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Abgründe des Glaubens

Wenn man schon mal im Nationalpark Alta Murgia herumfährt und sich in der Nähe von Minervino befindet, kann man nicht nur das weltberühmte Castel de Monte, sondern noch bis zum 27. September die Höhlenkirche „Grotta di San Michele“ aufsuchen, die sich in einem karstigen Tal zu Füßen der Stadt befindet. Allerdings nur bei gutem Wetter, denn bei Regen werden die Stufen, die es zu überwinden gilt, um 90 Meter tief bis zum Hauptaltar vorzudringen, zu rutschig.

Wir haben einen Tag vorher angerufen, um uns anzumelden, denn im Moment müssen es wenigstens 5 Personen sein, damit die Kirche aufgeschlossen wird. Allerdings tastete sich am 11. Juli mit uns eine überraschend große Gruppe von mindestens zwanzig Personen in die Tiefe der ca. 2 Millionen Jahre alten Felsenhöhle vor. Das Interesse an dieser historischen Stätte ist also vorhanden und die Führerin mit großen Enthusiasmus mit von der Partie.

Während wir bei 15 Grad in unseren Sommersachen ziemlich frösteln, gibt sie uns einen Abriss über die Geschichte der Höhle die schon im Jahr 1000 schriftliche Erwähnung fand. Die Führerin erzählt uns, dass diese Höhle vermutlich bereits vor deren Übereignung an den Heiligen Michael eine Kultstätte gewesen sei. Wie der Name Minervino illustriert, wurde unter den Römern hier vermutlich die Göttin Minerva angebetet. Doch als sich die Zeiten wandelten, war es nur ein kleiner Sprung von der mit Helm, Schild und Panzer bewehrten Göttin zum oftmals mit Schild und Schwert dargestellten Erzengel Michael.

Interessant ist auch, dass man selbst nach einem schweren Erdbeben im 17. Jahrhundert, das den unteren Teil der Höhle unzugänglich und einsturzgefährdet machte, die Stätte nicht aufgegeben, sondern weiter oben einen neuen Altar gebaut hat und über Jahrhunderte nutzte.

Wie es sich für eine richtige Höhle gehört gibt es natürlich auch Tropfsteine. Einer von ihnen ähnelt verdächtig einem Schaf. Einem Anderen wird gar Ähnlichkeit mit dem Bein der Heiligen Lucia zugeschrieben, die sich nicht verheiraten wollte und von ihrem zurückgewiesen Verlobten als Christin an den römischen Kaiser verraten und darauf hingerichtet wurde. Warum nun gerade deren Bein konnte mir die Führerin auch nicht genau sagen, aber zwei Heilige sind definitiv besser als nur einer.

Zudem gab es nachweislich einen Eremiten, der in dem kleinen Häuschen hinter dem Eingangsportal wohnte und von dort aus einen guten und vor allem wachsamen Blick auf den Altar hatte. Hinter dem Altar befindet sich ein kleines Becken, das außer in sehr trockenen Sommern immer mit Wasser gefüllt ist. Man sagt, es sei Wasser des Heiligen Michael und der besagte Eremit nutzte es dazumal als Einkommensquelle. Trotzdem beneide ich den Menschen nicht. Das Häuschen ist doch sehr klein und auch in Apulien ist es nicht immer 40 Grad heiß und Sommer.