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Schlaflos in Triggiano

Gedränge vor der Kirche

Feierlustige vor der Kirche Santa Maria Veterana

Ich habe in meinem ganzen Leben zusammengenommen nicht so viel Feuerwerk gesehen und Krawall gehört, wie in den zwei Jahren, in denen ich in Triggiano wohne. Immer wenn eine Kirche ihren Namenspatron oder die Namenspatronin feiert, gibt es ein abendliches Feuerwerk. Da es viele Kirchen und auch noch andere kirchliche Feiertage gibt, hat man fast das Gefühl, das die Feuerwerke gar nicht aufhören. Wenn nun aber die Mutterkirche, namentlich „Santa Maria Veterana“, feiert, dann wird richtig tief in die Tasche gegriffen.

Damit die Taschen auch gut gefüllt sind, wird schon im späten Frühjahr damit begonnen, an die Türen der Altstadtbewohner zu klopfen und um Spenden für das Fest zu bitten. An dieser Stelle möchte ich inständig darum ersuchen, dass in Anbetracht meiner aufgrund von Schlafmangel angegriffenen Nerven, im nächsten Jahr weniger gespendet wird. Inständig! Bitte! Sonst bleibt mir im nächsten September nur, entweder zum Gewaltverbrecher zu werden und mehrere Personen zu meucheln oder in diesen Tagen auszuwandern. Noch einmal halte ich das nämlich so nicht durch!

Das heilige Fest begann am Freitag mit einem von einer Blaskapelle und anderer Musik begleiteten historischem Umzug durch die Hauptstraßen. Da fand ich ein bisschen musikalische Abenduntermalung noch ganz nett. Die Jugend Triggianos übte sich danach schon mal im Böllerwerfen. Geschenkt! Es war Freitagabend und damit Wochenende – wer wollte sich da aufregen. War ja auch nicht mein Geld, was sie da wegwarfen.

Am Samstag früh kurz vor acht, dröhnte plötzlich ein Kanonenschlag direkt neben meinem Bett (also gefühlt). Ich riss die Augen auf, versuchte erfolgreich die verschwommenen Zahlen auf dem Wecker zu erkennen und sank wieder in mein Kissen zurück. Während ich noch überlegte, ob ich gerade aus einem schlechten Traum aufgewacht war, dröhnte der nächste Kanonenschlag durch die morgendliche Stille. Also kein Traum. Doch da erübrigte sich schon alles Denken, denn nun ging es Schlag auf Schlag – 10 Minuten. Danach war ich wach. Unsere Katze Gina auch. Aber vielleicht kratzte sie trotzdem nur zufällig an unserer Schlafzimmertür und miaute wie irre.

nochmal Pavillion

Pavillon am Abend

Am Samstagvormittag spielten sich eine oder mehrere Blaskapellen in einem eigens für das Fest aufgestellten Pavillon im historischen Stadtzentrum für die abendliche Unterhaltungsmusik ein. Luftlinie befanden wir uns nur 200 Meter vom Tatort entfernt. Es war 35 Grad warm. Es war schwül. Und an ein Schließen der Fenster war nicht zu denken. Nach einer Stunde tat ich etwas, was ich schon seit Jahren nicht mehr getan hatte: Ich legte zwei Batterien in meinen alten Walkman – ja, er funktionierte noch – und hörte eine Karl May Hörspielkassette, während ich bei leichtem Wind im Schatten auf der Terrasse herumwerkelte. Die Geschichte von Winnetou klang an einem solchen Tag doppelt so religiös wie damals, als der Walkman noch neu gewesen war. Am Abend machten wir den Fernseher etwas lauter als sonst und trotz Seniora Annas Terrassenparty mit Kindern, Enkeln und Urenkeln sah ich schon gegen ein Uhr zum letzten Mal auf den Wecker. Komisch, dass es gar kein Feuerwerk gegeben hatte.

Dann muss ich wohl geschlafen haben bis… ja, bis sich am Sonntagmorgen wie schon am Vortag gegen acht Uhr die Kanoniers ein erneutes Stelldichein in unserer Nähe gaben. Kanonendonner ist etwas sehr Spezielles. Zuerst hört man einen dumpfen Knall und kurz darauf ein richtiges Krachen. Knall! Boom! Knall! Boom! … Nein, Leute, es half auch nicht, sich ein Kopfkissen über die Ohren zu ziehen. Also fluchte ich irgendwas von „Sch…katholiken“, „Das kann doch wohl nicht wahr sein!“, „Sind die denn bescheuert?! Am Sonntag auch noch!“ … u.s.w. Dann entschuldigte ich mich bei Luigi und ging, uns Waffeln zum Frühstück machen.

Fortsetzung folgt