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Katzengarten

Die Einladung zum Essen bei der Tante einer Kindergartenfreundin von Davide in Matera hatte sich als Besuch in einem antiken Palazzo mit Sälen statt Zimmern und einer wunderbaren Aussicht auf die Schlucht, in welcher die Besiedlungsgeschichte Materas vor Jahrtausenden seinen Anfang genommen hatte, herausgestellt.

Zu diesem Palazzo gehörte auch ein kleiner Garten, in dem aufgrund mangelnder Blüten nun zahlreiche Katzen die Hauptattraktion bildeten.

Leider waren die Tiere überaus scheu und einer Karriere als Fotomodell eher abgeneigt. Trotzdem ist es mir gelungen, ein paar fellige Eindrücke aus dem Katzengarten festzuhalten.

 

Sonntagvormittag in Monopoli

Sonntags um 10 – die Fischer haben ihre Kutter längst wieder im Hafen vertäut und den Fang verkauft.

Nachdem ich in 6 Jahren nicht ein einziges Mal in Monopoli war, fand ich mich in diesem Jahr gleich zweimal in der kleinen Hafenstadt bei Bari wieder. Zunächst im Frühling, als meine Mama uns besuchte und dann wieder im Herbst anlässlich einer weiteren Besucherin. Die hübsch restaurierte Altstadt bietet sich geradezu zu einem Vormittagsspaziergang an. Zahlreiche Bars haben noch im November die Stühle vor der Tür stehen und in windstillen Ecken möchte man fast meinen, es wäre noch Spätsommer.

Karl V. ließ dieses wehrhafte Kastell über einer Kirche aus dem 10. Jh. errichten. Auch messapische Mauerreste aus dem 5. Jh wurden mit eingeschlossen.

Vor dem Stadtschloss, einem Kastell aus dem 16. Jahrhundert, liegt malerisch der Hafen mit Fischkuttern und kleinen Fischerbooten. Anlässlich einer im Kastell stattfindenden Fotoausstellung wurden großformatige Fotos auf viele historische Gebäude Monopolis aufgebracht und geben den alten Mauern einen zusätzlichen Aufmerksamkeitswert. Eine schöne Idee!

Auch an idyllischen und blitzblanken Gassen mangelt es der Stadt nicht.

 

Roca Vecchia – Felsiger Badespaß im Salento

Badebucht vor der Stadt Roca Vecchia

Wasserratten finden in Apulien alles, was ihr Herz begehrt, und noch mehr:  mit Sonnenliegen – und -schirmen ausgestattete Strände in mondänen Badeorten,  einsame Badebuchten zwischen schroffen Felsen oder zerfallende Ruinen vor weißen oder goldfarbenen Sandstränden. Auf 800 Kilometer Küste ist für jeden Badefreund etwas dabei.

Zwischen Brindisi und Otranto liegt im Herzen des Salento die faszinierende Stadt Lecce, die man gut als Ausgangspunkt für vormittägliche Ausflüge sowohl zu Stränden an der Adria als auch zu Stränden am Ionischen Meer nehmen kann. Abends flaniert man dann durch das historische Zentrum der Stadt und führt seine Sommerbräune aus.

Seit 1928 wird hier ausgegraben: Mauerreste, Skelette, sowie Gold-, Bronze- und Keramikfunde zeugen von einer langen Siedlungsgeschichte.

Der September bietet sich dabei als besonders günstiger Urlaubsmonat an. Die Strände sind nicht mehr überlaufen, aber das kristallklare Wasser ist noch sommerlich warm. Die Tagestemperaturen steigen auf um die 30 Grad, doch in der Nacht kühlt es sich inzwischen auf angenehme 20 Grad Schlaftemperatur ab. Die flachen Sandstrände wie „Torre del Orso“, etwa 20 km vor den Toren Lecces, eignen sich perfekt für Familien mit kleinen Kindern. Felsenstrände wie „Roca Vecchia“ mit seinen den Zeiten preisgegebenen Festungsresten und einer Ausgrabungsstelle, deren Funde diese bis in die Bronzezeit zurückdatieren, sind eher etwas für geübte Schwimmer, historisch Interessierte und/ oder Romantiker.

Da ich mich mindestens in zwei der o.g. Kategorien einordne, hatte es mir dieser Ort am letzten Wochenende am meisten angetan. Ich hätte stundenlang nur dasitzen und über den verfallenden Turm auf das azurblaue Meer starren können. Beinahe paradiesisch kam mir die Lagune vor, in der sich ein Pärchen auf einem Felsen sonnte. Vor sich hin dümpelnde Bote taten ein Übriges zum entspannenden Anblick bei.

Nur für Kinder ist der Ort leider nicht geeignet. Steil abfallende Hänge, bröckliges antikes Mauerwerk, Höhlen, deren Eingänge sich als plötzlich auftauchende Löcher im Boden auftun und schmale, ausgetretene Wege – in Deutschland hätte man das alles wahrscheinlich schon weiträumig eingezäunt und das Betreten verboten. Aber wir sind ja in Apulien. Hier darf man sich noch in Gefahr bringen,  wie man möchte.

Vom Flughafen Brindisi ist Lecce nur ca. eine halbe Stunde entfernt. Von Bari sind es mit dem Auto eineinhalb Stunden. „Roca Vecchia“ ist nach der nahegelegenen Kleinstadt benannt, die eine Fraktion der Stadt Melendugno bildet, und vom Zentrum von Lecce aus in nur 20 Minuten erreichbar ist. Unbedingt hinfahren!

Gut für die Disziplin

Birne – faul in der Herbstsonne

Es regnet mal wieder in Bari und Umgebung. Eigentlich regnet es schon seit vier Tagen ununterbrochen. Mal mehr. Mal weniger. Da musste ich ein paar Fotos von Anfang November hervorkramen, um mich daran zu erinnern, dass wir in Apulien keinesfalls über herbstliches Wetter meckern dürfen.

Außerdem ist Regen gut für die Disziplin. Wenn man nicht noch einen Blog hätte. Dafür könnte ich ja mal wieder etwas schreiben, habe ich gedacht. Und nun sitze ich hier.

Es ist still in unser Wohnung. Irgendwie unheimlich. Kontrastierend dazu der Regen, der in Abständen auf das Dach rauscht. Auch irgendwie unheimlich.

Echt? Gab es wirklich Monate, in denen ich täglich gießen musste?

Davide ist im Kindergarten. Yeah, FREIHEIT! … aber irgendwie unheimliche Freiheit. Leere, Stille und ein Haufen unnötiger Zweifel und überflüssiger Fragen. Normalerweise bin ich kein ängstlicher Mensch, aber alles was mein Kind betrifft, macht mich gelegentlich irrational. Beispielsweise merke ich schon jetzt, dass er mehr Italienisch als Deutsch spricht. Wie soll Mama da mithalten, wenn sie ihr Kind nur noch zum Frühstück und abends im Bett sieht? Hab aus schlechtem Gewissen gleich mal ein neues Kinderbuch gekauft: große Fahrzeuge kommen schon seit Monaten gut an. Sind heute Morgen ein paar Cornflakes drauf gelandet. Immerhin haben wir uns auf Deutsch darüber geärgert. Also ich. Davide wollte sie eigentlich in den Betonmischer stecken.

So. Zurück zur Disziplin! „Freiheit“ bedeutet nämlich nicht automatisch „Freizeit“. Eher erleichtert sie es, die Notwendigkeiten zu erledigen, weil ohne Kind die meisten Dinge schneller gehen. Es sei denn, man hat einen Blog und lange nichts geschrieben, um seine freie Zeit damit verbringen zu können, mit dem Nachwuchs einen ominösen Nuckeldieb zu jagen. Was er wohl gerade mit den Kindergartentanten macht? …und überhaupt! Lag er nicht gestern noch im Kinderwagen? Mir kommt es auch wie gestern vor, als er die ersten Schritte am Sofa entlang machte.

Irgendwie stimmt hier was nicht!

Das waren noch rosige Zeiten!

Ach, ja, hatte ich nicht „Disziplin“ gesagt? Ich darf im Moment viel arbeiten. Das ist zwar schlecht für meine neu gewonnene Freiheit/ Freizeit, aber gut für die Bau- bzw. Sanierungsprojekte, die wir noch in der Pipeline haben. … und ich fürchte, ich werde in der nächsten Zeit auch weitere Kinderbücher kaufen. Deshalb wechsle ich jetzt mal die Seiten und schreibe bei Marco Polo über mein Apulien weiter. Also bis dann!

 

Mit 80 so richtig in Hochform – Fiera del Levante

Aufmerksame Leser meines Blogs werden wissen, dass der beste Monat, um Bari einen Besuch abzustatten, der Mai ist. Da findet regelmäßig das dreitägige Fest zu Ehren des unfreiwilligen Stadtpatrons, des Heiligen Sankt Nikolaus, statt. Der Giro d’Italia zieht Radsportfans an die Strecke, die mitten durch Bari führt. Und auch im Umland ereignen sich sehenswerte Großveranstaltungen wie das Mittelalterfest „Federicus“ in Altamura.

Dann wird es dank der verschiedenen „sagre“ (Feste zu Ehren lokaler Spezialitäten wie z.B. der Kirschen von Turi) und Kirchenfeste zwar feiertechnisch nicht wirklich still, aber das Interesse von Einheimischen und Touristen verlagert sich deutlich zu den „Fünf Sterne“-Stränden Apuliens und zum Badeurlaub hin.

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Lokale Spezialitäten für das leibliche Wohl der Messebesucher – Wir haben die Wildschweinsalami probiert und für sehr lecker befunden. Was das Tier wohl dazu sagen würde, wenn es nicht seinen Kopf verloren hätte?

Doch im September steht wieder ein fester Termin im Kalender der Baresen: Fiera del Levante – die Messe des Ostens. Sie ist mit ca. 800 Ausstellern (2016) auf 300.000 qm eine der wichtigsten Messen Italiens und die wichtigste Messe Süditaliens. Im stattlichen Alter von 80 Jahren blickte sie in diesem September schon auf eine lange Tradition zurück und die Besucher dankten ihr die Verlässlichkeit mit zahlreichem Erscheinen. Allein am letzten Messewochenende zählte man über 70.000 Neugierige, Geschäftsmänner und Geschäftsfrauen. Tatsächlich zeigte der um 10% gestiegene Ticketverkauf im Vergleich zum Vorjahr nicht nur, dass wiedererwachte Interesse an regionalen Produkten und Dienstleistungen, sondern signalisiert vor allem Hoffnung für die Wirtschaft Süditaliens.

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Riccia – Das traditionelle Messegebäck aus Blätterteig mit einer Cremefüllung ist auch unter dem Namen sfogliatella bekannt und stammt eigentlich aus Napoli.

Ich persönlich erwarte die Herbstmesse immer mit gemischten Gefühlen: Die kontinuierliche Hitze des Hochsommers weicht dem unbeständigen Wetter des Spätsommers mit ersten, starken Regenfällen und Abkühlung. Das ist an sich noch nicht schlimm, aber, dass man plötzlich von überall und mehrmals täglich den dramatisch drohenden Ausspruch „é finito l’estate“ (Er ist vorbei, der Sommer.) hört, weckt eine unbestimmte Angst vor nass-kalten Herbsttagen und dem sich nähernden Jahressende. (Schon wieder?! War nicht erst Weihnachten!?) Zum festen Fiera-Termin kommt also das Rätselraten um den besten Besuchsmoment: nicht zu überlaufen soll das Messegelände sein und es darf an dem Tag natürlich auch nicht regnen.

In diesem Jahr spielte das Wetter den Organisatoren perfekt in die Hände. Es regnete die ganze Vorwoche und vom 10. bis 18. September genossen wir warmes Spätsommerwetter. Luigi und ich nutzten den frühen Nachmittag, als die meisten Italiener am Mittagstisch saßen, um die Messe zu besuchen. Im Gegensatz zu allem, was man über italienische Unorganisiertheit hört, ist die Fiera del Levante bestens organisiert. In der Peripherie Baris, z.B. unweit des Stadtstrandes „Pane e Pomodoro“, befinden sich Park & Ride – Parkplätze von denen im Zehnminutentakt Busse zum Haupteingang des Messegeländes abfahren. Der Parkplatz mit dem Busticket für Hin- und Rückfahrt kostet 1 Euro. Dafür bekommt man sogar noch eine Ermäßigung auf das Eintrittsticket und zahlt so für den Messebesuch nur 1,50 Euro pro Person.

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Buntes Gewimmel in der „Galleria delle Nazioni“.

Uns zieht es hauptsächlich zur „Galleria delle Nazioni“, in der in diesem Jahr 30 Nationen ihr Handwerk zum Verkauf anboten: Schmuck, Stoffe und Keramik aus dem Orient, Bernstein, Matrjoschkas und andere Kunsthandwerksprodukte aus Russland, Kleidung aus Asien und Südamerika und, und, und… Man riecht sie schon von Weitem am Duft von orientalischem Räucherwerk. Aber natürlich war das nicht alles: Designfans konnten sich im Pavillon „In Italy – Design in Puglia“ entsprechende Produkte ansehen (und kaufen). Eine Messehalle war der „Schönheit und Gesundheit“ gewidmet. Es gab eine Kreativmesse. Ein großes Areal war dem Gartenbau und der Gartenausstattung vorbehalten. Und sonst? Autos, galleria-delle-nazioni-2Caravan, das Militär, Nahrungsmittel, Antiquitäten, Möbel… kurz alles, was man sich auf einer Messe vorstellen kann. Für Geschäftspersonen gibt es eine „Geschäftsbörse“ und verschiedene Veranstaltungen, bei denen man sich treffen und miteinander in Kontakt kommen kann, so dass die Messe für alle spannend ist.

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Muss man haben! Oder nicht?

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Die Zeit vergeht schnell auf der „Fiera del Levante“, aber an den müden Beinen merkt man, wenn es Zeit ist, die Bushaltestelle aufzusuchen, um mit seinen Taschen und Tüten in Richtung Heimat aufzubrechen. Entgegen der Erfahrung aus den letzten Jahren, in denen Teile der Ausstellungsfläche leer geblieben waren und so manche Ecke einen trostlosen Anblick geboten hatte, verließen wir die 80. „Messe des Ostens“ mit dem guten Gefühl einen interessanten und eindrucksvollen Nachmittag verbracht zu haben.

Die nächste Gelegenheit für einen Ausflug zum Messegelände bietet sich für ganz Kurzentschlossene noch vom 7.-9. Oktober zum „Festival dell’Oriente“ (Orientfestival).

Buonissime, le castagne!

Als ich gestern bewusst eine andere Querstraße nach Hause nehmen wollte als die, welche an Pinos Kellerabstieg vorbei führte, war ich mal wieder nicht schnell genug. „Buon giorno, Seniora!“ klang es bis zum Corso vor. „Heute habe ich Kastanien. Venga! Venga!“ Skeptisch trat ich näher, denn Kastanien hatte ich bis dato nie gekauft. Wir aßen sie nur gelegentlich bei Maria und Pasquale, weil diese eine löchrige Kastanienröstpfanne besaßen.

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Die Kastanien auf der flachen Seite kreuzförmig einschneiden und dann in einer Lochpfanne rösten.

„Die sind hervorragend! Wie alles bei mir ohne Gift.“ pries er sie an und rief einer vorbei eilenden Frau zu: „Ciao, Anna, sag‘ der Seniora, wie die Kastanien sind!“ Diese wendete im Weiterlaufen den Kopf und gab zurück: „Buonissime!“ Während dessen schaufelte Pino schon mit beiden Händen Kastanien in eine Plastiktüte. „Ein Kilo, drei Euro. Reicht ein Kilo?“ Wow! Er hatte mal gefragt und nicht gleich drei eingepackt. (Weintrauben hängen mir nach geschätzten 30 Kilo in den letzten zwei Monaten zum Hals heraus.)

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Die Kastanien sind gar, wenn sich sowohl die äußere als auch die innere Schale gut vom honiggelben Kern lösen lässt.

rösten nahWie so häufig schien also ein Einkauf einen anderen nach sich zu ziehen. „Wir müssen uns eine löchrige Pfanne zulegen.“, meinte ich zu Luigi, als er nach Hause kam, und zeigte ihm mein Kilo Kastanien. Doch er schlug vor, in dieser Sache zunächst bei Maria nachzufragen. Tatsächlich befanden sich in ihrem Haushalt drei (!) solcher Pfannen, von denen nun eine in unsere Küche übergesiedelt ist. Jetzt rösten wir uns jeden Abend ein paar Kastanien… und ich muss sagen, Anna und Pino hatten wirklich recht: Sie sind buonissime!