicht am nächsten Morgen die entleerten Eimer wieder hochholen zu müssen, wurde durch freundliche Schreiben von der Hausverwaltung bald klar gemacht, dass das erstens den Bemühungen um eine sauberer Stadt völlig zuwider lief und zweitens mit einem Ordnungsgeld bestraft werden könne. So weit, so gut.

IMG_7587Als wir im letzten November endlich in unsere Traumwohnung einziehen konnten, holten wir die uns zustehenden Eimerchen und eine Rolle Säcke vom zuständigen Büro ab. Leider waren die Papiereimer ausgegangen. Doch zu dieser und auch in der folgenden Zeit hatten wir noch so viele Pappkartons, dass uns das Fehlen des Papiereimers nicht unangenehm auffiel. Erst, nachdem Luigi mehrmals im Laufen von drei Monaten vergeblich nach einem Papiereimer gefragt hatte, wurden wir ein wenig ungeduldig und der Fragerei müde.

IMG_7588

Ausbessern von größeren Löchern und Zwischenräumen

Just in diesen Tagen ergab es sich jedoch, dass ein starker Sturm über Triggiano hinwegfegte. Zufällig geschah das an einem Montagvormittag, an dem die Papiereimer zum Entleeren vor die Tür gestellt werden mussten. Noch Tage später sah ich herrenlose Eimer am Straßenrand liegen oder stehen, die der Wind durch Triggiano gepustet hatte und die von ihren Besitzern nicht wiedergefunden worden waren. „Brauchst nicht mehr wegen eines Eimers fragen zu gehen.“, sagte ich daher eines Abends zu Luigi. Der war nicht böse darüber.

IMG_7589Doch drei Mülleimer und einen gelben Sack möchte man nicht gerne in seinen vier Wänden aufbewahren. Ganz abgesehen davon, dass sie selten farblich oder materialmäßig zur Einrichtung passen dürften, entwickeln sich auch bei noch so häufiger Abholung oder Entleerung zwangsläufig Gerüche. Also raus mit ihnen auf den Balkon oder die Terrasse! Davon haben wir ja genug. Allerdings fand ich es nicht witzig, dass schon ein paar Tage später ein erneuter Sturm sämtliche Eimer und deren Inhalt zwischen die Blumenkübel und in die Terrassenecken fegte. So entstand die Idee für eine Mülleimertruhe.

Eine Holztruhe, die schon so alt schmeckte, dass die Holzwürmer sie bereits wieder verlassen hatten, fand sich bei einem Verwandten, der sie uns gerne überließ. Ich missbrauchte sie zunächst als Aufbewahrungsmöglichkeit für Dünger, Farben und andere Kleinigkeiten, aber ihr endgültiges Schicksal war schon lange vor diesem Sommer besiegelt worden.

truhe fertig offen

Ab in die Kiste!

Die im Sommerloch frei gewordenen Stunden nutzte ich also, um mit Spachtel, Schleifgerät, Holzausbesserungspaste, Imprägnierung und Lasur die wohl schönste Mülleimeraufbewahrungsholztruhe diesseits des Äquators, vielleicht sogar der ganzen Welt zu erschaffen. Ein paar Scharniere, Rollen und einen Messinggriff hat es mich auch noch gekostet, aber nun ist die Gefahr von Fischgräten und Hähnchenknochen zwischen den Geranien endlich gebannt. Die Herbststürme können kommen. Na, gut, also nicht gleich. Kosten wir erstmal den Sommer aus. Es gibt noch so viel zu tun.

Truhe fertig 2

Die Ameisenplage oder Keine Ruhe nach dem Sturm

Wenn es im September die ersten herbstlichen Regefälle gibt, spricht der eingeborene Triggianese davon, dass der Sommer vorbei sei – auch wenn die Temperaturen schon wenig später wieder die 30-Grad-Marke erklimmen. Ende September/ Anfang Oktober muss man zwar am Morgen und am Abend schon einen Pullover oder ein Strickjäckchen überziehen, doch tagsüber werden trotzdem immer noch über 25 Grad erreicht. So kann ich mich über der süditalienischen Herbst also nicht beklagen und verbringe noch viel Zeit im T-Shirt auf unserer Traumwohnungsterrasse.

Als sich jedoch vorgestern die Regenwolken nach dem letzten Gewittersturm verzogen hatten, bot sich trotz des Sonnenscheins ein ekelerregender Anblick. Im Vergleich dazu ist die Schweinepest, über die ich im letzten Monat berichtet habe, im wahrsten Sinne des Wortes Kinderkram. Weiterlesen